Blasphemous

ava-2627Ich mag mal geschrieben haben, dass ich zwar die Soulsbornes gesuchtet habe, ich allerdings wenig Interesse an den vielen erschienenen Soulslikes habe. So ganz stimmt das nun nicht mehr, nachdem ich bereits Code Vein durchspielte, gesellt sich dort nämlich nun auch Blasphemous hinzu. Und Hollow Knight wäre ich ebenfalls nicht so ganz abgeneigt.

Blasphemous ist allerdings mehr als nur ein Soulslike. Es ist auch zudem noch ein Metroidvania! Wenn es jetzt noch ein Roguelike wäre, hätten wir die Bingo-Karte an Indie Kickstartern voll. Aber keine Sorge, das dritte Genre bleibt uns glücklicherweise erspart.

Ihr wisst sicherlich bereits das ich mir nicht viel aus der Story dieser Art Spiele mache. Beziehungsweise haben sie ja auch wenig eigentliche Handlung und eher nur After the Fact Lore zu bieten. Um die ich mich eben nicht so wirklich schere. Wer es noch nicht wusste, tut das jetzt. Das ändert sich auch in Blasphemous nicht. Insgesamt ist das Spiel stark inspiriert von Traditionen der katholischen Kirche Spaniens. Dass sich daraus leicht eine ziemlich fucked up Welt bauen lässt, versteht sich von selbst. Es gibt reichlich Gegenstandsbeschreibungen und kryptische Monologe von NPCs zu hören und lesen, aber wie wichtig das Wieso-Weshalb-Warum ist, bleibt jedem weitestgehend selbst überlassen.

Wofür das Setting aber auf jeden Fall gut ist, ist eine verdammt gute Optik. In feiner Pixelgrafik thronen Ruinen in der Landschaft, sind ganze spanische Städte im Hintergrund von einer Brücke zu sehen, befinden sich Wandgemälde in Zellen, hängen gigantische Glocken von Decken etc. Charaktere und Gegner tragen golden Masken von Tieren, Mythologien, sind im Bondage, reiten auf Thronen usw. Alles bewusst freaky und blutig, inklusive der brutalen Finisher unseres Charakters. Mir war das alles optisch mehr als gefällig und zugegeben einer der Gründe, warum ich überhaupt Interesse am Spiel hatte.

Bewegt wird sich in der zusammenhängenden Labyrinthwelt durch Gänge und Räume, Plafftormen erklommen und Gegner geschnetzelt, gesprungen und geschliddert, dazwischen regelmäßig Bosse erlegt, aber vor allem eben jede Menge Upgrades eingesammelt. Neben Verlängerung von Leben, Magie oder neuen Schwertfähigkeiten sind das auch reichlich einwechselbarer Rosary Beads. Davon kann nur eine übersichtlich Anzahl gleichzeitig aktiviert werden. Und die bringen so einiges mit sich. Passive Boosts von Statuswerten. Bessere Verteidigung gegen gewisse Elemente. Mehr hinterlassene Tränen, die hier das Äquivalent von Seelen sind. Neben all jenen Passivboosts lassen sich auch mächtige Magien und Upgrades für das Schwert finden, um es besonders mit den Bossen einfacher zu haben. Welche Bildschirmfüllende Gräueltaten sind.

Und dann gibt es natürlich noch ein paar Upgrades, die weitere Exploration eröffnen. In dem sie das Giftgas in einigen Arealen ausschalten. Oder neue Plattformen erschaffen, durch die vorige Abgründe überwindbar sind. Ganz Metroidvania eben, um an vorigen Sackgassen nun weiter zu können und in eigentlich bereits abgeschlossenen Gebieten noch die letzten paar Geheimnisse aufzufinden. Abgesehen von einigen Wänden, die via Schwertstreich eingerissen werden, sind jene übrigens im Gegensatz zu Super Metroid nicht schwer zu finden und es gibt sogar Teleporträume zwischen den Hauptgebieten, um das Backtracking zu beschleunigen.

Im Gegensatz zu den Soulsbornes verliert man die von Gegnern hinterlassenen Tränen übrigens nicht. Stattdessen wird dem Charakter ein Stück der MP-Leiste abgenommen und die Gegner lassen minimal weniger Tränen springen, bis die Stelle des Ablebens aufgesucht und die Sündenpfütze aufgenommen wird. Man kann sie also einfacher ignorieren, zumal gegen ein Entgelt an gewissen Statuen jene Sünden vergeben werden können. Auch braucht man sie hier „nur“ für neue Fähigkeiten und ein paar Ladengegenstände, es gibt keine Statusuprades im traditionellen Level-up Sinne.

Einfach ist Blasphemous natürlich nicht. Besonders die Bosse fordern teils schon ganz schön. Aber da es eben ein Metroidvania ist, gibt es meist noch ein anderes Gebiet, das nicht ganz erforscht ist, auf das ausgewichen und in dem neue Upgrades eingesteckt werden können, bevor man an die momentane Schwierigkeitsmauer zurückkehren muss. Ich hatte tatsächlich nur eine Stelle im Spiel, Graveyard of the Peaks mit den vielen nervigen Sprüngen über bodenlose Abgründe und die einem dabei hindernden Gegner, wo ich einen Moment meine Motivation fürs Spiel verloren hatte. Ein gewisser Boss, Exposito, ist absolut miserabel designt. Ich erreichte ihn glücklicherweise gegen Ende des Spieles und konnte somit via Brute Force durch. Ansonsten war ich immer sehr motiviert das Spiel möglichst wieder aufzugreifen und noch ein Stück zu spielen, bis ich 100% Map Completion und das Gute Ende erreicht hatte.

Wer vom Hauptspiel alleine und die ungefähr 12 Stunden, die es zu jeder Komplettierung braucht, noch nicht genug hat, für den gibt es sogar noch die beiden kostenlosen DLCs. Eines davon ist ein Crossover mit Bloodstained, durch welches Miriam im Spiel erscheint und einen fünf Platforming Challenge Räume machen lässt. Was übrigens nur zeigt, wie viel besser Bloodstained in Pixelgrafik ausgesehen hätte. Sogar ein kleines 8bit Bonus-Spielchen ist passend in Blasphemous eingefügt worden. Der zweite DLC ist nur in einem New Game Plus unter einem härteren Schwierigkeitsgrad machbar, fügt dort jedoch eine Reihe neuer Bosse hinzu. Ich habe mich bisher allerdings noch an keinem von beiden probiert.

Ich hatte echt meine dutzend Stunden gute Unterhaltung mit Blasphemous. Sowohl das Metroidvania-Gameplay hat mir wieder gezeigt, warum ich das Genre so gern spiele, als waren mir auch die Präsentation und Atmosphäre total gefällig.