The Coronation, or Watching Korra: Book Balance

ava-1892Und The Legend of Korra geht ins Finale ein, mit einem letzten Schwung an 13 Folgen. Die Serie war schon eine Ecke anders als Avatar: The Last Airbender, so rückblickend gesehen. Natürlich ist Korra ein sehr gegensätzlicher Charakter zu Aang, nicht nur als Mädchen und von einem ganz anderen Stamm, sondern im Gegensatz zum spirituellen und ausgeglichenen Aang war Korra ein Hitzkopf, zudem sowieso ein Stück älter, aber eben auch die Serie an sich anders strukturiert. Avatar war eine volle Storyline in 3 Etappen, von Anfang an das Ziel vor Augen, während Korra episodischer daher kam, da eigentlich jede Staffel auch als eigenständig Handlung funktioniert.

Die da wäre in Book of Balance? 3 Jahre sind vergangen seit Korra durch die Metallvergiftung fast zur Invaliden gemacht wurde, und so ganz davon erholt hat sie sich immer noch nicht. Genau genommen ist sie abgehauen und lässt sich nun von ihren inneren Dämonen durch die Welt jagen, bevor sie auf jedermanns Liebling Toph stößt und ihr PTSD endlich überwinden lernt. Rechtzeitig um sich der Tyrannin Kuvira zu stellen, die es sich in der Abwesenheit des Avatars zu Aufgabe gemacht hat das zerrüttete Erdkönigreich wieder zu vereinen. Und hat man erst mal Macht in den Händen, dann gibt man das bekanntlich ganz ungern wieder auf.

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Allgemein finde ich es ganz nett, dass die finale Staffel noch mal erwähnt, dass bisher alle Bösewichter eigentlich ursprünglich gute Intentionen hatten, die sie nur falsch angegangen sind (selbst Asamis Vater darf hier nun etwas Wiedergutmachung leisten). Ähnlich ist das auch mit Kuvira. Das Erdkönigreich lag in Trümmern und keiner war bereit die enorme Arbeit anzugehen dies wieder zusammenzufügen. Also hat sie das die letzten Jahre über gemacht, nur denkt sie dadurch mittlerweile besser zu wissen was das Reich braucht. Ganz zu schweigen von der Problematik was man tun soll, wenn die einzelnen Regionen so gar nicht wieder zusammengehörig sein wollen. Leider hält die Serie sie etwas kurz, sondern geht den einfacheren Weg sie schon als extrem skrupellos und fies zu porträtieren, erst in der finalen Folge etwas Menschlichkeit zu geben. Das ist etwas schade gewesen.

Wobei gerade die auch kurz angesprochenen Parallelen zwischen Korra und Kuvira interessant sind. Immerhin ist auch die heißblütige Korra bisher diejenige gewesen, die ihren Willen unbedingt haben wollte, dafür auch gern durch die Wand ging, einfach davon ausgehend, dass sie es am Besten weiß. Eben erst über den Fast-Verlust ihrer Avatar-Kräfte und den langen Weg der Erholung hat sie über die Serie langsam erwachsen werden und lernen müssen etwas bedachter zu handeln, auch ein wenig mehr nachzudenken vor dem Handeln, und hat zur spirituellen Seite des Avatar-Seins gefunden.

Da passt Varrick auch schon ganz gut rein, der da wesentlich angenehmer grau gestartet war, eben weil er nicht der Hauptantagonist war, sondern einfach nur ein fischiger Ränkeschmied, sich mittlerweile aber ebenfalls auf die Seite der Guten bewegen konnte. Bei ihm in der Staffel ebenfalls ein wenig den Zeig dahin, dass sich erst mal errungene Macht verselbstständigen kann. Im hiesigen Fall ein neuer wissenschaftlicher Durchbruch, den Varrick sofort am liebsten in Vergessenheit begraben würde, aber von anderen aufgegriffen und zu einer Superwaffe verbaut wird. Parallelen zur Atombombe und das „was, wenn mein Gegner sie hat“-Wettrüsten mehr als offensichtlich.

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Auch spricht die Serie noch mal an, was gerade eben auch sehr dazu passt das jede Staffel so ein wenig eigenständig war, dass nie alles in Ordnung sein kann. Irgendwo kriselt es immer, irgendwo muss immer geholfen werden, und irgendein Antagonist kann zu jeder Zeit aufkommen. So ist das nun mal mit der Welt, und gerade deswegen wird ja auch immer ein Avatar gebraucht. Da passt es vielleicht ganz gut das Book of Balance, trotz großem Kampf gegen einen Mecha in der evakuierten Hauptstadt im Finale, eben nicht ganz wie der große Abschluss wirkt, sondern eben schlicht wie eine weitere Staffel.

Dennoch muss ich sagen das mir bisher unangefochten die erste Staffel der Serie am Besten gefallen hat, die anderen drei kamen da nicht mehr so ganz ran. Book Air war einfach ein wenig runder, etwas fester gesteckt und toller umgesetzt. Natürlich sind auch die anderen Staffeln erzählerisch gut, toll animiert, und mit viel Action und spannender Kameraführung bestückt, doch Book Air bleibt einen Tacken überm Rest für mich.

Long Live the Queen, or Watching Korra: Book Change

ava-1850Am Ende von Book Spirits hat Korra also die seit dem Auftreten des ersten Avatars geschlossenen Portale in die Spirit World geöffnet, und mit den Konsequenzen muss jetzt die ganze Welt leben, deswegen wohl auch Book Change als Titel der dritten Staffel.

Genau genommen ist das aber schnell kein Faktor mehr, lediglich die ersten Folgen zeigen, dass die Re-Integration der Spirits in die Welt nicht nur positiv ist, nicht jedem gefällt, besonders wenn sie in den Weg geraten, und geben Korra trotz Weltrettung ziemlich viel negative Presse, so dass sie sogar aus Republic City geworfen wird. Tja, niemand hat je behauptet, dass Koexistenz sonderlich leicht ist, auch wenn es auf dem Papier so schön friedlich und erstrebenswert klingt.

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Eine wesentlich größere Änderung, die die geöffneten Portale mit sich bringen, ist das Auftreten von neuen Air Bendern rund um die Welt, Aang war ja in Avatar: The Last Airbender eben der letzte davon, und auch in Korra sind es bisher lediglich seine Nachfahren gewesen, die jenes Element beherrschten. Nun kann aus der Familie aber wieder eine ganze Nation und Kultur werden, und… zum Großteil wird das allerdings eher genutzt, um Jinoras Charakter weiter wachsen zu lassen – und Animosität zur Earth Queen zu geben, die nämlich aus ihnen lieber eine private Armee züchten würde. Wobei es ganz nett ist, dass diesmal der Staffelhöhepunkt durch die gemeinsame Macht der neuen Windbändiger gewonnen wird, nicht wieder nur durch Korra im Alleingang.

