Blood Omen 2

ava-2068Bereits 1999, als das erste Soul Reaver erschien, wurde sich so einige Gedanken gemacht, wie man die heiße neue Franchise, die dort an der Hand lag, möglichst gewinnbringend umschlagen konnte. Nachdem also bereits das Ende von Soul Reaver abgeändert wurde, um eben nicht der Saga ein definitives Ende zu geben, sondern weitere Teile produzieren zu können, kam man auf eine weitere Idee. Die da wäre einfach zwei Teams an Legacy of Kain arbeiten zu lassen, eines für die Raziel-Arc in den Soul Reavers, ein zweites sollte sich Kain in den Blood Omens annehmen. Dadurch konnte bereits ein Jahr nachdem Soul Reaver 2 herausgekommen war, das gleichzeitig in Produktion befindliche Blood Omen 2 auf den Markt gebracht werden.

Grundsätzlich muss das keine schlechte Idee sein. Immerhin gibt es eine dicke zeitliche Lücke zwischen dem Ende von Blood Omen und dem Beginn von Soul Reaver. Und Soul Reaver 2 führt zudem die Zeitparadoxe in die Franchise ein. Warum sich also nicht dem ursprünglichen Charakter Kain zuwenden, um zu zeigen, wie aus dem von Blood Omen der aus Soul Reaver wurde? Warum seiner Kreativität nicht in non-canon Paradoxen seinen freien Lauf lassen? Problematisch wird es natürlich, wenn man die Franchise eben nicht unter dem Gewicht seiner komplexen Story einbrechen lassen will, und kanonische Einträge macht, die dennoch nicht passen, weil sie von einem teils unwissenden Team gleichzeitig mit anderen Teilen in Entwicklung sind, und von oben explizit gewünscht ist, die Handlung möglichst gering und einfach zu halten. Denn die Story ist so ziemlich der Hauptgrund, warum die Legacy of Kain Reihe überhaupt gespielt wurde, das Gameplay war noch nie Spitze aber eben auch nebenrangig.

Kain wird also ein paar Jahrhunderte nach Blood Omen jedoch bevor Soul Reaver von Umah erweckt. Und gleich ein kleiner Schock für Spieler der Franchise was das Design des Dinges angeht. Vom distinkten Look der Reihe ist nicht viel übrig geblieben, die neuen Charaktere sind so generisch wie schlecht designt. Die Antagonisten der Sarafan beispielsweise rennen alle wie Cyber-Ritter herum, während die Vampire der Cabal, zu denen Umah gehört, alle wie nuttige Ninjas aussehen. Umah trägt essentiell einen Stoffstreifen über den Silicontitten und ein Stahldreieck über der Möse, und wenig mehr. Der Hauptbösewicht Sarafan Lord rennt in einer generischen Ganzkörperrüstung rum, die mit neongrünen Lichtern gespickt ist. Nichts hiervon sieht aus, als wäre das aus der Welt von Blood Omen oder führte in die von Soul Reaver.

Ach ja, in einem 10-minütigen Dialog gibt uns Umah dann auch das Setting wieder: Kains Vampirarmee wurde von dem wiedererweckten Sarafan und deren Lord besiegt, der nun den Soul Reaver (der ziemlich unwichtig für die Gesamtheit des Spieles sein wird) in Händen hält, und eine neue fast Vampir-lose Welt geschaffen hat. Die Cabal ist die letzte vampirische Widerstandsbewegung, einige frühere Mitstreiter Kains zu den Sarafan übergelaufen. Also nimmt sich Kain an, die Welt wieder eine von Vampiren regierte zu machen, in dem er einen Weg findet, wie er den Sarafan Lord besiegen und den Soul Reaver wieder in Händen halten kann. All das natürlich, während üblicherweise jeder Cabal-NPCs sagt „vertraue mir und dem, was ich dir sage“ während Kain erwidert „ich lasse mich nicht manipulieren“, nur um dann genau zu tun, was die von ihm wollten. Ist dann aber auch egal, denn Ränkeschmiederei wird man in Blood Omen 2 nicht finden, die Handlung ist so geradlinig, wie sie am Anfang des Spieles ausgelegt wurde. Die Cabal sind die Guten, oder zumindest auf der Seite von Kain, die Sarafan und ihr Lord (unter denen es der Menschheit praktischerweise auch nicht wesentlich besser zu gehen scheint) die Bösen, die besiegt gehören. Die einzige Komplikation, und dieses Wort zu nehmen ist sehr großzügig, stellen die in Soul Reaver 2 angesprochenen Hylden dar, von denen wir hier herausfinden, wer sie sind: Schnäuzer-zwirbelnde Bösewichte, die sich die Sarafan zu Eigen gemacht haben. An Kains Mission ändert sich durch ihr Auftauchen dann auch nichts: Besiege den Sarafan Lord und du schlägst die Hylden mit.

