Avengers: Endgame

Angekommen. Sieben Jahre nach dem ersten Avengers, elf Jahre nach dem ersten Iron Man, 22 Filme in den MCU. Avengers: Endgame bringt das Großereignis zum Abschluss, so dass wir alle ab nun nie wieder einen Superhelden-Film schauen müssen. Natürlich alle Rekorde gebrochen, inklusive sich noch vor Titanic und Avatar als erfolgreichster Film aller Zeiten zu setzen.

Die Hälfte der Universumsbevölkerung ist also eingeäschert. Wer übrig ist, kommt darüber nicht hinweg. Genau genommen machen sich unsere verbliebenen Helden sogar direkt auf den Weg zu Thanos, um das Ruder noch mal rumreißen zu können. Kann man aber nicht, denn Thanos war schlau genug, die Power Stones zu zerstören, damit nie wieder jemand in Versuchung gerät. Thor macht ihn dann auch sang- und klanglos einen Kopf kürzer.

Fünf Jahre später: Alle sind immer noch schlecht drauf. Captain America geht zu Selbsthilfegruppen, denen er seinen Optimismus näherbringt, an den er eventuell selbst nicht mehr restlos glaubt. Black Widow leitet die Avengers weiter, obwohl die Welt sie eventuell gar nicht mehr braucht. Thor ist ein heruntergekommener Penner. Tony Stark hat es ganz gut getroffen, als Familienvater, und beweißt, dass es Reichen selbst in der Postapokalypse gut gehen wird. Und Ant-Man kommt plötzlich aus der Mikrodimension wieder heraus, wo für ihn nur wenige Stunden vergangen sind.

Und genau daraus erwächst ein neuer Plan. Was, wenn mit jener Technologie Zeitreisen möglich sind? Was, wenn man aus den verschiedenen Jahren, bevor Thanos sie sich aneigenete, die Steine holen kann? Was, wenn man einfach alle wieder ins Leben zurückschnippst?

Damit starten also drei Stunden Film, in denen alle ein trauriges Gesicht machen und keine echten Farben poppen. Es muss ja eine ausreichend deprimierende Stimmung verbreitet werden.

Der Film spaltet sich dann auch in ziemlich genau drei Teile, man sollte fast meinen, eine 3-Akte-Struktur hätte sich historisch in der Cinematographie durchgesetzt, Genaues weiß man aber nicht. Die erste Stunde behandelt die Basics, wie es denn jetzt allen so geht. Grundresumee: Nicht so geil, very sadface, all the time. Die zweite Stunde hat dann etwas mehr pepp und sogar ein wenig humorige Sprüche zu bieten, wenn die einzelnen Teams in der Zeit zurückgehen, um jeweils ihre Power Stones abzugreifen. Natürlich geht da bei jedem irgendwas schief. Nach zwei Stunden wird dann die finale Schlacht gegen Thanos eingeläutet, resultierend aus den Schiefgängen. Was zunächst nur wie er gegen die drei Poster Boys der Franchise, Iron Man, Captain America und Thor, aussieht, verwandelt sich dann doch in einen großen Everyone’s Here Brawl fast jedes jemals in der MCU aufgetretenen Charakters. Sogar das Girl Squad bekommt eine gemeinsame heroische Szene, nachdem die weiblichen Figuren traditionell in den MCU-Filmen etwas kurz kamen bisher. Nach einer halben Stunde Kampf ist die Geschichte soweit gegessen und die finale halbe Stunde kann sich dem ausschweifenden Epilog widmen, der natürlich nach 22 Filmen irgendwo mal angebracht ist.

Damit gehen dann die bisherigen Avengers in die Gutenacht, auf das die neuen Galionsfiguren kommen mögen. Natürlich hat sich das Publikum bereits ausreichend in Tom Holland und seinen Spider Man verliebt, so dass dessen frisches Poster-Boy-Gesicht auch ordentlich im Finale zu sehen ist, damit man nicht vergisst, nach Endgame weiterhin in Marvel-Superhelden-Filme zu gehen. Und auch Captain America gibt sein Schild weiter, auf das der nächste unter dem Titel die Nachfolge von Steve Rogers antreten möge.