Apropos Charakterwachstum, auch Lin Beifong, die coolste Sau der Serie seit Staffel 1, bekommt davon etwas, wenn wir auf ihre Familie treffen. Sowieso sehr interessant, bisher haben wir mit zwei Familien der Hauptcharaktere von Avatar Zeit verbracht, die von Aang und nun auch die von Toph, und beide hatten nicht nur Gutes zu ihren Eltern zu sagen. Schön das die ehemaligen Helden nicht unnötig glorifiziert werden, sondern tatsächlich auch weiterhin menschliche Fehler haben dürfen.

Apropos 2, nämlich ehemalige Hauptcharaktere: Zuko ist zurück. Im Alter hat er sein Lispeln endlich bezwingen können und darf nun auf einem coolen Drachen reiten. Auch die Neuankömmlinge sind ganz cool, wie der Straßendieb und neue Windbändiger Kai, sowie die Truppe an vier Antagonisten. Die wahre Bedrohung diesmal kommt nämlich durch vier vor Jahrzehnten eingesperrte Schwerstkriminelle, die entfliehen können, und zur Organisation des Roten Lotus gehören. Die gehören zum Chaos-Alignment und wollen eine „Macht des Stärkeren“-Welt erschaffen, die ohne Regierungen, Gesetze, oder den Gleichgewicht bringenden Avatar auskommt. Anarchie klingt natürlich erneut nett auf dem Papier, wenn man gerade mal wieder der Politik überdrüssig ist, aber so ganz ohne Regeln lebt es sich halt auch nicht sonderlich stabil.

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Ich bin ja echt froh, dass der Blödsinn mit dem Liebesdreieck ein für allemal beendet zu sein scheint, gerade die arme Asami kam in den vorigen Staffeln als Charakter gern mal etwas kurz, wenn sie nicht gerade mit Mako zusammen oder auf Korra eifersüchtig sein durfte. Ohne diese dämlichen Liebesquerelen funktioniert die Truppe wesentlich besser und ist sympathischer. Die Serie macht sich ganz selbst-reflektierend sogar darüber lustig, wenn die witzige Oma von Mako und Bolin ihn fragt, warum er nicht mit so netten Mädels wie Korra oder Asami zusammen wäre. That awkward moment und so.

Es ist interessant auf Wikipedia zu lesen, dass die Macher der Serie bei den ursprünglichen Scripts die Befürchtung hatten, dass Book Change zu textlastig und langweilig werden könnte, und wiederholt nach „mehr Action“ verlangt wurde. Denn die Action ist gewohnt gut animiert, geil anzusehen, und auch zahlreich. Aber vielleicht ist die Handlung dann doch etwas kurz gekommen. Für mich war zumindest Book Change ganz nett, aber die bisher schwächste der drei Staffeln, einfach weil sie häufiger mal so zu nichts hinzuführen schien. Hoffentlich wird das in der letzten Staffel noch mal wieder etwas packender.

Harmonic Convergence, or Watching Korra: Book Spirits

ava-1804Allen Befürchtungen Nickelodeons zum trotz, dass eine Serie mit einem non-kaukasischen und non-männlichen Hauptcharakter kein breites Publikum ansprechen könnte, war die erste Staffel von The Legend of Korra ein enormer Erfolg, aber wirklich, bei dem Avatar-Hype, wie hätte es auch anders sein können. Also doch weitere Staffeln.

Book Air endete damit, dass Korra bereits zu ihren Avatar-Kräften erwachte. Das ändert natürlich die Dynamik der ganzen Serie gegenüber Avatar: The Last Airbender, was ich auch schön und erfrischend finde. Korra ist ein distinkt anderer Charakter, eben weil sie ganz anders aufwuchs als Aang, statt spirituell eingestellt ist sie mehr der Haudrauf-Typ, sie ist etwas älter, sie kommt vom Wasserstamm, und ja sie muss halt nicht die ganze Serie lang auf den Avatar-Status hinarbeiten, sondern hat ihn schon.

Aber ganz so einfach ist es dann eben doch nicht, auch Korra braucht noch Training, eben gerade weil ihr so ein wenig die Bindung zur spirituellen Seite des Avatar-Seins fehlt, und darum kümmert sich selbstverständlich das so betitelte Book Spirits. Denn die Geister beginnen langsam Amok zu laufen, den südlichen Wasserstamm anzugreifen, was Unalaq auf den Plan ruft, der über den nördlichen Wasserstamm regiert, eine starke Bindung zu den Geistern hat, und der Bruder von Korras Vater ist. Tatsächlich will sie zunächst lieber unter ihm statt Tenzin lernen, weil der ihr vielleicht doch mehr beibringen kann. Bis sie feststellen muss, dass Unalaq nur versucht sie dazu zu missbrauchen, dass sie die Portale zur Geisterwelt wieder öffnet, auf das sie in die normale Welt eindringen können, und er als der neue Avatar regieren darf. Sogar ein Bürgerkrieg bricht aus.

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Republic City hingegen versucht sich dort raus zu halten, trotz Korras Hilfegesuch, da ein Bürgerkrieg im Wasserstamm sie nichts angeht. Bis sich der reiche Geschäftsmann Varrick einmischt, der ziemlich schrullig und charismatisch ist, bei dem sich aber bald herausstellt, dass er auch lügt und betrügt, um die Kriegsflammen anzuheizen, da sich so gut Geld verdienen lässt. Varrick ist ein echt toller neuer Charakter, denn nicht nur ist sein extremes Gehabe ziemlich unterhaltsam ohne zu nerven, was schon ein ziemlicher Drahtseilakt ist, sondern er ist auch ein grauer Charakter, nicht wirklich ein Böser, nicht wirklich ein Guter, sondern auf seinen eigenen Profit bedacht, aber bereit zu helfen, wenn es auch ihm hilft. Und zusammen mit Unalaqs anfänglicher Hilfsbereitschaft (auch wenn man es bei ihm drei Meilen gegen den Wind riechen konnte, dass er der Bösewicht der Staffel wird) zeigt dies eben auch Korra, dass man vielleicht doch nicht einfach unreflektiert jedem glauben schenken, sondern vielleicht auch mal etwas selbst nachdenken und Motivationen hinterfragen sollte – bisher nicht unbedingt Korras Stärke. Etwas schade war allerdings, dass die elfte Folge das alles etwas unpassend einfach wieder aus dem Weg bekommt, mit Varricks lang angelegten Plänen schnell außer Gefecht gesetzt und ihm im Gefängnis. Das ging so was von zu einfach über die Bühne, ich hatte fast erwartet herauszufinden, dass dies nur Teil des Planes war. Aber leider nicht.

Außerdem bringt Varrick die Movers in dieses Universum, auch die Welt von The Legend of Korra hat nun also Kinofilme, die prompt natürlich von Varrick für seine eigene Propaganda gebraucht werden. Erneut eine nette kleine Lehrstunde für die Kinners da draußen, eben nicht so einfach alles für bare Münze zu nehmen, was einem dort an Agenda vorgespielt wird, aber auch echt unterhaltsam an sich, denn die Dinger sind herrlich over the top und dämlich, mit der einen oder anderen Hommage an unsere eigenen monochromen Filmklassiker.

