Nerd Chic

lacoste

Nach Jahren des Bloggens ist kürzlich etwas ganz erstaunliches passiert. Man wurde auf mich aufmerksam. Nicht im Sinne eines weiteren Mitglieds meiner geliebten Otto-Normal-Leserschaft, sondern als Konzern, der etwas mit der Verbreitung meiner diversen gecoverten Thematiken zu tun hat. Präzise geschrieben kam es mir zu Gute, dass Osamu Tezuka in Deutschland unbekannt genug ist, dass meine Blog-Einträge zu einigen seiner Serien Aufmerksamkeit fanden. Wer weiß, wenn irgendwer mal Urotsukidoji rebootet, bin ich vielleicht demnächst auch dabei, da die deutschen Homepages zur Serie abgestorben zu sein scheinen, und jener Begriff eigentlich Dauergast in meinen Suchtreffern ist.

Aber weg von den etwas schmuddeligeren Videotheken-Jahren zurück zum Godfather of Manga & Anime, der die Industrie von Beginn an mitgeprägt hat. Das Design-Label mit dem Krokodil, Lacoste, hat mich anschreiben lassen, da sie eine Kollektion zum Vater Astro Boys herausgebracht haben. Da mittlerweile jeder Mögchtegern-Hipster Shirts mit 8bit-Figuren oder Hello Kitty (natürlich nur auf ironische Weise) trägt, wird es Zeit für einen neuen Trend. Und was ist schon trendiger, als der ikonische, simpel-klare Zeichenstil von Osamu Tezuka, der Legende des Business? Wer also schon immer mal den niedlichen Astro Boy oder den gequälten Black Jack auf der Brust tragen wollte, dem erfüllt Lacoste L!ve nun den Herzenswunsch. Ist auch der perfekte Eisbrecher, denn wenn euch jemand auf das coole Shirt, dass ihr da tragt, anspricht, dabei wohl sogar noch weiß, was es darstellt, denjenigen sollte man nicht so schnell gehen lassen. Mein Interesse hat Lacoste L!ve auf jeden Fall nun, und mir als Schwulen, der die Top Models und Runways schaut, kann man trauen zu wissen, was trendy ist, im Austausch dafür, dass ich nie einen Autoreifen wechseln können werde.

Bilder sagen sowieso mehr als hundert Worte, die eh nur wiederholen, wie toll Tezuka ist und dass die Shirts ziemlich cool sind, weswegen es bei bungalow Stuttgart auch eine nette Eröffnungspräsentation gab, also am besten einfach mal selbst virtuell vorbei schauen unter:

Lacoste L!ve Osamu Tezuka Collection

The Birth of Astro Boy x 3

Astro Boy ist die beliebteste Serie von Osamu „Gott des Manga & Anime“ Tezuka, die in Japan Reihenweise junge Generationen geprägt hat. Was auch daran liegen kann, dass es gleich 3 TV-Serien gab. 1963 die erste, dann 1980 eine Neuauflage und recht aktuell 2003 erneut, produziert zum 40-jährigen Jubiläum der ersten und da dies im Original das Geburtsjahr Astro Boys war. Aus Jux habe ich mir mal von allen drei Versionen die erste Folge angeschaut.

Die 1963er-Version beginnt mit dem Jungen Tobio, der bei einem Autounfall stirbt. Sein Vater, Dr. Tenma ist am Boden zerstört, schöpft allerdings einen Plan. Er als Wissenschaftler der Robotik baut sich seinen Tobio einfach neu! Das geht zunächst auch gut, denn Astro isst schön brav, obwohl er es nicht verdauen kann, spielt mit dem „Vater“ und lässt sich von Lehrern unterweisen, obwohl er die Formeln schon längst errechnen kann. Er verhält sich also wie der kleine Junge, den Tenma verloren hat, um ihn glücklich zu machen. Doch nach einigen Jahren kippt die Stimmung, da Astro nun mal nicht altert und der verrückte Tenma so vor Augen gehalten bekommt, dass es eben nicht sein toter Tobio ist. Kurzerhand verkauft er Astro an den Robot Circus, wo er nun gegen andere Roboter Arenakämpfe bestreiten muss. Dr. Ochanomizu, Nachfolger des kranken Tenmas, möchte ihn dort raus holen, doch der Direktor lässt das nicht zu. Roboter sind Eigentum und Astro ist das seine. Bis bei einem Unfall der Zirkus abbrennt und Astro mit den anderen Robotern die Gäste vor dem Flammentot rettet. Denn Roboter bekommen nun Menschenrechte zugewiesen und so kann Astro aus der Sklaverei befreit werden.

