Another Code R

Another Code R: A Journey into Lost Memories für die Wii ist wenig überraschend das Sequel zu Another Code: Two Memories auf dem DS. Eines der berühmten Cing-Adventures, auch wenn das Sequel ob des Fehlens eines nordamerikanischen Releases gleich eine ganze Ecke weniger besprochen wird. Wir hier in Europa hatten mehr Glück und bekamen das Spiel damals.

Persönlich muss ich ja zugeben so gut wie nichts mehr aus dem vorigen Spiel gewusst zu haben. Das stellt sich allerdings nicht als super nachträglich heraus, da das Sequel die wenig nötigen Dinge mit der Zeit erwähnt. Man muss sich also keine Sorgen machen, gegebenenfalls nicht mitzukommen, auch wenn ein paar Erklärungen eventuell etwas verspätet eintreffen. Was das Another-System beispielsweise noch mal war.

Jedenfalls sind zwei Jahre vergangen und Ashley wurde von ihrem im Vorgänger endlich aufgefundenen Vater wieder etwas im Stich gelassen. Zumindest empfindet sie das so, da er sie bei der Tante untergebracht hat und seither für eine Firma am Lake Juliet seine Freizeit opfert. Um dann doch etwas Bindung aufrecht zu erhalten, hat er Ash jedoch zu einem Camping-Tripp während der Sommerferien eingeladen. Ashley ist da nicht so begeistert von, denn eigentlich wollte sie fürs Battle of the Bands proben und als sie ankommt muss ihr Vater sie prompt wegen weiterer Arbeit ständig vertrösten.

Einfach wieder nach Hause fahren kann Ash allerdings auch nicht, denn bei der Ankunft wurde ihr Koffer geraubt. Als ihr dann auch noch nach und nach Erinnerungen zu einem Ausflug als kleines Kind mit ihrere Mutter an den Lake Juliet kommen, und die Firma, für die der Vater arbeitet, das Another-System weiterentwickelt, ist ihre Neugier geweckt.

Auf dem Cover des Spieles prangt ein Siegel, welches uns die helfenden Worte „Ein bewegender interaktiver Roman“ offeriert. Die Adventure Games von Cing sind ja häufig sehr Textlastig, aber Another Code R als Visual Novel mit kurz eingestreuten Rätseln zu bezeichnen, kommt der Realität schon sehr nahe. Die meiste Zeit wird der Spieler nämlich damit verbringen, Ashley von einem Gespräch mit einem NPC zur nächsten Erklärbar-Szene zu manövrieren und wieder zurück. Im Spiel geht es wesentlich mehr um die Handlung denn die Puzzle, dem sollte sich vorher eindeutig bewusst sein.

Die Handlung an sich mag dabei nicht jedermanns Sache sein. Ehrlich gesagt fand ich die eigentliche Hauptgeschichte um das Mysterium des Another-Systems und was Ashs Mutter damals mit ihr beim See wollte, gar nicht so sonderlich die interessanteste Komponente. Häufig wirkt es fast mehr wie der Aufhänger und kommt eh erst gegen Spielende so richtig ins Rollen. Was ich wesentlich interessanter fand, waren die Einzelschicksale der Nebencharaktere, die Ash auf ihrem Tripp trifft. Familienprobleme sind hier beispielsweise eine sich durchziehende Komponente. Nicht nur krieselt es bei Ash und ihrem Vater. Nein auch ein anderes Teenie-Mädel, welches meist eine ziemlich nervige Zicke ist, ist so, weil sie Probleme mit ihrem Vater hat und deswegen aus der Reihe tanzt. Eine ältere Dame hat ihre Tochter an einen jungen Verehrer verloren, mit dem sie durchgebrannt ist. Zerrütette Familienverhältnisse und wieder zueinander finden zu können, machen stark den Subtext bei fast allen Charakteren aus.

