Clockwork Prince

Mit Clockwork Prince kommen wir also nun zum zweiten und Mittelteil der Infernal Devices um die Gestaltwandlerin Tessa, die bei den Shadowhunter-Nephilim im viktorianischen London untergekommen ist, die gegen den Magister und seine Steampunk-Roboter kämpfen müssen, während sie zwischen den Gefühlen für Jem und Will pendelt.

Wow, Leute, ich habe das Buch gerade erst beendet, und auch nicht gerade über den Verlauf von Monaten nur in Stücken gelesen, aber ich weiß schon kaum noch, was überhaupt darin geschehen ist. Ist überhaupt was geschehen? Ich meine die Mitteilteile von Serien, die von Anfang an als Trilogien angelegt sind, haben ja immer etwas den Ruf, dass die Handlung hier am Schwächsten ist, weil weder Beginn noch Ende vorliegt, und im Zweifelsfall eben auch einfach etwas Luft getreten wird, um die Sache zu strecken. Aber hier ist das echt mal sowas von extrem gewesen.

Dann wiederum gibt es Sachen, von denen man denken sollte, dass sie wesentlich weitläufiger angelegt sind, aber erst hier angesprochen und bereits erledigt werden, besonders wenn es um die Charakterhintergründe geht. Beispielsweise finden wir hier heraus, dass Will nicht so ein zynischer Arsch zu allen ist, weil das eben seinem Charakter entspricht, oder weil Bad Boys mit weichem Kern der absolute Stereotyp für das Love Interest in Young Adult Romances darstellt, oder weil die Love Interests in einem Buch von Cassandra Clare immer ein solcher sind. Nein, er ist verflucht, und jeder der Zuneigung zu ihm zeigt wird sterben, und deswegen stößt er alle Leute zu deren eigenem Besten von sich, und eigentlich ist er innerlich total allein und emotional verkrüppelt und buhuhu CRAWLING UNDER MY SKIN. Das hätte man eventuell schon mal zur Hälfte oder zumindest gegen Ende des vorigen Buches erwähnen können, statt erst hier, wenn es auch schon aufgelöst wird. Wie alles im Buch übrigens ganz typisch.

Es gibt keinen Fluch, Will wurde nur von dem Dämon hinters Licht geführt, und er hätte die ganze Zeit eigentlich der von allen geliebte Gutmensch sein können, der er innerlich eigentlich gern wäre. Das war genau so zu erwarten, weil es so natürlich dramaturgisch am interessantesten ist. Und sobald uns klar ist, dass Jem langsam so richtig auf Tessa abgeht, und Will nun keinen Grund mehr hat seine Wahre Liebe (TM) von sich zu stoßen, dass Jem und Tessa anbandeln werden. Damit es noch ein weiteres Buch lang Suspens geben darf, weil weder Will noch Tessa jemals Jem verletzen wollen würden. Und mit jemandem zusammen zu sein, obwohl man jemand anderen liebt, nur aus der Obligation des Versprechens, als man dachte keine bessere Option zu haben, ist doch so viel liebevoller, als demjenigen gegenüber ehrlich zu sein. Außerdem stirbt Jem ja eh ziemlich bald an seiner Krankheit, die sicherlich total und absolut nicht bis zum Ende der Reihe noch geheilt werden wird, und mit deren Heilung eventuell auch für diesen Topf ein neuer Nicht-Tessa-Deckel abfallen wird, also können die beiden ja notfalls die Situation auch einfach auswarten. Apropos, Sophie findet natürlich prompt einen neuen Deckel, an dem Tessa nicht interessiert ist, damit es da keine Probleme gibt.

Ach ja, ein wenig Handlung gibt es dazwischen auch überhaupt und so. Erneut hauptsächlich insular hier im Buch. Oder auch nicht. Wir finden heraus, warum Mortmain überhaupt die Shadowhunter so scheiße findet, dass er zum Unterweltsboss aufsteigt, nur um denen zig Jahrzehnte später eins reinzuwürgen. Nate, der mit dem fiesen wie offensichtlichem Reveal gegen Ende des letzten Buches, dass er eigentlich mit besagtem Bösewicht zusammenarbeitet, ziemlich narrativ überflüssig geworden ist, wird hier umgebracht, damit der Ballast weg ist. Was Tessa nun genau für eine Downworldlerin ist, ist immer noch nicht geklärt, sondern darf weiter im Suspens bleiben, wobei eigentlich klar ist, dass sie halb Nephilim halb Downworlder ist, nur noch eine große Eröffnung gemacht werden muss, wie das über ein spezielles Rosemary’s Baby Ritual überhaupt möglich war. Wahrscheinlich will Mortmain sie deswegen so sehr, sie sind verwandt oder durch das Ritual aneinander gebunden oder so ein Mist. Das Institut soll eigentlich an die Lightwoods gehen, nachdem am Ende des letzten Buches so viel schief gelaufen ist, welches wohl halbherzig als Story Arc für diesen Band herhalten soll, und am Ende dann auch beseitigt wird.

Die Meh-Reihe, die mit einem ersten Meh-Buch angefangen hat, ist auch im zweiten Buch ziemlich Meh, nur sogar noch mehr Meh als vorher.

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Clockwork Angel

The Mortal Instruments mag mit dem sechsten Buch abgeschlossen gewesen sein, dies jedoch nur unter jenem Titel. Denn Cassandra Clare hat fleißig weiter geschrieben. Beispielsweise mit The Infernal Devices zwischen 2010 und 2013, also noch während sie die zweite Hälfte der Mortal Instruments schrieb, eine Prequel-Trilogie dahin gelegt.

Natürlich dreht sich die Handlung wieder um ein scheinbar normales Mädchen, welches in die Aktionen der Shadowhunter hineingezogen wird, nur diesmal in London zur Zeit des viktorianischen Englands. Und natürlich sind die hiesigen Shadowhunter frei aus den Familien der Mortal Instruments wie den Herondales und Lightwoods entommen. Unsterbliche bzw. langlebige Charaktere wie ein Magnus Bane dürfen auch mal für ein paar Seiten mit rumspringen. Ist ein wenig so, als hätte Clare Fanfiction zu ihrer eigenen Serie geschrieben.

