David DeCoteau’s 1313: Cougar Cult

ava-2045Ich muss ja sagen, David DeCoteau fasziniert mich irgendwo. Angefangen hat er mit Porn, kam aber schnell auf mehr oder weniger solide Horrorfilme, beispielsweise sind ein paar Puppetmaster-Einträge von ihm (hochprofilierte Filme waren also nie sein Ding), dann stieg er darauf um, schnell produziertes Zeug auf den Markt zu werfen, häufig blutleere „Horror“-Filme mit viel nacktem Männerfleisch wie die Brotherhoods oder Public Domain Poe-Adaptionen a la House of Usher. Und mit zügig produziert meine ich zügig produziert. Die 1313-Filme, ebenfalls Supernatural/Slasher-Gedöns mit halbnackten Kerlen auf den Covern, von denen es passenderweise 13 Filme gibt, hat er alle in 2011/2012 rausgehauen. Allgemein war 2012 ein produktives Jahr mit mehr DeCoteau-Filmen, als es Monate gibt. Und neuerdings macht er Kinderfilme wie A Talking Cat !?!, A Talking Horse !?! und ziemlich spät am Twilight spoofen My Stepbrother is a Vampire!?! (Interpunktion so in den Titeln)

  • cougar: noun, plural cougars (especially collectively)
    1. Also called mountain lion, panther, puma. a large, tawny cat, Felis concolor, of North and South America
    2. Informal. an older woman who seeks sexual relationships with much younger men

Mit welcher der beiden Definitionen haben wir es in 1313: Cougar Cult zu tun? Mit beiden. Wir haben hier drei im übertragenen Sinne Männerfressende ältere Ladys, die sich durch Hexenkraft in echt Männerfressende Großkatzen verwandeln können. Ihr erstes Opfer ist der Pool Boy des Horror-Film-üblichen Anfangskills, der sich weigert bei den dreien als Haushaltshilfe einzuziehen, weil seine Freundin was dagegen hätte, woraufhin Cougar #2 erst mal herzhaft lachen muss, als ob der Kerl ernsthaft an Frauen interessiert wäre. Aber na ja, in Filmen von David DeCoteau sind die hübschen gepflegten Kerle ja immer offiziell total hetero – obwohl sie sich gern nur in Unterhöschen bekleidet Blicke zuwerfen, als wollten sie einander besteigen, halten sie immer den No-Homo-Abstend von mindestens einer Erektion zwischeneinander.

Ok, und jetzt wird schnell klar, dass der Film echt merkwürdig gefilmt und editiert ist. Pool Boy geht also ins obere Stockwerk, um sich noch mal schnell den Schweiß man Adoniskörper zu duschen. Die nächsten 5 Minuten schauen wir also zu, wie der Kerl sich über den eigenen nassen Körper reibt, während die Kamera freudig an seinem Torso auf- und abstreicht, als wäre sie eine leckende Zunge. Währenddessen allerdings gibt es immer wieder Cuts zu den 3 Cougar-Ladys, die wie Wildkatzen durch die Gegend streifen, dazu „gefährliche Situation“-Musik. Dabei ist das so aufgenommen, dass es total ungefährlich aussieht, weil es so wirkt, als wollten die drei das Haus verlassen, nicht als kämen sie dem Pool Boy näher. Ganz am Ende haben wir dann endlich eine Szene, die uns zeigt, dass das Trio die Treppen ins Obergeschoss nehmen. Cut zurück zum Pool Boy, der endlich fertig geduscht hat, seine Boxer Briefs wieder überstreift, und weil er ein seltsames Geräusch gehört hat, an dem der Sound Designer das Publikum nicht teilhaben lässt, streift er nun suchend durchs Haus und geht wieder ins Erdgeschoss. Was? Müsste er den gerade nach oben gekommenden Ladys nicht direkt in die Arme laufen? Wo sind die plötzlich hin verschwunden? Erst als er wieder im Erdgeschoss ist, tauchen die drei plötzlich aus dem Nichts auf, verwandeln sich in Cougar, und fressen ihn. Zumindest bekommen wir einen Außenshot vom Haus, und ein Blutsplatter-Stock-Sound, wenn wir wieder ins Haus gehen, liegt der Kerl auffällig unversehrt zwischen den drei Frauen.

