Let’s Play The Bard’s Tale – 02. Underground Exploration

Ich muss mich erst mal wieder daran gewöhnen, dass bei den alten WRPGs die Rüstung, die ein Charakter trägt, keinen Defensiv-Bonus gibt, der den genommenen Schaden verringert, sondern nur die Armour Class ändert, die aussagt, wie wahrscheinlich ein Treffer überhaupt sitzt. Abgesehen davon, dass man die AC niedrig statt hoch im Wert haben will, besonders nachdem Might & Magic zwar auch AC kennt, dort aber eben genau entgegengesetzt ein höherer Wert gut ist.

Ach ja, die Encounter Rate ist auch absolut oldschool in The Bard’s Tale. Im Sinne von absolut unausgewogen. Mal macht man es durch ein halbes Stockwerk eines Dungeons mit nur einem Encounter, dann wieder bekommt man nach bereits einem einzelnen Schritt einen weiteren aufgedrückt und drei Schritte weiter gleich noch einen. Abgesehen davon, dass die Gefährlichkeit wie Anzahl der Gegner darinnen stark variieren kann.

Was hingegen recht schön ist, ist das die Menüs doch nicht so kompliziert und umständlich aufgebaut sind, wie in manch anderem Konsolenport solcher alter WRPGs vom PC. Jeder Shop und das allgemeine Menü geben einem beispielsweise die Option das Gold auf einem Charakter zusammenzuziehen, direkt auf den nächsten zu wechseln, und in der Gilde kann das Gold dann wieder auf alle gleichmäßig verteilt werden. Allgemein sind die Dinger weitestgehend überraschend fix und intuitiv zu bedienen. Ist allerdings auch ein japanischer Port, die sind sich meistens nicht zu schade dafür, künstlerische Freiheiten zum PC-Original zu lassen, um es letztendlich besser für Konsole funktionierend zu haben.

Wir waren ja auf dem Weg in das Saftlager unter der zweiten Taverne der Stadt. Hier gibt es eigentlich nicht wirklich viel zu sagen. Magic Fire vom Wizard ist ganz gut, da man so keine Torches mehr braucht, um den Weg zu sehen, da Dungeons gewohnt stockdunkel sind. Zunächst mag man sich noch denken die jederzeit eingeblendete Automap der NES-Version machte dies obsolet, da man ja einfach dort sehen kann, wo die Gänge entlang führen, jedoch gibt es dennoch Bereiche, die dort nicht eingezeichnet sind. Der Keller hat zwei Stockwerke, besonders gemein sind dabei hauptsächlich die Skelette und Spinnengegner, die doch wesentlich schwerer als viel vom Rest sind, der hier unten rum kreucht und fleucht. Irgendwo ganz hinten ist dann noch ein besonderer Spinnenboss, und in der Sackgasse hinter ihr wiederum eine Leiche, die den Gegenstand hält, für den wir hier sind. Feste Schätze gibt es ansonsten im ganzen Dungeon nicht, nur manchmal hinterlassen Gegner potentiell mit Fallen ausgestattete Truhen.

Mit diesem Beweismittel können wir allerdings nun zum Tempel des verrückten Gottes in der Mitte der Stadt gehen. Oder besser gesagt werden wir jetzt zumindest in jenem nicht mehr abgewiesen, da man uns für einen seiner Jünger hält. Darunter ist allerdings schlichtweg das nächste Dungeon zu finden. Die Katakomben unterhalb des Tempels sind gleich ein wenig komplizierter aufgebaut und mit drei Stockwerken auch etwas umfangreicher als das Kellergewölbe. Erneut scheint es keine Schätze hier drin zu geben, abgesehen von dem einen Gegenstand, für den wir überhaupt die ganze Arbeit auf uns genommen haben.

Hier unten gibt es jedenfalls jede Menge untoter Gegner, die erneut von sehr unterschiedlicher Schwierigkeit sein können. Spinnen und Skelette kennen wir ja bereits vom vorigen Dungeons und sind eigentlich hoffnungslos überholt. Zombies gehen auch halbwegs, während die pinker eingefärbte Ghoul-Variante super stark ist. Die Magier sind erneut ziemlich gefährlich, wenn sie Magien oder Meatshields heraufbeschwören, aber ungefährlich bei normalen Angriffen. Besonders sind übrigens die Doppler-Gegner, die normalerweise extrem schwach sind, aber einen Charakter aus der Truppe übernehmen können, so dass es zu einem Kampf gegen die eigenen Reihen kommt. Der wiedererweckte Kerl in der Krypta, der sich am Ende als Boss stellt, ist hingegen recht einfach, solange man zur Vorsicht jede Runde mit World of Healing einen allgemeinen Gruppenheilzauber wirft, da er mit einem Angriff schon über fast die halbe Lebensleiste Schaden machen kann.