Auch so ist sich The Legend of Korra natürlich mal wieder nicht zu schade, auch sich über sich selbst lustig zu machen. Wenn der rote Teppich aus der Feuernation importiert wurde, „weil die machen dort das beste Rot-Zeug“, als kleiner Witz auf die extreme Farbkoordination, die die Nationen in dieser Welt pflegen, und die genau genommen nicht sehr realistisch ist. Oder zwei Instanzen wo ein Charaktere wiedergeben muss, was ihm in den letzten paar Folgen geschehen ist, an Charaktere die nicht anwesend waren, und welches mal aufzeigt, wie übertrieben viel eigentlich dann doch Schlag auf Schlag geschah.

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Ich mochte durchaus auch, dass Tenzin seine eigene kleine Charakter-Arc hat, in der er einsehen muss, dass sein Vater doch nicht so übertoll war, ein für ihn ewig unerreichbares Idealbild, und er sich selbst Fehler eingestehen darf. Auch wenn die Exkurse zu seiner Familie beim Urlaub machen zu Beginn der Staffel etwas ablenken und das Pacing zum Stillstand bringen. Es ist dann halt doch keine so eng gesteckte Geschichte wie in der ersten Staffel, die im Notfall hätte alleine stehen müssen.

Irgendwie jedoch hatte die Staffel einen seltsamen Vibe für die Zweite von Vieren, da sich das hier doch alles etwas wie eine Finalstaffel angefühlt hat. Zum einen kommt die Bedrohung direkt aus der Heimat des Haupcharakters Korras selbst. Dann haben wir zur Staffelmitte hin die Origins-Story des Avatar-Zyklus, wenn Korra eine Vision davon hat, wie der erste Avatar durch die Verschmelzung mit dem guten Geist Raava verschmolz um den bösen Geist Vaatu zu versiegeln, die anderen Geiser überhaupt erst in die Geisterwelt zurück trieb. Übrigens eine Doppelfolge im Stil von Tuschmalerei. Und irgendwie passend, dass der Avatar geboren wurde, um die Welt in Balance zu halten, wo der Kerl, der zu ihm wurde, doch eigentlich erst die Balance zerstörte. Mit Vaatur haben wir dann auch ein großes Urböse sozusagen hinter allem, nicht nur einen größenwahnsinnigen Menschen oder eine Kriegstreibende Nation, vor dem die ganze Welt gerettet werden muss. Der Ballast der alten Avatar-Leben wird ausgehebelt, Korra führt anschließend in ein neues Zeitalter. Doch, irgendwie war das alles so ein weniges Finalstaffel-Material. Mal sehen, was da in den nächsten zwei Staffeln wirklich noch drauf kommen soll.

A Leaf in the Wind, or Watching Korra: Book Air

ava-1783Nachdem Avatar dann doch besser war, als meine Vorurteile immer mich haben befürchten lassen, ich also nicht mit einem schlichten „meh“ zurückblieb, sondern das Ding recht gefällig fand, war es eigentlich ganz praktisch, dass noch im selben Jahr auch die Nachfolgeserie The Legend of Korra ihr Ende fand. So kann ich die gleich dieses Jahr in einem Aufwasch anschauen.

Die Serie hatte wohl trotz des immensen Erfolgs des Vorgängers zunächst ein paar Schwierigkeiten grünes Licht zu bekommen, dank des guten alten Focus Group Testings des „Jungs schauen keine Serien mit Mädels in der Hauptrolle, umgekehrt allerdings schon“, und war deswegen auch erst mal nur auf 12 Folgen veranschlagt, bis sie dann durch dessen Popularität bestätigt auf vier Staffeln von insgesamt 52 erweitert wurde. Die beiden Serienmacher schrieben deswegen auch die erste Staffel komplett allein, und jene für den Notfall des vorzeitigen Endes auch vollgepackt an Handlung. Das kommt Book Air sehr zu Gute, denn wir haben hier wirklich keine der langweiligen Dürchhängerepisoden, die Avatar stellenweise geplagt haben. Muss sich bestätigen, dass dies in der Quantität der folgenden 40 Episoden auch qualitativ so bleibt.

Dennoch kann sich die Staffel zunächst etwas Zeit lassen, und benutzt die erste Hälfte hauptsächlich dazu, uns in die Charaktere und das Setting einzuführen. Immerhin starten wir hier in einer Zeit des Friedens, nachdem die Avatar-Bürde von Aang auf die Nachfolgerin in Spe Korra übergegangen ist. Es gibt also nicht unmittelbar das „Das Imperium wird uns alle Vernichten, wenn du nicht bis X Tag lernst, wo der Lüftungsschacht am Todesstern angebracht ist“ Zeitlimit der Vorgängerserie.

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So bietet uns Episode 1 Korra selbst dar, die in der Abgeschiedenheit des Wasserstamm-Camps etwas weltfremd und behütet auf ihr Avatar-Sein vorbereitet wurde, alles bis auf den Wind bereits beherrscht, denn der Hitzkopf ist in den brachialen Elemente und physischem Kampf ein Naturtalent, wenn es aber um die spirituelle Seite und das Windbändigen angeht will das nicht wirklich mit ihr klicken. Außerdem kommen wir nach Republic City dessen Design ich liebe. Im Prinzip eine alternative Version des Art Deco New York City, aber mit mehr Steampunk und asiatischen Elementen. Selbst die Musik der Serie stellt sich auf das Design ein, gibt es doch ein paar Swinging 20s Stücke und der Recap zu Beginn jeder Folge ist auch im Ton eines entsprechenden Radiomoderators gehalten.

Episode 2 bringt die ersten Gefährten mit sich, nämlich die Waisen-Brüder Mako und Bolin, einer Feuer- und einer Erdbändiger (also müssen theoretisch ihre Eltern unterschiedlicher Nation sein, oder?), die an den Tunieren teilnehmen, in denen je drei Bändiger gegeneinander in den Ring treten, und bei die Korra ins Team gerät. Jene Tuniere sind auch eine super Ausrede dafür, um in der ersten Hälfte noch mehr cool animierte und choreographierte Element-Kämpfe zu haben, ohne dass jeweils was Gefährliches passieren muss.

Mit Episode 3 kommt die deutliche Gefahr der Staffel auf den Plan: Die Revolution der Equalists, die es leid sind, dass sich Elementbändiger so viel gegenüber der Normalobevölkerung herausnehmen können, und zum Gegenschlag ansetzen. Nutzen tun sie Cyber-Ninja und Mechas, angeführt vom maskierten Unbekannten mit cooler Stimme und der Fähigkeit, Leuten ihr Beschwörungs-Chi zu blocken – permanent. Was ein genialer Einfall ist, da es zeigen kann, wie unsere Special Snowflakes reagieren, wenn man ihnen ihre besondere Kraft entreißt, und natürlich eine ganz besondere Gefahr für unsere Charaktere und ihre Fähigkeiten darstellt. Und natürlich ist deren Siegel ein schwarzes asiatische Zeichen vor rotem Hintergrund.

