Aquanaut’s Holiday: Memories of Summer 1996

Artdinks Aquanaut’s Holiday hat bisher drei Teile mit sich gebracht. 1995 kurz nach dem Release der Playstation den ersten, der sogar in den Westen kam, weil im akuten Spielemangel zum Beginn einer neuen Konsolenlebensgeschichte gern auch exotischere Perlen gepickt werden. Gegen Ende der gleichen Konsolengeneration der Nachfolger Aquanaut’s Holiday 2, verbleibend in Japan, und auf der PS3 Aquanaut’s Holiday: Hidden Memories, welches kurzzeitig ähnlich Demon’s Souls unter Importeuren als Geheimtipp gehandelt wurde, weil es eine englischsprachige Asia-Version gibt, die ziemlich rar geworden ist.

Jedoch gibt es noch ein weiteres Release, das direkt im Jahr nach dem ersten Teil in Japan erschien, und sich Aquanaut’s Holiday: Memories of Summer 1996 nennt. Ich habe bereits bei meinem Eintrag zum Erstling spekuliert, dass es sich hierbei nur um ein Re-Release-Remix dessen handelt, soweit das spärliche Bildmaterial mir zu verstehen gab. Von Abzu wieder auf solche Spiele angefixt, aber nicht gerade viele übriglassend, die mir nicht bekannt wären, habe ich diese Theorie nun auf die Probe gestellt.

Die Antwort ist: Ja. Die Theorie hat sich als richtig bestätigt.

Es gibt also erneut so gut wie keinen Text im Spiel, und der einzige in Japanisch ist eigentlich der des Speichermenüs und der Credit Sequence. Das Hauptmenü mit seinen vier Punkten ist weiterhin in Englisch. Und während des unveränderten normalen Spielverlaufs gibt es eh keinen Text oder Sprachausgabe. Dementsprechend ist auch Memories of Summer 1996 ziemlich Zielloses sich Unterwasser treiben lassen, und einfach damit zufrieden zu sein, was man so alles sieht. Mit ein wenig Entdeckerdrang, denn irgendwie ist es halt schon immer ganz cool, wenn man plötzlich auf eine Spezies trifft, die man in den fünf vorigen Tauchgängen nicht gesehen hat. Ganz zu schweigen von den sporadischen Landmarken, die von einer Miniatur der Chinesischen Mauer zu einem Schiffswrack bis hin zu einem gigantischen Quastenflosser reichen.

Mit irgendwas interagieren kann man immer noch nicht. Es wird nie geklärt, wozu die unterseeischen Gegenstände da sind. Es werden keine Fische in eine Enzyklopädie eingetragen. Ja die Karte im HQ markiert nicht mal irgendwelche besonderen Lokalitäten, dies muss wenn dann schon der Spieler selbst über die Bojen machen, an die jederzeit wieder gestartet werden kann, statt immer vom HQ aus tauchen gehen zu müssen. All das lässt Aquanaut’s Holiday erneut etwas wie ein unterseeisches Diorama von Aliens wirken, die einfach ein paar Gebäude-Highlights der Erde mit vielen bunten Fischen, die es wie den Zitronenfarbenen Mondfisch teilweise gar nicht gibt, in ein großes Becken geworfen haben.

Ein Ende gibt es schon, welches sich wieder über das künstliche Riff ergibt. Je mehr der doch beachtlichen Karte erkundet wurde, umso mehr Blöcke können hier aufeinandergestapelt werden, um das Riff zu bauen. Je nach Konstellation und Farbenvielfalt lockt dies Fische an. Ist der Balken, der ihre Anzahl repräsentiert, gefüllt, gibt es Credits.

Wie viel jetzt allerdings wirklich anders ist, zwischen dem Release in 1996 und 1995 ist von der Natur des Spiels aus allerdings echt schlecht zu sagen. Immerhin ist das Meer hier nicht wie in Aquanaut’s Holiday 2 in klar abgesteckte, distinkte Bereiche unterteilt. Stattdessen ist das alles ein gigantisches Areal, das genausogut zufallsgeneriert sein könnte, so identisch sieht alles aus, so wenig Anhaltspunkte hat man, so schnell vergisst man, wo man schon war und wo noch nicht. Das macht natürlich zum einen etwas den Aha-Effekt aus, wenn man dann doch mal wieder eine Landmarke entdeckt, oder in ein Gebiet kommt, wo plötzlich Tiefsee-Spezies oder weiße Hammerhaie zu finden sind, die einem bisher noch unbekannt waren. Aber genauso unwahrscheinlich ist es, dass man wirklich alles kartographiert hat geschweige denn einem wirklich die Lust dazu stehen würde. Soweit ich das vage sagen kann, hatte ich schon das Gefühl, dass 1996 belebter war. Es gab mehr und unterschiedliche Unterwasserpflanzen und mehr Fischspezies, sowie bei den schon bekannten, die teilweise an anderen Stellen waren, auch neue Landmarken für mich zu entdecken.

