Lady of the Lake

ava-2053Ups, eigentlich wollte ich ja die Witcher-Bücher bimonatlich lesen, aber irgendwie hat das dann doch nicht ganz hingehauen. Ich mein, am Anfang schon recht gut, aber zwischen dem dritten und vierten Roman lagen dann doch vier Monate, und der finale fünfte kommt erst jetzt dran, 7 Monate später. Ich war ein böser Junge, sorry.

Andrzej Sapkowski mag es seine Geschichten auch in universe als Geschichte unterzubringen, und so startet auch Lady of the Lake im Prinzip am Ende aller Dinge, und hat dann mehrere Arten, wie die vorangegangenen Ereignisse durch das Erzählen oder in Visionen sogar direkt Erleben durch andere Charaktere auch dem Leser nahe gebracht werden. Sicherlich kein schlechtes Gimmick, immer mit dem „wie konnte es dazu kommen“-Köder dahinter, aber manchmal etwas leicht die Übersicht zu verlieren, wer das jetzt noch mal genau wem erzählt, und in welche Chronologie das zur vorigen Erzählung der Reisestation der anderen Charaktere steht.

Was Andrzej Sapkowski auch mag, sind europäische Sagen und Märchen. Natürlich ist die Witcher-Saga von polnischen Mythen inspiriert, nehme ich zumindest mal fest an, da ich davon kategorisch keine Ahnung habe. Aber gerade die beiden Kurzgeschichten-Bände waren zudem voller Anspielungen an mir durchaus bekannte mitteleuropäische Äquivalente. Lady of the Lake zielt natürlich auf die Arthurssage ab. Und das nicht nur metaphorisch, sondern tatsächlich absolut direkt, denn Ciri bekommt hier die Macht sich durch Raum und Zeit zu bewegen. Grundsätzlich wird sie erst mal von Elfen in deren Welt entführt, damit Oberon der Vater ihres legendären Kindes werden kann, doch auf ihrer Flucht springt sie zwischen den Zeiten und Welten hin und her, und landet tatsächlich auch kurzzeitig in unserer Welt zur König Arthurs Zeiten. Was zu Beginn vielleicht sogar noch ein wenig mehr verwirrt, neben der nicht ganz chronologischen Anordnung des Geschehens.

Und um ganz ehrlich zu sein, etwas über halb im Buch hatte ich schon die Befürchtung, dass die Witcher-Saga gar kein richtiges Ende finden würde. Alle Zutaten für ein Fantasy-Epos waren sicherlich schon immer präsent gewesen. Wir haben den wandernden Monster-Jäger Geralt. Wir haben das legendäre Kind der Prophezeiung Ciri. Die deswegen jeder aus seinen eigenen Gründen haben will. Es gibt Rassenunstimmigkeiten zwischen Menschen und Nicht-Menschen. Krieg der Nordlande gegen das einfallende Imperium. Und dann auch noch den Zauberinnen-Zirkel, der die Weltgeschichte aus dem Stillen lenken will. Doch häufig scheint das über die fünf Bücher hinweg nicht ganz zusammenkommen zu wollen, wird mal dies mal das erzählt, die Struktur ist schlichtweg einfach ganz anders, als ich das von ähnlichen Werken gewohnt war. Als also Geralt mit seiner Truppe einen Großteil des Buches bei irgendeiner Baronin alle Viere lang gemacht hat, um dann doch irgendwann wieder Ciri ohne heiße Spur folgen zu wollen, während wir von der gefangenen Yennefer im Prinzip noch gar nichts gelesen hatten, und Ciri selbst quer durch Raum und Zeit floh, war ich fast gewillt zu glauben, dass es gar kein richtiges Ende geben würde. Das zumindest ein Großteil der über die Saga angelaufenen Dinge offen bleiben würde.

Dem war dann nicht ganz so, denn fast ein wenig überstürzt kommt bei Lady of the Lake im Finale doch fast alles zu einem weitestgehend konventionellen Ende zusammen. Geralt, Ciri und Yennefer werden wiedervereint, sie treffen auf die überlebenden Bösewichte und dürfen sich mit ihnen einen Kampf liefern. Sogar der Krieg wird beendet, sowie die Ambitionen aller Ciri zu erhalten. Nach all dem Lesen darüber, wer an welcher Front für wen kämpft, bei dem ich ehrlich gesagt die Bücher über immer mal wieder etwas am abdriften war, weil zu viele Namen zu schnell, war es schon komisch, dass der Krieg scheinbar ziemlich sang- und klanglos beendet ist. Und die Prophezeiung war wohl auch eher eine Ausrede, damit alle Interesse an Ciri haben, denn so wirklich eingelöst wird davon letztendlich auch nichts, sondern sie entzieht sich ihr.

Und so endet für mich die Witcher-Saga mit gemischten Gefühlen. Viel darin war interessant und auch interessant geschrieben, aber viel an der Struktur war auch durchgehend merkwürdig und am Ende schien mir das Pay off einfach etwas zu flau für das Build up aller fünf Büchern.

The Swallow’s Tower

ava-1956Das vierte von fünf Büchern der Witcher-Saga fängt nicht genau dort an, wo der Vorgänger-Band aufgehört hat, erzählt aber dennoch genau das, was anschließend geschehen ist. Durch Flashbacks natürlich.

Denn zu Beginn findet ein Einsiedler im Sumpf die verwundetet Ciri, die daraufhin erst Mal zu palavern beginnt, wie es denn dazu kommt, dass sie halb tot und alleine im Sumpf liegt, obwohl wir sie doch zuletzt quietschvergnügt raubend und lesbischen Sex habend bei den Ratten zu lesen bekommen haben. Das geht eine Weile so, bis später im Buch auch beleuchtet wird, was Geralt und Yennefer zu den Zeiten getrieben haben, dies aber erneut hauptsächlich nachdem alles bereits geschehen ist, in dem sie einem anderen Charakter davon erzählen.

Definitiv ist das hier allerdings ein Buch, welches sich um Ciri dreht. Nach einem harten Einstieg beim Fall ihres Königreiches und dem Witcher-Training, hatte sie es ja relativ einfach bei ihrer weiteren schulischen Bildung, bis im zweiten Buch alle Banden brachen und sie sich zu den Ratten gesellte. Wie sich herausstellt war das jedoch noch gar nichts, denn in The Swallow’s Tower wird Ciri, die hier sehr aktiv und auf sehr heißer Fährte von diversen Leuten gejagt wird, erst so richtig gebrochen, muss durch das Feuer gehen, bis sie stählern neu geschmiedet am Ende des Buches so richtig rein haut. Geralt und Yennefer tun derweilen eigentlich nicht viel, außer zu versuchen sie ebenfalls einzuholen und/oder ihr anderweitig zu helfen, während Geralt zumindest eine Prophezeiung hört, die sich wie immer um Ciri dreht, aber diesmal nicht mehr so vage gehalten ist, und seiner Reise keinen guten Ausgang bevorsieht, auch wenn ihn das natürlich nicht wirklich von ihr abbringt.

Was ich ehrlich etwas seltsam am Buch fand, ist, dass es tatsächlich fast ausschließlich in Flasbacks erzählt wird. Nicht nur von Ciri, Geralt, und Yennefer aus gesehen, sondern später beispielsweise auch unter Verhör stehenden Verfolgern von Ciri. Aber so wirklich viel daraus macht es nicht. Abgesehen natürlich vom Aufhänger, dass am Anfang dieses Buches alles dramatisch anders ist, und man nun darauf gefixt ist, lesen zu wollen, wie es dazu kam. Aber wenn die Rückblicke dann erzählt werden, sind jene ganz normal geschrieben. Objektiv, in dritter Person, und mit regem Wechsel zwischen den involvierten Charakteren. Man sollte meinen, wenn schon ständig ein Charakter am Nacherzählen von Ereignissen ist, bei denen er oder sie anwesend war, wäre das eher in der Ich-Perspektive geschrieben und ein guter Grund, aber das geschieht tatsächlich vergleichsweise wenig. Zumindest nicht mehr, als in den vorigen Büchern, die nicht den Rückblick-Aufhänger haben.

Baptism of Fire

ava-1898Mit Baptism of Fire ist nun also auch das dritte Buch der Witcher-Saga hinter mir, und damit über die Hälfte der Handlung geschafft. Ehrlich gesagt hatte ich gedacht diese Bücher wären etwas episodischer, nur lose aufeinander aufbauend, gerade wo die Anfänge ja wirklich zwei Kurzgeschichten-Sammlungen darstellen, doch es ist tatsächlich eine komplett durchgängige Handlung.

Was dazu führt, dass Baptism of Fire diesmal gar nicht wirklich so einen richtigen Höhepunkt hat, auf den sich alles langsam aber sicher zuspitzt, sondern eher ein Road Trip ist, auf der hier noch nicht abgeschlossenen Suche von Geralt nach Ciri, nachdem ja im Finale des letzten Buches alles anders ist: Nilfgaard ist erstarkt, Ciri angeblich dort, während Ciri wirklich wo ganz anders auf der Welt ist, Yennefer ebenfalls verschwunden, Geralt verletzt, und die Fronten zwischen den Reichen und den Zauberern sind wieder erhärtet.

Die meiste Zeit des Buches verbringen wir diesmal allerdings wirklich bei Geralt als einzigen der üblichen Hauptcharaktere – soweit man Dandellion nicht dazu zählt. Der wird zunächst bei den Dryaden etwas gepflegt, begibt sich dann aber auf die Reise nach Nilfgaard, um Ciri zu retten, wie auch immer er plant dies schaffen zu können, wo sie doch fest in den Klauen des Imperators sein soll. Dabei wird er zunächst begleitet von der Bogenschützin Milva und Troubadour Dandellion, zeitweise schließen sie sich einer Truppe Zwerge an, recht spät kommt ein Vampir-Doktor hinzu, sowie Cahir, der schwarze Nilfgaard-Reiter, vor dem Ciri solche Alpträume hatte, und der endlich Geralt offenbaren kann, dass die Ciri in Nilfgaard eine Doppelgängerin und die echte ganz woanders ist. Diese Gruppenzusammenstellung liest sich fast wie das Setup zu einer Sitcom, oder? Jedenfalls ist der Großteil des Buches deren Reise durch die Gefahrengebiete der immer noch kämpfenden Truppen, inklusive hier oder dort gefangen genommen zu werden oder eine angebliche Hexe vor dem Scheiterhaufen zu retten, bis am Ende das Buch doch tatsächlich auf einen Witz endet, denn Geralt of Rivia, der diesen Titel genau wie seine Witcher-Regeln nur erfunden hat, um seine Auftraggeber zu beruhigen, wird tatsächlich mehr zufällig als willentlich zu Geralt of Rivia.

Hin und wieder schaltet das Buch mal zu Ciri, die bei der jugendlichen Diebesbande der Ratten nicht nur ihre lesbische Seite, sondern auch die Freude am Töten entdeckt hat, aber sie ist im Buch wirklich mehr als sekundär, und die Einschübe mehr um zu zeigen, dass es sie noch gibt, und das sich wenig geändert hat, abgesehen vom Blutrausch natürlich. Yennefer kommt sogar nur auf das letzte Viertel wieder in die Geschichte, wird dahin hineingezogen, dass die Magierinnen sich eine kleine Loge aufbauen, in der sie endlich unpolitisch und Grenzüberbreifend nur für die Förderung der Magie sich zusammensetzen wollen. Heimlich natürlich.

Zu Beginn des letzten Kapitels, wenn alle drei Stränge noch offen sind – Geralts Reise, Yennefers Flucht, und was auch immer Ciri macht -, lässt sich Andrzej Sapkowski sogar ein kleines Schmankerl einfallen: Er beginnt das Finale einfach mit einem Geschichtenerzähler, der jene Ereignisse in der Zukunft einer Gruppe Kinder abends erzählt. Aber es ist ja schon spät, also müssen sie sich aussuchen, welche der drei Baustellen bearbeitet wird. Die Wahl fällt natürlich auf Geralt, weil das hier wirklich sehr sein Buch ist.

Das finde ich auch ganz gut, um ehrlich zu sein. Ciri und Yennefer nerven mich beide nicht, obwohl ich mit anderem gerechnet hatte, als ich anfing die Bücher zu lesen, doch folge ich dennoch lieber Geralt als einer jener beiden. Wenn es die weiteren Bücher so handhaben werden, dass ihre Eskapaden wirklich nur kleinere Einschübe sind, oder sie mit Geralt zusammen reisen, dann fände ich das jedenfalls wenigerschlimm. Aber wir werden sehen wohin die Geschichte sich wirklich noch entwickelt.

Time of Contempt

ava-1878Witcher Saga Buch Nummer Zwei, diesmal mit mehr Geralt und weniger Ciri. Oder auch nicht, oder doch, das Buch wechselt ein wenig zwischen seinen zentralen Figuren.

Zu Beginn verfolgen wir sogar lange nur einem königlichen Boten bei seinem Weg durch die Lande, und wie er ein paar Nachrichten hin und her trägt, da die Könige ja ein wenig was planen wenn es darum geht den Friedenspakt mit Nilfgaard nicht wirklich von ihrer Seite aus zu brechen, aber dennoch einen Kampf entbrennen zu lassen. Ganz zu schweigen davon, dass natürlich jeder Ciri in die Finger bekommen will als rechtmäßige Cintra-Thronerbin, und wenn nur als Schachfigur.

Genau genommen geht die erste Hälfte des Buches ziemlich gemächlich von dannen. Ciri und Yennefer machen sich auf den Weg in die Stadt, wo sich die Magier zu einem Ball und Beratungen treffen wollen, und wo Ciri demnächst auf die Schule für angehende Zauberinnen gehen soll. Dadurch, dass sie ausbüchst, stößt sogar Geralt dazu, und darf ebenfalls am Ball teilnehmen, als Begleiter seiner Yennefer, deren komplizierter Beziehungsstatus mal wieder auf on statt off steht.

Und dann, so ungefähr wirklich zur 50%-Anzeige beim Kindle, nach einigen Seiten belanglosem Geplänkel und Zickereien auf dem Magierball, geht es plötzlich so richtig rund. Dann steht die Zitadelle auf einmal in Flammen, weil drei Fraktionen der Magier ihre Pläne gegeneinander auf einen Schlag auszuführen versuchen. Die Verräter, diejenigen, die sie fangen wollen, sowie diejenigen, die einfach mal schnell die aufmüpfigen Elfen eingeschleußt haben, die nun alles niederschießen, was keine spitzen Ohren hat.

Ist jener ereignisreiche Abend beendet, verliert das Buch leider wieder etwas an Schwung, da sich alle sozusagen die Wunden lecken müssen. Von Yennefer hören wir erst mal gar nicht mehr. Geralt, der bei den Dryaden gepflegt wird, bekommt Besuch von Dandelion, der ziemlich trockene Exposition darüber brabbelt, welches Reich wie mit dem Angriff von Nilfgaar umgeht, wer wen hinterging und opferte, damit man selbst den Thron behalten kann etc. Ciri hingegen kämpft sich lange durch eine Wüste und kommt dann bei den Ratten unter, einen Bande Teenager, die sich ausgestoßen alleine durch die Welt kämpfen und ordentlich den Gesetzeshütern einheizen.

Der Titel Time of Contempt fällt dabei häufiger. Es ist ja eh die Zeit des Umbruchs, die Elfen werden von den Menschen niedergemetzelt, weil die freien Elfen sich nicht mehr unterdrücken lassen, und das gegenseitige Misstrauen wächst und wächst. Die Könige trauen den Magiern nicht mehr, die sowieso nichts und niemandem vertrauen. Ciri verliert das Vertrauen in die Welt, und kommt in einer Gang Gleichgesinnter unter. Und wir finden etwas darüber hinaus, was ihr Titel des Alten-Blutes mit sich bringt, ist sie doch viele Generationen von einer rebellischen Magierin abstammend, und soll die Mutter desjenigen werden, der die Weltordnung stürzt.

Ich hätte mir persönlich nur vielleicht ein wenig eine andere Struktur erhofft. Stellen im Buch sind wirklich spannend, aber das ist wirklich nur sehr punktuell zwischen viel Erklärungen über die politische Lage und wer mit wem und dann doch nicht. Das war ehrlich gesagt schon etwas, wo ich im The Witcher 2: Assassin of Kings Spiel etwas abgeschaltet hatte. Wenn es um die politische Lage der Welt geht, hat die Franchise so ein wenig das Problem, die Fakten auch interessant aufzubereiten, statt Charaktere scheinbar ewig trocken drüber zu reden, und dabei alle paar Sätze neue Namen aufzubringen, mit denen man nichts anfangen kann. Vielleicht muss ich auch einfach besser aufzupassen beginnen.

Blood of Elves

ava-1842Da sitze ich also hier mit dem ersten Buch der eigentlichen Witcher-Saga, die vorigen beiden waren ja nur Kurzgeschichten-Sammlungen, hier geht die Hauptstory los, und denke mir doch ernsthaft, es ginge um den Witcher. Dem ist nicht so, es geht viel mehr um Ciri, dass Buch ist sogar nach ihr benannt.

Doch, ist es. Ciri ist das Wunderkind der Reihe, und bringt mit sich ein gutes Dutzend an Titeln. