Clock Tower 3

ava-19182005 habe ich mich in das Original SNES Clock Tower verliebt, und prompt die drei Nachfolger bestellt gehabt. Während die beiden PSX-Einträge schnell gespielt waren, habe ich Clock Tower 3 über die Jahre immer wieder schnell abgebrochen, bis es nun, eine Dekade und 5 Spielstunden später soweit ist: Ich habe das Spiel durchgespielt. So schlimm war es gar nicht, aber so wirklich gefallen will es mir auch nicht.

Was war passiert damals in 2003? Human Entertainment, die die Serie erschaffen hatten, waren eingegangen, Sunsoft und Capcom haben sich dazu entschlossen sie weiterzuführen, im vierten Teil, verwirrend Clock Tower 3 benannt, statt bei den Untertiteln zu bleiben. Und man hatte wohl große Hoffnungen ins Projekt. Immerhin verpflichtete man niemand anderen als Kinji Fukasaku dafür, als Director zuständig zu sein, statt jemandem aus der Spielindustrie schnappte man sich also einen echten Regisseur, der bereits über 60 Filme sein eigen nennen konnte, darunter auch das berühmte Battle Royale. Das Spiel hat grafisch was drauf, wurde mit Motion Capture gemacht, bekam ordentlich Werbung. Capcom hatte Erwartungen, die das Spiel allerdings enttäuschte. Zusammen mit  Breath of Fire: Dragon Quarter und Resident Evil Zero war Clock Tower 3 einer der Namen, der damals fiel, als Capcom bekannt gab, dass einige Machwerke nicht die erhofften Verkaufszahlen brachten. Kinji Fukasaku starb übrigens kurz darauf, der arme Mann hat also statt Battle Royale nun dies als seine letzte Arbeit auf dem Resümee (oder Battle Royale II, wenn man will, was aber auch nicht besser ist).

Dabei kann ich durchaus verstehen, was man hier machen wollte. Weg vom totgesagten Point and Click Adventure der vorigen Clock Tower, und stattdessen eine stärkere Gewichtung auf Survival Horror legen. Die anderen Clock Tower waren schon unheimlich beispielsweise, aber eben auch sehr einfach. Egal wo man starb, mit einem Klick auf Continue konnte immer wieder genau dort angefangen werden, wo einen der Killer erwischt hatte, somit musste nie um Fortschrittsverlust gebangt werden, egal wie schlecht man spielte. Der Killer kam eher in größeren Abständen raus, es konnte schon einige Zeit vergehen, die man nur mit dem Puzzeln durch die Lokalität beschäftigt war.

Clock Tower 3 will da halt ein wenig mehr Spannung und Adrenalin reinbringen. Tut es hauptsächlich dadurch, dass die Killer – ähnlich Ghost Head ist auch CT3 in mehrere Kapitel unterteilt, die jeweils ihren eigenen Antagonisten aufweisen – einen fast im Minutentakt am Arsch kleben. Dafür kann Alyssa sich diesmal wehren, sie hat nämlich an Brunnen auffüllbares heiliges Wasser, welches dem übernatürlichen Verfolger ins Gesicht gespritzt jenen kurzzeitig aufhält. Um ihn oder sie wirklich loszuwerden, muss allerdings weiterhin ein Versteck gefunden werden. Interessant hierbei ist auch, dass dies etwas dynamischer gestaltet ist, es gibt zwar immer noch klar markierte Verstecke, jedoch dient theoretisch alles, was dem Killer die Sicht versperrt als solches. Wenn man es also schafft hinter einem Tisch oder Statue oder Ähnlichem sich zu ducken, ohne dass der Stalker dies sieht, sollte dies auch ausreichen können, auch wenn es häufig nicht praktikabel ist. Auch sind einige Gegenstände in den Gebieten Krachmacher, die man meiden sollte, um den Mörder nicht noch früher anzulocken. Denn die Killer sind nun auch schneller als ein gesundes, 14-jährigtes Mädchen. Statt drei Hits, die ein Portrait/Mauszeiger von Weiß auf Orange auf Rot bringen, bevor es Game Over heißt, hat Alyssa nun einen Panikmeter, was man sich im Prinzip als umgekehrte Lebensleiste vorstellen kann. Bei jedem Auftauchen des Killers, bei jedem Schwingen ihrer Waffe, und natürlich besonders, wenn sie Alyssa treffen, steigt der Balken an. Ist er auf Maximum gerät Alyssa nicht nur in Panik, was sie schwerer kontrollierbar und es ihr unmöglich sich zu verstecken macht, der nächste Schlag ist auch das Game Over. Gibt jedoch auch hier Gegenstände, die dagegen helfen.