So einfach wie dies ist, macht es in sich selbst noch nicht mal unbedingt Sinn. Oder besser gesagt der Charakter Kain im hiesigen Spiel nicht. Bestechend ist, dass er sein übliches Antiheld-Ding dreht, wo er beteuert sich um niemanden was zu scheren, außer darum wieder die Macht zu erlangen. Dem geht er konsequent so auch für zwei Drittel des Spieles nach. Im Finale, obwohl weder seine Worte noch Taten irgendwie in jene Richtung deuteten, kümmert er sich dann aber plötzlich angeblich trotzdem was um die Cabal und deren Anhängern, und trauert der toten Umah sogar als seine potentielle Königin hinterher? Dieses Hero-Babble von ihm kommt absolut aus dem Nichts und macht keinen Sinn damit, wer Kain ist, weder in den anderen Spielen, noch bisher in Blood Omen 2. Wenn man seinem Charakter eine Entwicklung geben wollte, dann hätte man vielleicht wirklich ihn sich entwickeln sehen müssen, statt das er seine Meinung plötzlich um 180° dreht – und ihn zu einem weniger interessanten, weniger grauen Helden machen zu wollen, ist sicherlich sowieso keine gute Idee.

Immerhin kann man Blood Omen 2 zugute halten, dass die Story nicht viel in den Weg kommt. Zu Beginn und Ende jedes der elf Kapitel und Beginn der Bosskämpfe wird ein kleiner Dialog gehalten, aber im Großen und Ganzen halten sich die Charaktere für die Franchise ziemlich zurück was endloses Geschwafel angeht. Wahrscheinlich weil Blood Omen 2 wenig bis nichts zu sagen hat, selbst das Ende ist total kurz angebunden. Nicht, dass einen das Spiel nicht dennoch maßlos langweilt, aber das eben durch sein suboptimales Gameplay.

Wir spielen also wieder als Kain, dem Vampir aus Blood Omen. Von daher bringt Blood Omen 2 eine Konstante aus dem ersten Spiel zurück, die der Zombie Raziel nicht berücksichtigen musste: Vampire sind Bluttrinker. Wie im ersten Teil besteht Kains Lebensleiste aus Blut, und wie im dortigen Teil verringert sich jene konstant, auch wenn er nicht von Gegnern getroffen wird. Was allerdings neu in Blood Omen 2 ist, ist das Gegner und NPCs auszusaugen auch Kains Lore-Meter erhöht. Das kann man sich ein wenig wie Erfahrungspunkte vorstellen, denn sobald die Lore-Phiole gefüllt ist, wird die Blut-Phiole a.k.a Lebensleiste von Kain etwas länger. Das führt natürlich dazu, dass es anzuraten ist, jeden Gegner zu bekämpfen und auszusaugen, egal ob dies nun nötig ist oder nicht, da sie eben nicht nur die Lebensleiste auffüllen, sondern auch die Lore-Leiste.

Das nervt ganz gewaltig, um ehrlich zu sein. Ich fand es in den beiden Soul Reavern ganz gut, dass man mit einigen Ausnahmen durchaus Gegner auch ignorieren konnte. Seien wir mal ehrlich, sonderlich interessant war das Kampfsystem der Franchise noch nie, sondern meist so einfach wie langwierig. Bei genug Bewegungsspielraum einfach Gegnern links stehen lassen zu können war da ein Segen. Das gibt es in Blood Omen 2 im Prinzip nicht mehr, es sei denn man möchte auf Erfahrungspunkte und Verbesserung der Lebensleiste verzichten, was natürlich nicht anzuraten ist. Also jeden einzelnen Gegner bekämpfen. Und das Kampfsystem ist nicht gerade interessanter geworden. Überraschend bewegt sich Kain sowieso gemächlicher als Raziel, von Vampir-gleichen Reflexen kann echt nicht die Rede sein. Eine Attack-Kombination dauert in der Ausführung und kann nicht ausgecancelt werden. Eine Spezialattacke hat eine lange Animation (netterweise ist man währenddessen allerdings unantastbar), und wenn eine Gegner-Kombo Kain umwirft, braucht er länger zum Aufstehen, als ein Käfer auf dem Rücken.

Dabei sind besagte Kämpfe übrigens so einfach wie tödlich. Jeder Gegner ist auf die gleiche Art und Weise ausschaltbar. Ins Visier nehmen, Kain alle Attacken blocken zu lassen, bis sich sein Spezialmeter aufgefüllt hat, und dann den Gegner mit einer nicht blockierbaren Spezialattacke umnieten. Das ist so langwierig wie es langweilig ist. Jedoch die einzig effektive Art zu kämpfen. Sicherlich kann man auch versuchen den Gegner zwischen seinen Kombos eine reinzuhauen, jedoch blocken die selbst so viel, und halten so viele Schläge aus, dass das Warten auf die Spezialleiste kaum länger dauert. Und ungefährlicher ist. Denn wenn der Gegner doch mal eine Attacke reinbekommt, entweder weil man nicht geblockt hat, oder weil es einer derjenigen ist, der eine blockumgehende Spezialattacke hat, der man nicht schnell genug ausgewichen ist, zieht das mit Pech durchaus mal ein Viertel bis Drittel der Lebensleiste von Kain ab. Das ist natürlich super nervig. Zum einen muss man die Kämpfe so sicher wie möglich angehen, was sie so lang wie möglich ausweitet. Zum anderen wenn man doch mal was falsch macht, oder dummerweise mehr als einem Gegner gleichzeitig gegenübersteht, ist ein Ableben gar nicht mal so unsicher, und man darf die ganze Sektion seit des letzten Checkpoints erneut durchlaufen und erneut langwierig alle Gegener darin bekämpfen.

Macht übrigens auch das Waffensystem des Spieles obsolet. Davon liegen genug im Spiel rum, und jede Waffe eines toten Gegners kann aufgehoben werden, und Kain wird mit ihnen statt seinen Klauen kämpfen. Davon wie schnell er zuschlägt oder wie gut er blockt, scheint zwischen ihnen allerdings kein Unterschied zu bestehen, lediglich wie viel Schaden sie verursachen. Sie brechen allerdings auch überraschend schnell durchs Austeilen aber auch Einstecken. Sprich nachdem man alle Attacken eines Gegners mit ihnen geblockt hat, sind sie eh kurz vorm Bruch, und wenn man die Spezialattacken zum Vernichten der Opposition nimmt, braucht man die Waffen eigentlich eh nicht. Ein weiteres nettes aber vernachlässigtes System ist Stealth. Gewisse Bereiche in Blood Omen 2 sind von Nebel umhüllt. Kain nun in seine Nebelform gleiten zu lassen, und man kann sich an Gegnern anschleichen und sie Insta-Killen. Ziemlich cool eigentlich, aber Blood Omen 2 hält mit jenen Nebelgebieten ordentlich zurück, und bietet zudem gern auch mal Gegner, die Vampir-Präsenz spüren können, auch wenn man in Nebelform ist. So häufig wird man also nicht auf Ezio machen dürfen. Was schade ist, da jene Stealth-Gebiete eindeutig der einzige Moment in den Lokalitäten waren, in denen ich nicht hoffnungslos gelangweilt war.

Denn auch deren Aufbau ist mehr als uninspiriert. So ziemlich jedes Gebiet in allen elf Kapiteln ist ein weitestgehend geradliniger Schlauch, mit einer verschlossenen Türe am Ende, und zwischen einem und fünf Schaltern im einzig abzweigenden Schlauch, die umgelegt werden müssen, um besagte Türe zu öffnen. Alle Wegblockaden im Spiel zu öffnen ist absolut hirnlos einfach, und besteht zu 90% daraus, die gleichen Schalter zu betätigen. Klar, mal per Telekinese über einen Abgrund hinweg, oder per Charm durch einen NPC, aber was zu tun ist ist immer absolut klar, und läuft immer auf eine Ansammlung an Schaltern hinaus. Gähn. Und weil alles andere in Blood Omen 2 bereits darauf ausgelegt zu sein scheint, möglichst viel möglichst grundlos die Lebenszeit der Spieler zu stehlen, gibt es Glyph-Schalter, die erst mit Energie versorgt werden müssen. In dem man woanders einen Schalter bestätigt und dann darauf warten muss, bis die Glyph-Energie langsam und gemächlich die Leitung entlang zum Glyph-Schalter gekrochen ist. Bäh.

Und das ist einfach alles, was Blood Omen 2 ist: Langweilig wenn es nicht gerade nervt, manchmal beides. Lahme Story. Dämliche Charaktere. Sinnbefreites Quest. Geradlinige Areale mit hirnlosen und immer gleichen Puzzeln. Gegner und Bosse, die darauf aus sind, möglichst lange zum Ableben zu brauchen. Blutsaug-, Aufsteh- und Glyphenergie-Animationen, die nur noch mehr repetitiv Zeit stehlen. Blood Omen 2 hat nicht grundlos den Ruf, dass Spiel der Franchise zu sein, um das man einen Bogen machen sollte. Es fügt der Handlung nichts von Wert hinzu, und ist eine lästige Arbeit zu spielen.