007 Sunday – A View to a Kill

ava-1425Nach einer kleinen Pause gehen wir nun also über in die finalen zehn Filme der Bond-Reihe. Und in den letzten mit Roger Moore in der Rolle, Zeit wurde es ja. Übrigens auch der finale Film für Lois Maxwell als Moneypenny, deren Szenen sowieso zu den besten gehörten. Eines sei noch schnell eingeworfen: Die Opening-Credits-Sequenz mit dem Lied sind die Definition der 80er!

Diesmal geht es um Mikrochips. Und dann um gedopte Pferde. Und dann um genetische Supermenschen. Und dann um Erdbeben. Und schließlich wieder um Mikrochips. Aber der Reihe nach. Mikrochips sind also anfällig gegen Magnetismus, was den britischen Geheimdienst lahmlegen könnte, der sich mehr und mehr auf Technik stützt, und bekanntlich läuft da ja nichts ohne. Also haben die besonders resistente entwickelt, aber die Russen haben sich die Baupläne einfach geklaut. Oder gekauft, von Max Zorin, der sie entwickelt. So zumindest der Verdacht, also geht Methusalem Bond ihn investigieren.

Darüber findet er heraus, dass Zorin seine Rennpferde dopt, um sie trotz schlechterer Blutlinie gewinnen zu lassen. Das ist aber alles nur Füller, der zur Eröffnung führt, dass Zorin selbst von einem Ex-Nazi-Doktor fürs KGB geschaffen wurde. Nur ist Zorin auch ein Psychopath, der sich von Mutterland Russland nichts mehr vorschreiben lässt. Genau genommen plant er ein künstliches Superbeben auszulösen, durch das er Silicon Valley zerstören will, auf dass er das Monopol auf die Herstellung von Mikrochips bekommt.

A View to a Kill ist einer der am wenigsten populären Bond-Filme überhaupt. Ich persönlich bin ja von den meisten Einträgen stellenweise eher unbegeistert, aber dem hier, wenn auch technisch wie üblich mal wieder nicht wirklich schlechter umgesetzt als der Rest, fehlt es doch irgendwie an Adrenalin und Passion. Der Film präsentiert seine Plotpunkte in einer so uninvolvierten Art und Weise, dass ich zwischenzeitlich fast den Faden verloren habe, weil ich kaum aufgepasst hatte, was er mir da präsentiert. Auch schien es mir lange nicht klar, was nun das Hauptproblem sein sollte. Dass die Russen die Technologie für die Mikrochips haben? Die Nazi-Experimente? Nö, dass Zorin ein größenwahnsinniger Psychopath ist. So richtig aufgegangen ist mir das aber erst gegen Ende, da ich echt fest damit rechnete die anderen beiden Punkte würden wiederkommen, schienen sie doch so viel wichtiger – nicht von der Screentime aber von der Thematik her.

Und endlich war Roger Moore auch dem Rest der Zuschauer anscheinend zu alt geworden, etwas was sich bei mir schon vor einigen Filmen eingestellt hat. Mit all den Supermodels, die er flach legt, und all den akrobatischen Stunts, die Bond hinlegt, sollten die Schauspieler echt in ihren 30ern gecastet werden und man sich anfangen nach einer Ablöse umzusehen, wenn sie die 40 überschreiten. Nicht wie Roger Moore in den Mittvierzigern unter Vertrag nehmen und dann über 10 Jahre beibehalten. Ich mein, sicherlich bleibt der Mann relativ gesehen in Form und hat sichtbar bereits den einen oder anderen Facelift hinter sich, doch den Superagenten Bond nimmt man ihm körperlich einfach schon eine Weile nicht mehr ab. Der Mann ist mittlerweile fast 60, da hat man bei jedem Sprung Angst, Bond kugelt sich die Hüfte aus und erwartet, dass die heißen Mädels auf seine Anmache nur mit einem langgezogenen „Ewwwwwww~, du bist älter als mein Vater“ kommen.

Bond Girl: Tanya Roberts in der Rolle der Guten, die das hiesige Love Interest von Bond gibt, aber in ihrer vielen Screentime nach einem zunächst coolen Abblitzen nicht mehr viel tut, als von Bond gerettet zu werden. Ach ja, und sie kennt sich mit tektonischen Platten aus, hätte ich beinahe wieder vergessen, sie ist also doch nicht ganz nutzlos. Im Kontrast zur milchigweißen, blonden Roberts steht das dunkle Spermodel Grace Jones, welche auf der Seite des Bösen steht, immer recht respekteinflößend daher kommt, aber fast keine Sprechrolle hat.

Bond Bösewicht: Christopher Walken ist Max Zorin. Und Christopher Walken tut, was Christopher Walken immer tut: Er christopher-walkent. Solche Akteure gibt es einfach, deren Schauspiel man eher nicht mit „schauspielern“ beschreibt, sondern in dem man ihren Namen einfach zu einem Verb macht. Johnny Depp johnny-deppt, Udo Kier udo-kiert, Christopher Walken christopher-walkent. Was ich damit meine ist, dass keiner Christopher Walken für eine subtile, nuancierte Rolle castet, sondern immer für Bösewichter und Exzentriker, was ihn natürlich für die Rolle des Max Zorin ideal macht.

Bond Himself: Ok, ich werde mit 60 bestimmt nicht so in Form sein, wie Roger Moore, noch werde ich mir die Facelifts leisten können, um zumindest als 50 durchzugehen. Dennoch ist der Mann eben einfach zu alt, ich konnte ihn in der Rolle eh nie leiden, also ist es gut, dass dies sein letzter Auftritt ist.

Action: A View to a Kill bringt neu auf die Bühne: Eine Verfolgungsjagd in einem Feuerwehrtruck, ein Kampf auf Pferderücken während einer berittenen Verfolgungsjagt, sowie ein Finale zwischen Zeppelin und Golden Gate Bridge. Hmm… Zeppeline und Nazi-Doktoren, warum bekomme ich nur das Gefühl, Flemings Roman ist wesentlich früher entstanden, als der 85er Film?

bond1985