Die vorerst letzte im Bunde, Asami, wird dann vergleichsweise etwas schwach in Episode 4 vorgestellt. Sie ist ganz sympathisch, aber gegenüber den anderen doch noch etwas blass, und hauptsächlich vorerst genutzt, um ein Asami-Mako-Korra Liebesdreieck zur emotionalen Komplikation zu bieten. Blargh. Dafür finden wir nun allerdings etwas über die politische Lage in Republic City heraus, die auch nicht ganz so rosig ist, mit dem machthungrigen Tarrlok.

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Und dann, ab Staffelhalbzeit legt Book Air so richtig los. Es passiert eine aufregende Sache, die den Staus Quo umwirft, nach der anderen, so dass es ziemlich schnell einen solchen gar nicht mehr gibt, dafür verändert sich zu schnell, wer wem eines auswicht, wer gerade die Oberhand hat, und vor allem was wir so alles über die Geheimnisse im Hintergrund herausfinden. Das alles so cineastisch dargestellt und mit so viel Action, dass Avatar dagegen wie eine Schlaftablette wirkt. Das alles führt zu einem höchst dramatischen Staffelfinale, in dem fast alles für beide Seiten verloren erscheint, und welches einen wundervoll ruhigen und überraschend gemeinen Ausklang für die erste Staffel bedeutet hätte… wenn doch nur 3 Minuten früher Schluss gewesen wäre. Hier kam es The Legend of Korra eventuell etwas in den Weg, dass man sich einer Fortsetzung noch nicht sicher war, und deswegen nicht ganz so offen geendet hat, wie schön gewesen wäre, sich stattdessen doch noch ein schnelles „Alles ist gut“ aus den Fingern saugt.

Weitere Randnotizen: Die besten Charaktere der Staffel sind mal wieder nicht unsere Kids, sondern Aangs stoischer Nachfolger Tenzin und die mürrische Polizeichefin Lin Beifong, sowie Korras Polarbärhund Naga. Stehlen allen anderen eindeutig die Show, ähnlich wie Iroh in Avatar. Apropos Iroh, niedlich das Zukos Nachfahre so benannt wurde, auch eine Narbe abbekommt, und sogar das schlimme Lispeln scheint in der DNS fest verankert.

Perfekt ist The Legend of Korra sicherlich auch noch nicht, dafür sind ein oder zwei Instanzen mir immer noch etwas zu ungeschickt übertrieben aufgetragen (die Regelbrecherei im Endturnier beispielsweise, wenn auch für die Handlung notwendig, hätte etwas weniger offensichtlich sein können), doch mit Book Air haben wir einen witzigen, Actionreichen, fulminanten Auftakt zu einer Serie, die, wenn sie die Qualität halten kann, potentiell ihren so gehypten Vorgänger weit hinter sich lassen kann. Die erste Staffel schreit zumindest schon mal längst nicht permanent „interessanter Ansatz nicht voll ausgekostet, da wir uns im Rahmen einer Kinderserie bewegen müssen“.

The Last Airbender, or Watching the Avatar Movie

ava-1613Und dann, 2 Jahre später, der Film zum Cartoon. Wen nimmt man sich denn da, wenn eine Serie tief steckend in Anime-Inspiration und ostasiatischen Heldenlegenden, gemacht für Kinder, mit einer ordentlichen Portion Humor, verfilmt werden soll? M. Night Shyamalan natürlich! Der Kerl kann einem fast leid tun, mit seinem dritten Film, The Sixth Sense, zum enormen Ruhm gekommen, seither damit beschäftigt, diese Wunder zu wiederholen zu versuchen, und das mit scheinbar jedem Film mit weniger Erfolg. Aber mal ehrlich, einen bunten, humorigen Kinderfilm kann man sicherlich von dem Kerl nicht erwarten.

The Last Airbender, seines Haupttitels entnommen wegen einem gewissen Film über blaue Katzenaliens, ist dann auch… existent. Jupp. The Last Airbender ist absolut ein Film den es gibt. Und geraume Zeit geben wird. Der Film wurde produziert, editiert, in die Kinos gebracht, und anschließend fürs Heimkino ausgewertet. Das Projekt wurde nicht gecancelt, der Film nicht unveröffentlicht gelassen, oder nach dem Kinoresultat weggesperrt. Und in unserem digitalen Zeitalter wird er dann wohl auch eine Weile überleben, ohne verloren zu gehen.

Oh Shyamalan. Was ist hier nur passiert? Ich fand The Sixth Sense toll. Ich konnte auch bei Signs und The Village über Schwächen hinweg schauen, weil der Rest der Filme so interessant war. The Happening war kollossal langweilig, aber immerhin kompetent gefilmt. Und nun The Last Airbender, ein Film in dem so wirklich absolut kein Part funktionieren will und somit ein schreckliches Ganzes ergeben.

Es ist erstaunlich wie simpel die Handlung ist, ich Book Water durch die Serie ja sowieso kenne, und wie man manchmal doch fast überumpelt ist, warum die Truppe jetzt weshalb wo genau ist. Und das, obwohl fast der gesamte Dialog nur Exposition ist. Das liegt daran, weil der Film wie die Cliffnotes der Cliffnotes zur Serie wirkt. Es wird so unglaublich durch das Ding gehetzt, es ist schrecklich.

Ok, so, Sokka und Katara sind am Südpol, direkt Exposition-Shot, dass sie eine Wasserbändigerin ist. Und schnell Aang im Eis gefunden. Und zackig zu Zuko, der ihn fangen will, und das auch sofort tut. Aber Katara und Sokka sind seine Freunde, obwohl sie ihn 5 Minuten erst kennen, und befreien ihn. Und dann auf dem Bison schnell weiter zum Windtempel. Schnell erzählt, dass alle tot sind und Aang seiner Verantwortung geflohen ist, und einen ersten Ausraster seiner Kräfte und Tripp in die Spirit World mit untergebracht. Keine Zeit, also weiter geflogen und Erdleute gerettet. Und schnell Exposition-Dialog wo es als nächstes hingeht und warum, aber zackig und los und fortgeflogen. Schnell noch eine Szene mit Zuko eingeworfen, in der Iroh aus dem nichts vorschlägt sich niederzulassen, damit Zuko uns seiner Backstory entgegen exposition kann. Zurück zu Aang, der muss gefangen werden vom bösen General, und befreit werden von Zuko in Maske. Aber schnell schnell, wir müssen alle wichtigen Punkte von Episode 1-18 in unter einer Stunde bringen, damit wir die verbleibenden 45 Minuten fürs große Finale am Nordpol haben.