Bin erneut ein wenig in dem Gefühl hinterlassen, dass ich den Film schon sehr mochte, aber nicht so ganz weiß, wie sehr denn wirklich. Also die letzte halbe Stunde war schon geil, wenn dann alle da sind und sich alles ordentlich fetzt. Und auch die viele Emotionalität auf den langen Epilog gesehen, der doch mehr zog, als ich das von mir erwartet hätte. Die zwei Stunden davor sind auch gut, sind auch unterhaltsam, langweilen ebenfalls nie, aber ob sie wirklich so lang hätten sein müssen, sei dann mal wieder dahingestellt. Gerade in der allerersten wirkt der Film etwas leblos. Klar, ist ja auch nur noch die Hälfte davon übrig, aber irgendwie hätte ich mir etwas mehr Schwung oder zumindest eine verkürzte und stringentere Herangehensweise gewünscht. So richtig aufblühen tut der Film nämlich hier hauptsächlich dann, wenn einer der Charaktere Screentime bekommt, der selbst in jener Situation sich noch ein wenig seinen Humor bewahrte.

Captain America: Civil War

2016 ist die dritte Phase des Marvel Cinematic Universes losgetreten worden, und diesmal die ganz heiße, die mit den meisten Filmen in kürzester Zeit auf das große Happening Avengers: Endgame hinarbeiten sollte. Wer weiß, ob der Superhelden-Hype nicht doch nach all den Jahren irgendwann mal endet, da gehört noch Mal alles rausgeholt. Da ich abgesehen von Ant-Man and the Wasp noch keinen der Phase gesehen habe, steht mir also noch einiges bevor. Angefangen mit dem dritten Captain America.

Die Avengers haben sich also gegründet, sind angewachsen, und haben ihre ersten großen Einsätze hinter sich gebracht, all das mehr oder minder mit Tony Stark und Steve Rogers als Köpfe und Gesichter des Teams. Aber auch das beste Ehepaar verkracht sich mal. Im hiesigen Falle wird dies dadurch ausgelöst, dass die UN den Avengers ein Ultimatum stellt: Sie können nicht mehr unkontrolliert als private Organisation, die nur vor sich selbst Rechenschaft ablegen muss, überall auf dem Globus die Weltpolizei spielen und dabei auch noch jede Menge Kollateralschaden verursachen. Stattdessen sollen sie sich der UN unterstellen, welche dann das Sagen hat, wann und wo die Avengers eingesetzt werden.

Captain America will jenes Abkommen nicht unterschreiben, weil er weiterhin der Meinung ist, es ist besser nur vor dem eigenen Gewissen ihre Einsätze rechtfertigen zu müssen, statt sich durch die Agendas der UN manövrieren zu lassen. Iron Man hingegen vertritt die Meinung, dass sich den Regulationen einer höheren Stelle zu unterwerfen die bessere Lösung ist. Beide Standpunkte werden, gerade da man zunächst meinen sollte jede Rolle wäre eher der anderen zugeneigt, durch aktuelle Ereignisse in ihrem Leben gebildet und weiterhin untermauert. Das führt zu einem Riss in den Avengers, besonders nachdem ein Attentat scheinbar auf den Winter Soldier geht, der nun gejagt wird.

Um ehrlich zu sein ist Civil War eigentlich weniger Captain America 3, als vielmehr Avengers 2.5. Ist so gesehen auch nicht überraschend, denn mittlerweile sind die Avengers etabliert und Stark und Rogers stehen an deren Spitze. Es gibt halt keinen wirklich guten Grund, wie man Captain America für seinen „eigenen“ Film wieder von ihnen trennen kann. Beziehungsweise ist Civil War der Prozess jener Trennung.

