Prince Caspian and the Dawn Treader

ava-1318Packen wir doch die nächsten zwei Storylines mal zusammen, so wie es die BBC-Serie damals getan hat. Damit kommen wir auch schon zum vorzeitigen Ende der Filmreihe. Nicht, weil die ob fehlender Qualität keine Kohle gemacht hätten, sondern weil die Verfilmungsrechte dummerweise ausgelaufen waren und man sich nicht so recht einigen konnte bei den Verlängerungsverhandlungen.

Die vier Kids werden also wieder nach Narnia gewünscht, nur sind hunderte von Jahren vergangen, die Narnianer sind Exil-Terroristen, die gegen die Spanier kämpfen müssen, die ihr Land übernommen haben. Dazu kommt noch der wahre Königsnachfolger Caspian, dessen Onkel ihn umbringen wollte, damit sein Neugeborener auf dem Thron sitzen darf. Also wird gekämpft. Für Narnia! Der Deus-Ex-Machina-Löwe hilft natürlich auch.

Auch Prince Caspian hält sich weitestgehend ans gleichnamige Buch, erfindet diesmal allerdings doch ein paar neue Dinge. So gibt es ein kurzes, halbminütiges Wiedersehen mit der White Witch. Keine Ahnung, warum. Damit die Einzelstorys mehr Zusammenhang haben? So wirklich was tun tut sie ja nicht. Außerdem hat man eine neue Actionszene erfunden und die Charaktere sich untereinander mehr reiben lassen. Denn wie bereits erwähnt geben die Narnia-Bücher nicht sonderlich viel Content für ein 150-Minuten-Epos her. Das ist auch im etwas Actionreicheren zweiten Buch nicht anders. Von daher ist es nachvollziehbar, dass man sich mit dem Duell und der großen Schlacht gegen Ende nicht zufrieden gibt, sondern zur Filmmitte hin auch schon mal ein Scharmützel herbei erfindet, damit die Kinobesucher einem im dunklen Saal nicht wegdämmern. Umso seltsamer, dass ich Caspian noch langweiliger fand, als den Erstling schon. Und trotz der neuen Kampfszene ist es einfach so, dass erneut die Musik das einzige Indiz dafür ist, dass das Geschehen episch sein soll, denn so wirklich zünden will es nicht.

Ich bin auch weiterhin überrascht, wie es ein Film mit einem Budget von 225 Millionen schafft, stellenweise so billig auszusehen. Die Optik, das fehlende Geschehen, manchmal seltsamer Schnitt und Kameraführung… Narnia 2 macht erneut einfach keinen so sonderlich professionellen Eindruck. Oder eher, es wirkt so dahingeschludert. Als hätte keiner der Beteiligten wirklich Lust gehabt, diesen Film zu machen und möglichst schnell auf Zelluloid gebannt, um fertig zu werden.

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Überraschend macht dann The Voyage of the Dawn Treader, immerhin auch das zweitbeste Buch der Reihe, so einiges besser, als die beiden Vorgänger. Zufall oder nicht, ist es auch der erste Film, den Walden Media nicht in Zusammenarbeit mit Disney produzierte, die ihn auf Grund von nicht zu besten Box Office Performances von Prince Caspian haben fallen lassen, wo er von 20th Century Fox aufgegabelt wurde. Auch ist es der erste Film, bei dem Andrew Adamson keine Regie führte (seinen Platz nimmt nun Michael Apted ein, dem ich in den 007 Sundays wieder begegnen werde). Woran es auch immer lag, andere Regie, andere Schirmherrschaft, besseres Buch, der dritte und bis auf Weiteres wegen Rechteproblemen letzte Narnia-Film ist der bisher beste.

Das liegt schon alleine an der Reise an sich. Lucy, ihr jüngerer Bruder und ihr Cousin, der diesmal die Rolle des Arschoch-Kindes, den Narnia „heilen“ muss, übernimmt, werden also erneut ins Fantasykönigreich gezogen, nur diesmal platzen sie gleich mitten in eine Geschichte hinein, auf die Dawn Treader, die sich gen östliche Meere auf den Weg macht, um den Verbleib ehemaliger Königsvasallen ausfindig zu machen. Das bringt den Film gleich von Anfang an auf einen besseren Fuß, als die beiden Vorgänger, bei denen es wesentlich länger dauerte, bis das Geschehen ins Rollen kam – hier rollt es schon bei der Ankunft der Kids. Der Exkurs in mehrere Etappen, von einer Sklavenhändlerinsel über Drachen und hin zu einer Seeschlange bis ans Ende der Welt, bietet natürlich auch mehr Kurzweil. Zumal jemand hier den Verstand hatte, den Film auf unter 2 Stunden zu halten, statt die vorige Überlänge von 150 Minuten beibehalten zu wollen.