Charaktere tauchen an Orten auf, tun schnell was, sind schon wieder weg, und wenn man geblinzelt hat, hat man es auch schon verpasst. Dazu Dialoge, die immer künstlich und abgehackt sind, immer darauf bedacht in möglichst wenigen Worten möglichst schnell gesprochen dem Publikum zu sagen, was jetzt los ist, und warum, und wie wir uns dabei fühlen. Die Erzählstruktur des Filmes ist einfach eine absolutes Durcheinander, ein überhasteter Abriss einer längeren Reise, die so nicht funktioniert, weil wir nirgendwo wirklich Zeit verbringen, nie wirklich Charaktermomente haben.

The Last Airbender hat übrigens satte 150 Mille gekostet. Ansehen tut man ihm das aber auch nicht. Die Szenerien sind ganz nett, genau wie das Finale am Nordpol. Aber so viel sieht auch so billig aus hier. Beispielsweise der Flugbüffel, grausiges Vieh. Oder das Bändigen. Für das viele Tai-Chi-Rumgefuchtel kommt anschließend erstaunlich wenig bei rum. Oder die Spirit World, die nur ein Wald mit ein paar roten Lampions im Photoshop-Filter ist.

Und das Schauspiel. Wenn das in einem Film von allen Beteiligten so universell schlecht ist, so die Aussprache jeder einzelnen Textzeile ohne Emotion daher kommt, mag das nicht mal an den Schauspielern liegen. Das kann auch die Führung sein, wie ihnen gesagt wurde, wie sie sich zu geben haben, oder auch am Script, denn aus schlechten Dialogen kann man auch nur so viel rausholen. Am Schlimmsten hat es den Kerl getroffen, der Sokka miemt. Weil Script und Führung scheinbar absolut unterschiedlich sind. Er bekommt immer noch ein paar humorig gemeinte Zeilen, aber in einem Film, der so absolut keinen Humor besitzt, wodurch jene dann genauso trocken und uninvoliviert vorgelesen werden, wie die Zeilen aller anderen Charaktere auch.

Die schiere Inkompetenz, die The Last Airbender verströmt, ist einfach überraschend. Der Cartoon ist kein Meisterwerk, aber eine recht unterhaltsame Reise, mit Humor und Action und sympathischen Charakteren. Der Film ist so tot. So ohne jeglichen Spaß an der Sache, so ohne wirkliche Oompf-Hightlights, so ohne Charaktere. Und auch auf der technischen Seite funktionierts nicht. Ich kann mich nicht mal wirklich aufregen, weil ich einfach so keinen Scheißdreck um den Film gebe. Das Ding ist so durch und durch versaut, dass daraus nie was geworden wäre.

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The Day of Black Sun, or Watching Avatar: Book Fire

ava-1603Ich muss eingestehen das ich von der drittn Staffel ein wenig enttäuscht war. Versteht mich nicht falsch, es war eine weitere gute Staffel, und definitiv weiterhin wesentlich besser als die etwas holprige erste, doch Book Earth hat sie für mich nicht übertroffen.

Ein Teil davon war auch, weil ich nicht ausblenden konnte, warum die Truppe immer so viel Zeit vergeudet. In der ersten Staffel etabliert die Serie, dass Aang kaum noch Zeit bleibt, bis der Komet kommt, und er bis dahin alle Elemente beherrschen muss, was eigentlich Jahre dauert. Staffel 2 unterstreicht das noch mal, in dem sie von der Sonnenfinsternis erfahren, die sogar noch früher stattfinden wird, und ihnen eine gute Möglichkeit zum Erstschlag offeriert. Jetzt sind wir also in der finalen Staffel, Sonnenfinsternis und Komet stehen unmittelbar bevor, Feuer muss er noch lernen, wir sind auf Feindgebiet… und dann verliert sich die erste Hälfte der Staffel erneut in Unwichtigkeiten.

Die erste Folge fängt dabei gut genug an. Wir sehen was aus den Charakteren nach dem Finale der vorigen Staffel geschah. Aang wacht aus seinem Koma auf, muss verarbeiten, dass das Erdkönigreich verloren ist. Gleichzeitig bietet die Tatsache, dass er für tot geglaubt wird, aber auch den strategischen Vorteil, dass er mit der Truppe nun in die Feuernation eindringen kann, ohne dass jeder nach ihm Ausschau hält. Zuko hingegen hat den Respekt seines Vaters zurück, zweifelt aber stark daran, dass dieses lang gehegte Ziel ihn wirklich noch glücklich macht.

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Aber eben dann. In der nächsten Folge hängt Aang mehrere Tage in einer Schule ab, weil ihm der Unterricht so gefällt. Dann hält Katara die Gruppe für mehrere Tage auf, weil sie einem Kuhkaff am Arsch der Feuernation helfen will, statt sie für das größere Gute der WELTRETTUNG sich selbst zu überlassen. Dann geht der sich ob des Fehlens von Bändigerfähigkeiten nutzlos denkende Sokka bei einem Schwertmeister trainieren. Danach gibt es eine Folge mit Strandurlaub. Anschließend eine Folge, in der Toph ihre Kräfte nutzt, um Trickbetrüger selbst zu betrügen. All dies scheint Tage und Wochen zu dauern. Es ist nicht so, dass die Folgen nicht witzig und interessant wären, nicht teilweise auch der Charakterentwicklung dienlich sind. Ich kann auch verstehen, dass man nicht ständig unter Strom stehen kann, sondern vielleicht auch mal ein oder zwei Stunden sich in einer heißen Quelle entspannt nach Tagen des Kampfes und Planens. Doch wenn etabliert ist, dass die Uhr bereits auf Fünf vor Zwölf steht, sollten die Hauptcharaktere vielleicht doch mal darauf hinarbeiten, die Welt zu retten, statt für mehrere Episoden Blödsinn zu treiben. Ich bin überascht, dass es keine Makeover-Folge gab, die uns zeigt, wieso alle plötzlich neue, attraktivere Frisuren haben.

Auch wird die Serie wieder wackeliger, wenn es um besagte Charakterentwicklung geht. Die Beziehung zwischen Zuko und dem Emo-Girl will nicht so wirklich Chemie aufweisen. Wenn sich Zuko später endlich den Guten anschließt, eröffnet ihm Kitara, dass sie ihm nicht über den Weg traut – ist die nächsten zwei Folgen aber Ok damit, dass Zuko einfach alleine mit Aang respektive Sokka auf einen Tripp geht, nur um in der anschließenden Folge dann wieder nichts von ihm zu halten. Ein gutes Beispiels hierfür ist auch die besagte Strandurlaubs-Folge, in der wir mehr Zuko, Azula und ihren beiden Charlies Engeln begleiten. Ich finde es gut, dass den drei Mädels, allen voran Azula, etwas mehr Charaktertiefe gegeben wird, aber wie die Gruppe am Lagerfeuer einfach aus dem Nichts ihre Charakterschwächen und Ängste herauszuposaunen beginnen, ist doch mehr als nur seltsam umgesetzt. Hormonelle Teenager hin oder her. Und was hat es mit dem „Zyklopen“ auf sich, den Zuko auf die Truppe ansetzt? Für ein paar Folgen ist er denen ständig dicht auf der Spur, verschwindet dann so lange aus der Serie, dass ich dachte, ich hätte seine Todesszene verpasst, nur um dann doch wieder rausgeholt zu werden, wenn man einen schnellen Weg braucht, um dem Trupp gegenüber Zuko vertrauen bilden zu lassen. Wenn Azula im Finale plötzlich ob der Macht, die ihr gegeben ist, wahnsinnig wird, ist das zwar cool, hätte aber vielleicht etwas längere Zeit gebraucht als über 10 Minuten hinweg zu geschehen.