Netterweise gibt es direkt hinter ihm allerdings eine Treppe aus dem Dungeon heraus, man muss sich also nicht wieder alle drei Stockwerke nach oben in die Stadt zurück kämpfen. Und das Kristallauge, welches wir ihm abgenommen haben öffnet das nächste Dungeon. Ja richtg, die Dungeons in The Bard’s Tale scheinen nur dem einen Zweck zu dienen, von einem Boss einen Gegenstand zu erlangen, um in das nächste Dungeon zu kommen, damit dort das gleiche Spielchen vonstatten gehen kann.

Let’s Play The Bard’s Tale – 01. Skara Brae

Ein weiterer Klassiker der WRPG-Geschichte ist The Bard’s Tale, wenn auch keine der langlebigen Franchises. 1985 erschien der erste Teil, bereits vor 1990 war es dann auch mit dem dritten schon beendet, abgesehen von einem kurzen aber gescheiterten Wiederbelebungsversuch im neuen Jahrtausend. Die ersten beiden davon haben sogar – wie immer schräg wirkend aber wohl gar nicht so unüblich – einen Konsolenport auf das NES bekommen, wovon aber der zweite Japan-exklusiv verblieb.

Da wurden wohl auch einige Konzessionen gemacht, was sich schon bereits zu Beginn bei der Charaktererstellung zeigt. Beispielsweise wurde ich hier direkt gefragt, welche Jobklasse ich denn gerne in mein 6-Mann-Team einbringen würde. Zur Auswahl stehen mir auch direkt 6 Klassen, wobei ich auf einen Thief verzichtet habe, und neben dem Warrior, Hunter, Bard (es wäre irgendwie komisch, ausgerechnet in diesem Spiel keinen zu wählen) und Sorcerer auch noch gleich zwei Wizards. Anschließend werden dann erst die Statuswerte ausgewürfelt, wobei gleich ein wenig die Betonung auf die entsprechende benötigten gelegt werden. Wählt man einen Warrior ist also eher ein hoher STR-Wurf drin, bei einem Wizard eher INT.

Im PC-Original hingegen gibt es wohl verschiedene Rassen zur Auswahl und vier weitere Jobklassen: Paladin, Monk, Conjurer und Magician. Wobei, dadurch das hier nicht gesagt wird, was für eine Rasse die Gruppe hat, kann man sich zumindest im Kopf denken, was man will. Ob man nun als Rassist nur Menschen in der Gruppe haben will, oder doch das übliche Team mit Orcs und Elfs, oder auch gern eine Truppe aus Xenomorphs und Glücksbärchis in den Kampf ziehen lässt – zurecht-fantasieren kann man sich da, wie man will.

Bard’s Tale ist dabei nicht nur zwischen Wizardry und Might & Magic begonnen, sondern auch von der Spielewelt sozusagen ein Zwischenschritt. Im Gegensatz zu Wizardry gibt es beispielsweise schon eine frei begehbare Stadt und mehrere Dungeons, alles in Labyrinthgängen dargestellt, aber eben noch keine große ausgearbeitete Oberwelt wie in Might & Magic, sondern schon eine insgesamt beschränktere Welt.

Gestartet sind wir eh erst mal in Skara Brae, bekannt auch aus Ultima, und kommend von einem real existenten Ort. Glücklicherweise sind die Gilde, der Shop und andere Etablissements direkt beieinander in der ersten Straße, denn mit jedem Schritt könnten wir von Random Encountern angesprungen werden. Und wie üblich sind wir nicht ausgerüstet, die zwei Schritte bis zum Laden, um sich etwas Ausstattung kaufen zu können, sind also schon wichtig. Netterweise hat jedes Gruppenmitglied direkt 300 Gold im Gepäck, was sich natürlich bei geduldigen Naturen wieder auszahlen kann, in dem mehrere erstellt, geplündert und wieder gelöscht werden können.