Auch halten die Ereignisse sich nicht mehr so sklavisch an die des Buches, um sich besser dem Medium Film anzupassen. Zumindest meine vagen Erinnerungen ans Buch zum Vergleich genommen. Natürlich macht die White Witch ihren nötigen Cameo, obwohl sie nur in zwei Büchern ist, wollen die Filme sie wohl als Konstante im Hintergrund behalten. Lucy hat nun einen Subplot darüber, dass sie sich für hässlich befindet, was ich nicht aus dem Buch erinnere. Tja, wenn die Schauspielerin mal den Kopf nicht alle drei Filme über gesenkt hielte, so dass es so aussieht, als hätte sie keinen Hals, hätte sie das Problem vielleicht nicht. Dann wiederum sind ihre beiden älteren Geschwister Anna Popplewell und William Moseley und sie reist mit Ben Barnes, was ihren optischen Minderwertigkeitskomplex durchaus verständlich macht. Der seltsame Exkurs über das Meervolk, der kein wirklich solcher ist, wurde gleich rausgelassen.

Einfach insgesamt ist es so, dass der Film wesentlich mehr eins auf Fantasy-Abenteuerreise macht, was es ja auch ist, als zu versuchen, High Epic Fantasy nach Herrn der Ringe zu sein. Man hat also entweder endlich freiwillig aufgegeben, etwas zu sein zu wollen, was Narnia einfach nicht her gibt, oder das Material an sich hält dies zurück. Jedenfalls ist The Voyage of the Dawn Treader das kurzweiligste und unterhaltsamste der drei filmischen Abenteuer und mehr Repicheep ist eh immer gut. Ein Must See ist es immer noch nicht, die Narnia-Filme sind alle schrecklich uninspiriert, aber immerhin ist dieser nicht mehr so langweilig, wie die Vorgänger.

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The Lion, the Witch and the Wardrobe

ava-1314Die Narnia-Chroniken sind, zumindest in Großbritannien, absolute Klassiker, die dort fast jeder als Kind gelesen hat. Da ist es natürlich auch nicht wirklich verwunderlich, wenn sie filmisch umgesetzt werden. Im Falle des ersten Buches, The Lion, the Witch and the Wardrobe, sogar drei Mal fürs TV, bevor der Erfolg vom Herrn der Ringe und Harry Potter dazu führten, dass jede(s) Buch(-Reihe), die halbwegs in Epic Fantasy eingestuft werden kann, in opulentes Kino gefasst gehört.

Der Film beginnt mit Nazi-Bombenangriffen über London… was definitiv neu ist und eventuell noch mal nachschauen lässt, ob man wirklich den richtigen Film eingelegt hat. Damit wird uns hier natürlich nur der Grund gezeigt, warum die Kinder zu den Verwandten aufs sichere Land geschickt werden, und ist eine beim Schopf gepackte Gelegenheit, dem Material eine Action-Szene mehr abzugewinnen. Denn die Narnia-Bücher sind alles, aber sicherlich nicht sonderlich episch oder komplex, vom Finale mit seinem Jüngsten Gericht mal abgesehen. Die Bücher sind nun mal unter 200 Seiten und mehr „Baby’s First Fantasy Novel“, wogegen es ja nichts einzuwenden gibt, wodurch Narnia aber eben kein Herr der Ringe, sondern eher mehrmals der Hobbit ist.

Wie macht man daraus 2 Stunden und dann noch mal eine halbe? Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, denn anschließend hält sich der Film von einem Satz mehr hier oder dort von den Ereignissen her sehr nahe am Buch und weicht nicht wirklich ab oder erfindet sonderlich viel neu, um den Stoff zu hinterfüttern, kurze Anspielungen auf A Magician’s Nephew abgesehen (welcher vor The Lion, the Witch and the Wardrobe spielt aber später geschrieben wurde, weswegen es im Buch eben noch keine Hinweise auf die früheren Ereignisse gibt). Die vier Kinder sind halt nun auf dem Lande, können sich gewohnt nicht ausstehen, stolpern durch den Wandschrank nach Narnia, die Schneekönigin verführt einen der Jungen, die anderen drei Kinder treffen den Nikolaus, der ihnen Waffen schenkt, dann auf dem Serien Deus Ex Machina (im wahrsten Sinne des Wortes, ist er doch Gott) Arslan, der sich für unsere Sünden opfert und wiederaufersteht, und dann die finale Schlacht gegen die Hexe gewinnt.

