Card Captor Sakura

Vor langer langer Zeit, in genau diesem Land, lebte ein jüngeres Ich. Eines, das Ende der 90er Anime verfiel und kurz darauf folgend auch Manga. Eines der früheren Werke, dich ich las, war Clamps Wish. Sofort dem Zeichenstil des Mangaka-Quartetts verfallend, bald darauf in einer AnimaniA oder dem Internet oder beidem lesend, was für ein großer Deal die Damen sind. Anfang der 2000er kamen mehr und mehr ihrere Manga nach Deutschland. Von den großen ersten Serien wie RG Veda und X über zu eheren kürzeren Exkursen wie Miyuki-Chan in Wonderland oder Justice Guards Dukylon zu den damals neuesten Werken wie Angelic Layer und Chobits.

Alles wurde lizenziert, was von ihnen gezeichnet war, und ich kaufte mir alle diese. Und Artbooks und so weiter. Zu den letzten Manga, die ich je kaufte gehörten die erten Bände von Tsubusa Reservoir Chronicle, xxxholic und das Clamp in Wonderland Magazin, alle bezeichnend darauf aufbauend das 15-jährige Bestehen von Clamp zu feiern.

Eines ihrer beliebtesten Werke ist und bleibt dabei Card Captor Sakura, welches nebst den 12 Original-Bänden auch eine zentrale Rolle eben in Tsubasa spielt, mittlerweile mit der Clear Card Saga ein noch laufendes Sequel erhalten hat, und dem als Speerspitze das komplette erste Heft der Jubliäums-Magazine gewidmet ist.

Card Captor Sakura, welches ich selbstredend zu seiner deutschen Veröffentlichung gekauft und gelesen habe (plus die damals erschienenen 3 Artbooks und das Clow Card Book), ist allerdings auch wahlweise in einem Anime erlebbar. 70 Folgen liefen zwischen 1998 und 2000 über die japanischen Bildschirme und zwei Filme im Kino. Das kannte ich bisher allerdings nur partiell.

Zugegeben hatte es die Serie im Westen auch teils nicht einfach aus den Startlöchern zu kommen. Mehr als infam bekannt ist beispielsweise die Nordamerikanische Version als Cardcaptors, bei dem man plötzlich in einer 180er-Drehung ein Jungen-Publikum ansprechen wollte. Mit entsprechenden Änderungen im Script, der Folgenzahl und -anordnung etc, um die Action in den Vordergrund zu setzen und Li Shaoran eine größere Rolle zu geben. In Deutschland war das immerhin nicht der Fall. Allerdings wurde hier die Serie von Pro 7 lizenziert, die versuchten auf den populären Anime-Zug aufzuspringen. Aber im Gegensatz zu RTL 2 kein nachmittagliches Kinderprogramm hatten, wo in der Nach-der-Schule-Zeit viele Anime ihren Erfolg hatten. Also kam Card Captor Sakura im Samstag-Morgen-Programm, wo es von keinem wirklich wahrgenommen wurde. Ich habe damals auch nur die ersten paar Folgen gesehen und dann, auch durch leicht schwankende Sendezeiten, irgendwann die Lust dran verloren gehabt. Blieb dann bei der Ausstrahlung der ersten Staffel von 35 Folgen und keiner Lizenzierung der weiteren. Zudem habe ich den ersten Film mal auf einer frühen AnimagiC gesehen.

Nun schreiben wir allerdings das Jahr 2020 und man ist sich doch für jede fluffige Zertstreuung offen. Und im Frühjahr das tryhard edgy Madako Magica gesehen zu haben, hat mich mal wieder auf die Idee gebracht, eine Magical Girl Serie zu schauen, die ganz geradlinig ist. So für Mädchen und ganz ohne irgendwie brutal oder meta gehen zu wollen zum Schockeffekt. Sondern zuckersüß und nicht herausfordernd. Getroffen hat es  selbstverständlich Pretty Cure!

Nein, natürlich nicht. Ganz so verzweifelt mir eine seit 15 Jahren anhaltende Franchise von über 800 Folgen und 30 Kinofilmen anzutun war ich dann doch nicht. Getroffen hat es den Card Captor Sakura Anime. Endlich mal alle 70 Folgen plus 2 Filme anschauend.

Mensch was hatte ich so viele Dinge vergessen, aber zugegeben ist es mittlerweile mindestens 15 wenn nicht mehr Jahre her, dass ich den Manga gelesen habe. Aus der ersten Story Arc kannte ich sogar noch ein paar Dinge, viele durchaus wichtige Sachen aber bereits schon nicht mehr. Und aus der zweiten Story Arc war mir gar nichts mehr bekannt! Vielleicht hatte ich die total verdrängt, weil das Design der drei neu hinzugestoßenen Charaktere so scheußlich ist, dass es mein ästhetisches Hirn gesprengt hat. Im Gegensatz zum Manga nehmen die übrigens nicht ganz jeweils die Hälfte der Serie ein, Story Arc 1 endet mit der zweiten Staffel bei Folge 46 und Story Arc 2 ist dann die dritte Staffel von 24 Folgen.

Beispielsweise total vergessen hatte ich, wie sehr doch alle total die Simps füreinander sind. Die Serie hat eine so absolute durchgehende Baseline von „Liebe“ in sich. Fast jeder Charakter wird von jemandem und ist in jemanden romantisch verliebt. Aber auch platonische Liebe von Freundschaft und Familie sind stark vertreten. Es macht einen Großteil des warmig-wohligen Grundstoffs der Serie aus, wie sehr sich einfach alle Charaktere gegenseitig mögen. Selbst die wenigen zunächst antagonistischen Charaktere nehmen am Ende nur jene Position ein, um anderen zu helfen und sie an den Challenges wachsen zu sehen. Es missgönnt auch niemand jemand anderem dessen Gefühle. Es gibt in der Serie einige gleichgeschlechtliche Anziehungen und auch teils merkliche bis beträchtliche Altersunterschiede. Oder das mehrere Charaktere Interesse an der gleichen Person haben. Höchstens letzteres führt manchmal zu leichtem Konflikt, aber nie für lange. Jeder gönnt jedem anderen seine Gefühle und es wird nie ein großes Ding draus gemacht. Und wenn sich dann jemand für einen anderen entscheidet, dann kommt es immer früher oder später zu Akzeptanz und das sie sich für deren Glück freuen.

Das ist doch alles sehr schön. Clamps Motto in CCS ist ganz eindeutig „Liebe ist Liebe, egal welche Form sie annimmt“. Hier noch mal ein kleiner Einschub zu den Altersunterschieden. Davon gibt es insgesamt vier sehr starke. Zwei davon sind von frischgebackenen Lehrern zu ihren Teenager-Schülern: Sakuras Eltern und Toyas erste Liebe zu Miszuki. Für mich ist es zumindest schwer, mich groß an ihnen zu stören, weil die Atmosphäre in CCS einfach so unglaublich wholesome ist, sich jeder so ehrlich gegenseitig mag, und somit nie der unangenehme Wiff von einer Ausnutzungsbeziehung dabei rum kommt. Vielleicht bin ich es aber auch einfach moralisch kaputt und zu sehr gewohnt in japanischen Storylines Lehrer in ihren frühen 20ern eine Beziehung mit ihren Schülern in den Late Teens anfangen zu sehen. Was die Gefühle von der zehnjährigen Sakura zum 16-jährigen Yukito or gar Sakuras Mitschülerin für ihren Lehrer angeht, so will ich hier erneut erwähnen, wie unglaublich pur Liebe in der Serie erscheint. Und in diesen beiden Fällen zudem dies mehr wie ein einseitiger Crush rüberkommt, der bei Yukito eindeutig nicht erwiedert wird, und den der Lehrer, zumindest wie es hier im Anime dargestellt ist, nicht mal mitzubekommen scheint. Ich hoffe damit haben wir den Elefanten aus dem Raum gebracht?

Das war jetzt viel Geschreibsel über die romantischen Gefühle in der Serie, und das selbst noch, bevor überhaupt über die eigentliche Story geschrieben worden ist. Die ist kein Zufall, denn ich würde mal ganz dreist behaupten, dass die Emotionen, Gefühlswelten und Charakterbeziehungen der Hauptpunkt in Card Captor Sakura sind, und eben nicht das capturen von Cards durch Sakura. Streng genommen dreht sich jede Folge tatsächlich darum, dass in Sakuras Umgebung etwas merkwürdig läuft, dies investigiert wird, sich eine Clow Card als das verursachende Übel herausstellt, und jene dann versiegelt wird. Die Jagd und Magieschlacht mit der Karte an sich ist aber fast immer sehr schnell rum. Wesentlich wichtiger ist der Serie über jene Ereignisse die Charaktere weiterzubringen. Neue einzufügen, deren wahren Gefühle ans Licht zu bringen, sie miteinander agieren oder an den Ereignissen wachsen zu lassen.