Ich will mich aber nicht nur beschweren, egal wie sehr mir das einacher fällt, als positiv zu sein. Was ich beispielsweise wirklich mag ist, dass doch jede Nation ihre eigene Identität hat. Natürlich ist das alles etwas breitflächig und simplifiziert, in dem jede Stadt und jedes Kleidungsstück in ihnen ihre jeweilige Elementfarbe zu tragen hat, aber es gibt halt doch ein paar nette Inspirationen. Die Wassernation erinnert an Inuit, die Windtempel an buddhistische Mönche, die den Großteil an Land einnehmende Feuer- und Erdnation sind sich da zwar ähnlicher, allerdings hat die Feuernation einen Einschlag von industrieller Revolution, während die altertümlichen Sonnenkrieger an südamerikanische Hochkulturen angelehnt sind.

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Was ich sicherlich auch sehr mochte, war die Folge „The Avatar and the Firelord“, die uns zeigt, dass der Vorgänger von Aang und der damalige Herrscher der Feuernation befreundet waren. Und vor allem, dass Sozin im Gegensatz zum aktuellen Feuerlord Ozai nicht so schwarzmalerisch behandelt wird, nämlich denkt das richtige zu tun, in dem er alle Nationen sich unterjocht, um Frieden unter einem Herrscher anzustreben. Er ist nicht genetisch böse, sondern schlichtweg ein Imperialist der denkt für das größere Gute zu handeln. Eine moralisch komplexere Ansicht, als die Serie unserem Gutmenschentrupp oder Ozai anzudenken bereit ist – aber dann wiederum ist Avatar nunmal eine Kinderserie, egal wie viele deswegen jetzt rechtfertigend aufschreien werden.

Im Finale habe ich dann auch gemerkt, wie eindimensional Ozai doch ist. Wenn nämlich gleichzeitig die Auseinadnersetzung von Ozai vs. Aang und von Azula vs. Zuko läuft. Der Kampf Ozai vs. Aang ist wichtig, sicherlich, weil er das Schicksal der Welt entscheiden wird, und weil Aang nicht weiß, ob er ein Leben zu nehmen bereit ist, selbst wenn es einen Tyrannen stürzt. Aber dennoch war der Kampf Azula vs. Zuko wesentlich spannender (und ist mit der besseren Musik unterlegt). Denn wir kennen Azula und Zuko als Charaktere mit Hintergrund und einer Geschichte, mit sehr persönlichen Gründen, warum die beiden gegeneinander antreten. Über Ozai wissen wir gar nichts, außer das er böse ist. Er und Aang haben keinen wirklich tieferen Grund zum Kampf, außer „weil es Schicksal ist“. Und es läuft auch durch die üblichen Stadien, so geil die Sache auch teilweise animiert ist: Ozai scheint die Oberhand zu haben, Aang wird Super-Saiyoyo, Aang stampft Ozai in Grund und Boden, Aang kann sich aber doch noch zurückhalten bevor er den Gegner tötet.

Das ist das Gesamtgefühl, welches ich bei der Staffel einfach ein wenig mitgeklungen spürte. Das sie sich die Sache etwas zu einfach macht, etwas zu unreflektiert ist, manchmal nicht gut genug durchdacht. So sehr keine wirkliche Durchhängerfolge dabei ist, eigentlich immer was witziges oder spannendes passiert, so gut ich unterm Schnitt unterhalten war, ich hatte etwas mehr erwartet. Wo wir wohl wieder darauf zurückkomen, dass Avatar: The Last Airbender aller Qualität zum Trotze eben doch eine amerikanische Kinderserie ist, bei der ich vielleicht mit etwas zu hohen Erwartungen rangegangen bin, dies nämlich auch durchbrechen zu wollen, was sie nie ganz tut. Das macht sie nicht minder sehenswert, aber evtl. sollte man sich von dem Hype drum herum nicht blenden lassen.

The Crossroads of Destiny, or Watching Avatar: Book Earth

ava-1591Wenn es im letzten Eintrag übrigens so geklungen hat, als ob ich die Charaktere nicht mag, so ist dem nicht der Fall. Es ist eine unterhaltsame kleine Truppe, die ein recht gutes Zusammenspiel hat, eben weil sie alle absolute Stereotypen sind. Klischees werden deshalb zu solchen, weil sie so häufig benutzt werden, und sie werden so häufig genutzt, weil sie funktionieren. Und in Staffel 2 sind sie auch nicht mehr ganz so eindimensional. Sokka ist nicht mehr nur der Comic Relief, sondern kann tatsächlich anständige Pläne schmieden. Aang beherrscht nicht mehr alles sofort, sondern geht durch etwas Frust, bevor er das Element Erde beherrscht (auch wenn es immer noch in einer Folge geschieht), und hat hier das zusätzliche Problem, dass ihm die Avatar-Kräfte sogar in den Weg kommen, da er die Super-Avatar-Form noch nicht kontrollieren kann, also quasi fast eine tickende Zeitbombe ist, bis er erst am Ende sein inneres Gleichgewicht zu finden lernt. Und Kitara… nun ja, sie ist etwas mehr badass und etwas humoriger.

Publikumsliebling Zuko hingegen wird endgültig vom Posten des Bösewichts verdrängt, darf sich hier einen attraktiven Haarschopf wachsen lassen, und muss sich als nun wirklich Verstoßener auf einen Selbstfindungstrip begeben, ob er nicht all die falsche Familienehre hinter sich lassen und ein normales Leben führen will. Was dem Publikum mehr Zuko-Szenen gibt, die allerdings auch recht gut genutzt werden, auch wenn er hier und dort etwas zu weinerlich wirkt für meinen Geschmack.

Als neue Antagonistin haben wir hingegen Zukos Schwester Azula mit ihrem weiblichen Power-Trio. Und so sehr Zuko darüber rumheult, für wie viel besser sich seine Schwester hält und wie bevorzugt sie behandelt wurde… so ist nichts daran falsch. Azula ist ein viel besserer Fiesling, denn sie ist die bessere Kämpferin, die bessere Strategin, die bessere Feuerbändigerin, und ihre skrupellose Art bringt sofort Ergebnisse. Kein Wunder, dass sie bevorzugt wurde, immerhin hat sie von Anfang an mehr Potential bewiesen. Da wünschte ich mir fast etwas, dass auch ihr Charakter etwas mehr Menschlichkeit bekommt, etwas darauf eingegangen wird, dass sie sich als Tochter eben stärker beweisen musste, damit ihre Fähigkeiten anerkannt werden, statt das sie so ein wenig cartoonig böse ist. Aber ein herrlicher Bösewicht ist und bleibt sie.