Das ist tatsächlich nicht wahnsinnig viel Material und wie gesagt auch im Groben nicht so spektakulär oder episch. Der Film ist dann entsprechend mindestens eine halbe, vielleicht sogar eine ganze, Stunde zu lang geraten und daraus resultierend, wenn auch getreu dem Buch und im Schnitt ganz schaubar, doch auch Stellenweise langweilig. Es bleibt ein eher lauwarmes Resultat. Vielleicht hätte man doch hier und dort mal den „Epify“-Knopf drücken sollen, was im Vorhinein befürchtet wurde. Denn der Film will uns weismachen, dass alles super episch ist, auch wenn das auf dem Schirm gesehene das nicht beweist. Schon etwas seltsam, wenn Peter ganz pompös den Titel „Wolfbane“ verliehen bekommt, nachdem er gerade mal einen einzigen Wolf abgestochen hat, der ihm auch netterweise direkt aufs Schwert sprang. Lediglich aus der Schlacht gegen Ende, versucht der Film dann mal was rauszuholen, in dem er die doch groß aufzieht und eine halbe Stunde andauern lässt. Aber auch hier stinkt das Scharmützel ordentlich gegen alles ab, was wir eben im Herrn der Ringe zu sehen bekommen haben.

Die Special Effects sind übrigens auch ständig am Schwanken zwischen gut und katastrophal und es tut mir ja echt leid, aber Arslan find ich nur unfreiwillig komisch im Film, wie die meisten sprechenden Tiere, um genau zu sein. Mr. Tumnus allerdings ist so was von knuffig. James McAvoy gibt definitiv das nuancierteste Schauspiel des Filmes, was sicherlich nicht schwer ist, zwischen CG-Tierchen, ständig weitäugigen Kindern und einer permanent mürrischen Hexe.

Es ist halt so, aus dem Hobbit lässt sich kein Herr der Ringe machen, Narnia lässt sich als überlange Epic Fantasy nicht aufziehen, vor allem, wenn man keinen Versuch unternimmt, es eben wirklich epischer zu inszenieren.

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Chronicles of Narnia VII

ava-12943 Monate, bevor es ein volles Jahr wird, dass ich The Lion, the Witch and the Wardrobe gelesen habe, sind wir also doch beim finalen, siebten Narnia-Buch angekommen, The Last Battle. Das hat übrigens absolut nichts damit zu tun, dass die Bücher schlecht per se sind. Aber ein wenig unbegeisternd können sie schon hier und dort werden. Sie mögen leicht und schnell zu lesen sein, sind aber eben doch sehr an Kinder gerichtet und einfach nicht ganz so packend, wenn man ein alter Knacker ist und schon das eine oder andere, komplexere, Fantasyuniversum besucht hat.

The Last Battle hingegen ist allerdings ohne Frage wohl das epischste Buch der Reihe. So episch, wie ein Roman von unter 200 Seiten werden kann. Denn Narnia kommt hier zum Ende, und damit meine ich nicht nur die Serie an sich, sondern schlichtweg das Land zudem. Das vorige Buch, die Entstehungsgeschichte, The Magician’s Nephew hat mit dem unter der Supernova stehendem Land Charn bereits gezeigt, dass in diesem Universum durchaus etabliert ist, dass Welten nicht ewig bestehen, sondern ein Ende finden und genau dies passiert hier nun mit dem Fantasieland Narnia.

Arslan hat sich schon seit Jahrhunderten nicht mehr blicken lassen, zum Punkt hin, wo die ersten Narnier gar nicht mehr wirklich an ihren Löwengott glauben. Dazu kommt noch, dass ein falscher Arslan auftaucht und die Bevölkerung knechtet, mit dem fiesen, orientalischen Calormen-Volk zusammenarbeitet. Dryadenwälder werden abgeholzt, sprechende Pferde in die Sklaverei nach Calormen verkauft, die Zwerge fallen vom Glauben ab, ein Trupp Calormen-Soldaten schlachtet den Hofstaat des letzten Königs von Narnia nieder, und der nach Blutopfern verlangende Gott Tash wird im Land gesichtet.

