Avengers: Endgame

Angekommen. Sieben Jahre nach dem ersten Avengers, elf Jahre nach dem ersten Iron Man, 22 Filme in den MCU. Avengers: Endgame bringt das Großereignis zum Abschluss, so dass wir alle ab nun nie wieder einen Superhelden-Film schauen müssen. Natürlich alle Rekorde gebrochen, inklusive sich noch vor Titanic und Avatar als erfolgreichster Film aller Zeiten zu setzen.

Die Hälfte der Universumsbevölkerung ist also eingeäschert. Wer übrig ist, kommt darüber nicht hinweg. Genau genommen machen sich unsere verbliebenen Helden sogar direkt auf den Weg zu Thanos, um das Ruder noch mal rumreißen zu können. Kann man aber nicht, denn Thanos war schlau genug, die Power Stones zu zerstören, damit nie wieder jemand in Versuchung gerät. Thor macht ihn dann auch sang- und klanglos einen Kopf kürzer.

Fünf Jahre später: Alle sind immer noch schlecht drauf. Captain America geht zu Selbsthilfegruppen, denen er seinen Optimismus näherbringt, an den er eventuell selbst nicht mehr restlos glaubt. Black Widow leitet die Avengers weiter, obwohl die Welt sie eventuell gar nicht mehr braucht. Thor ist ein heruntergekommener Penner. Tony Stark hat es ganz gut getroffen, als Familienvater, und beweißt, dass es Reichen selbst in der Postapokalypse gut gehen wird. Und Ant-Man kommt plötzlich aus der Mikrodimension wieder heraus, wo für ihn nur wenige Stunden vergangen sind.

Und genau daraus erwächst ein neuer Plan. Was, wenn mit jener Technologie Zeitreisen möglich sind? Was, wenn man aus den verschiedenen Jahren, bevor Thanos sie sich aneigenete, die Steine holen kann? Was, wenn man einfach alle wieder ins Leben zurückschnippst?

Damit starten also drei Stunden Film, in denen alle ein trauriges Gesicht machen und keine echten Farben poppen. Es muss ja eine ausreichend deprimierende Stimmung verbreitet werden.

Der Film spaltet sich dann auch in ziemlich genau drei Teile, man sollte fast meinen, eine 3-Akte-Struktur hätte sich historisch in der Cinematographie durchgesetzt, Genaues weiß man aber nicht. Die erste Stunde behandelt die Basics, wie es denn jetzt allen so geht. Grundresumee: Nicht so geil, very sadface, all the time. Die zweite Stunde hat dann etwas mehr pepp und sogar ein wenig humorige Sprüche zu bieten, wenn die einzelnen Teams in der Zeit zurückgehen, um jeweils ihre Power Stones abzugreifen. Natürlich geht da bei jedem irgendwas schief. Nach zwei Stunden wird dann die finale Schlacht gegen Thanos eingeläutet, resultierend aus den Schiefgängen. Was zunächst nur wie er gegen die drei Poster Boys der Franchise, Iron Man, Captain America und Thor, aussieht, verwandelt sich dann doch in einen großen Everyone’s Here Brawl fast jedes jemals in der MCU aufgetretenen Charakters. Sogar das Girl Squad bekommt eine gemeinsame heroische Szene, nachdem die weiblichen Figuren traditionell in den MCU-Filmen etwas kurz kamen bisher. Nach einer halben Stunde Kampf ist die Geschichte soweit gegessen und die finale halbe Stunde kann sich dem ausschweifenden Epilog widmen, der natürlich nach 22 Filmen irgendwo mal angebracht ist.

Damit gehen dann die bisherigen Avengers in die Gutenacht, auf das die neuen Galionsfiguren kommen mögen. Natürlich hat sich das Publikum bereits ausreichend in Tom Holland und seinen Spider Man verliebt, so dass dessen frisches Poster-Boy-Gesicht auch ordentlich im Finale zu sehen ist, damit man nicht vergisst, nach Endgame weiterhin in Marvel-Superhelden-Filme zu gehen. Und auch Captain America gibt sein Schild weiter, auf das der nächste unter dem Titel die Nachfolge von Steve Rogers antreten möge.