Was mir hierbei besonders gefallen hat, ist, dass es eben nicht die übliche Superhelden-Schoße ist. Civil War wirkt persönlicher und direkter, und das trotz des großen Casts an Charakteren. Zwei wichtige Themen sind zum einen die persönliche Überzeugung eines jeden, und wie jene sich nicht zwangsläufig erschüttern lässt, nur weil Freunde und Familie einer anderen folgen. Beide Seiten des Konflikts im Film sind dabei absolut nachvollziehbar. Sowohl diejenige, die sich nicht von Politik lenken und eventuell korrumpieren lassen will, als auch diejenige, die nicht eine immer größer werdende Gruppe an Leuten mit Superkräften einfach unkontrolliert ihr eigenes Ding machen sehen will. Und dann als zweite Thematik was für ein Katalysator und Motivationsgrund persönlicher Verlust sein kann, eventuell hineingehend in die enorme Zugkraft von Rache.

Tatsächlich ist hier der Antagonist auch kein Superschurke, der die Welt mit seinen Kräften unterjochen will. Es ist kein Boss einer weltumfassenden Firma oder Geheimorganisation, die mit Supermenschen die Welt erobern wollen. Es ist ein relativ normaler Mann, der durch einen Einsatz der Avengers alles verloren hat, und nun seinen lang angelegten Racheplan in die Tat umsetzt. Nicht, indem er Druck von außen anlegt, in der Hoffnung die Avengers zu beenden, was sie wahrscheinlich nur noch wesentlich stärker zusammenschweißen würde. Sondern in dem er die Saat des Misstrauens unter ihnen streut und sie von innen heraus erodieren will, damit sie von sich aus auseinanderfallen.

Am Ende des Filmes sind wir uns auch nicht so ganz sicher, ob er das nicht vielleicht sogar geschafft hat. So richtig wahrscheinlich nicht. Immerhin ist ein anderer der Interessanten Aspekte des Filmes, auch wie die Avengers mehr oder weniger eine Familie sind. Selbst wenn sie sich auf unterschiedlichen Seiten wiederfinden, und sogar gegeneinander kämpfen, so winkt dabei immer das Gefühl mit, dass alle eine stille Übereinkunft haben dies wieder kitten zu können, sobald sich der Staub gelegt hat und alle weiterhin Freunde sind. Dieses Gefühl von Kameradschaft macht den emotionalen Kern des Filmes aus. Und das Ende, wenn Steve und Tony vielleicht doch final miteinander zu brechen drohen, umso klimatischer.

Was natürlich auch viel Kurzweil in die zweieinhalb Stunden des Filmes bringt, sind die vielen Action-Einlagen, die nicht fehlen dürfen. Und natürlich einem guten Dutzend an Superhelden zumindest hin und wieder mal neben den beiden Hauptakteuren ihren Moment im Rampenlicht zukommen zu lassen. Am Ende stehen sich in den Fronten tatsächlich sechs gegen sechs entgegen, nachdem für mich überraschend bereits sowohl Black Panther als auch Spiderman mit dabei sind, wo ihre Filme doch erst ein bis zwei Jahre später erscheinen sollten. Hier fiel mir auch mal wieder auf, wie unglaublich gut das Casting der Franchise ist. Robert Downey Jr ist perfekt als Tony Stark, Chris Evans als Steve Rogers, sowie die beiden hier nicht anwesenden Chris Hemsworth und Tom Hiddleston als Thor und Loki, und auch für die Rolle des Peter Parker hätte man wohl kaum jemand besseren als Tom Holland finden können.

Somit fängt für mich die dritte Phase tatsächlich mit dem gewollten Paukenschlag an. Captain America: Civil War ist bisher einer meiner Favoriten unter den nicht wenigen Filmen des Marvel Cinematic Universes gewesen.

Ant-Man and the Wasp

Am Wochenende war Open-Air-Kino angesagt, welches mit Ant-Man and the Wasp nicht nur seine dies-sommerliche Öffnung beendete, sondern auch die Aufführungsrunde des Filmes abschloss. Wird ja mittlerweile auch etwas kalt dafür, sich unter freiem abendlichen Himmel auf Holzbänken den Hintern wund zu sitzen.