Holla die Waldfee, so viel Doom and Gloom hätte ich in einem Narnia-Buch sicher nie erwartet, zu lesen zu bekommen. The Last Battle ist wirklich nur eine einzelne Spirale von in immer schlechtere und ausweglosere Situationen zu geraten. Warum? Weil Lewis seine Reihe eben beendet. Und Lewis ist religiös. Also ist die pragmatische Schlussfolgerung, dass die Welt eben mit dem Jüngsten Gericht endet. Arslan taucht auf, die Welt fällt der Apokalypse anheim, alle sterben, und die Gutgläubigen werden von ihm in die Nachwelt geleitet. Die anfänglich durchscheinende Interpretation von mir, in The Last Battle gäbe es also überraschend die Botschaft, nicht einfach unreflektiert an einen Gott zu glauben, weil dies nämlich hier tatsächlich der Spross allen Übels war, ist also eher nicht da. Interessant allerdings seine Einstellung, dass es egal ist, welchen Namen man seinem Gott gibt, solange man rechtschaffen lebt, erhört einen schon der richtige. Dennoch, bestes Buch der Reihe.

Chronicles of Narnia VI

ava-1291Ach ja, da war ja dann sogar noch was, was ich sträflich vernachlässigt habe und vielleicht doch noch Beenden sollte, bevor es ein volles Jahr wird, nämlich die letzten beiden Chronicles of Narnia zu lesen. Die letzten beiden herausgegebenen heißt das, denn chronologisch ist The Magician’s Nephew als Prequel die allererste Narnia-Geschichte.

So gibt es hier den magischen Wandschrank als Tor zwischen den Welten noch gar nicht. Stattdessen werden die zwei Kinder von einem alchemistisch besessenen Onkel dazu gezwungen, mit Hilfe von magischen Ringen ihre Reise durch Zeit und Raum zu begehen. Sie landen dann auch gar nicht direkt in Narnia, sondern in einer Zwischenwelt zwischen den eigentlichen Welten, gelangen dann nach Charn, wo sie eine böse Königin auferwecken, die ihnen nach London folgt, nur um das Übel schnell mit in die nächstbeste Welt, Hauptsache aus unserer heraus, zu schleusen. Und dann stehen sie eben kurzerhand in Narnia, zu dessen Geburtsstunde, als Arslan die Welt erschafft.

Der gute Onkel Lewis bringt den Kinderchen dabei natürlich wie immer eine möglichst moralische Fabel dar, die ihnen die richtige Lebenseinstellung vermitteln soll. Wer lügt ist schlecht; wer Dinge ohne Absegnung nimmt, ist schlecht; der simple aber rechtschaffene Kerl vom Lande ist mehr wert, als der überkandidelte Stadtbewohner; das Landleben an sich ist sowieso schöner, als die zugepflasterte Stadt; viele Erwachsene haben sich sowieso eine gewisse Falschheit angewöhnt, die die reine Jugend noch nicht besitzt und so weiter und so fort. Dies ist den Narnia-Chroniken sicherlich nicht neu, aber doch hier eine ganze Ecke stärker aufgetragen und transparenter, als dies eh schon war, genauso wie Lewis Religiosität. Nicht mal nur die Erschaffungsgeschichte Narnias, sondern vor allem auch der Teil mit dem magischen Apfelbaum, von dem ungefragt nicht gegessen werden darf. Wie immer ist es natürlich auch so, dass eines der Kinder, mal wieder der Junge, diverse Fehler begeht, denen er sich stellen und sie berichtigen muss. Er ist auch jener, der in Versuchung geführt wird, die Äpfel für sich zu missbrauchen. Wobei diesmal die Sache wenigstens etwas mehr Zug hat, da er es nicht für sein eigenes Wohl per se will, sondern um seine totkranke Mutter zu retten, was den moralischen Zwiespalt gleich viel interessanter gestaltet.

So, auf in die Finale Schlacht.

Chronicles of Narnia V

ava-1197The Horse and His Boy ist das fünfte geschriebene Narnia-Buch, findet allerdings direct nach dem ersten, The Lion, the Witch and the Wardrobe statt. Und spielt hauptsächlich gar nicht in Narnia, was ihm einen interessanten Touch gibt.