Um das häufige Auftauchen der Mörder zu kompensieren vereinfacht Clock Tower 3 dafür seinen Adventure-Anteil stark. Es ist fast unmöglich sich in einer Lokalität zu verirren, denn sie sind eigentlich alle sehr übersichtlich groß und geradlinig, sowie die Puzzle alle ziemlich einfach. Die Schwierigkeit kommt hier einfach dadurch, dass man so gut wie nie eine Verschnaufpause hat, um sich auf jene zu konzentrieren, sondern sie gelöst werden müssen, während einem ein mit Säure um sich spritzender Serienmörder auf den Fersen ist, und bestenfalls bevor einem das heilige Wasser ausgeht. Continue führt nämlich hier auch nur zum letzten Speicherpunkt zurück, abgesehen von den Bosskämpfen, dann an ihren Anfang.

Ja, Bosskämpfe. Kein voriger Teil hat sie, und auch Haunting Ground danach nicht wieder, weil es nicht wirklich gut ins Konzept von Clock Tower passt, bei dem ein junges Mädchen die meiste Zeit damit zubringt, vor einem übernatürlichen Killer zu fliehen. Warum sollte die plötzlich innehalten, und doch zurückschlagen, aber die ganze Zeit davor nicht?

Nun, Clock Tower 3 erklärt dies in seiner viel zu verwickelten Handlung. Alyssa ist eine Rooder. Das sind im Prinzip Buffys: Als Teenager haben sie besondere Kräfte, um die Entities, die die Serienkiller besitzen und unsterblich machen, zu bekämpfen. Deswegen kann Alyssa zurückschlagen, weil sie eben eine Rooder ist. Macht immer noch wenig Sinn, warum sie 90% der Stages damit verbringt, vor ihnen wegzurennen, nur um dann, wenn die Boss-Arena erreicht ist, plötzlich zu meinen „Nö, jetzt reicht es mir“, sich zu Pretty Guardian Sailor Rooder verwandelt, inklusive magischem Pfeil und Bogen, und die Killer abschießt. Jene Kämpfe sind nicht mal sonderlich gut designt, denn sobald man Alyssa den Bogen spannen lässt, ist sie nicht nur an jenen Punkt genagelt, sondern kann nicht mal die Schussrichtung wechseln, sollte der Killer also nicht in gerader Linie auf sie zu laufen, kann man einen Treffer vergessen. Zumal der Pfeil erst mal aufgeladen werden sollte, wirklich effektiv ist nämlich nur ein Superschuss, nach dem man sie mit mehreren voll aufgeladenen gefesselt hat. Vom finalen Boss, der besonders dämliche Tricks drauf hat, ein einziger repetitiver Zermürbungskrieg ist, und wenn man sich die Spezialpfeile nicht für ihn aufgehoben hat gut 45 Minuten dauern kann, wollen wir gar nicht erst reden.

Ganz allgemein hat Clock Tower 3 eine enorme Diskrepanz was Stil und den Ton angeht. Was teilweise in dem Ding geschieht ist echt Haarsträubend. Alyssa bekommt also einen Brief ihrer Mutter, der ein großer Klotz an Exposition für den Spieler darstellt, und noch mal unterstreicht, dass sie bloß nicht nach Hause kommen soll, weil das für sie gefährlich ist. Also rennt sie sofort nach Hause. Dort wartet ein fieser Kerl auf sie, der sofort wieder verschwindet, ansonsten ist das Haus leer. Dennoch sucht Alyssa dort weiterhin nach ihrer eindeutig nicht dort auffindbaren Mutter. Nur um durch ein Zeitloch nach 1942 zu fallen, wo sie dem Geist eines brutal ermordeten kleinen Mädchens gegen den fiesen Sledgehammer hilft. Inklusive plötzlich auftauchendem magischen Pfeil und Bogen für den Bosskampf natürlich. Dann kommt der ebenfalls fiese Corroder in den Hintergassen, der seine Opfer bei lebendigem Leibe in Säure gebadet hat. Und dann… dann verwandelt sich Alyssas Haus plötzlich in den Uhrenturm, aber nicht unter cool-passender Musik wie im Opening, sonder unter Techno-Rave. Dann kommt Chopper, der aussieht wie ein verworfenes Design für einen Boss in Devil May Cry, und enorm affektiert „Uhhhhh, nice trick“ ruft, während er Alyssa verfolgt. Außerdem eine Tanzeinlage der Geister der vorigen Rooder. Die nächsten Killer sind die Scissor-Geschwister, die wie Kefka für Arme designt sind, und einem „Snippity Snap“ und „Slice and Dice“ hinterher krächzen. Für den Jack Sparrow für Arme, Lord Burroughs im Finale darf Alyssa sich dann sogar noch ein neues Kostümchen magisch herbeizaubern.