Aber vielleicht ist sie einfach auch grundsätzlich nicht allzu einfallsreich. Denn die beiden Hauptprotagonisten sind denen aus den Mortal Instruments sehr ähnlich. Will ist eine schwarzhaarige Version des blonden Jace. Gut gebaut, hübsches Gesicht. Mit 17 gerade so nicht volljährig genug um sich voll bei den Shadowhuntern beweisen zu können. Sarkastisch und stößt Leute von sich, weil er einen dunklen Schatten auf der Seele hat TM, den wir hier noch nicht herausfinden, der aber sicherlich halb so wild und total mit genügen Liebe zu überkommen ist. Und bester und beschützender Kumpel zum einzig anderen jungen Shadowhunter im Institut.

Der ist Jem, und erfüllt die Rolle des Exoten. Im Gegensatz zu Alec ist er nicht schwul, dafür Halbchinese, in einer Ära, wo ausländisches Blut nicht hoch gewertet wird. Außerdem von irgendeinem Dämonenblut besessen, das ihn langsam umbringt. Und dessen Heilung wir sicherlich über die nächsten Bücher finden dürfen.

Die vielleicht mit Tessas besonderen Kräften zusammenhängt. So wie Clary als normales Mädchen lebte und plötzlich herausfinden musste, dass sie gar kein Mensch sondern Shadowhunter ist, zudem die einzigartige Kraft hatte neue Runen zu erfinden… so hat Tessa als normales Mädchen in New York gelebt, bis ihr Bruder nach dem Tod der sich um sie kümmernden Tante eine Einladung schickt mit ihm in London zu leben. Wo sie entführt wird und bevor die Shadowhunter sie befreien herausfinden muss, dass sie gar kein Mensch ist, sondern eine Gestaltwandlerin. Was sie zum einem Warlock machen würde, aber im Gegensatz zu ordinären Vertretern der Rasse hat sie kein sie als solchen identifizierenden Makel.

Natürlich darf sich die hitzköpfige Tessa in den rauen Will vergucken. Natürlich ist klar, dass dies erwidert wird. Natürlich dürfen sie nicht am Ende des ersten Buches schon miteinander enden, von daher darf nach hitzigem hin und her und will er oder will er nicht, Will die Sache brechen. Wahrscheinlich aus einem angeblich hehren Grund wie sie zu schützen oder was weiß ich. Ein wenig Anspielung das auch Jem sich in Tessa verguckt und sie ihn auch mag, gibt es zudem, aber wir wissen ja und das Buch macht auch so keinen so großen Hehl daraus, mit wem sie letztendlich enden wird.

Ach ja, Jessie als dritte Shadowhunterin im Institut gibt es auch noch, und sie darf Izzys Rolle übernehmen das einzige Mädel der drei und etwas selbstverliebt zu sein, aber letztendlich eine mehr als untergeordnete Rolle zu spielen. Wer interessiert sich schon für weibliche Rollen in diesen Büchern abgesehen von der Self Insert Hauptprotagonistin?

Und ja, Clare hat wieder mal ein Faible dafür, jedem einen Spitznamen zu geben, egal wie doof es klingt oder wie wenig der abkürzt. Nathaniel ist Nate, Theresa ist Tessa, William ist Will, Jessamine ist Jessie und James ist Jem (ugh).

Die Geschichte bleibt dabei auch ziemlich vorhersehbar. So viel, wie hier überhaupt geschieht, denn das hier ist eindeutig gestreckt, um eine Trilogie aus der Angelegenheit zu bekommen. Es sollte von Anfang an ziemlich klar sein, dass der lange verschollene Nate noch mal auftauchen wird, und in der Szene in der er offenbart wird auch schon vorher das er es ist, sowie das der noch was im Schilde führt. Dass der Einsatz am Ende eine falsche Fährte ist nur um die Shadowhunter aus dem Institut zu locken, ist auch sehr offensichtlich, so sonderlich schlau scheinen die jedenfalls nicht zu sein, Tessa fast alleine zurückzulassen weil in einer Nacht plötzlich ganz praktisch alles zusammen geschehen soll.

Wobei ich es ja schon etwas herrlich finde, dass der Bösewicht sich damit brüstet, wie einfach die Shadowhunter zu überlisten waren, weil sie Mundies unterschätzen. Mundane ist ja deren Name für normalsterbliche Menschen, und obwohl sie jene vor übernatürlichen Geschöpfen zu beschützen geschworen haben, sehen die Shadowhunter extrem auf jene herab. Eine Sache, die in den Büchern immer wieder aufkommt, deren Rassismus allerdings nie wirklich behandelt wird. Nett, dass sie das mal in den Arsch gebissen hat.

Ich würde ja gern etwas positiver klingen, und dass ich nun schon beim siebten Buch der Franchise angelangt bin, kann ja nicht nur Negatives bedeuten. Jedoch so richtig Begeisterung aufkommen wollte bei mir auch nicht, dafür ist alles zu gehabt und fällt zu sehr auf Klischees zurück.

City of Heavenly Fire

ava-1889Aus, Schluss, Ende. Nach 6 Büchern ist The Mortal Instruments abgeschlossen. Nicht wirklich, aber irgendwie schon. Die Charaktere für die nächste Trilogie werden nämlich hier natürlich direkt schon eingeführt. Im Prolog, mit Emma und Julian und dessen Geschwistern, die als einzige eine von Sebastians Attacken auf ein Institut der Shadowhunter überleben dürfen. Und von Anfang an ist die Meute zu sehr grundcharakterisiert, Emma zu sehr an Julien interessiert, und ihre Parabatai-Bruderschaft-Aussicht passend für die nächste Liebe die nicht sein darf (TM) in den Startlöchern, als das dies nicht nach typischen Paranormal Romance Young Adult Setup wirken würde. Und war in einem der vorigen Büchern überhaupt je schon mal erwähnt, dass Shadowhunter, die den Parabatai-Bund eingehen, keine romantischen Gefühle füreinander entwickeln dürfen? Oder hat sich Cassandra Clare das mal wieder so im Verlauf des Buches ausgedacht, weil Liebe die nicht sein darf (TM)?