Stattdessen folgen wir dem Waisenknaben Shasta, der als Sklave im südlich gelegenen Land Calormen, welches aus orientalischen Klischees zusammengesetzt ist, lebt. Sklavenhandel, Hitze, braune Hauttöne, Sultanspaläste und pläneschmiedende Visiere bestimmen das Bild, dass uns vom Land gezeichnet wird. Außerdem gibt es in Calormen keine sprechenden Tiere. Umso erstaunter ist Shasta, als das Pferd eines untergekommenen Nobelmannes mit ihm zu sprechen anfängt und ihm vorschlägt, sie können doch beide ihren Herren entkommen und gemeinsam ein nettes Leben im Paradies Narnia führen. Auf dem Weg dorthin treffen sie noch auf das Mädchen Aravis, das ebenfalls mit einem narnianischen Pferd in dessen Heimat flieht, um einer arrangierten Ehe zu entkommen und gemeinsam werden sie noch vor Erreichen ihres Zieles auf die Pläne ihres Landesherren stoßen, Narnia zu erobern.

War erneut ein gefälliges Buch, und ich fand den frischen Wind, den es durch sein anderes Setting und Charaktere rein bringt, sowie einen dadurch bedingten anderen Storyfluss durchaus erfrischend. Natürlich badet es erneut in altbekanntem Erzählgut, doch statt tolkienscher Fantasy ist es diesmal eben orientalische Märchen. Es ist auch das bisher am wenigsten beschönigende Buch, was wohl hauptsächlich daran liegt, dass einem das Leben in Calormen eben als ziemlich miserabel klargemacht werden soll, während Narnia eben geradezu ein Paradies ist und in den vorigen Büchern auch schon immer war. Wie üblich sollte man sich das Buch natürlich auch als ein Produkt seiner Zeit ansehen (geschrieben in den 50ern von einem alten, weißen Briten), ansonsten könnte man sich nämlich, wenn man denn unbedingt überall nach was Anstößigem suchen will, hier gern rassistische Untertöne, eben wegen der Beschreibung des anderen Landes, reinlesen. Ähnlich wie man in die anderen Büchern gern mal misogyne Töne lesen kann – interessanterweise ist es ausgerechnet The Horse and His Boy, welches dann eine der Königinnen als vollwertige Kriegerin portraitiert.

Chronicles of Narnia IV

Da sind wir wieder. Nicht mit Eartbound, nicht mit Wizardry, aber mit dem anderen unterbrochenden Serial, den Chroniken von Narnia. Genauer mit Buch Nummer Vier, The Silver Chair, chronologisch dem letzten vor The Final Battle.

Eustice, der Cousin aus dem vorigen Buch, ist diesmal der einzig wiederkehrende Charakter, der nach Narnia gewünscht wird, im Schlepptau hat er Jill, eine Schulkameradin von ihm. Die beiden gehen ja auf keine „normale“ Schule, sondern was hier so gern „Experiment House“ getauft ist. Klingt nach SciFi-Horror, meint aber nur, dass es ein Versuch absolut antiautoritärer Aufzucht ist, was natürlich Bullies Tür und Tor öffnet, da sie keiner in die Schranken weist (und, in einer von Lewis stärker durchscheinenden religiösen Einschläge natürlich auch komplett schulische Bildung und Religion voneinander trennt – undenkbar!). Und genau mit solchen legt sich Jill an, als sie mit Eustice nach Narnia flieht.

Dort werden sie von Superlöwen Arslan begrüßt und gleich auf eine Reise geschickt, sollen sie nämlich den verschwundenen Prinzen ausfindig machen, der kurz nach dem Tod dessen Mutter an eine Natter vor zehn Jahren mit einer Frau in Grün verschwand. Und wie das in den Narnias so üblich ist, zeigt sich Jill natürlich direkt nicht von der besten Seite und muss deswegen einen Reifeprozess während der Reise durchmachen, um edler und genarniart zu werden. Sie ist nämlich beauftragt, diverse Orakelsprüche zu behalten und wenn die Vorzeichen stimmen, so den richtigen Weg zu weisen. Was natürlich dann tatsächlich häufig nicht geschieht um die Reise zu erschweren.