Und lasst uns mal über die Spezialeffekte dieses Filmes reden. Ich dachte ja wirklich, billiger als die Brotherhood-Filme könnte es nicht mehr werden. Aber hier hatte definitiv keiner ein Budget zur Hand. Kein Wunder, dass DeCoteau drei Filme pro Monat schießen kann, wenn er im Prinzip nur eine Hand voll Möchtegern-Schauspieler, die alles tun würden, um zumindest in irgendwas gecastet zu werden, für einen Tag in Buchse durch sein Haus streifen lässt, er dabei eifrig Hintern und Torso filmt, alles dann zu 70 Minuten zusammenschneidet, und es einen Film nennt. Wenn ein Kerl dann unblutig Off Screen angeblich gestorben ist, es sogar einen Horrorfilm nennt. Statt die schlaue Entscheidung zu treffen, und weil er das Budget für eine Werform-Verwandlugn nicht hat, eben jene nie zu zeigen, sondern die Kerle Off Screen von einem Wildkatzen-Soundeffekt ermorden zu lassen, legt er einfach ein in Photoshop ausgeschnittenes Bild eines Pumakopfes über das Gesicht der Frauen. Ohne jegliche Animation, und genau das gleiche Bild bei jeder wiederholt. Herrlich, einfach herrlich. Als die erste Verwandlung geschehen ist, musste ich schnell erst mal den Film pausieren, weil spontan hysterische Gelächter meinen Körper erschütterte.

Mit dem Pool Boy tot, brauchen die Mädels natürlich neue Opfer, also geben sie eine super unheimliche Anzeige auf, dass drei attraktive junge Kerle, deren Familie sie nicht vermissen würde, gesucht werden, um über gute Cash-Bezahlung und mit gestelltem Raum bei drei attraktiven älteren Ladys im teuren Beach House wohnen dürfen, und dafür nur etwas für sie aufräumen und kochen müssen. Jeder, der auf diese Anzeige antwortet, bittet förmlich illegalem Organ- oder Menschenhandel zum Opfer zu fallen. Herein kommen Dumm, Dümmer und Strunzdumm, die drei attraktiven College-Boys, die alles tun würden, um nicht nach Idaho oder Idowa oder sonst irgendeinem US-Staat, in dem nix los ist, zurück zu müssen. Einer von denen soll wohl der Schlaue sein, weil er eine Brille trägt, und der einzige ist, der die Situation darauf hinterfragt, dass dies alles schon echt merkwürdig ist, aber letztendlich genauso dämlich wie die anderen beiden mit der Schulter zuckt und mitmacht. Er ist allerdings sozusagen unser Hauptcharakter, man mache sich also schon mal bereit am Ende des Filmes jede Pore seines Körper genau unter der Kameralupe gesehen zu haben. Nicht das dies eine schlechte Wahl ist, der blonde Vorzeige-Arier hat den bestgebautesten Körper in einem Film, bei dem die einzige Casting-Voraussetzung „macht es für wenig Geld und sieht aus wie ein Abercromie & Fitch Model“ ist, hübsches Gesicht, welches mit Brille noch mal um 100% attraktiver wird, und einen zum Küssen einladenden Mund. Warum sie den nicht mit aufs Cover gepappt haben, erschließt sich mir echt nicht.