Am Ende des Tages ist es einfach so, dass Card Captor Sakura zu 70% Charaktere und ihr Bindungen zueinander, 20% niedliche Mädchen in noch süßere Outfits stecken, und nur 10% magisches Kartensammeln ist. Ich kann mir echt nicht erklären, wie die Nordamerikaner auf die Idee kamen, hieraus eine typische Shonen-Collection-Show machen zu können, ohne das dabei ein absolutes Desaster bei raus kommt.

Warum ich wirklich total vergessen hatte, was in der zweiten Story Arc geschieht, wurde mir allerdings auch wieder vor Augen geführt: Sie ist einfach nicht so interessant. Ich weiß noch nicht mal ganz genau was es ist. Ich habe es sehr genossen mich durch die ersten zwei Staffeln zu schauen. Selbst der neue Charakter Meilin ging mir nach kurzer Zeit nicht mehr auf den Keks, sondern fügte sich gut in die Riege ein. An der dritten Staffel war letztendlich aber nur interessant die Charakterpärchen sich finalisieren zu sehen (wobei Sakura und Li teils in den zweiten Kinofilm verschoben wurden). Die neuen Charaktere und ihre Challenges fand ich schlichtweg nicht interessant. Die eigentliche Geschichte wirkte erzählt und die Charaktere ändern sich auch nicht mehr wesentlich. Die Sakura Card Arc ist nicht schrecklich, aber halt einfach wesentlich vergessenswerter als die Clow Card Arc. Netterweise nimmt ja im Anime zumindest der bessere Teil dann auch 2/3 der Folgen ein.

Sexy Alice

Porn Spoofs können so schön dämlich-witzig sein, da war meine Neugier natürlich doch geweckt, sobald Ikki mich auf den Film gestoßen hatte. Zumal es mir eine Ausrede verschafft, mir doch endlich mal die OVA zu Miyuki-Chan in Wonderland anzuschauen, um etwas mehr zum Schreiben zu haben. Genau genommen gibt es noch einen weiteren Alice-Porn, einer aus den 70ern, wenn ich mich da richtig an eine Episode des Cinemasnobs erinnere. Aber 70er-Pornos sind so langweilig und hässlich, den muss ich mir nicht geben.

Egal, fangen wir erst mal ganz katholisch-keusch an mit Clamps Miyuki-Chan im Wunderland. Ich hab mir damals 2003, als ich noch Mangas kaufte und eh alles von Clamp ins Haus musste, das Ding gekauft, allerdings bisher nie die OVA geschaut gehabt. Jene besteht sowieso nur aus zwei Folgen von je einer Viertelstunde, die das „Wunderland“ respektive „Hinter den Spiegeln“ Kapitel abdecken.

In ihnen wird halt die Schülerin Miyuki in die Welten gezogen und trifft dort auf die verschiedenen Charaktere, die alle Frauen in mehr oder weniger reizender Wäsche und als Female-only-Gesellschaft natürlich auch alle Lesben sind, die ein hochgradiges Interesse daran bekunden, Miyuki aus ihrer Schuluniform zu bekommen. Wirklich schaffen tun sie das übrigens nie, das Machwerk ist weit entfernt davon ein Hentai zu sein, sondern ist weitestgehend eine Komödie, sexy Comedy. Viele hübsche Frauen in Reizwäsche und zweideutigen Posen, ein paar Panty-Shots von Miyuki, damit hört es im Prinzip auf. Wenig Antatschen, keine Küsse, im Spiegelland allerdings doch mal ganz kurz eine nackte Brust. Gewagt. Trotz Domina-Herzkönigin oder Schachfiguren, die beim Besiegen die Kleider verlieren, allzu erotisch ist die Reise also gar nicht mal.

Nun, ich war immer ein Fan von Clamp, aber alles ist nicht Gold, was ihnen aus der Feder tropft. Nicht jedes ihrer Werke ist ein X oder RG Veda, die School Detectives beispielsweise halte ich für hochgradig langweilig, 20 Masken kaum besser und Justice Guards Duklyon ist mal ganz witzig, aber auch etwas unspektakulär. Miyuki-Chan in Wonderland gehört zu den Serien, die eher weniger Wellen schlagen, will eine kleine, feine, harmlose Unterhaltung für Zwischendurch sein. Alles recht ohne Sinn und Verstand, aber wie viel Sinn steckt hinter Alices Abenteuern im Wunderland denn auch allgemein schon? Das Problem ist nur, dass alles so schrecklich unwitzig und langweilig ist.