Somit haben wir eine weitere Standardgeschichte, die in Fantasy nicht unüblich ist, nämlich eine Truppe Leutz, die ausziehen, eine Prophezeiung zu erfüllen sozusagen. Das Ganze, da es sich an Kinder richtet, natürlich schrecklich vorhersehbar, was die Situationen angeht, in die sie geraten, wie sie herauskommen und was die darin enthaltenden Überraschungen sein werden. Doch es liest sich gehabt ganz nett und kurzweilig. The Chronicles of Narnia sind tatsächlich nette Einsteigerbücher für Kinder, bevor sie komplexere und längere Sachen angehen, weil es sie schon üblichen Fantasy Tropes nahebringt, eine spannende Reise erzählt, das alles aber in arg überschauberer Seitenzahl und mit nur wenig unnötig detaillierten Beschreibungen. Und wer mehr will, dafür gibt es deren eben gleich Sieben.

Übrigens ein besonders nettes, moralisches Schmankerl: In Narnia leben ja sprechende Tiere. Nun hab ich mir nie darüber Gedanken gemacht, bis The Silver Chair es direkt anspricht, aber man isst ja Tiere. Hier wird dann auch direkt strickt gesagt, dass es ein Unding wäre, die sprechenden zu töten, es sich hierbei natürlich nur um die schnöden Normalo-Nichtsprecher handelt, die es auch bei uns gibt. Ja, wenn die Kids später sogar von Riesen gefangen werden und mitbekommen, dass die dort gereichten Speisen tatsächlich sprechende Vertreter waren, sind sie entsetzt. Ich war ja mal Vegetarier und konnte es nie wirklich verstehen, wenn Leute unterscheiden zwischen „Ich ess nur keine Babytiere, sobald sie erwachsen sind, ist’s ok“, „Ich ess nur keine Kühe, denn mit denen bin ich aufgewachsen, alle anderen fress ich“ und ähnliche „das Tier zu essen find ich nicht ok, alle anderen sind fair play“, weil für mich ist’s so, dass ich entweder es moralisch/ethisch/weswegenauchimmer nicht Ok finde, Tiere zu schlachten, um ihr Fleisch zu essen, oder nicht, aber dann mit aufgesetzten Ausnahmeregelungen zu kommen irgendwie Blödsinn ist (religiöser Schmonzens ist natürlich eine andere Sache). Ähnlich find ich das hier, wo es etwas seltsam ist, dass nur Nicht-Sprecher ok zu essen sind. Aber das nur mal so am Rande. Zumal es irgendwo in die “Onkel Lewis erzählt den Kindern eine Gutenachtgeschichte”-Vibes passt. Von wegen er erzählt so eine Geschichte über eine fremde Welt voller sprechender Tierfiguren und beim Abendessen meint er dann, gäbe es leckere Wachteln und ein Kind meint so „was, die essen ihre Mittiere?“ und Lewis so „Oh.. äh… natürlich nur die, die nicht um Hilfe schreien können!“.

Chronicles of Narnia III

Genau wie das Ende des zweiten Buches prophezeit hat, sind Peter und Susan mittlerweile zu alt, um nach Narnia reisen zu können. Die anderen zwei der Geschwister, Edmund und Lucy, gehen allerdings nicht allein, nein, als sie bei Onkel und Tante untergebracht wurden, zieht ein Bild eines Schiffes sie und ihren Cousin Eustace auf die Dawn Treader, auf dem Caspian eine Expedition in die östlichen Gefilde startete, wurden doch vom Usurpator Miraz befreundete Lords seine Vaters dorthin geschickt.

Und so beginnt die Reise des Schiffes ins Unbekannte, ist doch nicht bekannt, was und ob überhaupt irgendetwas im östlichen Meer zu finden ist. Abgesehen natürlich von der Legende, dass Arslan immer aus dem Osten erscheint und sein Land dort zu finden sein soll.

Was sich entfaltet ist diesmal also eine relativ episodische Geschichte, in der unser Expeditionsteam Halt auf diversen Inseln macht und dort das eine oder andere Abenteuer besteht. So landen sie beispielsweise auf einem Sklavenmarkt, machen die Bekanntschaft eines Drachens, sehen das Meervolk und reisen zum Schluss sogar an das Ende der Welt, von dem aus tatsächlich Arslans Land zu sehen ist.

Die Reise hat mir definitiv zugesagt, weil die Inselabenteuer – besonders gegen Ende der Reise – mit viel Imagination aufwarten. The Voyage of the Dawn Treader ist noch mehr „Großvater Lewis erzählt uns ein Gutenachtmärchen“, denn die vorigen Bücher, eben weil die Dinge hier noch fantastischer sind. Außerdem ist Reepicheep einfach ein toller Charakter und es geradezu etwas schade, dass wir uns hier bereits von ihm verabschieden müssen.