Unglaublich, dass dies schon der zwanzigste Film in Marvels Cinematic Universe ist, und dies gar nicht (Marvel) Superheldenfilme einschließt, die nicht dazugehörig sind, jedoch zur gleichen Zeit rauskommen, wie die Deadpools oder den kommenden Venom. Zuletzt habe ich mich tatsächlich in 2015, zur Zeit der Kinoaufführung des ersten Ant-Man, mit denen beschäftigt und mich durch die sogenannte Phase 2 geschaut. Dazwischen habe ich jetzt sieben Filme der Phase 3 verpasst, bis wir bei Ant-Man and the Wasp angekommen sind.

Deswegen hat mir zu Beginn auch direkt etwas Kontext gefehlt, da Scott Lang nun ohne Ant-Man-Anzug unter mehrjährigen Hausarrest wegen eines internationalen Zwischenfalles steht, weswegen Hope und ihr Vater Hank untergetaucht sind. Das hat wohl alles was mit Ant-Mans Auftreten im dritten Captain America zu tun.

Das ist halt immer so ein wenig das Problem an diesen Shared Universes. Es ist natürlich für Leute, die es verfolgen, sehr schön, die diversen Charaktere miteinander interagieren zu sehen und das Gefühl zu bekommen, dass es ein größeres Bild gibt, welches über die Ereignisse eines einzelnen Filmes hinausgeht. Für die Firmen klingeln auch die Kassen besser, wenn man wegen Cameos von Lieblingen auch Filme außerhalb deren Franchise anschauen muss und diverse Crossover als große Happenings hypen kann. Kann natürlich etwas schal wirken, wenn man genau dies nicht macht, nicht alle Filme verfolgt, und sich plötzlich Lücken öffnen. Ganz davon abgesehen, dass es fraglich ist, ob das Marves Cinematic Universe ganz wie die Comic-Crossover-Großereignisse, die die Filmfranchise inspiriert haben, nicht irgendwann unter dem eigenen Gewicht zusammenbricht, oder sich der Hype einfach nicht ewig fortsetzen lässt – bei zwanzig Filmen und steigend nicht unwahrscheinlich.

Nicht dass es wirklich sonderlich schwer gewesen wäre reinzukommen, da Ant-Man and the Wasp ziemlich schnell zu Beginn klarmacht, was die veränderte Situation angeht. Man merkt halt nur, dass man was verpasst hat, wenn CapAm3 nicht geschaut wurde. Wir müssen ja eh nur wissen, dass Scott nicht mehr Ant-Man ist, kurz vorm Ende seines Hausarrestes steht, und Hope und ihr Vater keinen Kontakt mehr zu ihm haben. Bis dann der rote Faden-Aufhänger des Filmes kommt, nämlich das Scott eine Vision von Hopes Mutter hat, die vor Jahrzehnten sich bis in den Mikrokosmos geschrumpft hat, um eine Bombe auszuschalten, und seither dort gefangen ist. Scott war ja im letzten Ant-Man ähnlich weit geschrumpft, jedoch wieder herausgekommen. Hope und Hank suchen sowieso nach einem Weg sie zu retten, und nachdem Scott von seinem seltsamen Traum berichtet, entführen sie ihn schnell, um ihnen helfen zu können. Ist den beiden ja was schuldig.

Allerdings gibt es dann noch zwei dem nicht so wohlgesonnenen Gruppen. Zum einen die Schwarzhändler, bei denen Hope die Komponenten für die Forschung kauft, und die die neue Technologie haben wollen, um sie gewinnbringend unter den Mann zu bringen. Und dann noch Ghost, eine Ex-Shield-Geheimwaffe, deren atomarer Aufbau seit einem gescheiterten Experiment eines Ex-Kollegens von Hank ständig zerfällt und sich wieder zusammensetzt, weswegen sie einfach durch Wände etc. hindurchgehen kann. Dummerweise bringt sie das demnächst auch um, doch sie erhofft sich von der Energie, die Hanks Frau angesammelt haben sollte, die Rettung. Scott muss also den Anzug des Ant-Mans wieder anziehen, und neben Hope als Wasp in Aktion treten, und all das, ohne dass die Bullen herausfinden, dass er seinen Hausarrest verletzt.

Mir sind die Ant-Man-Filme ja sehr gefällig. Einfach weil sie es sich leisten können ein Stück gegen den üblichen Strom der Einträge ins Marvel Cinematic Universe zu schwimmen. Sie sind sich halt bewusst, dass sie „nur“ Ant-Man sind, und nicht das große Happening schlechthin, welches schon alleine durch den vorstehenden Superhelden massiv Leute anzieht. Deswegen nehmen sich die Filme durchgängig nicht allzu ernst und streifen selten die humorigen Untertöne ab. Klar sind auch andere Filme im MCU mal witzig und leisten sich auch was auf Kosten ihrer Hauptdarsteller, aber ein Ant-Man darf noch etwas verquerer sein, sich mehr über ihn lustig gemacht werden. Ist eben „nur“ Ant-Man, gell, nicht Thor oder Captain America.

Nebenbei sollte zudem absolut gewürdigt werden, dass Hope bzw. The Wasp nicht zu kurz kommt. Die anderen MCU-Filme sind was weibliche Repräsentation angeht häufig stark unterbesetzt, und abgesehen von Black Widow jene meist auf Love Interest Nebenrollen beschränkt. Wie viel bekommt die arme Natalie Portman in den Thoren oder Gwyneth Paltrow in den Iron Men schon zu tun? Evangeline Lillys Charakter hingegen wird in diesem Film als mindestens genauso wichtig und genauso kompetent (bzw. sogar wesentlich kompetenter) als ihr männlicher Superhelden-Partner dargestellt. Ghost oder Hanks Frau sind natürlich kleinere Rollen, aber auch jene werden als ebenbürtige Gegen-/Mitspieler angesehen, wenn sie denn mal auftauchen.

Ein wenig holprig von der Handlung her ist der Film leider schon, denn irgendwie vermisste ich stellenweise einfach den Fokus darum, was jetzt genau wichtig ist und wer jetzt genau der Antagonist sein soll. Die Post-Credit-Szene, die den Film ins größere MCU-Geschehen einbindet, passte tonal auch nicht zum eher leichtherzigen Restfilm. Aber abgesehen davon hat mir der Film wieder sehr gut gefallen, als kleinerer, unaufgeregterer Eintrag ins MCU. Der dennoch viel Action bietet, mit den Schrumpfungen auch visuell etwas anderen Flair in jene Action-Shots reinbringen kann, und der vor allem durch seinen Humor und die absolut charismatische Darbietungen seitens Lilly und Rudd glänzt.

Superhero Sunday – Ant-Man

ava-1886Ist schon eine Weile her das ich Superhero Sundays hatte. Das war noch im alten Blog, was nun wirklich schon ewig ist, gerade da man Internet-Jahre bekanntlich wie Hunde-Jahre errechnet, durch die Schnelllebigkeit des WWWs. Und da Superheldenfilme mittlerweile quasi wie am Fließband erscheinen, mit ca. 5 Releases pro Jahr, könnte ich schon alleine aus den angestauten Sequels einen Thementag machen, wenn ich wollte. Aber zunächst ein aktueller Kino-Besuch: Ant-Man.

Die Handlung an sich ist relativ gewöhnlich. Wissenschaftler hat ein Serum entwickelt, was einen zum Super-Soldaten macht – nämlich auf Insektengröße schrumpft aber mit Kampfanzug, der volle Kraft verleiht, womit man fast unentdeckt bleiben kann in einer immer weiter überwachten Welt – und dann Skrupel bekommen und das Ding seiner Firma vorenthalten hat. Mittlerweile ist der fiese Nachwuchsboss allerdings auf bestem Wege dies zu replizieren, weswegen sich Prof. Pym einen Nachfolger Ant-Man sucht, um jenen davon abzuhalten ordentlich Kohle zu machen, in dem er das Super-Soldaten-Geheimnis an die Ex-Nazis von Hydra verkauft.

Jener Auserwählter ist Scott, ein Super-genialer Einbrecher, aber natürlich kein Böser, sondern ein moderner Robin Hood, der von den Reichen stahl, und dafür im Knast saß, nun also keine anderweitigen Jobmöglichkeiten hat, um den Unterhalt für seine süße Tochter zu zahlen.