So wirkt ehrlich gesagt das ganze letzte Buch, eigentlich die zweite Trilogie sowieso, und ein wenig The Mortal Instruments allgemein ab Buch Nummer 2. Nämlich als ob Cassandra Clare die Sachen weniger und weniger durchdacht hatte, sondern irgendwie einfach weiter und weiter schrieb, weil man die Kuh melken muss, solange sie noch Milch gibt. Sebastian ist also der große Bösewicht, Lilith kommt nicht zurück, Maureen wird hier ziemlich schnell abgewürgt. Und sein großer Plan? Keine Ahnung? Er überfällt ein paar Einrichtungen, weil er den Shadowhuntern den metaphorischen Mittelfinger zeigen will. Wenn die Truppe dann aber zum Showdown doch endlich mal in seiner Dämonenwelt vorbei schaut, hat er plötzlich jegliches Interesse an unserer Welt verloren und will dort abgeschottet regieren, das Problem ist nur noch, dass er seine Schwester auch dort haben will. Warum, außer weil er doch irgendwo allein ist, wurde dabei sowieso nie klar gemacht. Diese eine menschliche Regung mag ich ihm auch nicht absprechen, aber warum er so auf Clary fixiert ist, weiß ich echt nicht, abgesehen davon, dass sie der Hauptcharakter der Bücher ist, und deswegen für alle per default wichtig und kostbar und besonders.

Und was geschah sonst noch so? Zwei Leute sterben. Vielleicht waren es auch drei. Natürlich nur unwichtige. So wie Cassandra Clare ganz eindeutig Max in der vorigen Trilogie eingeführt und dann nie wichtig hat werden lassen, damit sie ein Bauernopfer fürs dramatische Finale hat, so verlieren wir auch hier nur Leute, die für die Charaktere im Buch wichtig sein mögen, aber dem Leser nie wichtig genug gemacht wurden, als dass man sich groß scheren müsste. Selbst das Opfer, welches Simon gegen Ende bringen muss, wurde im Epilog genauso hastig wieder revidiert. Und Magnus und Alec kommen natürlich auch wieder zusammen, und es ist die größte und wahrste Liebe in dessen unsterblichen, vierhundertjährigen Leben ever.

Mortal Instruments wird gerne „fanficcy“ genannt. Da hatte ich zunächst nicht so ganz zugestimmt. Ich mein, es basiert auf einer Umarbeitung einer Harry Potter Fanfiction, die Cassandra Clare irgendwann mal geschrieben hat, aber es liest sich nicht so fanficcy für mich. Da denke ich eher an sowas wie Twilight, welches für 90% der Seiten nur dahin mäandert ohne das was passiert, und sich auf die letzten paar Dutzend noch schnell irgendwas hirnrissiges aus dem Arsch zieht, weil Klimax muss da sein und so. City of Bones hatte hingegen eine feste Struktur, wirkte eben durchgeplant, egal wie sehr die Welt nach Harry Potter meets Buffy with a sprinkle of Angel Sanctuary wirkt. Im Verlauf der Reihe wurde der Schreibstil dann aber doch ein wenig fanficcy für mich, eben weil es sich so ein wenig liest, als wäre es spontan einfach so runter geschrieben worden, und führt dahin, was halt gerade einfiel, nicht was vorher strukturiert geplant war. Jedem Topf einen Deckel finden zu wollen, sowie dramatische Tode ohne wirkliche Dramatik zu haben, weil sie eben im Gegensatz zu Harry Potter niemand Wichtigen umzubringen bereit ist, und ja, irgendwie mag es sich etwas wie Fanfiction lesen. Das scheint aber allgemein ein gewisses Problem in diesem Subgenre zu sein, vor allem sobald Reihen eine gewisse Länge erreicht. Bei den Sookie Stackhouse Geschichten war es ja ähnlich, dass nach ein paar Büchern das Ding mehr um seiner selbst willen irgendwie weiter ging, die Luft aber irgendwo deutlich raus war.

City of Lost Souls

ava-1885Mortal Instrumets, die vorletzte Runde, zumindest unter diesem Namen. Was passiert in City of Lost Souls? Keiner stirbt, mal wieder, niemand wichtiges zumindest, auch wenn Cassandra Clare damit gern gegen Ende spielt, es ist ziemlich durchsichtig, wann immer jemand doch nicht so tödlich verwundet ist, wie es zunächst geschrieben steht. Lost Souls kommt stattdessen daher, dass Jace seine Seele verliert, zum Handlanger von Sebastian wird.

Wo Cassandra Clare ganz wie mit Valentine in der vorigen Trilogie übrigens wieder Potential verspielt mit. Nämlich die Sache doch nicht ganz so schwarz und weiß zu gestalten. Sebastian ist vielleicht doch nicht so böse? Sebastian ist doch alleine und will seine Schwester und Jace als Kumpane haben? Ist aus einem Blickwinkel die Lage betrachtet vielleicht doch etwas anders? Damit spielt City of Lost Souls mal wieder ganz gern, aber letztendlich führt es zu nix, Sebastian ist ein fieser Schurke und will die Welt vernichten und das gehört aufgehalten, egal wie alleine er ist. Keine Sympathien für Bösewichte. Ich hab keine Ahnung, warum Cassandra Clare denen immer etwas Menschlichkeit andeutet, nur um die Sache dann doch wieder in ziemlich einfache s/w-Fronten enden zu lassen.

Auch das Clary sich vielleicht ein wenig in die gefährliche Seite bei dem Trio-Eurotripp im fantastischen Interdimensions-Haus zu verlieben scheint, ist mehr Tease denn Payoff. Ist schön das Clary zumindest mittlerweile ein wenig Shadowhunter-Training hat, und somit nicht immer nur doof daneben steht, bis ihr eine den Tag rettende Rune einfällt, sondern ein wenig um sich hauen darf. Aber das sie erst Blutlust im Kampf verspürt, in Europa mit dem Alkohol anfängt, nur um dann in einem osteuropäischen Nachtclub zu enden, Drogen zu nehmen und beinahe vor versammelter Mannschaft animalischen Sex mit Jace zu haben… das ist mir ein wenig zu sehr amerikanisches „be a good girl, or else“ 101. Den Sex haben sie übrigens nicht, selbst wenn Jace normal und kuschlig ist nicht. Ein wenig seltsam, denn die beiden sind mittlerweile so notgeil, dass Cassandra Clare sich einen spezifischen Grund einfallen lassen muss, warum sie momentan körperlich inkompatibel sind. Ich werde nie verstehen, warum Sex in Young Adult so ein extremes Tabu ist, egal wie häufig wiedergekäut wird, wie rattig die beiden Hauptpersonen sind, und was für perfekte Seelenverwandte und so.