Das führt allerdings auch dazu, dass Another Code R sich eher träge gestaltet. Eben weil das Augenmerk nicht auf einer schnell durchgezogenen Haupthandlung steht, sondern es darum geht das Städtchen und die Einwohner um Lake Juliet herum zu erforschen und kennenzulernen. Da mäandert das Spiel schon bewusst gern mal lange vor sich hin, bevor was von wirklicher scheinbarer Wichtigkeit geschieht. Wie gesagt mochte ich diese Substories eigentlich mehr als die Haupthandlung, von daher störte mich das nicht. Andere mögen das aber stark anders sehen. Die Aufmachung in ausgewaschenen Farbtönen und mit einem Bilderbuchcharme der Scene Transitions, plus Deadly Premontion like Cutins für Charaktervorstellungen (selbst des Hundes) unterstüzten diese bedächtige Herangehensweise und gemächliche Atmosphäre auf jeden Fall gut.

In sehr regelmäßigen Abständen wird die ganze Leserei dann doch von einem Puzzle unterbrochen, damit der Spieler wieder aus dem Scheinschlaf aufwachen muss. Tatsächlich kommt das Gefühl häufiger auf dem Spieler einfach irgendwas zu tun geben zu wollen. Denn der Großteil der Rätsel kann eigentlich nicht Rätsel genannt werden. Sie sind super einfach und oft genug sagt das Spiel sogar direkt, was es von einem will. Es geht dann nur noch darum, die Handgriffe per Motion Controls noch manuell auszuführen. Die übrigens gewohnt mal besser und mal schlechter funktionieren, je nachdem, wie genau der Input sein soll. Ein paar Rätsel verdienen dann aber doch ihren Namen und sind etwas kniffliger. Wobei ich behaupten möchte, dass es schwerer ist, auf ihre Lösung zu kommen, weil die ganzen einfachen fast selbst gelösten Puzzle dazu führen, dass man aufhört um Ecken zu denken. Wenn dann doch mal ne Biegung drin ist, kommt man nicht sofort drauf. Ein gutes Beispiel ist das mit den Waagschalen. Eigentlich kein schweres Puzzle. Aber dadurch erschwert, dass ein Ersatz-Gewicht von woanders zweckentfremdet benutzt werden muss. Etwas, woran ich zunächst gar nicht dachte, weil bisher eigentlich immer alle zur Lösung nötigen Gegenstände auch direkt in unmittelbarer Nähe zu finden waren. Unlösbar ist hier allerdings nichts, manchmal muss halt nur nach den ganzen Hirnlosen Treiben das Köpfchen wieder angeworfen werden, bevor es läuft.

Von daher würde ich sagen, dass um eine gute Zeit mit Another Code R verbringen zu können, keinesfalls an das Spiel im Sinne eines Point and Click Adventure Games herangegangen werden sollte. Trotz Rätsel wird man von der Komponente sicherlich nicht befriedigt werden. Stattdessen auf das Cover hören und einen interaktiven Roman erwarten, und man ist schon eher auf der richtigen Spur. Dann muss allerdings noch ein Faible für langsame und weitestgehend unaufgeregte Geschichten vorhanden sein. Ist all dies gegeben, verbringt sich mit Another Code R allerdings eine ganz nette entschleunigte Spielzeit.

Adventure Week #10: Another Code

Willkommen zu einer weiteren Woche voller Adventure Games. Sind wir sogar jetzt im zweistelligen Bereich des Features angelangt. Diesmal steht alles unterm Zeichen von Nintendos nicht mehr ganz aktuellen DSes. Und dazu dann hauptsächlich unter Spielen des vor einigen Jahren bankrottgegangenen Herstellers Cing, die sich ziemlich abgesehen von zwei Ausnahmen stark auf das Genre und mit drei Ausnahmen auch auf diesen Handheld spezialisiert hatten. Mal sehen, ob der fahle Beigeschmack, den ihr erstes Adventure Game, Glass Rose, damals bei mir hinterlassen hat, wieder ausgewaschen werden kann.