Zudem ist die „Moral“, dass man sich seine Fantasie bewahren und als Kind einfach Kind sein soll, diesmal hier auch am Stärksten. Zum einen natürlich dadurch, dass die Kinder, sobald sie zu alt dafür werden, die Möglichkeit verlieren, nach Narnia zu reisen. Peter und Susan sind hier schon nicht mehr dabei, am Ende dieses Buches sagt Arslan den anderen beiden, dass dies ebenso ihre letzte Reise ins magische Land war. Außerdem haben wir natürlich Eustace, ein recht unangenehmer Bursche, ohne jede Fantasie oder Kreativität beschenkt, der sich permanent beschwert und allen das Leben schwer macht. Nicht aus Bösartigkeit, er ist halt so erzogen worden und denkt tatsächlich, er wäre ein recht prächtiges Kerlchen. Erst über die Reise hier lernt er sozusagen richtig Kind zu sein.

Dazu kommen noch nette andere Lebensweisheiten, wie die Tatsache, dass es keinen Sinn macht, sich mit der ewigen „Was wäre wenn…“-Frage aufzuhalten, da wir es sowieso nie erfahren werden können. Oder das man gar nicht immer unbedingt wissen wollen würde, was andere so erzählen, wenn man nicht dabei ist.

Chronicles of Narnia II

Ein Jahr ist vergangen, seit die Kinder aus Narnia zurückkamen, sich das Tor im Wandschrank für sie schloss. Doch nun werden sie magisch wieder in die Welt versetzt, nur ist dort alles anders, als bisher. Denn wie man sich schon denken kann, daran dass die Kids am Ende des ersten Abenteuers Jahre in Narnia verbrachten, nach ihrer Rückkehr aber kaum Zeit in unserer Welt vergangen war, bedeutet das eine Jahr in unserer Welt Jahrhunderte dort. In Narnia leben nun Menschen, die das Land eroberten, die sprechenden Tiere und Fabelwesen vertrieben. Arslan und die vier Könige sind Legenden, Miraz ist der aktuelle Dispot, der dem wahren Nachkommen der Könige, Caspian, sein Erbrecht vorenthält.

Und darum geht es dann im Prinzip im Buch, die knappe erste Hälfte ist die Reorientierung der Kinder im neuen Narnia und ihr Erfahren der Hintergrundgeschichte zu Caspian, der Rest dann die Mobilmachung, um ihm und seiner kleinen Armee an Wesen des Alten Narnia beim Kampf gegen die Armee von Miraz beizustehen. Inklusive natürlich eines neuen Auftauchen des wandelnden Deus Ex Machinas Arslan, der alles ins Reine bringt.

Somit ist das zweite Buch, Prince Caspian, natürlich gewohnt überschaubar und ein netter Zeitvertreib für wenige verregnete Nachmittagsstunden. Ich fand es insgesamt etwas spannender, als The Lion, The Witch and the Wardrobe, schon alleine, weil eben mehr Action abgeht und die Einstiegsphase nicht so lang läuft. Außerdem ist’s natürlich interessant, das veränderte Narnia zu haben. Und entweder bin ich es durch moderne Medien einfach schon erwartend, aber eine kleine Ökobotschaft hat das Teil doch auch, oder? Mit den Menschen, die das natürliche Narnia und seine sprechenden Tiere vertreiben/unterdrücken und am Ende hauptsächlich die älteren darunter auch nicht zur Koexistenz bereit sind, die jüngeren meist schon. Genauer betrachtet ist es vielleicht auch eher ähnlich Michael Endes Botschaft, seine kindliche Fantasie nicht zu verlieren und zum von bodenständigen Regeln versklavten Langweiler zu werden.

Chronicles of Narnia I

Wenn ich bei Amazon ein billiges Spiel oder ähnliches abgreife, das gerade so unter den 20 Euro für freien Versand liegt, steck ich gern noch was anderes billiges dabei, um drüber zu kommen. Ich falle also voll auf den Trick rein und bestelle zwei Artikel, obwohl ich nur einen wollte. So ein Buch kostet ja nicht viel und ist schnell dazu gefunden beispielsweise. So auch mit den Chronicles of Narnia, bei dem es mal wieder eine echt schön billige English Books Variante gibt, die alle 7 Bücher ähnlich meiner Great Dune Trilogy in einen dicken Schinken fasst und den Bruchteil der deutschen Auflage kostet.