Joa, die Beziehung der anderen Charaktere ist so ein wenig auf Sparflamme behandelt, abgesehen von Alec und Magnus, deren Dummheit sie auseinandergehen lässt, und irgendwie finde ich die zweite Trilogie immer noch etwas unübersichtlich. Ist Sebastian nun der Hauptantagonist? Wäre Lilith, die durchaus doch noch im Spiel it, nicht viel besser dafür geeignet? Oder wird die noch mal wirklich wichtig, statt zur Randfigur zu verkommen? Camille wird erwartungsgemäß verheizt, aber ist Maureen jetzt jemand, den man auf dem Schirm haben muss?

Na ja, das finale Buch wird es zeigen, und Nummer Fünf war ja nicht unspannend, selbst bei den Langweilern Jace und Clary tut sich ja diesmal auf dem Euro-Trip ein wenig was. Allem zum Trotz lese ich die leicht verdaulichen Bücher halt doch ganz gern.

City of Fallen Angels

ava-1883Mensch Leute, ist es echt erst ein Jahr her das ich durch die ersten drei Bücher der Mortal Instruments gelesen habe? Kommt mir viel länger vor, liegt aber vielleicht auch einfach am Alter und dem schlechter werdenden Gedächtnis. Wenn’s nicht ums Frühstück des aktuellen Tages geht, scheint alles so neblig lang her zu sein. Nicht, dass ich wirklich je realistisch mit der Reihe abschließen könnte, egal wie schnell ich die lese, da Cassandra Clare scheinbar nicht enden wollend an ihr schreibt. Inklusive geplanter Veröffentlichungen sind’s in der Franchise nämlich bereits 16 Bücher. Nun gut, ist wenigstens reichlich Stoff für die kommende TV-Serie, da die Kinofilm-Fortführung ja finanziell ins Wasser fiel.

Egal. Mortal Instruments #4: City of Fallen Angels! Der Anfang der zweiten Trilogie, Staffel, Zyklus, wie auch immer, eben das, was passiert, nachdem Voldemort Valentine besiegt ist und alle glücklich wurden, und es jetzt doch wieder weiter gehen muss. Natürlich in bester Manier damit, dass die ganzen recht fixierten Beziehungen wieder aufgebrochen bzw. verkompliziert werden müssen. Die recht offene Izzy und Neu-Vampir Simon beispielsweise hatten ja angebandelt, aber Werwölfin Maia war ja auch an Simon interessiert, und dementsprechend stand das komplizierte Liebesdreieck direkt schon in den Startlöchern. Mehr in Form dessen, dass Simon sich nicht entscheiden kann und die beiden Mädels gar nix voneinander wissen. Am Ende des Buches sind Simon und Izzy aber wieder knorke und Maia hat mit ihrem prügelnden Ex – einer der wenig wirklich neuen Charakteren – auch jemanden gefunden, mit dem wieder was gehen kann, mit dem man aber schnell auch wieder neues Liebesdrama aufbrechen könnte.

Ugh, und Clary und Jace. Ugh. Clary und Jace. In bester Young Adult Paranormal Romance Manier ist das Hauptpaar bestehend aus den beiden wenigst interessanten Charakteren des Universums. Endlich wissen die beiden, dass sie keine Geschwister sind, also kann ihrer unsterblichen, einzigartigen, so noch nie dagewesenen Liebe nichts mehr im Wege stehen. Sollte man denken, aber dann gibt’s das ausgelutschte Klischee, dass er sie doch von sich stößt, weil er ist nicht gut genug für sie und blargh, und aber mit ihr Schluss macht er auch nicht, weil dafür liebt er sie ja doch zu sehr und blargh. Und sie denkt nach 24 Stunden des sie Meidens bereits, dass er mit ihr Schluss machen will und blargh. Und aber sie lieben sich doch so sehr, aber geht das denn gut, und die prophetischen Alpträume und blargh.

Lieblingspaar Alec und Magnus haben übrigens auch Probleme, und wie immer geschieht bei denen alles viel sprunghafter als gut wäre. Zunächst sind sie auf Weltreise und somit in den ersten zwei Dritteln des Buches eigentlich gar nicht anwesend. Dann kommen sie wieder und fangen sofort an zu streiten, weil Alec aufgeht, dass der hunderte Jahre alte Warlock ja vielleicht schon früher mal Beziehungen hatte, und bisexuell is er auch noch, also muss man sich vor beiden Geschlechtern hüten. Und mir geht mal wieder ab, warum ein chilliger, hunderte Jahre alter Warlock, der vor Selbstsicherheit nur so strotzt, ausgerechnet mit einem unsicheren und von Teenie-Hormonen gepeitschten 18-Jährigen zusammen sein wollen würde. Dabei steckt hier durchaus legitime Furcht dahinter. Als Sterblicher mit einem Unsterblichen zusammen zu sein bedeutet nun mal, dass man nicht gemeinsam alt und grau wird und nebeneinander begraben liegt, er wird nicht sterben sondern irgendwann zum nächsten Partner weiterziehen, und wer weiß was in 20 Jahren ist, wenn das Alter Alec einholt und Magnus immer noch wie 20irgendwas aussieht? Aber das ist alles unter so dümmlichen „Was ich bin nicht dein Erster?“ und „Ich bin sauer auf dich, rede aber nicht darüber warum, sondern finde es selbst raus“ Teenie-Mist begraben. Streiten tun sie bis zum Ende des Buches, wenn Alec sich in Gefahr begibt, und dann plötzlich alles wieder gut zwischen ihnen ist, weil Magnus hat sich doll Sorgen gemacht. Das absolut langweilige Klischee, um zwei Streithähne wieder ohne wirklichen Grund zusammenzubringen: Einen halt in eine Gefahrensituation bringen, damit sie sehen, was sie aneinander haben.