Schwachbrüstig wie die anfängliche Truppe ist, wird sowieso erst Mal gelevelt. Interesssant hierbei ist, dass man zwar ähnlich Might & Magic in ein Trainingscenter muss, um sein Level Up auch zu bekommen, dafür allerdings keine Verwaltungskosten anfallen, sondern umsonst die Stufe erhöht wird. Was allerdings etwas koset ist, den magischen Berufungen ihre Spell-Level beizubringen, dafür werden aber immerhin die Zauber nicht einzeln gekauft, sondern direkt die ganze Stufe für den Charakter freigeschaltet. Geht mit dem Equip aber dann doch ganz schön auf das Geld zu Spielbeginn. Auch interessant am Leveln ist, dass zufällig ein Statuswert steigt (Minus gibt es immerhin schon mal mit), aber dies wirklich total random ist. Man sollte also vorher eventuell speichern und neu laden, wenn ausgerechnet der Warrior einen Bonus in INT und der Wizard einen in STR bekommt, die sie nicht gebrauchen können.

Immerhin wird relativ zügig gelevelt an den auch nicht super schweren Gegnern zum Start des Spieles, gerade wenn man sich nicht zu weit weg bewegt vom Beginn, um jederzeit rasten zu können. Gerade nachdem man sich endlich ausgerüstet hat, und auch durch die vom Bard gesungenen hilfreichen Buffs. Interessant hierbei ist, dass einem im Kampf jederzeit bis zu 3 Gruppen von bis zu 9 Gegner begegnen können, aber pro Gruppe jede Runde nur einer davon angreifen darf. Es zahlt sich also tatsächlich aus, erst eine Gruppe an sich abzumetzeln, statt die Angriffe auf sie zu verteilen.

Etwas bedenklich finde ich ja, wie viel mir das Spiel die Option gibt, die eigene Gruppe anzugreifen. Jeder einzelne Charakter kann im Kampf nicht nur eine Gruppe der Gegner anvisieren, sondern auch auf die eigene Truppe gehen, und auch das Menü außerhalb des Kampfes bietet neben den Status anzusehen etc. eine Option jederzeit eine Auseinandersetzung innerhalb der eigenen Party zu starten. Das wird also wohl scheinbar für irgendwas nütze sein?

Das Spiel ist dabei übrigens etwas benutzerfreundlicher, als das teilweise Kollegen sind. Es muss nicht nach dem Kampf nach Loot gesucht werden. Und das erhaltene Geld wird zwar auf die Charaktere gleichmäßig verteilt, jedoch hat das Menü sowie jeder Shop direkt eine Option, dies alles auch einfach schnell auf einen Charakter zusammen zu ziehen, statt dies irgendwo schwerer auffindbar zu verstecken. Zauber kommen zwar wie erwähnt nach Magielevel gestaffelt, jedoch nicht per Charges sondern verbrauchen ganz normal aus einem allgemeinen MP-Pool.

Der Barde hat natürlich eine Sonderstellung im Team. Er kann schön fein seine Liedchen trällern, um gewissen Support-Effekte, die zeitlich bedingt sind, zu beschwören. Allerdings trocknen die Stimmbänder auch nach einigen Gesängen aus und er muss in der Taverne erst Mal was trinken gehen. In der NES-Version sind das natürlich alles nicht-alkoholische Getränke.

Jedenfalls schauen wir uns mal ein wenig in der Stadt um, während wir Monster fürs Aufleveln schnetzeln. Das Stadttor ist verriegelt, keine Ahnung, ob das über das Spiel hinweg überhaupt aufzubekommen ist. Es gibt diverse Türen in Häuser, jedoch ist in den meisten davon absolut gar nichts zu finden. Etwas südlich stehen zwei gehörnte Statuen. Wenn wir die untersuchen, stellt sich ein Wizard zum Kampf. Magier sind allgemein die gefährlicheren Gegner hier, denn nicht nur können die Zauber gut abziehen und die ganze Gruppe treffen, sondern sie können auch ziemlich schwer treffbare Familiars heraufbeschwören, die einem das Leben schwer machen. Hinter den Wizards in einer Seitenstraße ist ausnahmsweise hinter der Tür mal kein leerer Raum, sondern eine zweite Taverne. Nett, um den Bard zu rechargen, aber wer nach Traubensaft fraft, wird sogar ins Dungeon darunter eingeladen.