Project A-Ko times Five

ava-2695Project A-Ko ist ein weiterer der großen Klassiker der 80er. Als ich Ende der 90er meinen Einstieg hatte, gab es noch reichlich Seiten, welche die Komödie hoch lobten. Zumindest jene, welche englische Importe kannten, denn ein Deutschland-Release gab es nicht. Was eventuell auch erklärt, warum schon bereits kurz danach, als die deutschen Releases an Quantität stetig zunahmen, A-Ko schnell an Relevanz und Visibilität verlor. Kurz gesagt ist es ein weiteres jener Anime, welches in den Jahren nach Release jeder kannte, und das dann abrupt aus dem Zeitgeist verschwand.

Eine zusätzliche interessante Sache ist zudem, dass Project A-Ko als eine Episode in der Anthologie an erotischen OVAs Cream Lemon startete. Bekam dann allerdings doch ein gehöriges Upgrade und wurde als 80-minütiger eigenständiger Kinofilm realisiert. Es war sogar ein Double Feature zusammen mit Ami Final Chapter, dem Kinofilm-Ende einer der bekanntesten Cream Lemon Handlungen. Vom Porn ist im finalen Project A-Ko übrigens nichts übrig, höchsten ein oder zwei Szenen mit rausgeholter Titte erinnert noch leicht an den Ursprung.

Die superstarke A-Ko, mit ihrem Groupie und bester Kindheitsfreundin C-Ko im Schlepptau, kommt regelmäßig zu spät zur Schule. Wo die reiche B-Ko bereits auf sie wartet, welche nicht nur seit dem Kindergarten eine Rivalität mit A-Ko pflegt (an die sich jene nicht mal mehr erinnert), sondern auch eine Obsession mit C-Ko entwickelt hat. Hier sei erwähnt das ziemlich viele Cream Lemon Episoden Lesbenspiele beinhalten. Nun besteht der Großteil des Filme aus den ständigen Streitereien und Kämpfen zwischen A-Ko und B-Ko. Bis dann aufs Finale doch ein wenig Handlung hereinkommt. Wenn Aliens auftauchen, die ihre verlorengegangene Prinzessin zurückholen wollen: C-Ko.

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Das Script des ersten Projekt A-Ko ist ziemlich dünn und wie gesagt hauptsächlich auf der eindimensionalen Dynamik der drei Ko-Mädels beschränkt. Der Film ist absoluter Slapstick-Nonsens. A-Ko hat übermenschliche Kräfte, die nie erklärt werden. B-Ko eine Bande an überdrehten Schergen und baut ständig neue Mechs und Power Suits für die Auseinandersetzungen. C-Ko verhält sich wie eine 5-Jährige und schreit und heult ständig. Es gibt unglaublich viele visuelle Anspielungen an Anime aus der Zeit, die zumeist in Vergessenheit geraten sein werden. Wie viel davon Sinn macht sei eh mal dahingestellt. Der Gag bei einer von B-Kos Handlangern ist beispielsweise, dass sie ebenfalls eine 16-Jährige Schülerin sein soll, allerdings wie ein muskulöser Kerl gebaut ist, trotzdem ihre Piepsstimme behält. Ihr Design und Kampf Moves sind dabei direkt Fist of the North Star entnommen. Der Anführer der Aliens ist an Captain Harlock angelehnt und der ganze Gag ist das sie ohne Alkohol nicht funktionstüchtig ist.

Ich muss sagen, dass ich die Energie des Filmes absolut mochte. Er steht nie still, ständig geschieht etwas, und alles ist für die Mitt-80er richtig gut animiert. Mir wurde nie langweilig beim Schauen. Aber gelacht habe ich auch nicht. Ich glaube ich bin mittlerweile über diesen extremen Slapstick- und Referenzen-Humor ohne wirkliche Pointe, der nur auf Randomness und Überdrehtheit setzt, einfach hinweg. Früher war das mal meins. Das 2001er Puni Puni Poemie schlägt beispielsweise genau in die gleiche Kerbe wie Project A-Ko und damals fand ich die OVA zum Wegschmeißen komisch. Von daher will ich jenen Humor nicht unbedingt schlechtreden, aber drüber lachen kann ich zwanzig Jahre später nicht mehr.