Überraschenderweise dreht sich City of Fallen Angels allerdings die meiste Zeit um Simon, nicht um Clary und Jace. Und wenn es um ihn geht, ist das Buch tatsächlich am Interessantesten. Als Neu-Vampir geht sein Leben eben doch nicht so einfach von dannen, wie das in den vorigen Büchern schien, weil Cassandra Clare sich dort die Zeit nicht für ihn genommen hat. Es fliegt dann doch bei seiner Mutter auf, dass er nicht mehr sterblich ist, und er wird verstoßen. Er beißt aus Blutdurst jemand Unschuldigen, statt es vermeiden zu können. Sein besonderes Blut macht ihn interessant für diverse Leute, die ihn manipulieren wollen, und ihm nicht ganz zu Unrecht hinterfragen, ob er als Vampir wirklich abseits seiner Artgenossen und inmitten von Shadowhuntern leben kann. Das Buch ist wirklich am Besten, wenn es um ihn geht. Und bevor wir herausfinden, warum jeder hinter ihm her ist. Aufs Finale nimmt das leider wieder etwas ab. Wenn wir Lilith gegenüberstehen, der Mutter der Dämonen, Adams erster Frau, die erste von Gott Verstoßene, die aber nicht der neue Bösewicht der Trilogie ist, sondern nur verballert wird, um Sebastian, einen aus der vorigen Trilogie, zurückzubringen. Was auch der einzige Grund ist, warum sie hinter Simon her war, der wohl jetzt dann auch keine Rolle mehr spielen wird, und selbst Alt-Vampirin Camille scheint keinen großen politischen Coup geplant zu haben, sondern war nur Liliths Handlanger. Das war nicht wirklich das beste Pay Off zum davor eigentlich ganz guten Build Up, Szenen zwischen Clary und Jace mal ausgrenzend.

Bleibt zu hoffen das die nächsten beiden Bücher da etwas mehr rausholen. Wie immer wieder erwähnt ist die Buffy meets Potter Welt ganz gefällig und wenn es um die Nebencharaktere geht die Serie an sich eigentlich auch ganz nett, City of Fallen Angels ist nur leider mit einem etwas lauen Lüftchen ausgeklungen und wirkte wie eine etwas holprige Fahrt dorthin.

City of Glass

ava-1608In City of Glass sprintet The Mortal Instruments nun also seinem Ende entgegen. Mehr oder minder zumindest, ist es doch nur das Ende der ersten Trilogie sozusagen. Cassandra Clare melkt ihren eigenen kleinen Hit nämlich, so weit ihr das möglich ist. Und so fing zwei Jahre nach City of Glass mit dem vierten von nun sechs Büchern eine Fortsetzung an, ganz zu schweigen von den Bane Chronicles Kurzgeschichten über Lieblingscharakter Magnus Bane, der Infernal Devices Prequel-Trilogie, sowie mittlerweile mit The Dark Artifices eine geplante Sequel-Trilogie. Eisen soll man ja schmieden, solange sie noch heiß sind, nicht?

Aber so weit sind wir ja noch nicht, The Mortal Instrumenst 3 also, City of Glass: Hitler Voldemort Valentine hat nun also das Schwert und den Kelch, fehlt ihm nur noch der Spiegel, um die Dreifaltigkeit der Mortal Instruments zu komplettieren. Jace, die Lightwoods, und Clary derweil sind auf dem weg nach Ibris, dem Land der Shadowhunter, wo sie in Alicante, der Stadt mit den Glastürmen, gegen ihn mobil machen wollen, sowie Clary Anhaltpunkte sucht, wie sie ihre Mutter aus dem magischen Koma befreien kann. Alles läuft natürlich nach Strich und Fanden schief, noch bevor sie richtig angekommen sind, und während die Clave, der Obersenat der Shadowhunter, aus den Lightwoods einen Sündenbock für die Missgeschickte der letzten Zeit machen will, taucht Valentine mit seiner Dämonenarmee auf, um notfalls alle Shadowhunter auszurotten, um eine reinere Rasse aus der Asche zu erschaffen.

Ok, Young Adult hat nicht unbedingt den besten Ruf, eben weil es kein Genre aussagt, sondern für welche Demographie es gedacht ist: Teenager, in der Neuzeit zudem meist weibliche. Natürlich gibt es scheinende Ausnahmen an Jugendbüchern, die zeigen, dass es auch anders geht. The Hunger Games beispielsweise, oder die zwischen Kinder- und Jugenbuch pendelnde Harry Potter Saga. Ausnahmen kennen wir allerdings eher als die Regelbestätigung, und viel scheint tatsächlich dem Erfolg von Twilight nacheifern zu wollen, und demnach für jeden über 18 Jahre und mit geregeltem Hormonverlauf eher ungeeignet zu sein.

Ich les besagtes Young Adult aber eben doch immer mal wieder gern. Wenn es sich eben um die Southern Vampire Mysteries um Sookie Stackhouse handelt, oder die Mortal Instruments. Weil sie recht witzig und unterhaltsam sind, wenn auch eben immer wieder in Soap Opera abrutschen und nicht unbedingt immer gut geschrieben sind. Und weil sie das wissen. Eine Charlaine Harris oder Cassandra Clare sind eben keine Stephenie Meyer, und denken nicht hier das nächste Romeo and Juliet oder Wuthering Heights zu schreiben.

Aber City of Glass hat schon seine Probleme. War es erneut unterhaltend, solange man seinen Standard auf einer annehmbaren Höhe hält? Ja. War es einfach und schnell gelesen und verdaut? Ja. Aber es hat so einige Probleme.

Die Charaktere sind nicht sonderlich schlau. Es gibt Forshadowing, dank dem es für den Leser wesentlich einfacher ist, Zusammenhänge zu sehen oder zu erraten, als für die Charaktere in einem Buch, weil die nicht den gleichen Überblick haben. Und dann gibt es die Momente, bei denen man sich wirklich fragt, warum immer noch keiner das Offensichtliche gesehen hat. Und mal ehrlich, die Shadowhunter konnten über tausend Jahre nicht herausfinden, dass mit dem Spiegel der See gemeint ist? Obwohl jede Darstellung von Raziel ihm mit den zwei anderen Instrumenten im See stehend zeigt? Und der einzige Nutzen des „Spiegels“ es ist, ihn genau so erneut zu beschwören?