Interessant als Kuriosum war es allemal. Zumal ich doch überrascht war, wie viele verschiedene Tiere ich letztendlich doch exemplarisch entdecken konnte, und wie viele davon doch distinktiv als ihre realen Spiegelbilder zu identifizieren waren. Einen Walhai gab es allerdings nicht. Buh. Und man merkt auch schnell, dass die unterseeische Artenvielfalt halt dadurch kommen, dass wenig Animation in den pixeligen Fischen steckt und die Umgebung halt absolut barebones wirken kann.

Aquanaut no Kyuujitsu 2

Wie gesagt, es gibt sogar noch ein Sequel vor dem PS3-Teil (und diese ominöse 1996-Variante des Erstlings). Auch noch auf der ersten PlayStation erschienen, aber 1999, also gegen Ende deren Lebensspanne. Und diesmal nur in Japan.

Was ein Verlust ist, diesmal gibt es nämlich sogar Text im Spiel. Also keine Handlung an sich, jedoch ist eines der großen Mäkel am Erstling beseitigt worden, die fehlende Interaktion. So richtig mit den Viechern interagieren kann man zwar immer noch nicht, wobei erneut die „Komm mal her, lauf nicht weg“-Sounds gemacht werden können, jedoch gibt es jetzt eine Zielsuchfunktion, mit der auf Tiere festgelockt werden kann, die dann tatsächlich zum jederzeitigen Begucken in einer Liste auftauchen, wo alle fast 400 Arten einen Eintrag finden. Selbst Mikroorganismen können herangezoomt werden. Auch ist es hier nun möglich, aufzutauchen und einen kurzen Blick über Wasser zu werfen, wenn auch nur sehr selten. Da wäre es natürlich ganz schön, wenn man die Namen auch lesen könnte, auch um beim schnellen Lock on direkt weitergehen zu können, wenn man den Namen schon kennt. Ein paar Besonderheiten am Meeresgrund warten zudem erneut, wie ein Fliegerwrack, einige Schwarze Raucher oder ein prähistorisches Skelett und natürlich antike Ruinen in allen Varianten. Von denen gibt es insgesamt natürlich auch viel mehr zu finden. Da sie nach Region sortiert werden, ist es nun einfacher, noch fehlende zu finden.

Außerdem sieht die Angelegenheit nun um so vieles besser aus! Klar, Drawing Distance ist immer noch extrem bescheiden, doch sehen die Fische, Meeressäuger, Aale und Co. nun wesentlich hübscher aus, sind größer, beeindruckender, detaillierter, selbst die Landschaft ist nicht mehr so grobzackig, Lichtstrahlen scheinen durch die Oberfläche usw. usf. Die Everblues sehen auch nicht besser aus, und die sind auf PS2. Und einen Walhai gibt es diesmal auch! Überhaupt ist die Artenvielfalt stark angestiegen. Sicher, der Erstling hatte auch erstaunlich viel zu bieten, vieles davon aber auch schnelle Palette Swaps. Die drei oder vier Walarten, die ich dort gesehen habe, waren im Prinzip nur von ihrer Farbe her zu unterscheiden, Delfine habe ich nur eine Art gesehen. Auch lässt die HUD diesmal mehr Sichtfeld, verschwindet wie im Erstling erneut komplett, wenn man Stillsteht.

