Assassin’s Creed II

Letztes Jahr habe ich mich dann endlich mal dem ersten Assassin’s Creed angenommen (da ich lange Zeit einen Uralt-PC hatte und mit Konsole aufgewachsen war, blieb mir viel modernes PC-Gaming erspart) und muss sagen, dass ich zwar das Konzept ganz nett fand, das Ergebnis mich aber nicht unbedingt dahin motiviert hat, jetzt unbedingt die Nachfolger zu spielen. Doch spontan sollte es Assassin’s Creed II jetzt doch mal sein (nicht, dass ich nicht genug andere Spiele begonnen hatte).

Und es ist besser. Die größten Verbesserungen liegen dabei nicht mal so sehr im Gameplay, sondern vorrangig bei Charakteren und Story. Namentlich, dass Assassin’s Creed II welche hat. Im ersten Teil gab es quasi keine Handlung, der kurze Recap am Anfang des Nachfolgers geht gefühlte eine Minute und lässt nichts von Wichtigkeit aus. So viel ist da passiert. Und die Akteure hatten keinerlei Persönlichkeit. Es war auch alles nicht sonderlich cineastisch sondern erstaunlich trocken präsentiert. Assassin’s Creed II hat immer noch keine Handlung oder Charaktere, um die man sich was scheren würde, wenn es um das Gegenwartsszenario um Desmond geht, aber wenigstens tut es auch nicht mehr so, als würde der Mist irgendwo hin laufen, in dem es nach jeder Sequenz hierhin zurück geht und nichts passieren lässt, stattdessen kontrollieren wir Desmond nun nur noch ganz kurz zu Beginn, Ende und als Intermission zum Mittelpunkt des Spieles.

Spoiler: Letztendlich finden wir ganz am Ende irgendeinen Blödsinn raus, dass Aliens Adam und Eva und damit die Menschheit geschaffen haben und die mächtigen Pieces of Eden, hinter denen jeder her ist, von ihnen stammen. Und sie warnen uns vor einer mächtigen Katastrophe. Sprich: Big Revelation, Cliffhanger, Game Over. Credits. Buy the next one, too! Nicht zu vergessen, dass hier wieder so eine saublöde Sache kommt, wie damals, als Altair den Doppelgänger seines Opfers (der ihn angegriffen hat und alles) nicht umbrachte, weil ist ja unschuldig und so. Denn Etzio bringt den Papst am Ende nicht um, weil er genug vom Töten hat. Ja Kerl, hast ja nur gerade drei Dutzend Wachen auf dem Weg zum Drahtzieher hinter allem, was in deinem Leben schief gelaufen ist, gemeuchelt. Aber den jetzt, ja den lass lieber mal am Leben, da stehst du doch drüber.

Doch wenigstens in der Vergangenheit, bei Desmonds Assassinen-Vorfahren passiert was. Wir gehen weg von Altair und den Kreuzzügen im Heiligen Land zu Etzio im Italien zur Renaissance-Zeit. Und zwar ist er der mittlere Sohn einer angesehen Florentiner Familie, die in die Verschwörung um die Medici geraten und ihm die Hälfte seiner Familie kostet, woraufhin er Papas Assassinen-Erbe antritt, um sich über die nächsten Jahre an den Verschwörern zu rächen. Natürlich läuft das wieder alles darauf hinaus, dass die hauptsächlich an die Pieces of Eden wollen bzw. jene zur Machtergreifung missbrauchen, was erneut nicht so super interessant ist, aber der Revenge-Plot ist schon gefällig, zumal er nun in vielen cineastischen Cutscenes erzählt wird, die viel mehr involvieren.

Das Gameplay ist im Groben unverändert zum Original, läuft nun nur etwas flüssiger. Sprich man kann immer noch durch die Städte parkouren und sich mit versteckten Waffen auf Opfer stürzen. Wobei ich erneut die Sprung- und Klettersteuerung manchmal etwas pappig fand. Gerade Leute über die Dächer zu verfolgen oder Wachen darüber zu entkommen, läuft nicht immer so reibungslos, wie man das wollen würde. Das ist bei dem Konzept denk ich aber auch einfach ein Stück weit unvermeidbar. Wenn man fast jegliche Oberfläche in großen Städten wie Florenz und Venedig erklimmen kann, hakelt es halt an der einen oder anderen auch mal etwas, statt in einer wesentlich kontrollierten Umgebung wie beispielsweise eines Zeldas, wo nur ganz spezifische Bereiche zum Platforming einladen. Immerhin, Superkiller Etzio kann gegenüber Altair jetzt schwimmen, ansonsten wäre Venedig auch ein Alptraum. Witzigerweise Wachen immer noch nicht, was Wassernähe vom schlimmsten Feind im Erstling zur einfachsten Fluchtmöglichkeit im Nachfolger macht.

Immerhin gibt es einige Diversität in der Art und Weise, wie man sich Feinden nähern und sie meucheln kann und muss. Zumal die direkte Auseinandersetzung mit Wachen jetzt auch einfacher ist, da sie mit Taunts direkt zum Angriff animiert werden können, statt 10 Sekunden auf einen zu warten, nur um den Konter setzen zu können. Und diesmal kann die Handlung direkt geradlinig verfolgt werden, statt immer gleiche Nebenmissionen erfüllen zu müssen, bevor sie freigeschaltet werden. Genau genommen habe ich von jenen nämlich gar keine einzige gemacht und war voll und ganz zufrieden. Und mit 18 Stunden hab ich dennoch fast doppelt so lang gebraucht, wie im vorigen Teil. Gut, ich hab auch alle Glyphs gesammelt; die Platforming-Challenges in den Grabstädten gemacht, um Altairs Rüstung zu bekommen; alle Aussichtpunkte erkommen; und das Headquarter komplett ausgebaut. Aber das macht man so nebenbei, ohne dass es wirklich wie unnötige Spielzeitverlängerung wirkt (und ist ja eh optional). Assassin’s Creed II hält einen einfach wesentlich besser bei Laune, trotz Schluckauf hier und dort.

Zumindest hab ich hiernach definitiv die Motivation, auch den Nachfolgern in näherer Zeit eine Chance zu geben. Ob da auch wirklich schnell was draus wird, steht dann natürlich wieder auf einem anderen Blatt.