Academy Weekend – Arrival

Arrival ist einer jener Verlierer-Gewinner der Oscars des letzten Jahres gewesen. Denn obwohl der Film für ganze 8 Trophäen nominiert war, darunter auch große wie Best Picture und Best Director, sollte letztendlich nur einer bei rum kommen. Dann auch noch so ein schnöder wie Best Sound Editing.

Louise hat eine Tochter. Sie wird geboren, wächst auf, lacht und weint, zickt als Teenager rum. Und stirbt früh.

Louise ist Sprachwissenschaftlerin und doziert an der Uni, als plötzlich 12 außerirdische Raumschiffe auf der Erde auftauchen und die Bevölkerung in Staunen, Panik oder religiösen Eifer versetzen. Da sie bereits der Regierung einmal ausgeholfen hat, rekrutieren sie erneut Louise, um die Sprache der Aliens zu übersetzen, die Kontakt aufzunehmen versuchen.

Alle 18 Stunden öffnet sich das Raumschiff, und lässt die Abgesandten in einem Raum, der mit einer Glaswand gegenüber der Atmosphäre, in der die großen Tintenfisch-ähnlichen Aliens leben, abgeschirmt ist. Louise ist natürlich zunächst wegen jener enormen Eindrücke überfordert, fängt sich dann jedoch wieder. Da es nichts zu bringen scheint, den Aliens einfach Worte entgegenzusprechen, nimmt sie stattdessen den Weg über Schrift. Und die Aliens antworten, in dem sie mit Tintenwolken ausgeklügelte Ringe an die Glaswand „schreiben“ – der Durchbruch.

Arrival ist ein smarter SciFi, eine Sache die dem Genre gern aberkannt wird. Tatsächlich benutzt Arrival seine First Contact Story auch eher als Vehikel für andere Dinge. Beispielsweise als Lehre von Sprache. Louise erklärt den Militärs und damit uns Zuschauern beispielsweise, warum es durchaus Sinn macht auf Schrift umzusteigen, wenn das Wort allein nicht weiterhilft, statt dass Sprache und Schrift verstehen zu wollen viel umständlicher wäre. Oder warum es viel schwerer als gedacht ist beim Satz „Was wollt ihr auf der Erde?“ anzukommen, wenn man von der gegenüberstehenden Kultur nichts weiß (haben die überhaupt konkrete Ziele statt animalische Instinkte, haben die überhaupt ein Konzept eines Selbst und eines Wir etc.). Das ist überraschend interessant umgesetzt und funktioniert natürlich nur, in dem Arrival seine Aliens möglichst… Alien macht. In dem es sie eben nicht humanoid gestaltet, oder ihnen eine Schrift gibt, die wie eine aussieht. Und in dem wir so gut wie nichts über sie herausfinden werden, zumindest nicht viel, sie bleiben halt anders und unbegreiflich, immerhin sind sie ja auch nicht der Hauptfokus der Handlung.

Überhaupt hält sich er Film mit vielen Erklärungen dezent zurück. Hier merkt man vielleicht auch, dass er auf einer Kurzgeschichte basiert. Denn weitestgehend hat der Film eine sehr gemächliche Gangart und lässt Szenen und Eindrücke wirken, sich alles langsam entfalten. Letztendlich geschieht über die 2 Stunden gar nicht mal allzu viel. Doch gleichzeitig erreichen Charaktere gewisse Durchbrüche und Erkenntnisse überraschend schnell. Und ohne viele Erklärungen. Was wahrscheinlich auch ganz gut ist, denn wenn die vagen Erklärungen noch weiter konkretisiert würden, ich glaub sie würden nur merkwürdiger und unglaubwürdiger werden, während sie in der Form, wie sie in Arrival präsentiert werden, leichter zu schlucken sind, weil man nicht zu genau Bescheid weiß.

Fieser Spoiler im folgenden Absatz: Irgendwann wird uns langsam klar, was diese seltsamen Eindrücke auf sich haben, die Louise von ihrer toten Tochter bekommt, sobald sie anfängt mit den Aliens zu kommunizieren. Der Film erwähnte bereits die Theorie, dass sich komplett mit einer Sprache zu umgeben, dies das Gehirn neu vernetzt, man sozusagen anders zu denken beginnt. Und die Aliens empfinden Geschehnisse nicht auf einer linearen Zeitschiene wie wir. Louise vergräbt sich in deren Sprache, und deswegen bekommt sie Visionen von der Zukunft. Ihre tote Tochter ist noch nicht mal geboren worden. Diese Erkenntnis trifft einen schon hart. Gleichzeitig ist es eine etwas schwerer zu schluckende Realität, dass sich mit einer Alien-Sprache zu umgeben schon ausreichen würde, damit das Hirn auf diese komplett unmenschliche Art und Weise funktionieren würde. Aber wie gesagt, Arrival erklärt nie zu sehr in die Tiefe, um auf sowas nicht noch unnötig aufmerksam zu machen.

Viel vom Film macht eben nicht nur die Sprachforschung an sich aus, sondern auch mitzuerleben, wie die taffe Louise mit der außerordentlichen Situation, in der sie sich befindet, und ihren späteren Erkenntnissen umzugehen lernt. Mit einem sehr bittersüßen Ende zur ruhigen und dennoch spannenden Reise durch die 2 Stunden. Hat mir echt gut gefallen.