Eine weitere ungeschriebene Regel in Young Adult scheint zu sein, dass das Hauptpärchen die uninteressantesten Charaktere zu sein haben. Ich finde weder Jace noch Clary schlimm oder total langweilig, aber irgendwie scheint das Leben der Nebencharaktere immer mehr Potential zu haben, erzählenswert zu sein, was vielleicht aber auch nur daran liegt, dass wir kaum Einblick bekommen. Simon muss lernen als Vampir zu leben. Zwischen ihm und Superweib Isabelle bandelt sich was an. Alec und Magnus scheinen mit die meiste „Screentime“ zu bekommen, weil das schwule Pärchen zu den Fanfavoriten gehört, aber auch da geschieht alles recht sprunghaft, damit mehr Zeit für „Die Liebe, die nicht sein darf, hach“-Zeit zwischen Clary und Jace mit reichlich durchschaubaren Missverständnissen bleibt. Wenn Cassandra Clare mit Max den jüngsten Lightwood-Sproß umbringt, hat das für uns als Leser kein Gewicht, weil das Balg vielleicht in fünf Sätzen über alle drei Bücher erwähnt wird, und auch die Lightwoods ein paar Tage später drüber hinweg scheinen.

Und dann das Fehlen von World Building. Wir kommen also endlich in Ibris an, ins Herz der Shadowhunter-Gesellschaft. Und nichts. Ibris ist ein romantifiziertes Europa. Beschauliche Auen, versteckte Wäldchen, voller Magie und magischen Wesen, ohne das Surren und die Neonlichter moderner Gesellschaft, weil Strom dort nicht funktioniert, stattdessen alle Annehmlichkeiten durch Magie kommen. Alle leben in niedlichen, kleinen, verstreut stehenden Häuschen, Alicante mit den Glasstürmen ist die einzige Stadt des Landes. Wie das oder die hier lebende Gesellschaft aber wirklich funktionieren soll, finden wir nicht heraus, sondern bekommen nur ein schönes Bild gezeichnet. Die Shadowhunter werden als altmodisch beschrieben, weil es zum Bild des Rennaissance-Europas passt. Isabelle meint, sie habe immer geblaubt, sich als Frau gegen die Männer durchsetzen zu müssen. Warum? Ihre Mutter ist stark, ihre Brüder und Vater halten sie nicht für schwach, und unter den Shadowhunter scheinen Frauen komplett gleichberechtigte Kämpfer. Warum also? Alec meint seine Homosexualität würde in dieser Gesellschaft sicher nicht gut ankommen. Warum? Gibt es da einen konkreten Grund, abgesehen von einem wegwischenden „altmodisch“? Nope.

Und am Ende geht natürlich alles für alle gut aus, ohne jegliche Verluste (wenn man Max nicht zählt). Simon ist damit im Reinen ein Vampir zu sein, über Clary hinweg, hat zwei neue Love Interests. Alec und Magnus sind ein geoutetes Pärchen und alle super ok damit. Clary und Jace finden heraus, dass sie nicht blutsverwandt sind (was schon das vorige Buch angedeutet hat, und wer es über City of Glass noch nicht hat kommen sehen, ist wirklich etwas dämlich) und dürfen sich lieben. Ihre Mutter ist wieder wach und hat auch mit Luke angebandelt. Wiederholt wurde bewiesen, dass der Clave vielleicht doch nicht zu trauen ist, aber das ist schon ok, denn der Plotpunkt wird eh ständig in den Büchern wieder vergessen. Der Kampf gegen die Dämonen hat wenige (eh komplett unbekannte) Leben gekostet, weil die netterweise nach dem Sieg über Valentine sofort alle abgezogen sind. Friede, Freude, Eierkuchen.

The Mortal Instruments ist Buffy meets Potter für Arme. Dabei bleibe ich. Die Welt ist ganz gefällig und das Geschehen halbwegs interessant. Aber allzu viel sollte man bekanntlich nicht erwarten, das hier hätte nämlich wesentlich besser geschrieben sein können. Vor allem gegen Ende der Bücher macht es sich Frau Clare immer ein ganzes Stück zu einfach, vergisst graue Plotpunkte für Schwarz-Weiß-Malerei gern einfach. Wirklich aufregen tut mich das nie, weil eben meine Erwartungen bereits klar abgesteckt sind, und ich so ziemlich das erfüllend geliefert bekomme.

City of Ashes

ava-1537Wo stehen wir nun also beim Anfang vom zweiten Buch der Mortal Instruments, City of Ashes, noch mal? Nicht-Voldemort, Ex-Shadowhunter, der alle Unterweltler ausrotten will, ist überraschend wieder aufgetaucht, und ist auch noch in Besitz des Mortal Cups gekommen, der Heilige Kelch, mit dem man eine Armee an Shadowhuntern aus normalen Menschen heranzüchten kann, wenn man denn kein Problem mit der hohen Fehler- sprich Sterberate hat. Außerdem haben sowohl Clary wie Jace herausgefunden, dass er ihr Vater ist, was die ganze romantisch-sexuelle Spannung zwischen den beiden doch etwas arg Ewww~ macht.

Mortal Instruments gibt es übrigens gleich drei, ganz wie die Deathly Hallows in Harry Potter. Und Valentine ist im zweiten Buch daran, sich das Mortal Sword aneignen zu wollen, weil man mit ihm schnell mal eine Armee an Dämonen aus der anderen Dimension herbeiwünschen kann, was wesentlich schneller geht, als mit dem Mortal Cup eine Legion aufstellen zu wollen. Außerdem versucht er sich noch mal daran, Jace auf seine Seite zu verführen, da die Shadowhunter den mehr oder minder rausgeworfen haben, da sie ihm misstrauen eigentlich ein Spion für seinen Vater zu sein. Und Clary passt momentan ja eh nicht so auf, versucht sie sich doch mit ihrem besten Freund Simon über Die Liebe Die Nicht Sein Darf TM hinwegzutrösten, der arme Lückenfüller.

City of Ashes ist erneut kein super gutes Buch per se, jedoch erneut ein recht unterhaltsames. Ich mochte es sogar etwas mehr als City of Bones, da es insgesamt etwas besser geschrieben erschien. Es ist zwar immer noch sehr viel vorhersehbar, jedoch ist die Clunky Exposition nicht mehr so stark. Allerdings gibt es im zweiten Buch wesentlich mehr Teenage Angst und Liebesdrama. Simon will Clary, die ihn anbeißen lässt, obwohl klar ist, dass sie Jace will. Der will sie auch, aber als Geschwister dürfen die das natürlich nicht. Alec derweil hat immer noch ein Auge für Jace, obwohl er auch mit Magnus angebandelt ist. Sprich wir haben quasi zwei sich überschneidende Liebesdreiecke. Was manchmal schon etwas nerven kann.

Worauf ich bei City of Bones gar nicht so eingegangen bin, und was mich glaub ich wesentlich toleranter gegenüber The Mortal Instruments sein lässt, ist die self awareness. Ich hab das schon mal bei den True-Blood-Büchern geschrieben, dass sie zwar ihre dummen Stellen haben, sich derer meist aber bewusst sind. Und ich habe bereits geschrieben, dass mich The Mortal Instruments etwas an ein etwas schlechteres Buffy erinnert. Jenes übrigens mehr denn Harry Potter, denn wüsste ich nicht, dass dies auf Versatzstücken einer Fanfiction zum Potterverse basiert, ich wäre mir gar nicht so sicher, ob ich so viele Parallelen sehen würde – denn ein Triumvirat an heiligen Gegenständen und ein Lucifer-Antagonist, der aus den eigenen Reihen gefallen ist (Casandra Clare, nie eine Freundin von Subtilität gibt Valentine tatsächlich auch direkt den Familiennamen Morgenstern) sind recht gängige Archetypen, die auch rein zufällig mit Harry Potter sich überschneiden könnten. Was mich eben so an Buffy erinnert, ist zum einen natürlich die Welt, in der alle möglichen Dämonen/Fabelwesen neben uns leben und Auserwählte gegen sie kämpfen, natürlich Jace, der mehr wie Spike denn Draco ist… aber vor allem die Mischung aus Romanze, Teendrama, Monsterfights und Humor. Und eben die Self Awareness. Die Charaktere hier sind sich voll bewusst, wenn sie unvernünftig sind oder sich dämlich verhalten, aber gerade Teens passiert das nun eben häufiger mal. Magnus, sowieso der beste Charakter der Reihe, kommentiert nicht nur ein mal, dass er sich wie in einer schlechten Soap Opera vorkommt.

Das ist eben das, was The Mortal Instruments über Twilight oder Fifty Shades hat (abgesehen natürlich davon, dass es Action und Humor gibt, bzw. grundsätzlich überhaupt mal was passiert): Die charmanten Charaktere und die Selbsterkenntnis, wann es etwas cheesy und doof wird, machen mir die Reihe wesentlich sympathischer. The Mortal Instruments hält sich weder ganz ernsthaft für höhere Literatur, noch hat es so Pappaufsteller wie Bella und Edward, oder so Psychopathen wie Christian und Ana zu bieten.

Nur das Ende… das hätte wirklich umgeschrieben gehört. Ich glaube kaum, dass ein auf der gewinnenden Seite stehender Valentine, der jederzeit mit dem Schwert neue Dämonen herbeirufen kann, sich wirklich zurückziehen würde, nur weil Clary mit ihren neuen „Erfinde eine Rune, wenn der Plot sie benötigt“-Kräften sein Schiff versenkt. Dafür hat Clare mal wieder Überraschungs-Eier, in dem sie Simon gleich zwei Mal im Buch umbringt, auch wenn sie sich ebenfalls am Ende wieder aus dessen Problemen mit seinem neuen Daseins herausschreibt. Allgemein würde ich gern etwas mehr über die Nebencharaktere zu lesen bekommen. Über Simons Probleme als Neu-Vampir, über die Schwierigkeiten zwischen Alec und Magnus, alles Zeug, was eher nur dann Erwähnung findet, wenn es direkt mit unseren beiden Hauptcharakteren kollidiert, und ansonsten aus bleibt.

City of Bones

ava-1533The Mortal Instruments ist eine weitere, aktuelle Saga an Young Adult Paranormal Romance, welches auf einer Fanfiction basiert, und dessen erstes Buch, City of Bones, erst kürzlich in einen Film gepackt wurde, weil Young Adult momentan die Melkkuh Hollywoods ist, nur das dieser Film ziemlich floppte. Alle Warnsignale auf Rot also? Wo wir bei Warnung sind: Dies ist ein weitere Eintrag der Marke „das ist alles falsch, aber irgendwie mag ich es dennoch“.

Die Sache ist die, ich habe kein Problem mit dummen Unterhaltungswert. Ich schaue/lese/spiele Sachen, weil sie mich interessieren, nicht immer auf eine gute Art und Weise, aber eben weil sie mein Interesse geweckt haben. Nicht, weil ich damit angeben will, dass ich schweren Stoff X/Y/Z durchstanden habe, und das zu tote analysieren muss. Die Frage, ob Spiele Kunst sind, könnte mich nicht weniger interessieren, da ich sie als Unterhaltungsmedium konsumiere (sie sind es btw, weil ALLES Kunst ist, selbst Bilder von einer Konservendose, oder das Gekritzel, das Höhlenmenschen beim Kacken aus Langeweile an die Wand geschmiert haben). Natürlich können mir Sachen dennoch ZU doof sein, wie Twilight, oder die Asylum-Filme, oder Kingdom Hearts, aber das hat mehr was damit zu tun, dass sie das Verbrechen begehen, dumm UND langweilig zu sein. Natürlich erwische ich mich dennoch dabei, wie ich in Young Adult bei besonders dämlichen Stellen die Augen gen All erhebe und Aufstöhne. Was ich einfach sagen will ist, dass mir Young Adult Paranormal Romance, seinen schlechten Ruf eventuell nicht ganz unverdient habend, dennoch nicht aus Prinzip abschreckt und ich durchaus auch insgesamt ein Buch wie The Mortal Instruments: City of Bones mögen kann, obwohl es sicherlich nicht sonderlich intellektuelles Lesen ist. Ein Buch, dessen erste Seite Shakespeares Julius Caesar zitiert, auf der zweiten Seite eines aus Miltons Paradise Lost bringt, und dann später in der eigentlichen Geschichte meint „But there isn’t anything between Germany and France besides Switzerland“ (Cassandra Clare sollte demnächst mal schnell auf Google eine Europa-Karte aufrufen, bevor sie sowas schreibt). Mehr Warnsignale auf Rot? Ich verkaufe das Buch nicht besonders gekonnt, hmm?

Okay, egal, worum geht es denn in The Mortal Instruments? Clary ist ein Teenager und sieht eines Abends in einem New Yorker Club verdächtige Gestalten in Leder, die seltsame Tattoos haben, und einen anderen Gast zu verfolgen scheinen. Als sie spioniert, muss sie miterleben, wie sie jenen umbringen, und behaupten er sei ein Dämon und sie Shadowhunter. Als ihr Freund mit der Security dazu stößt, muss Clary aber feststellen, dass keiner die Gestalten, die direkt vor ihren Augen sind, sehen kann.

Wisst ihr was, ich habe ja kein schriftstellerisches Talent, nicht mal genug, um Paranormal Romance für hormongesteuerte 15-Jährige zu schreiben. Aber wenn ich es täte, ich würde genau solch eine Prämisse nutzen, um das Buch dann darin enden zu lassen, dass Clary tatsächlich geisteskrank ist und sich die ganzen Ereignisse der letzten 500 Seiten nur eingebildet hat. Ihr wisst schon, wie das Ende von Fight Club, oder die Buffy-Episode, wo sie in der Irrenanstalt aufwacht.

Clary ist natürlich nicht verrückt, aber die Tatsache, dass sie als scheinbar normaler Mensch durch den Glamour der Shadowhunter sehen kann, doch sehr verdächtig. Und nachdem ihre Mutter von Dämonen entführt wird, landet sie so doch in deren Institut, wo Jace und die anderen beiden Teenager von jener Nacht zu Dämonenjägern ausgebildet werden. Hier erfahren wir etwas mehr über diese Welt. Denn tatsächlich existieren alle möglichen übernatürlichen Wesen, von denen Dämonen nicht in unsere Welt gehören, und deswegen von den Shadowhuntern, die aus den Reihen Normalos auserwählt werden, bekämpft werden. Fabelwesen wie Elfen, Vampire, Werwölfe, Hexer und Co. hingegen sind dämonisch-menschliche Mischwesen, die toleriert werden, solange sie sich schön brav verhalten. Normalerweise sehen Menschen nur eben jene übernatürliche Welt, die direkt neben ihnen her lebt, nicht. Damit ist also schon mal klar, dass die unscheinbare Clary eigentlich doch was besonderes ist, und da ihre Mutter und deren Freund Luke immer so mysteriös und über-protektiv waren, muss da natürlich ein großes Geheimnis im Busch sein. Leider stellt sich heraus, dass es das Offensichtliche ist.

Der Antagonist in The Mortal Instruments ist dann aber kein Oberdämon oder Dämonenbeschwörer, sondern Ex-Shadowhunter Valentine, der dagegen ist, Halbwesen das Leben zu erlauben, und stattdessen die Welt von jeglichem unreinen Blut reinigen will, deswegen einen Kult um sich gegründet hatte, der verbannt wurde. Doch nun scheint Valentine zurück zu sein, und auf der Suche nach dem Mortal Cup, aus dem trinkend weitere Shadowhunter entstehen können – allerdings mit extremer Sterberate unter nicht geeigneten Menschen, auf die Valentine aber auch nicht viel gibt. Wem diese Fantasy-Hitler-Sache aus Harry Potter stark bekannt vor kommt: Die Fanfiction von Cassandra Clare, die sie letztendlich zu The Mortal Instruments ummodeliert hat, war tatsächlich zu Harry Potter. Und das ist nirgendwo mehr ersichtlich als in Nicht-Voldemort.

Okay, was läuft also alles falsch in City of Bones? Das Buch ist angereichert mit den üblichen Klischees. Natürlich ist Clary sich ihrer eigenen Schönheit nicht bewusst. Natürlich ist Ladykiller Jace nach außen arrogant und kühl, aber mit echt weichem Kern. Natürlich sind die beiden wie Feuer und Wasser, verlieben sich dann aber doch ineinander. Natürlich ist Simon, der langjährige Freund von Clary, heimlich in sie verliebt. Und weil ein Liebesdreieck nicht genug Komplikation ist, gibt es bei den beiden Mit-Shadowhuntern auch noch Alec, der Clary nicht toll findet, da er a) normale Menschen gar nicht so toll findet, und b) heimlich in seinen besten Freund Jace verknallt ist. Die Welt ist sicherlich nicht sonderlich originell, sondern schreit geradezu Buffy meets Harry Potter. Weite Strecken der Ereignisse sind dadurch einfach sehr vorhersehbar. Zudem gibt es die guten alten „Clunky Exposition Times“, wenn Charaktere unprovoziert aus dem Nichts mit ihren tragischen Kindheitsgeschichten kommen, zu anderen Charakteren, die sie keine fünf Minuten kennen.

Auch werden interessante Ansätze nicht immer genutzt. Wenn beispielsweise Valentine gegen Ende zu Darth Vader wird und seine „komm auf die dunkle Seite“-Gehirnwäsche versucht, in der er die Fakten so herumdreht, als wäre er im Recht und die anderen die Lügner… wird uns sofort klar gemacht, dass er nur trickst. Nachdem sich im Buch bereits rausgestellt hat, dass mehrere Leute auf der „guten“ Seite Betrüger waren, Clary jahrelang von ihrer Mutter und Luke Dinge verheimlicht bekam, viele Shadowhunter anscheinend doch sehr rassistisch gegenüber Halbblütern und Normalos sind… da wäre das doch die ideale Gelegenheit gewesen, dieses Spiel etwas fortzusetzen und wirklich ein Verwirrspiel zu starten, welche Seite nun die Guten sind und welche nicht, oder allgemein die Parteien etwas Grauer zu machen. Passiert halt leider nicht.

Aber dennoch mochte ich The Mortal Instruments: City of Bones. Nicht als intellektuelle Leseerfahrung, aber als anständig unterhaltende. Die Welt mit ihrer urbanen Fantasy ist nicht neu, aber ich finde sie interessant genug. Die Charaktere sind nicht originell, aber witzig und charmant genug, sogar Jace, als dass ich sie nicht nicht mögen würde. Und immerhin ist die Romanze sich langsam entfaltend, statt dämliches auf den ersten Blick. Und die Inzest-Bombe am Ende ist sowieso genial. Wer so mit den Erwartungen der Leserschaft spielt, sie in gewohnte Sicherheit der Konventionen wiegt, nur um dann sowas direkt ins Gesicht von unbedarften Teenie-Mädels zu zünden… guter Troll, Frau Clare. Und ich gebe es zu, ich will auch wissen, ob aus Alec und Magnus was wird. City of Bones ist also kein geniales Buch, auch kein super geschriebenes Buch, aber häufig doch „gut genug“. Charmant und interessant und einfach zu lesen genug, als dass ich zum nächsten weitergehen bereit wäre.