Bin erneut ein wenig in dem Gefühl hinterlassen, dass ich den Film schon sehr mochte, aber nicht so ganz weiß, wie sehr denn wirklich. Also die letzte halbe Stunde war schon geil, wenn dann alle da sind und sich alles ordentlich fetzt. Und auch die viele Emotionalität auf den langen Epilog gesehen, der doch mehr zog, als ich das von mir erwartet hätte. Die zwei Stunden davor sind auch gut, sind auch unterhaltsam, langweilen ebenfalls nie, aber ob sie wirklich so lang hätten sein müssen, sei dann mal wieder dahingestellt. Gerade in der allerersten wirkt der Film etwas leblos. Klar, ist ja auch nur noch die Hälfte davon übrig, aber irgendwie hätte ich mir etwas mehr Schwung oder zumindest eine verkürzte und stringentere Herangehensweise gewünscht. So richtig aufblühen tut der Film nämlich hier hauptsächlich dann, wenn einer der Charaktere Screentime bekommt, der selbst in jener Situation sich noch ein wenig seinen Humor bewahrte.

Avengers: Infinity War

2018 wurde also genau 10 Jahre nach dem ersten Iron Man das Ende eingeläutet. Der finale Avengers-Film ging in seine erste Hälfte, auch wenn Marketing irgendwann das Part 1 rausstrich, und dem letzten Film einen neuen Untertitel verabreichte. Wurde prompt auch der bestverkaufte Film des Jahres, und setzte sich auf den dritten Platz aller Zeiten, steht auch dieses Jahr noch auf Platz vier.

Da gibt es so ein violettes Alien mit Namen Thanos. Dessen Planet stand vor der Zerstörung durch Überbevölkerung. Also hat er den „facts over feeling“-Plan entworfen, doch einfach die Hälfte der Bevölkerung zu töten. Ganz fair per Losentscheid. Hat keiner mitgemacht, und deswegen ist seine Heimat zugrunde gegangen. Thanos immer noch davon überzeugt, dass sein Plan die einzig wahre Idee ist, erhebt sich anschließend zum das Universum bevormundenden Faschisten, der einfach für alle anderen entscheidet, und von Planet zu Planet reist, um jeweils den halben Genozid zu vollführen.

Massenmord muss aber doch effizienter gehen, wenn man mal genau drüber nachdenkt. Und deswegen ist der fliederfarbene Schurke nun hinter den Infinity Stones her, damit er mit einem einzigen Fingerschnippen das halbe Universum ausrotten kann. Einen davon haben die Avengers. Über einen anderen wacht Doctor Strange. Den Zugang zu einem dritten Stein kennt seine abtrünnige Tochter bei den Guardians of the Galaxy. Den aus Asgard hat er Thor bereits abgenommen und Loki umgebracht. Thanos eckt also bei jedem an.

Thanos ist natürlich ein interessanter Schurke. Er ist nicht im Recht, aber man kann nachvollziehen, warum er sich so fühlt. Zumal er sehr charismatisch gespielt wird und der Film sichergeht, dass er nach jedem Mord oder gar Völkermord eine Träne vergießt, damit wir auch ja sehen, wie schwer es ihm fällt. Auf einer streng logischen Basis, wenn damit konfrontiert, dass die Welt an Überbevölkerung in naher Zukunft zugrunde gehen wird, und es dafür keine Lösung gibt… ist die Lösung die Überbevölkerung strikt anzugehen natürlich naheliegend. Moralisch und ethisch absolut verwerflich. Aber warum jemand auf die Idee kommen könnte schon klar. Wobei ich ja denke, dass die Regierungen dabei im Extremfall schon mitspielen würden, aber das mit dem Losentscheid für sich selbst und ihre Familien aussetzen würden. Es gäbe dann nämlich eher die Diskussion, wer lebenswert ist und wer nicht und wer das zu entscheiden hat. Aber keiner würde es komplett dem Zufall überlassen, der könnte nämlich auch einen selbst und die eigenen Lieben treffen.

Ich glaube nicht, dass Infinity War versucht, uns darzulegen, dass Thanos eigentlich recht hat. Stattdessen sehe ich es her so, dass es ganz gut zeigt, wie er immer tiefer in den Hasenbau fällt. Sobald erst mal angefangen wurde, Leben dem angeblich größeren Ziel zu opfern, entsteht ein Schneeballeffekt mehr und mehr zu opfern bereit zu sein, eben damit die vorigen Opfer und die damit auf sich gezogene Schuld nicht umsonst war. Man hört nicht mitten mi Genozid auf, sondern rechtfertigt weiter, bis er abgeschlossen ist, in der Hoffnung recht gehabt zu haben, dass das Ziel wirklich die Mittel heiligt.