Die Popularität des Erstlings führte zu drei direkten Follow-Up Filmen, die allerdings eine wesentlich geringere Laufzeit von 40-55 Minuten aufweisen. Die wurden immer im Westen als OVAs vermarktet und liegen deswegen hauptsächlich im 4:3-Format vor, allerdings sind sie angeblich in Japan in die Kinos gekommen. Würde mich nicht wundern, denn die Animationsqualität ist gleichbleibend hoch. Und es ist dort nicht ungewöhnlich, dass ein Anime-Kinofilm nur 30-60 Minuten aufweist – die werden dann eben in Features mit anderen kürzeren Filmen gezeigt.

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Project A-ko 2: Plot of the Daitokuji Financial Group started damit, dass das crashgelandete Alien-Schiff zu einer Vergnügungsinsel umgebaut wurde. Während die Mädels ihre Sommerferien im Pool etc. verbringen, wollen sowohl B-Kos raffgieriger CEO-Vater wie auch einige weltweite Regierungen die Alien-Technologie für sich gewinnen. Project A-ko 3: Cinderella Rhapsody hingegen findet in den nächsten Frühlingsferien statt. A-Ko und B-Ko vergucken sich beide in den Schönling Kei. Der wiederum nur Augen für C-Ko hat, welche ihn hasst. Anscheinend war der Lehrerin-Charakter relativ beliebt, denn in Project A-ko: FINAL hat sie eine zentralere Rolle. Sie soll sowohl Kei heiraten, was A-Ko und B-Ko natürlich verhindern wollen, als ist auch möglicherweise die zentrale Figur eine Welt-endenden Legende. Was sich als roter Hering herausstellt und nur Screentime füllt.

Wer das erste Project A-Ko mochte, dem werden auch die drei jährlich erschienenen Nachfolger gefallen. Denn die Serie bleibt sich treu. Die Charaktere sind der gleiche Archetyp – was leider bedeutet, dass C-Ko nie aufhören wird nervtötend zu kreischen. Sie sind eine Aneinanderreihung schräger Ereignisse voller Unsinns-Humor. Der narrative Faden scheint etwas stringenter in ihnen, was aber mehr an der kürzeren Laufzeit liegt, statt daran, dass die Handlung wesentlich wichtiger geworden wäre. Aber die Energie bleibt hoch und unterhaltsam, eben wegen der Kürze noch mehr als vorher.

Den vierten Film FINAL zu nennen stellte sich bereits im Jahr darauf als Täuschung heraus, als A-Ko the Versus erschien, im Westen eher als Project A-Ko: Uncivil Wars bekannt. Diesmal sogar tatsächlich eine OVA, was man an der wesentlich niedrigeren Animationsqualität auch sehen kann. Tatsächlich handelt es sich hierbei allerdings um die längste A-Ko Geschichte, denn die zwei 50-minütigen Folgen haben eine durchgängige Handlung.

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Im hiesigen alternativen Universum sind A-Ko und B-Ko befreundet und jagen zusammen Monster in der Wüste. C-Ko hat man zu einem 10-jährigen Kleinkind gemacht, was wesentlich besser zu ihren nervigen Manierismen passt. Sie ist zudem Tochter eines reichen CEO und wird von Piraten für Lösegeld gekidnappt. Fällt jenen aber aus den Händen und in jene von A-Ko und C-Ko. Was entsprechend viel Gerangel mit sich bringt. Bis Aliens auftauchen, die C-Ko haben wollen, um ihre Anführerin wiederzuerwecken, welche das Universum beenden und eine neue Utopie erschaffen soll.

A-Ko the Versus hat sich immer noch den Humor zum Teil beibehalten. Es gibt immer noch übertriebene Funny Faces und jede Menge hin und her zwischen den Charakteren. Diesmal allerdings auch eine definitiv wichtige Sci-Fi-Handlung, in welche das eingebettet ist. Das Problem dabei ist allerdings, dass dadurch A-Ko the Versus irgendwie den Charme der Vorgänger einbüßt. Es kommt einfach daher wie jede generische SciFi-Story mit ein wenig eingestreuten Humor. Ich kann verstehen, warum danach keine weiteren A-Ko Projekte gemacht wurden, denn sicherlich hat the Versus die A-Ko-Fans ziemlich kalt gelassen.