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Ein weiterer neuer Charakter ist die blinde Erdbändigerin Toph, die aus ihrem goldenen Käfig ausbüchst, um Aaang das neue Element zu lehren. Der Charakter für alle Fussfetischisten. Und bedient das Klischee des kleinen, hilflos erscheinenden Mädchens, dass ordentlich rein haut und ein Schandmaul besitzt. Ein weiterer Publikumsliebling, was sie für mich zwar nicht ganz ist, aber unterhaltsam ist sie schon.

Die neuen Charaktere sowie Nuancen zu den Alten sind also gegenüber der ersten Staffel verbessert. Glücklicherweise kann ich sagen, dass dies hier nicht endet, sondern in Book Earth tatsächlich alles wesentlich besser ist, als in Book Water.

So gibt es die dämlichen Moralgeschichten nicht mehr, und allgemein keine enorme Durchhänge-Episode. Die schlechteste diesmal ist definitiv Episode 5, aber auch die ist immerhin ziemlich komisch und erwähnt von sich aus, dass es eigentlich Blödsinn ist, dass Aang seine Weltrettungs-Aufgabe einfach so unterbricht, weil ihm ein unbedeutendes Dorf nicht leiden kann, nur um zu beweisen, dass eine vorige Inkarnation vor 300 Jahren doch kein Unrecht getan hat. Außerdem fand ich „Tales of Ba Sing Se“ kein Reißer, weil ich allgemein diese Vignette-Epsioden nicht so mag. Die Kurzgeschichten zu den meisten Charaktern fand ich echt langweilig, allerdings war Sokkas Haiku-Kampf zum schießen komisch, und die Geschichte um Iroh wirklich toll, weil Iroh nach wie vor der beste Charakter der Serie ist. Beide Episoden sind weit davon entfernt, so schrecklich wie „The Great Divide“ aus Staffel 1 zu sein.

Allgemein funktioniert der Humor für mich hier wesentlich besser, und wirkt auch besser mit den emotionalen Momenten ausgewogen, statt sie zu zerstören. Sicher, der dämliche Kohlkopf-Running-Gag, der noch nie witzig war, ist immer noch da, aber meist funktioniert der Humor hier für mich, wie beispielsweise das herrlich over the top WWF-esque Tunier, oder wenn alle ganz davon überrascht sind, dass der Erdkönig schlicht einen Bär als Haustier hat, statt die seltsamen Mischwesen dieser Welt. Auch die Animation ist hier nun mehr ihr eigener Stil, ebenfalls wesentlich mehr over the top, sicher, aber dafür auch mit besserem Timing als die Funny Faces der ersten Staffel, und vor allem ohne die dämlichen Cartoon-Sounds. Und auch außerhalb der Witze ist die Animation richtig toll, weiterhin sind besonders die rasanten Bändiger-Kämpfe super cool, sowie die Hintergründe/Szenerien schön detailliert. Insgesamt kopiert Book Earth nicht mehr einfach wie Book Water Anime, ohne zu wissen, warum es dort funktioniert, sondern hat jetzt sein eigenes Ding raus.

Was die Handlung betrifft, so finden wir neue Dinge raus. Zum einen eben was hinter der Fassade vieler Charaktere geschieht, gerade Aang der nicht weiß, ob er wirklich das Zeug zum Avatar hat, und Zuko, der den letzten Strohhalm verliert, der ihn an das Leben, das er zurück haben will, hält. Auch wird hier nun klarer, dass mit den vier Elementen eben nicht nur flashy Kampfeffekte einher gehen, sondern vier verschiedene Lebenswege, der Avatar zu sein mit Einklang und Selbstbeherrschung zu tun hat. Auch wenn ich persönlich gern mal wüsste, warum genau die Anhänger der einzelnen Nationen nur ihr Element lernen können, statt mehrere.

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Was die besten Episoden angeht, so ist schon die Eröffnung der Staffel sehr gut, die uns eben das abtrünnig werden von Zuko zeigt, wie gefährlich Aangs Avatar-Form werden kann, das auch die auf der guten Seite ihn auszunutzen versuchen, und uns die neue Antagonistin Azula präsentiert. „The Chase“ ist auch richtig spannend, wenn Azulas Trio den Avatar jagt, was in einem großen Bändiger-Kampf aller drei Seiten (Azula, Zuko, Aang) endet. Natürlich gibt es wieder ein gutes Staffel-Halbfinale in der Bibliothek, die der Feuernation mit der kommenden Sonnenfinsternis eine Schwäche gibt, und somit nach dem Beherrschen von Erde und vor der Verkündung, dass er seine Chakras ins Reine bringen muss, Aangs Trupp ein neues Ziel gibt: Dem Erdkönig davon erzählen, damit ein Gegenschlag für jenen Zeitpunkt geplant werden kann. Und dann überhaupt fast alle Episoden des letzten Drittels der Staffel, die in Ba Sing Se stattfinden, die sehr an den letzten Chinesischen Kaiser erinnert, weil der Erdkönig von seinem Geheimdienst im Unwissen gegenüber der Außenwelt gelassen wird, während sie wirklich die Macht in Händen halten, und die ganze Bevölkerung gehirnwaschen. Das waren wirklich spannende Folgen. Auch wenn meine erste Reaktion vielleicht eher gewesen wäre, den Geheimdienst auf meine Seite zu bringen, statt sofort den König wieder zur Macht verhelfen zu wollen, der keine Ahnung von der Welt und den Regierungsgeschäften hat. Wie sich herausstellt ist er dann auch ein Idiot, der den Plan sofort vermasselt.

Jepp, so kann es ruhig weiter gehen. Book Earth bügelt fast alle Fehler von Book Water aus, und begeht selbst so gut wie keine neuen Schnitzer. Mittlerweile verstehe ich etwas besser, warum die Serie auch bei Leuten beliebt ist, die das zwölfte Lebensjahr überschritten haben.

The Boy in the Iceberg, or Watching Avatar: Book Water

ava-1571Avatar: The Last Airbender ist eine der größten und beliebtesten Cartoon-Serien der letzten zehn Jahre, und einer der erfolgreichsten Nicktoons aller Zeiten. Ich persönlich habe die Serie nicht wirklich mitbekommen – den Hype nebenher sicherlich schon – aber eben die Serie an sich nie geschaut, weil ich etwas zu alt bin, um das Kinderprogramm noch groß auf dem Schirm zu haben. Selbst Invader Zim (den wirklich besten Nicktoon) hat mir damals jemand zukommen lassen, statt das ich von selbst drauf aufmerksam geworden wäre. Mein Neffe hat sie allerdings auf DVD und da die Serie doch überraschend überschaubare 3 Staffeln hat, hab ich mich jetzt mal dazu durchgerungen, zu schauen, was an dem Hype so dran ist.