Und joa, im Prinzip passiert im Groben im Film ungefähr das, was man erwarten würde, was passiert. Im Detail dann wieder nicht ganz, aber die generelle Struktur von Superhelden-Filmen scheint sich ja nicht zu unrecht immer etwas zu ähneln. Wir hatten wie eingangs bereits erwähnt in letzter Zeit nun auch nicht gerade wenige Exemplare davon. Und seit der Jahrtausendwende, als der erste X-Men und Spider Man da wieder Leben einhauchten, sind die auch alle kompetent gemacht und zumindest durchschnittlich unterhaltsam, ein The Last Stand oder Green Lantern hier oder dort zu Regelbestätigung mal ausgenommen. Was mir dabei allerdings häufig geschieht, ist, dass sie eben „nur“ durchschnittlich unterhaltsam sind. Sprich so wirklich schlecht fand ich die 2 Stunden mit ihnen nicht, aber so wirklich total begeistern konnte ich mich auch nicht, wie dies beispielsweise beim ersten Thor oder Captain America der Fall war.

Und gerade hier gefiel mir Ant-Man dann doch sehr, einfach weil er doch frischen Wind hinein brachte. Natürlich sind die Grundpfeiler der Handlung gehabt, natürlich ist die gelackte und coole Optik wie in allen anderen Marvel-Verfilmungen der letzten Zeit, aber was Ant-Man neu auf den Tisch bringt ist, dass die Schoße einfach etwas blöde und der Film sich dessen absolut bewusst ist. Ant-Man weiß, dass dies hier eigentlich nur ein Superheld aus der B-Riege ist, der wahrscheinlich nie (als Kinofilm) adaptiert worden wäre, wenn die A-Riege nicht bereits schon abgegrast gewesen wäre, bei manchen davon in der letzten Dekade sogar schon ein zweites oder drittes Reboot kam. Ant-Man ist sich bewusst, dass der Mini-Superheld, der mit Ameisen kommuniziert, ein wenig unfreiwillig komisch im Konzept ist, also macht man daraus einen freiwillig komischen Film. Und ja, daher kommt der Name auch. Hier mal einen Dank an die Trailer, zumindest an jene, die ich gesehen habe, die alle es so wirken ließen, als käme der Name nur von der Körpergröße. Das wirkte nämlich wie gesagt schon etwas blöde, aber da die Trailer auch klar machten, dass hier viel Comedy drin stecken würde, ging ich schon rein einen ganz witzig-unterhaltsamen Film zu schauen. Hätte ich allerdings vorher gewusst, dass er auch zur Ameisenkönigin wird, ich glaub das wäre mir dann doch zu doof gewesen. Ist es im Film aber dann gar nicht mal.

Es war einfach so erfrischend einen Superhelden-Film zu haben, der durch und durch komisch ist, und dies sogar relativ gut und ausgewogen darbietet. Wenn es eine heroische Ansprache oder einen kitschigen Moment voller Klischees gibt, wird das immer schnell mit einem Späßchen abgeschwächt. Und das Finale im Kinderzimmer schafft es echt gut, zum einen den Kampf cool wirken zu lassen, wenn wir die beiden Mini-Männer miteinander aneinander prellen sehen, zum anderen aber auch die Komik der Mini-Supersoldaten zu unterstreichen, wenn es nämlich dann zeigt, wie harmlos jener doch aus der Sicht eines normal-großen Menschen wirkt.

Natürlich ist der Film nicht ganz perfekt. Am störendsten war wohl noch der Bösewicht, bei dem immer wieder angedeutet wird, wie enttäuscht er davon ist, dass sein Mentor ihn fallen lies, und das jener zu viel von sich in ihm sah, dies aber nie wirklich zur Geltung kommt, weder in Flashbacks noch in einem längeren Dialog. So kommt jener etwas blasser rüber, als er scheinbar ursprünglich geplant war. Aber der Rest hat mir wirklich gut gefallen, war schon eine unterhaltsame Gaudi diese charmant gespielte und tatsächlich witzig geschriebene Action-Komödie. Eine Ant-Man Adaption hätte sicherlich um Längen schlimmer ausfallen können, hier hat sich jemand wirklich was geschert.