Als Film an sich fühlt sich Infinity War übrigens ein wenig so an, als steckte man in mehreren. Die Sache mit so einem großen Crossover ist, dass es schwer ist alle Charaktere und deren Persönlichkeiten auftreten lassen zu müssen, ihnen gerecht werden zu müssen, sie in ein stimmiges Ganzes zu bringen. Da schafft es Infinity War sicherlich ganz gut, allen Beteiligten gerecht zu werden, und am Ende ist man ja aus der Problematik raus, in dem der Cast rigoros für Endgame zurechtgestutzt wird. Aber je nachdem, zu welcher Lokalität und welchen Superhelden wir gerade springen, scheinen wir von der Stimmung her doch in grundverschiedenen Filmen zu sein. Zumindest bis zum Ende, wenn alles in einem Rundumschlag an Misery Porn zusammenkommt.

Das führt natürlich auch dazu, dass der Film wenigsten viel Abwechslung bietet. Es ist schwer, sich zu langweilen, wenn so viel auf einmal zu geschehen scheint, so viele Charaktere mehr oder weniger zusammenkommen. Und gegen Ende natürlich auch so viel auf dem Spiel steht. Ich war zumindest voll involviert, und die Szene zwischen Peter Parker und seinem quasi Mentor Tony Stark hat mich schon erwischt gehabt. Es ist ein Film, der durch charismatische Charaktere, witzige Dialoge, coole Action und auch emotionale Momente unterhält, also ein wenig was von allem bietet. Letztere funktionieren natürlich nur, wenn man mehr oder weniger mit auf der Reise der letzten 10 Jahre durchs MCU war, die Charaktere schon noch zumindest vage aus den anderen Filmen kennt, aber es begeht sicherlich keiner wirklich den Fehler, die Franchise bei Infinity War zu beginnen.

Ganz so gut gefallen wie Captain America: Civil War hat mit Avengers: Infinity War zwar nicht. Denn Civil War hat ähnliche Thematik, ist jedoch wesentlich stringenter präsentiert. Aber richtig gut gefallen hat mir Infinity War dennoch, es ist definitiv ein toller Auftakt zum Payoff des MCU und ich bin mal gespannt, ob Endgame alles einzulösen wissen wird, ein guter Start dazu ist zumindest gelegt.

Captain America: Civil War

2016 ist die dritte Phase des Marvel Cinematic Universes losgetreten worden, und diesmal die ganz heiße, die mit den meisten Filmen in kürzester Zeit auf das große Happening Avengers: Endgame hinarbeiten sollte. Wer weiß, ob der Superhelden-Hype nicht doch nach all den Jahren irgendwann mal endet, da gehört noch Mal alles rausgeholt. Da ich abgesehen von Ant-Man and the Wasp noch keinen der Phase gesehen habe, steht mir also noch einiges bevor. Angefangen mit dem dritten Captain America.

Die Avengers haben sich also gegründet, sind angewachsen, und haben ihre ersten großen Einsätze hinter sich gebracht, all das mehr oder minder mit Tony Stark und Steve Rogers als Köpfe und Gesichter des Teams. Aber auch das beste Ehepaar verkracht sich mal. Im hiesigen Falle wird dies dadurch ausgelöst, dass die UN den Avengers ein Ultimatum stellt: Sie können nicht mehr unkontrolliert als private Organisation, die nur vor sich selbst Rechenschaft ablegen muss, überall auf dem Globus die Weltpolizei spielen und dabei auch noch jede Menge Kollateralschaden verursachen. Stattdessen sollen sie sich der UN unterstellen, welche dann das Sagen hat, wann und wo die Avengers eingesetzt werden.

Captain America will jenes Abkommen nicht unterschreiben, weil er weiterhin der Meinung ist, es ist besser nur vor dem eigenen Gewissen ihre Einsätze rechtfertigen zu müssen, statt sich durch die Agendas der UN manövrieren zu lassen. Iron Man hingegen vertritt die Meinung, dass sich den Regulationen einer höheren Stelle zu unterwerfen die bessere Lösung ist. Beide Standpunkte werden, gerade da man zunächst meinen sollte jede Rolle wäre eher der anderen zugeneigt, durch aktuelle Ereignisse in ihrem Leben gebildet und weiterhin untermauert. Das führt zu einem Riss in den Avengers, besonders nachdem ein Attentat scheinbar auf den Winter Soldier geht, der nun gejagt wird.