Irgendwo verliert man den Faden und stellt sich dann auch kaum noch aufkommende Fragen. Beispielsweise warum Lord Burroughs der Endboss ist. Eigentlich hat er ja dabei versagt, eine Entity und somit unsterblich zu werden, wie kann er also von jemandem Besitz ergreifen und noch über den anderen stehen? Warum sind die Scissor-Geschwister die schrecklichsten Mörder, die ganze Dörfer beinahe ausgerottet haben, haben dann aber doch nur ein paar Dutzend Morde im Bosskampf angezeigt? Was macht ein Weasely überhaupt hier? Warum und wie funktionieren die Zeitreisen? Die Verwandlungen zur Rooder-Kämpferin? Was hat irgendwas eigentlich mit irgendwas zu tun?

Für jeden Moment, in dem Clock Tower 3 stimmungsvoll, brutal und blutig, so richtig schön fies ist, gibt es etwas total irrsinniges und dämliches, was geschieht. Und ich weiß wirklich nicht, warum die Stalker nach den ersten beiden solche Lachnummern sind. Wenn man sich die verworfenen Designs anschaut, gab es da einige, die wesentlich besser gepasst haben. Übrigens auch ein alternatives verwandeltes Dämonen-Design, was vielleicht gut gewesen wäre, um die Bosskämpfe besser von ihrem normalen Modus abzusetzen, statt das die aus dem nichts kommen.

Es hilft nicht, dass alle Cutscenes, die wenigsten davon CGI, per Motion Capture gemacht wurden. Nicht nur sieht es seltsam aus, wenn die doch von Natur aus etwas kruden PS2-Modelle plötzlich so ungewohnt animiert daher kommen, nein scheinbar hat man auch einen Haufen ADHSler mit Cola abgefüllt, bevor sie die Bewegungsabläufe darbieten durften. Die Charaktere in Clock Tower 3 sind für keine Sekunde still und die übertriebene Gestik nie nicht unfreiwillig komisch. Die Hektik passt sogar noch ganz gut in die Szenen, wenn wir sehen, wie Sledgehammer und Corroder ihre Opfer umgebracht haben, die wirklich enorm brutal daher kommen, obwohl sie kaum gory sind, doch überall anders wirkt es erneut nur dämlich. Aber, Motion Capture außen vorgelassen, beweist CT3 schon irgendwo, dass ein Filmmensch hier zugange war, denn Setting und Staging der Cutscenes sind schon sehr gut.

Sicherlich auch ganz nett, zumindest für Serienveteranen, sind die vielen Nods zu den Vorgängern. Alyssa heißt wie das Mädel aus Ghost Head/Struggle Within. Unter den Verstecken befindet sich beispielsweise ein Aquarium wie in Clock Tower 2. Es gibt wieder einen Uhrenturm, den wir zuletzt im ersten Teil sahen. Burroughs und ihr Schloss sind wichtig. Clock Tower 3, wenn auch sein komplett eigenes Ding und nicht mit jenen zusammenhängend, ist sich den Vorgängern schon bewusst.

Und das ist Clock Tower 3 häufig dennoch einfach: Etwas dämlich. Und einfach ziemlich seltsam. Es gibt so viele gute Einfälle, und so viele dumme. Das hat fast schon einen eigenen Charme. Wobei ich weiterhin der Meinung bin, dass sowohl Bosskämpfe wie Häufigkeit der Stalker eher etwas nervig denn furchterregend sind. Ich glaub das ist das Hauptproblem des Spieles für mich, abgesehen von einem Jump Scare bei gescripteten Killer-Auftauchen hier und dort, will die richtige Horror-Atmosphäre nicht so ganz durch das schräge Design und die Möglichkeit des Zurückschlagen aufkommen. Mir gefällt Clock Tower eben einfach auch etwas mehr, wenn es stärker Adventure denn Survival Horror ist. Ich mein, spielbar ist es allemal, und theoretisch ein kompetenteres Spiel als das schreckliche Ghost Head, aber so wirklich Begeisterung für Clock Tower 3 kommt bei mir nicht auf, und immer weniger ab nach dem Sieg über Corroder.