Was folgt ist ein Film, der sich definitiv nicht zu Schade ist, eine einmal gefilmte Szene alle zehn Minuten zu wiederholen. Wie beispielsweise das streunen der drei Ladys durchs Haus auf der Suche nach ihrem Opfer aus dem Anfangskill, wann immer eine der drei einem der drei Haushaltshilfen nachstellt, auch wenn die anderen beiden Frauen eigentlich wo ganz anders beschäftigt sind. Oder die Alpträume der Kerle, von denen uns der Film versichert, dass sie Alpträume sind, auch wenn es mehr wie feuchte Träume aussieht, da die Kamera gewohnt 5 Minuten den nur in Boxer Briefs bekleideten „schlafenden“ Körper hoch und runter leckt, während sie sich hin und her wälzen und dabei mit den eigenen Händen den Torso hoch und runter fahren, ungefähr 5 Millimeter vor einer Masturbation zurückschreckend (einer der drei Schauspieler spreizt dabei sogar die Beine, als wollte er den BBC seines Lebens in Empfang nehmen). Der Film weiß, warum das Publikum gekommen ist, wie auch dadurch bewiesen, dass es innerhalb der ersten 30 Minuten nicht nur zu einer zweiten, sondern auch einer dritten Duschszenen kommt.

Und doch, irgendwo verschenkt der Film dann wieder super Gelegenheiten, um noch merkwürdig aufgesetzt homoerotisch witzig zu werden. Wenn schon ständig zwischen Nippel und Schritt der Kerle beim Schlafen hin und her geglitten wird, warum deren Gemächt nicht mit Socken ausstopfen? Oder die Szene, wenn einer der Kerle den Masseur geben soll, aber davon keine Ahnung hat. Also geht er ins Zimmer seines Kumpels, der gerade erst aufgewacht gewohnt nur in engen Boxer Briefs ist, und lässt sich zeigen, wie man ordentlich massiert. Und was passiert? Der Kerl tatscht ihm drei Mal halbherzig auf dem Rücken rum und das war es mit der Szene. Das hier war die absolute Gelegenheit, um den anderen Kerl sich auch aufs Höschen ausziehen und aufs Bett legen zu lassen, während der andere sich auf ihn setzt und ordentlich durchknetet. Wo ist plötzlich das ganze Gay Gaze Framing des Restfilmes hin? Oder das Hexenritual der drei Ladys, die bevor sie die Typen fressen erst mal ein wenig Glitter und Wasser über sie spritzen, während jene natürlich erneut nur ne Buchse anhaben, und dabei zu ihrer Göttin beten? Das Script lässt sie sagen, dies wäre heiliges Öl, obwohl sie eindeutig nur drei Tropfen Wasser über den Torso sprenkeln. Hallo? Ihr hab da die Ausrede reingeschrieben, um einen Grund zu haben, den nackten Oberkörper der Kerle so richtig mit Öl einzureiben, bis sie glänzen wie ein blank gewichster Lederschuh, und alles was passiert, ist ein wenig Wasser auf sie zu tropfen? DeCoteau kann mir nicht sagen, dass er nicht reichlich Body Oil in Reserve hat, welches er hätte nutzen können.

Und dadurch dehnt sich der Film dann doch langsam in die Länge. Denn irgendwie ist der ganze Irrsinn schon recht komisch. Die attraktiven Körper sind definitiv kein Negativpunkt, und die Obsession sie zu zeigen und dabei fast wie in einem Softporno zu präsentieren schon unfreiwillig witzig, dazu die dämlichen Dialoge, merkwürdige Szenenabfolge, die selten so wirklich ganz Sinn zueinander ergibt, und das Gefühl, dass die Beteiligten hier durchaus self aware waren und einfach ihren Spaß mit dem Mist hatten, macht ihn schon unterhaltsam. Ich würde ihn fast uneingeschränkt für betrunkene Kumpelabende vorschlagen, muss dann aber leider doch einschränken. Ein blöder Trash-Asylum-Monsterfilm ist dann vielleicht doch die bessere Wahl, weil eben mehr trashige Action und Billig-Monster geboten werden, während 1313 eher zu 90% halbnackte Männerkörper auffährt. Und mit 70 Minuten ist das Ding definitiv zu lang, dem Spaß geht so ungefähr bei 50 Minuten die Luft aus.

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