Das Gebiet ist nun wesentlich übersichtlicher, da viel kleiner, außerdem zeigt die Übersichtkarte die Ränder an, was der Orientierung hilft und ist jederzeit während des Tauchens aufrufbar. Dafür gibt es allerdings mehrere zusammenhängende Areale, statt nur ein riesiges. Direkt hinter dem Startpunkt umzudrehen und hinterm HQ entlangtauchen, führt beispielsweise in einen Flussarm (Green Nest), während in einer der Seitenbuchten des Hauptbereichs (Plateau of Far East) eine große Höhle (The Sea of Hope) auf einen wartet, in deren hinteren Bereich es sogar noch tiefer geht (Depth of the Heart), nur um von hier aus in eine dritte Höhle zu gelangen (Silent Sea). In dem kleine Kreis, den diese – nicht zu vergessen zusammengehörigen, wir trotten nicht wie in Endless Ocean 2 durch die ganze Welt – Gebiete beschreiben, kommen wir von Amazonasarmen, über Tropen bis ins ewige Eis voller Eisbären. Das urzeitliche Tide of Life und Drops of Aqua, mit lebenden Sauriern, macht das dann komplett. Diversität über Realismus, ganz wie in Endless Ocean, nur extremer. Verlorengehen, wie im Vorgänger, ist hier nicht mehr. Zusammen mit den ganzen verschiedenen Ruinen (antikes Kolosseum im Eismeer, why not), kommt man sich eher wie in einem Alien-Diorama unserer Welt vor. Die Bojen können sogar nun benannt werden, um direkt zu wissen, warum man sie nochmal hierher geschickt hat, statt sich zu merken, welche für welchen Hotspot war.

Credits gibt es wohl auch erneut, aber erst wenn man alle Einträge beisammen hat(?). So weit hab ich es zumindest nicht gebracht, nicht nur nicht alle Spezies eingetragen (50% erbringt zwar eine kurze Nachricht, die darüber informiert, reicht aber nicht), sondern zwei Objekte wollen sich mir auch einfach nicht zeigen. Im dritten prähistorischen Meer, An Exit Far Cry, war für mich zumindest dann Schluss, den Ausgang zu einem weiteren Areal oder eine besondere Begebenheit hierinnen fand ich zumindest nicht mehr. Wie gesagt, bei dem Teil hier würde es doch helfen, wenn er nicht in Japanisch wäre (Menü und Arealnamen sind immerhin in Englisch) und es auch im Internet ein paar Infos zu gäbe bzw. ein Handbuch zur Hand wäre. Man sollte meinen der Teil wäre genauso Selbsterklärend, wie sein Vorgänger, wirklich viel hat sich ja nun nicht verändert, doch hab ich irgendwie das Gefühl, was zu verpassen. Vielleicht liegt das aber auch nur an den fehlenden Zielvorgaben in diesen Spielen, immerhin beschränkt sich das Japanisch ja auf die Tierbezeichnungen, von daher verpasse ich keine Instruktionen oder ähnliches. Jedenfalls haben wir mit Aquanaut’s Holiday 2 ein echtes Schmankerl verpasst, sofern man mit dem Konzept was anfangen kann, versteht sich.

Und weil’s so schön war, auch hier eine Galerie für euch. Ja, für alle beiden:

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Aquanaut’s Holiday

Das ich das Unterwasserpanorama liebe, ist wohl regelmäßigen Lesern nicht neu. Als ich damals den ersten Trailer zu Aqua für die PS3 gesehen habe, war ich begeistert. Irgendwo verschwand es dann wieder von der Bildfläche, bis ich Jahre später zufällig mitbekam, dass es unter dem Titel Aquanaut’s Holiday: Hidden Memories längst erhältlich ist – aber nur in Asien. Das Non-japanische Release davon (für Korea und Hong Kong, glaub ich) hat sogar Engrish als Sprache, nur bekommt man die Version so gut wie nicht mehr bzw. absolut überteuert. Ich bin dann damals auf Everblue und Endless Ocean umgestiegen. Was ich damals auch herausgefunden habe war, dass Aquanaut’s Holiday schon eine länger gehende Serie ist. Drei Spiele für die PlayStation gibt es (wobei das 1996er Release nur ein Remix des Originals zu sein scheint), die mich damals aber nicht so interessierten. Jetzt hab ich mich aber doch mal am ersten probiert.

Das Spiel ist interessant im Konzept und langweilig in der Umsetzung. Neues Spiel begonnen wird man direkt ins Meer geschmissen, erst nach dem ersten Auftauchen kommt man ins Menü, das aber auch sehr spartanisch ist. Vier Auswahlmöglichkeiten gibt es: Speichern, vom HQ aus ins Meer, die Karte anzeigen, ein Riff bauen. Sobald man dann wieder taucht, merkt man ziemlich schnell, dass man hier tatsächlich absolut nichts machen kann. Tiere können weder registriert, noch fotografiert, noch sonstwas werden. Man taucht tatsächlich nur durch die Gegend, beguckt sich die Sache, hat aber keinerlei Interaktionsmöglichkeiten. Lediglich Töne mit den Schultertasten abgeben geht, was je nach Ton die Fische etwas interessierter an einem machen oder zur Flucht verleiten kann. Interessant ist es allerdings schon, was für ein enorm großes Gebiet im Spiel untergebracht wurde und über Diversität kann man sich, zumindest für PSX-Verhältnisse auch nicht beschweren, es gibt reichlich Meeresbewohner, unterschiedliche Texturen für den Meeresboden und hier und da sogar mal ein Pflänzchen. Wie viele Arten es tatsächlich gibt, lässt sich natürlich nicht sagen, so ohne Register und aufgrund der Tatsache, dass man keinerlei Orientierung hat, also nie sagen kann, ob man wirklich überall war und alles gesehen hat. Dafür ist das Gebiet einfach zu groß. Und während des Tauchens kann keinerlei Karte aufgerufen werden, man hat also sofort null Orientierung, trotz Kompass. Erst im Menü kann wie gesagt auf die Karte geschaut werden, die einem zeigt, wo man schon überall war. Viel hilft es nicht. Immerhin können Bojen ausgesetzt werden, zu denen jederzeit wieder hineingesprungen werden kann, statt immer vom HQ starten zu müssen.

Die sind beispielsweise ganz nett, um sich die Position der entdeckten Landmarken zu merken. Denn es gibt ein paar Interessante Dinge außerhalb der Meeresbewohner zu entdecken. Aber auch hier erneut: Zu großes Terrain, das sich viel zu sehr ähnelt und zu wenig Orientierung, nur wenige Landmarken. Ob man je alle entdeckt hat, lässt sich so nur schwerlich sagen, es sei denn man nimmt sich tatsächlich die ewigen Stunden und taucht das ganze Gebiet ab, schaut sich ständig überall um. Was ich gefunden habe ist zumindest (neben dem HQ und eigenem Riff natürlich) ein altes Aquädukt, unterseeische Fußabdrücke, ein schwebender Stein in Form eines Zeppelins, vier seltsame Bodenhubbel, drei Pyramiden, vier Säulen und ein stationärer Quastenflosser, groß genug, um es mit Godzilla aufnehmen zu können. Angeblich gibt es mindestens noch ein Mars-Gesicht, dem ich aber nie auf meinen Tauchgängen begegnet bin.

Das Spiel hat also keinerlei Ziel, wenn man so will, entdecken und begucken tut man aus eigenem Antrieb. Es steckt keine Handlung dahinter, es gibt nichts zu bergen, nicht zu registrieren. Ending Credits gibt es allerdings schon. Nämlich im eher als Minispiel-Nebenzeitvertreib wirkendem Riffbau. Je mehr von der Karte man freischaltet, umso mehr Legoblöcke hat man zur Verfügung, um daraus ein künstliches Riff zu machen. Das kann man dann zwar auch beim Tauchen finden, wirklich Fische sind dort aber leider nicht anzutreffen. Nur im Minispiel-Bildschirm, sieht man sie als Punkte rumwuseln und sich unten langsam mit der Zeit ein Balken füllen. Hat man genug Fische angelockt, um in komplett aufgefüllt zu haben, bekommt man tatsächlich Credits gezeigt.

Dennoch eigentlich müsste das Spiel stinkendlangweilig ein, doch irgendwo kam dieses „ein Tauchgang noch, vielleicht seh ich ja doch noch eine neue Landmarke, bringt mich das näher an ein volles Riff“ bei mir auf. Zumindest zunächst. Und das, obwohl das Unterwasserpanorama natürlich kaum als Panorama zählt. Aquanaut’s Holiday ist nicht nur PSX-3D, sondern mit seinem Release in 1995, ein halbes Jahr nach Erscheinen der Konsole, auch noch ein verdammt frühes Spiel der ersten PlayStation. Da ist natürlich heutzutage nicht mehr viel dran, am schönen Begucken der Unterwasserwelt. Es frustet halt mit der Zeit auch etwas, dass es so schwer ist, Sachen zu finden, mit nichts interagiert werden kann. Einen Walhai hab ich auch nirgends entdecken können, was natürlich sowieso ein dickes Minus ist, jawollja!

Wer dennoch einen Blick in diese Obskurität wagen mag, das West-Release müsste 2nd Hand eigentlich billig zu haben sein und im japanischen PSN wurde es glaub ich auch released (das Spiel komplett sowieso komplett ohne Text aus). Apropos reinblicken, hier ne Galerie meiner Tauchgänge:

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