Zumindest in der OVA. Habe dann auch noch mal in den Manga reingeschaut. Jener hat schon Mal den enormen Vorteil, dass er viel hübscher anzusehen ist. Din-A-4 und neben den eigentlichen Kapiteln davor und dahinter sogar noch ein paar ganzfarbige Artworks, was ja schon mal viel mehr her macht. Was die Handlung angeht, wird gleichzeitig weniger und mehr geboten. Mehr im Sinne als das die beiden Alice-Parodien nur die ersten beiden von 7 Kapiteln sind. Danach geht es noch ins Game, Mahjong, Teilzeitjob oder sogar das X Land. Die Kapitel sind auch hier sehr kurz, jeweils 10-15 Seiten, was dazu führt, dass die gerade mal 15 Minuten der OVA doch die Episoden stärker ausschmücken. Gerade im Spiegelland passiert dort viel mehr, während man beim Manga schon fast den Eindruck gewinnt, als fehlten mittendrin Panels, so abgehackt ist dort der Verlauf. Dafür fand ich den Manga insgesamt allerdings etwas humoriger und charmanter, nicht ganz so langweilig wie die animierte Version. Große Sprünge macht die Reihe natürlich so oder so nicht, darauf ist sie auch gar nicht konzipiert.

Das war jetzt doch wortreicher, als erwartet. Kommen wir nun aber zum Hauptevent des Tages, Malice in Lalaland, der nicht mehr so katholisch-keuschen Interpretation des Stoffes.

Malice liegt in der Anstalt von Dr. Queenie. Ein Hase macht sie frei (also von ihren Fesseln, nicht Bluse) und verhilft ihr zur Flucht. Während nun die Wache, der sie entkommen ist, sich auf ihre Fersen heftet, steigt Malice ins Auto von Chester Katz, dank dessen fahrbaren Untersatz sie immer einen Schritt voraus bleibt. Da kann man schon mal einen Abstecher machen, um sich im Alice-Cosplay fotografieren und vögeln zu lassen, bei Kater Pillz im Stripclub vorbeizuschauen oder sich in Matt Hatters Party-Orgie zu ergehen.

Alice in Wonderland also, aber als Road Movie und Porno. Und leider vorrangig letzteres davon, wodurch die Angelegenheit dann doch ziemlich langweilig ist. Ich hätte hier echt auf ein zweites Pirates gehofft, welches zwischen dem Ficken auch tatsächlich ein unterhaltsamer Film ist, den man sich sogar als Sex-befreite Version noch ansehen könnte. Bei Malice ist das leider nicht der Fall. Ich denke, dafür ist das Ausgangsmaterial vielleicht als Porno auch nicht geeignet genug. Alice ist ja nun mal eine ziemlich unzusammenhängende Sache ohne großen roten Faden. Was Alice in Wonderland interessant macht ist, die vielen verschiedenen, schrägen Charaktere zu treffen und zu sehen, wie sie mit Alice interagieren. Das fehlt hier natürlich, da alle Charaktere, auf die Malice trifft, zu sehr damit beschäftigt sind, sich das Hirn rauszuvögeln, statt witzige Persönlichkeiten zu präsentieren.

Was bleibt ist ein Prono, mit interessantem Speed-Metal-Soundtrack und einer brauchbaren Optik, als hätte Tarantino ihn (im Halbschlaf) gedreht, mit gar nicht mal allzu schlechtem Schauspiel und überraschend gutaussehenden Akteuren (die Frauen sind vergleichsweise wenig künstlich für Pornostarletts [besonders Sasha Grey ist echt ganz niedlich] und auch die Männer sind durch die Bank weg sexy [von Ron Jeremy in den Anfangscredits nicht abschrecken lassen, der kommt in den Nacktszenen nicht vor]), dem es halt leider zwischen dem zahlreichen Sex doch stark an was fehlt, um es hervorzuheben. Da sollte man sich von der ersten Viertelstunde in der Anstalt nichts vormachen: Danach wird’s erschreckend schnell konstant langweiliger.

Was übrigens den Bezug zu Alice in Wonderland angeht… eh… der ist auch eher schwach vorhanden. Es gibt eine Menge Name Dropping, aber wären Film und Charaktere anders benannt, ich wüsste nicht, ob ich gemerkt hätte, worauf das hiesige Geschehen basieren sollte. Selbst wenn dann am Anfang einer Sexszene mal die Leute Hasen- und Katzenköpfe tragen, was ja auch mal eine coole Idee wäre, wenn sie jene dann nicht immer nach einer halben Minute auch schon wieder abziehen würden.