Um ehrlich zu sein ist Civil War eigentlich weniger Captain America 3, als vielmehr Avengers 2.5. Ist so gesehen auch nicht überraschend, denn mittlerweile sind die Avengers etabliert und Stark und Rogers stehen an deren Spitze. Es gibt halt keinen wirklich guten Grund, wie man Captain America für seinen „eigenen“ Film wieder von ihnen trennen kann. Beziehungsweise ist Civil War der Prozess jener Trennung.

Was mir hierbei besonders gefallen hat, ist, dass es eben nicht die übliche Superhelden-Schoße ist. Civil War wirkt persönlicher und direkter, und das trotz des großen Casts an Charakteren. Zwei wichtige Themen sind zum einen die persönliche Überzeugung eines jeden, und wie jene sich nicht zwangsläufig erschüttern lässt, nur weil Freunde und Familie einer anderen folgen. Beide Seiten des Konflikts im Film sind dabei absolut nachvollziehbar. Sowohl diejenige, die sich nicht von Politik lenken und eventuell korrumpieren lassen will, als auch diejenige, die nicht eine immer größer werdende Gruppe an Leuten mit Superkräften einfach unkontrolliert ihr eigenes Ding machen sehen will. Und dann als zweite Thematik was für ein Katalysator und Motivationsgrund persönlicher Verlust sein kann, eventuell hineingehend in die enorme Zugkraft von Rache.

Tatsächlich ist hier der Antagonist auch kein Superschurke, der die Welt mit seinen Kräften unterjochen will. Es ist kein Boss einer weltumfassenden Firma oder Geheimorganisation, die mit Supermenschen die Welt erobern wollen. Es ist ein relativ normaler Mann, der durch einen Einsatz der Avengers alles verloren hat, und nun seinen lang angelegten Racheplan in die Tat umsetzt. Nicht, indem er Druck von außen anlegt, in der Hoffnung die Avengers zu beenden, was sie wahrscheinlich nur noch wesentlich stärker zusammenschweißen würde. Sondern in dem er die Saat des Misstrauens unter ihnen streut und sie von innen heraus erodieren will, damit sie von sich aus auseinanderfallen.

Am Ende des Filmes sind wir uns auch nicht so ganz sicher, ob er das nicht vielleicht sogar geschafft hat. So richtig wahrscheinlich nicht. Immerhin ist ein anderer der Interessanten Aspekte des Filmes, auch wie die Avengers mehr oder weniger eine Familie sind. Selbst wenn sie sich auf unterschiedlichen Seiten wiederfinden, und sogar gegeneinander kämpfen, so winkt dabei immer das Gefühl mit, dass alle eine stille Übereinkunft haben dies wieder kitten zu können, sobald sich der Staub gelegt hat und alle weiterhin Freunde sind. Dieses Gefühl von Kameradschaft macht den emotionalen Kern des Filmes aus. Und das Ende, wenn Steve und Tony vielleicht doch final miteinander zu brechen drohen, umso klimatischer.

Was natürlich auch viel Kurzweil in die zweieinhalb Stunden des Filmes bringt, sind die vielen Action-Einlagen, die nicht fehlen dürfen. Und natürlich einem guten Dutzend an Superhelden zumindest hin und wieder mal neben den beiden Hauptakteuren ihren Moment im Rampenlicht zukommen zu lassen. Am Ende stehen sich in den Fronten tatsächlich sechs gegen sechs entgegen, nachdem für mich überraschend bereits sowohl Black Panther als auch Spiderman mit dabei sind, wo ihre Filme doch erst ein bis zwei Jahre später erscheinen sollten. Hier fiel mir auch mal wieder auf, wie unglaublich gut das Casting der Franchise ist. Robert Downey Jr ist perfekt als Tony Stark, Chris Evans als Steve Rogers, sowie die beiden hier nicht anwesenden Chris Hemsworth und Tom Hiddleston als Thor und Loki, und auch für die Rolle des Peter Parker hätte man wohl kaum jemand besseren als Tom Holland finden können.

Somit fängt für mich die dritte Phase tatsächlich mit dem gewollten Paukenschlag an. Captain America: Civil War ist bisher einer meiner Favoriten unter den nicht wenigen Filmen des Marvel Cinematic Universes gewesen.

Superhero Sunday – Age of Ultron

ava-1940Ok, die Avengers haben also Lokis Zepter den Nazis bei Hydra abgeluchst, Tony Stark sich dabei aber eine Horrorvision von Scarlet Witch eingefangen. Das bestätigt ihn in seinem Plan eine KI zu schaffen, die die Welt schützt, da die Avengers alleine das nicht schaffen können. Tony Stark scheint nicht sonderlich viele SciFi-Geschichten zu kennen. Dann gibt er dem Ding auch noch den Namen Ultron.