Protagonistin von Another Code: Two Memories ist die 13-jährige Ashley, deren Mutter erschossen wurde, als sie 3 war und deren ebenfalls tot geglaubter Vater ihr einen DS und eine Nachricht hat zukommen lassen, er würde auf Blood Edward Island auf sie warten. Wie bei Devil Survivor ist das Ding natürlich nicht wirklich ein DS, sondern eine Maschine, die Erinnerungen manipulieren kann, an der ihre Eltern zusammen gearbeitet haben.

Der Untertitel Two Memories kommt auch nicht von ungefähr, denn genau genommen gibt es in Another Code zwei parallel laufende Handlungen, die wenig miteinander zu tun haben. Während Ashley nämlich nun die Insel nach dem Verbleib ihres Vaters durchsucht und herausfinden wird, was genau damals vor 10 Jahren zum Tode der Mutter geführt hat, läuft ihr der Geist eines Jungen über den Weg. Der ist vor über 50 Jahren in der Villa der Edwards gestorben und seine Erinnerungen wiederzuerwecken lüftet das Geheimnis um die tragischen Ereignisse der Familie damals. Wer es schafft, alle seine Rückblenden seiner Sidestory zu triggern, bekommt sogar eine leicht erweiterte Endsequenz geboten.

Another Code ist ein nettes kleines Adventure, das ich durchaus ganz launig fand. Ein schönes kleines Picknick für Zwischendurch sozusagen. Denn sonderlich lang ist das Spiel nicht, selbst für das Adventure Genre, nach 3 Stunden 30 flimmerten mir die Credits entgegen. Wobei viel mehr wohl auch die Sache überstrapaziert hätte. Denn die Handlung ist nun Mal kein großes, verwickeltes Epos. Sowohl Ashleys wie auch Ds Vergangenheit sind relativ einfache Geschichten, die zudem nicht gerade unvorhersehbar geraten sind. Das auf eine zweistellige Spielzeit zu bringen, hätte wohl eher Langeweile hervorgebracht.

Geradlinig ist das Spiel weitestgehend schon, ist man von japanischen Adventures ja gewohnt, wobei der Puzzel-Anteil nicht unbedingt gering ist. Das finale Kapitel besteht zwar ähnlich wie der letzte Akt in Snatcher wenig mehr als lange Story Exposition Gespräche, doch davor kommt einem schon regelmäßig ein kleines Puzzel in den Weg, das gelöst werden will. Wie bei so frühen DS-Spielen üblich, wird natürlich die ganze Riege an DS-Gimmicks eingebunden, man muss rubbeln, blasen und das Ding sogar zuklappen, um den diversen Rätseln auf die Spur zu kommen. Allzu schwer ist davon zwar nix, aber dran gewöhnen muss man sich schon, bei der Lösungssuche auch über den Tellerrand hinauszudenken und die ganzen DS-Funktionen mitzubedenken. Grundsätzlich gibt es wie so häufig natürlich sowieso nur eine überschaubare Interaktionsmöglichkeit und viele Gegenstände und Gesprächtrigger sind ohne viel Backtracking immer in der Nähe zu erreichen, häufig gibt Ashley selbst schon mal einen Denkanstoß, um einen auf den richtigen Weg zu bringen.

Oben drauf kommt atmosphärische Musik, ein ansprechendes Charakterdesign in den 2D-Portraits und eine ähnlich wie in Granstream Saga weit weg gezoomte Vogelperspektive bei der komplett 3D modellierten Spielwelt, durch die man sich bewegt, um zu kaschieren, dass frühes DS-3D halt nicht so pralle aussieht.

Jau, Another Code war ein rundes Erlebnis. Eher auf der Seite „kurz, simpel, einfach“, aber ein netter Snack war das Spiel schon. Wenn man halt mal so ein wenig Adventuren will, ohne viel Zeit an der Hand zu haben.