Am Auffälligsten ist natürlich, dass sie sehr… Anime-inspiriert ist. Auch wenn es nicht wirklich wie eine japanische Serie aussieht, dafür lassen die Feinheiten sie einfach „falsch“ aussehen. Die abgehackten Animationen, die ich so nicht mehr in Anime gesehen habe, seitdem jene am Computer entstehen, erinnern manchmal mehr an eine Flashanimation. Die SD-Gesichter werden nicht mit dem gleichen Timing eingesetzt und von Cartoon-Sounds begleitet. Sicher, es gibt sowohl ein niedliches Comic-Relief-Tierchen, sowie ein ugly-cute Flugtier a la Ghibli, doch das Design der Welt erinnern auch mehr an kontinental-asiatische Geschichte/Mythologie (mit etwas Inuit für den Wasserstamm dazu). Hier war definitiv jemand am Werk mit Affinität zu Südostasien und Anime, doch wirklich für ein japanisches Produkt halten können würde ich Avatar nie versehentlich. Nicht das dies überhaupt von Wichtigkeit wäre.

Worum geht’s aber denn überhaupt? Die Welt ist bevölkert von vier Nationen, die zu den vier Elementen Wasser, Erde, Feuer und Wind gehören, in denen Elementbändiger geboren werden, die jene kontrollieren können. Bisher herrschte Frieden, doch als die Feuernation das fünfte Element, Herz, verlor und in die anderen einzufallen begann, war die Kacke am Dampfen. Aller Augenmerk richtete sich an den Avatar, der alle vier Elemente beherrscht und als Friedensstifter in solchen Auseinandersetzungen auftreten soll, doch der verschwand. Nun sind 100 Jahre vergangen, und die beiden Wasserstamm-angehörigen Geschwister Katara und Sokka entdecken den 12-jährigen Aang im Eis, der sich damals unter der Last seiner Verantwortung hierher verkroch.

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Die erste Staffel ist nun weitestgehend damit beschäftigt die Grundlagen zu legen und Charaktere einzufügen. Wir finden also raus, dass die Feuernation immer noch großflächig Krieg mit den anderen führt bzw. bereits genommene Gebiete unterdrückt, und das Aang bisher nur das Element Wind beherrscht, also das Bändigen der anderen drei bis zum Ende des nächsten Sommers lernen muss, um den Feuerlord zu besiegen, weil das Ungleichgewicht der Macht sonst unangenehme Konsequenzen mit sich bringt.

Mitspielen in diesem Stück tun dann die üblichen Archetypen. Aang ist wie üblich verspielt, leichtsinnig, blauäugig, eben der gewohnte junge Idiot mit dem Herz am rechten Fleck und enormer Begabung. Da er als kommender Avatar aber doch etwas Würde behalten muss, haben wir mit Sokka gleich einen weiteren Idioten im Team, der für den Comic Relief und die schmollend-sarkastischen Kommentare von der Seitenlinie verantwortlich ist. Katara ist als erstes Mädel, das Aang zu Gesicht bekommt, natürlich sofort das Love Interest und die schlaue Komponente des Reisetrupps.

Auf der Seite der Antagonisten hingegen haben wir die wesentlich interessanteren Charaktere im Prinzen Zuko und seinem Onkel Iroh. Zuko ist die Enttäuschung seines Vaters des Feuerlords, der ihm eine verbrannte Gesichtshälfte und übles Lispeln zusammen mit seiner Verbannung beschert hat, bis er den Avatar gefangen bekommt, was Zuko zum hiesigen Javert macht. Iroh hingegen ist mein Lieblingscharakter der Serie bisher, als knuffig-spaßiger alter Kerl, der ernsthaft auf seinen Neffen aufpasst und durchaus ein gescheites Köpfchen hinter den Späßen versteckt. Ach ja, und da eine Kinderserie auch einen Antagonisten braucht, der weniger grau sondern eindeutig fies ist, gibt es noch einen General der im Staffelfinale besiegt wird, und dessen Namen ich mir nicht merken konnte.

Um ehrlich zu sein konnte mich die erste Staffel noch nicht komplett begeistern. Es ist eine ganz nette Serie, und als Kind hätte ich die bestimmt auch zum Umfallen geschaut, aber so richtig mega ist der Anfang nun auch wieder noch nicht. Zum einen passiert noch nicht so viel, gleichzeitig aber auch alles sehr überstürzt. Es dauert beispielsweise bis Folge 8 Avatar Roku (Winter Solstice Part 2), bis die erste wirklich so richtig interessante Folge mit ordentlich Backstory ankommt, während bereits die dritte Folge der Serie uns eine „Wir sind jetzt deine Familie“-Schoße zwischen den Geschwistern und Aang gibt, obwohl die noch gar nicht richtig ihre Reise zusammen begonnen haben.

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Überhaupt gibt es zwar einige interessante Momente, vor allem die Hintergrundgeschichte von Aang und Zuko, und wenn sich die Bändiger mit von Martial Arts und Meditation inspirierten Gesten ihre Elemente um die Ohren werfen ist das auch ziemlich cool, doch viele Folgen halten sich unnötig zurück, weil das hier fürs amerikanische Kinderprogramm konzipiert ist. So bekommen viele ernste Momente nicht wirklich die Luft zu wirken, sondern wird das Timing schnell von neuem Slapstick ruiniert, damit die Stimmung nicht zu schlecht wird. Und viele Folgen haben ziemlich durchschaubare 20-Minuten-Moralgeschichten. Wie wenn Sokka lernen muss das Frauen auch kämpfen können. Oder wirklich nervtötend in Folge 11 The Great Divide, die sich komplett um zwei verfeindete Stämme dreht, die cartoonig-extrem gegensätzliche Lebensweisen führen, weil vor hundert Jahren mal was zwischen ihnen schief lief. Und natürlich müssen sie lernen miteinander auszukommen und das die Vergangenheit sie nicht regieren darf. Auch wenn ich ganz nett finde, das Aang die mit allen Klischees vollgestopfte Versöhnungsgeschichte schlichtweg erlogen hat, so war das doch eine ziemlich dämliche Folge. Zumal ich echt nicht weiß, woher die ganze „der Avatar wird’s schon richten“-Attitüde kommt. Ich mein, ja wenn das Gleichgewicht der Elemente ins Wanken gerät, muss er das bereinigen, aber das bedeutet doch nicht, dass er der Richter für jede kleine lokale Auseinandersetzung von Hinterwäldler-Stämmen zu spielen hat.

Es ist dann auch die Doppel-Folge des Staffelfinales, The Siege of the North, welche die Schwächen und Stärken der Serie perfekt zeigt. Zum einen haben wir tolle Kampfeinlagen, Charaktermomente, tolle Bilder in der Geisterwelt, und die letzten ~5 Minuten der zwanzigsten Folge sind so richtig geil. Aber dazwischen gibt es auch jede Menge clumsy Exposition und durch aufgesetzt erheiternde Einlagen ruinierte Atmosphäre. Aber Mensch, diese 5 Finalminuten, hoffentlich geht es ab jetzt mehr in dieser Richtung weiter.