Nun natürlich die Frage, ich welcher Reihenfolge lesen? Es gibt die publizierte und chronologische Reihenfolge. Mein Band setzt sie in chronologischer Reihe, was bedeutet das die Prequels The Magician’s Nephew und The Horse and His Boy das erste respektive dritte statt das sechste und fünfte Buch ausmachen. Es gibt Argumente beiderseits (hauptsächlich das Lewis selbst mal meinte, eine chronologische Reihenfolge wäre wohl schöner, dann aber wieder, dass er dafür die Bücher gern umgeschrieben hätte). Ich geh mal die sichere Schiene und lese sie einfach in der Abfolge, in der sie ursprünglich publiziert wurden (und nach denen sich btw. auch die Verfilmungen – die ich nicht kenne – richten), den Anfang macht also: The Lion, the Witch and the Wardrobe.

Und viel gibt es eigentlich gar nicht zu sagen, die Bücher sind unglaublich kurz, wie ich merken musste, die Komplettedition kommt unter 800 Seiten raus, also knapp einen Hunderter pro Band. Freilich ist das Ding auch eher in einem Magazin-Format, denn dem eines Buches, aber damit haben die Taschenbuchversionen wohl auch nur so um die zweihundert Seiten pro Band. Die Kinder stolpern durch den Wandschrank nach Narnia (was schon überraschend lang dauert, bis ihr Abenteuer dort wirklich losgeht, gesehen an der Gesamtseitenzahl), stoßen dort auf den Retter Arslan und die Weiße Hexe, die das Land unter ewigem Schnee hält (aber es wird nie Weihnachten! – ist halt für Kinder geschrieben, gell?), sie treffen auf ein paar Sagengestalten und den Weihnachtsmann (ernsthaft), der ihnen Waffen gibt (ernsthaft), und letztendlich besiegen sie die selbsternannte Narnia-Königin und thronen selbst über das Land, bevor sie durch den Schrank wieder in ihre Welt zurückstolpern. Das ganze Ding ist ziemlich kurz, schnörkellos, einfach geschrieben und locker in wenigen Stunden eines Nachmittags durchgesmöckert.

Genau genommen erinnert es mich stark an Tolkiens Der Hobbit. Das mag kein großes Wunder sein, sind Tolkien und Lewis doch Landsmänner des gleichen Jahrgangs, beide von der Oxford University, beide befreundet gewesen und schrieben ihre Bücher circa zur gleichen Ära (Der Hobbit nun zwar etwas über 10 Jahre vorm ersten Narnia, Der Herr der Ringe hingegen kam zeitgleich heraus). Es sind halt beides recht simple, aber ganz charmante Kinderbücher, die im Ton geschrieben sind, als würde ein britischer Großvater seinen Enkeln abends vor dem Kaminfeuer eine Gutenachtgeschichte erzählen.

Ich komme am Ende von The Lion, the Witch and the Wardrobe dann auch zum ziemlich gleichen Ergebnis, wie damals, als ich den Hobbit gelesen habe: Es ist ganz niedlich und charmant, aber große Sprünge macht es meiner Meinung nach nicht. Ganz diesen absoluten Bestseller-Klassiker-Status kann ich nicht nachvollziehen, vielleicht wäre das anders, hätte ich es tatsächlich als Kind gelesen. Ein Tintenwelt oder ein Roman von Michael Ende ist Narnia nun aber davon, wie er mich begeistern könnte, jedoch noch lang nicht.

Ach ja, und was die religiösen Töne angeht, die Lewis-Geschichten gern angehängt werden. Eh, ich konnte davon hier noch nicht viel sehen, allerdings bin ich auch niemand, der überall angestrengt am Interpretieren sein muss, sondern die Sachen wohl viel oberflächlicher konsumiere. Die Menschen werden von der Narnia-Bevölkerung Söhne Adams/Töchter Evas genannt und die Weiße Hexe ist eine Tochter Liliths, aber abgesehen von diesen Bezeichnungen wollte sich mir jetzt nicht allzu viel Christentum aufdrängen beim Lesen. Dafür hat es mich an die Schneekönigin erinnert, gerade der Anfang.