Es kommt, wie es kommen muss, und die KI verselbstständigt sich und eruiert, dass die größte Gefahr für den Planeten die Menschheit an sich ist, und wir sozusagen vor uns selbst geschützt werden müssen, was sicherlich nicht unbedingt ein Trugschluss ist, aber mal so gar nicht mit unserem Willen der Persönlichkeitsentfaltung einher geht. Na ja, notfalls kann man das Leben auf dem Planeten wie damals bei den Dinos ja mit einer globalen Katastrophe resetten. Zumal Ultron doch ein wenig was von seinem Schöpfer abbekommen hat, und somit vielleicht doch nicht einfach nur objektiv-kühl kalkuliert, sondern einen gewissen herrischen Unterton mitbringt.

Das ist natürlich eine ganz bewusste Entscheidung, denn Joss Whedon ist ja nicht dumm und weiß, dass unterhaltsame Bösewichter besser sind, als blasse Fieslinge. Deswegen ist Hydra ja auch kein großes Ding, sondern im ersten Teil Scherzbold Loki, und so bekommt auch in Age of Ultron eben Namensgeber Ultron ein paar flapsige Stark-Sprüche drauf. Ganz mit seinem Vorgänger mag er da nicht mithalten können was den Unterhaltungswert angeht, aber einen Tom Hiddleston als Loki übertrumpft man auch nur schwerlich, dafür ist Ultron etwas bedrohlicher.

Dass Whedon allerdings eher in der TV-Landschaft zu Hause ist, merkt man dem Pacing seiner Filme immer etwas an. Im Falle von Age of Ultron hat sich das mittlerweile fast revidiert. Besonders die erste Stunde ist ein stringentes Feuerwerk aus Action und Charakterinteraktionen, und der beste Teil des Filmes. Dann jedoch kommt der Rückzug aufs Landhaus, ein sehr Whedon-esques Segment der Charaktermomente, aber doch ein Teil, in dem der Film schlichtweg mal eine halbe Stunde komplett zum Erliegen kommt. Das ist allerdings auch schon das einzige Pacing-Problem des Filmes, danach geht es fast eine Stunde lang ins Action-geladene Finale. Und gerade die Kampfsequenzen sind diesmal etwas besser umgesetzt und gerade auch besser, was das Charakterzusammenspiel angeht.

Gerade mehr im TV gemacht zu haben kommt Whedon bei den Avengers andererseits vielleicht auch wieder zugute, denn dadurch ist er doch recht gut darin, den ganzen Cast zu handhaben, statt das der Film unter der Anzahl an Persönlichkeiten zusammenbricht, zumal mit Quicksilver und Scarlet Witch ja nun noch zwei weitere Figuren hinzu kommen. Dabei ist Whedon überraschend gut darin, den Charakteren in Age of Ultron Szenen zuzuschustern, die normalerweise eigentlich als zweite Geigen eher so gut wie nichts zu tun bekommen würden. Wie häufig müssen wir denn auch die gleichen Charakteristiken von Thor, Iron Man und Captain America durchkauen, wenn die in deren eigenen Trilogien schon tot geredet sind? Stattdessen gibt es halt mal mehr zu Hawkeye und Black Widow, die selbst im ersten Avengers eigentlich nicht viel taten. Aber auch hier ist Whedon sich bewusst, dass die Normalos des Teams eben nicht mit den Halbgöttern mithalten können, und baut deren menschliche Seite aus. Selbst Cobie Smulders bekommt ein paar nette Szenen.

Abschließend gefällt mir Age of Ultron besser als der erste Avengers – welcher ich ja auch bereits schon gut fand. Minus Loki, dafür mag ich die Charakterinteraktionen hier mehr, und die Action, und eigentlich auch die Handlung, also schon fast mehr oder minder alles. Mein Favorit aus dem Marvel Cinematic Universe ist er nicht ganz, Guardians of the Galaxy reihe ich drüber ein, und was nicht-Marvels seit der Jahrtausendwende angeht wohl auch noch The Dark Knight und X-Men: Days of Future Past, aber dann kommt doch schon Avengers: Age of Ultron sag ich jetzt einfach mal aus dem Bauch heraus.

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The Avengers

ava-1166Nach einer ganzen Reihe an sehr samey gewordenen Superheldenfilmen, wurden Comicfans dieses Jahr gleich zwei Großereignisse beschert. Neben dem Ende von Nolans Batman-Trilogie kamen also endlich Marvels Comic-Helden aus Iron Man, Thor, Hulk und Captain America zusammen, zum größten Ereignis seit Watchmen. Unterstützt von zwei weiteren Helden, die bisher keine Origins-Filme beschert bekamen: Hawkeye, weil er langweiliger als Captain America und Superman zusammen ist, und Black Widow, weil sie eine Vagina hat und Superheldinnen-Filme historisch gesehen immer einen Reinfall bedeuten. Die Gute hat es wahrscheinlich eh alleinig zu verdanken, dass Feminist Joss Whedon die Regie übernahm, überhaupt im Film zu sein, sind weibliche Rollen in Superheldenfilmen seit Batman Begins doch anscheinend auf lediglich eine pro Streifen beschränkt: Nämlich die des Love Interests ohne nennenswerte Screentime.

Okidoke, darum geht’s: Der Tesseract-Wüfel aus Captain America: First Avenger ist also eine unerschöpfliche Energiequelle, was SHIELD ziemlich knorke findet, denn unbegrenzte Energie könnte der Menschheit echt weiterhelfen. Da kommt die Spaßbremse Loki vorbei und mopst den Würfel einfach, shopt gleich noch einen gehirngewaschenen Hawkeye mit. Also holt sich SHIELD den frischt aus seiner 70-jährigen Vereisung befreiten Captain America, Black Widow und Bruce Benner, um den Kerl aufzuspüren. Toni Stark lässt sich die Party natürlich auch nicht entgehen, obwohl er keine Einladung bekommen hat. Thor schaut auch vorbei, denn wenn jemand seinen Bruder eine Standpauke hält, dann doch gefälligst ein Familienmitglied.

Gefangen bekommen sie Loki sogar, zerstreiten sich dann aber sofort. Aus verschiedenen Gründen. Was beispielsweise mit Loki angestellt werden soll. Was SHIELD wirklich im Schilde führt. Ob es nicht spaßiger ist, den Hulk aus Benner rauszukitzeln. Und ganz allgemein, weil sie halt sehr verschiedene Persönlichkeiten sind.

Wer hätte es gedacht, über den Streit schafft es Loki doch tatsächlich, ihnen wieder zu entschlüpfen und mit dem Tesseract ein Portal zu öffnen, welches seine neuen Alien-Overlords auf die Erde los lässt. Avengers Assemble!

The Avengers hat es einfacher und schwerer, als so manch anderer Superheldenfilm. Die Tatsache, dass es ein ganzes Team an Helden gibt, die zusätzlich auch noch aus unterschiedlichen Serien stammen, bedeutet, dass es echt keine Entschuldigung gibt, hier Langeweile aufkommen zu lassen. Es ist einfacher, was zusammenzuwerfen, was bei Stange hält, aber auch eine gewisse Leistung, die Balance und vor allem Übersicht zu behalten. Whedon schafft dies ganz gut. Natürlich gibt es eine unterschiedliche Heldengewichtung. Hawkeye, bis kurz vorm Finale auf gegnerischer Seite eingepfercht, hat weniger Screentime. Robert Downey Jr. als Iron Man bedeutet natürlich, dass er gern die Show stiehlt. Doch weitestgehend stimmt die Balance und Whedon schafft es sogar für Benner und Rogers was zu tun und sagen zu haben, was sie nicht zu steif und langweilig erscheinen lässt. Ja, Loki ist sogar ein echt unterhaltsamer Bösewicht hier, wesentlich witziger, als er das in Thor war.

Der Megafilm mag 2 Stunden 22 Minuten gehen, doch schafft es durch clevere Dialoge, viele Charaktere, viele Action-Setpieces doch kurzweiliger zu sein, als so mancher Origins-Film von einer halbe Stunde weniger. Gerade das Finale ist natürlich Adrenalin-erzeugend ohne Ende. Kurzum: The Avengers ist ein ziemlich cooler Film geworden. Ein phänomenales Ereignis wie ein Watchmen oder The Dark Knight… nein, daran schrammt der Film dann doch ein Stück vorbei für mich. Doch es ist seit einiger Zeit mal wieder eine Verfilmung, basierend auf einem Superheldencomic, der ein echter Reißer ist und das ist bei dem eben doch sehr dank Überbevölkerung ausgelutscht gewordenem Genre eben durchaus eine Leistung.

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