Das ist überraschend viel Geschichte für eine erste Episode, dementsprechend geht auch alles eigentlich etwas arg schnell. Der tragische Verlust des Sohnes und Abgleiten in den Wahnsinn von Tenma mag nicht zünden, wenn es gerade mal 10 Minuten dauert. Gleiches bei der „Sklaverei“ im Zirkus. Das hätten besser zwei Episoden werden sollen. Die späteren Versionen mischen den Robot Circus dann auch nicht mehr mit dem Anfang, sondern bringen ihn tatsächlich in einer eigenen Folge. Und natürlich ist so eine alte Serie in schwarz/weiß und kaum animiert. Dennoch, einen gewissen Charme hat sie, in ihrer rohen Art.

In der 1980er bekommt Dr. Tenma Besuch von einem dubiosen Kerl. Denn jener weiß, dass Tenmas Versuche, einen Roboter mit Seele zu erschaffen, immer wieder fehl schlagen. Also will er ihm den Omega Factor andrehen, der bei den Experimenten Erfolg versprechen soll. Tenma lehnt ab. Und dann gerät auch hier sein Sohn Tobio in einem Autounfall und stirbt. Seine letzten Worte sind, dass sein Vater doch einen coolen Roboterjungen bauen soll, damit dieser Tobios Platz einnehmen kann. Tenma tut dies und macht den Roboter zum coolen Kleinjungentraum mit lauter Waffen. Genau deswegen wird das Experiment allerdings eingestellt, der Roboterjunge ist zu gefährlich. Doch Tenma bringt es heimlich zu Ende und lebt nun mit seinem Astro. Währenddessen hat der dubiose Kerl die Baupläne kopiert und so jemand mit Atlas ein Omega-Factor-betriebenes Gegenstück gebaut. Und auch hier muss Astro Menschen retten, nachdem ein Robotervernichtungspanzer durchdreht, der es eigentlich auf Astro abgesehen hatte.

Hier ist die erste Folge definitiv wesentlich aufgeräumter, als im Vorgänger. Außerdem wirkt der ganze Stil, trotz immer noch vorkommender Slapstick, wesentlich ernster. Schön ist zudem, dass hier zumindest Ansatzweise ein Grund vorhanden ist, warum Tenma in einen Roboterjungen all die Waffen einbauen sollte, was die 63er-Version nie erklärt. Und da Tenma diesmal nicht dem Wahnsinn verfallen und dem eigenen Selbstbetrug erlegen ist, sondern gewahr ist, dass Astro nun mal nicht wirklich sein Tobio ist, kommt er hier nicht so fies rüber. Mit Atlas gibt’s dann noch gutes Potential eines Nemesis.

2003 beginnt direkt mit der „Geburt“ von Astro Boy… durch Ochanomizu! Der zieht ihn auch groß, doch auch hier wird hinterfragt, ob Astro keine zu gefährliche Waffe darstellt. Bis ein Roboter ausrastet, der eigentlich zur Stromversorgung der Stadt dient und seit er für Astros Auferstehung so viel davon umleiten musste, einen Hau weg hat. Zudem scheint der böse Tenma seine Finger da im Spiel zu haben. Astro besiegt den anderen Roboter und er und Ochanomizu haben die Probleme erst mal gut überstanden. Doch Tenmas Schatten lauert bereits.

Oho, hier ist ja mal so einiges anders plötzlich. Kein Unfall Tobios, kein Tenma als Vater von Astro, sondern den direkt als bösen Gegenspieler geoutet. Wobei die Hintergrundgeschichte ja immer noch die gleiche sein kann, Astro Boy 2003 springt halt eben mitten ins Geschehen, kann sie also noch später nachliefern. Mysteriöser ist die Angelegenheit auf jeden Fall schon mal, und selbstredend die bestaussehende Version, allerdings auch die Anfangsfolge, die erst Mal am wenigsten Plot hergibt.

So, wäre ich interessiert genug, um eine der Versionen weiter zu sehen? In der Praxis nicht, dafür gibt es zu viel anderes, was ich gerne sehen/lesen/spielen würde und sind mir die Serien mit 193/52/50 Folgen viel zu lang. In der Theorie, wenn ich alle Zeit der Welt und sonst nix hätte? Ja. Die 1963er-Version nicht, die 1980er schon, da die von allen dreien zumindest in der Anfangsepisode am Interessantesten wirkte. Und durch die vielen Änderungen eventuell doch angefixt anschließend eventuell die 2003er. Wie gesagt, in der Theorie :D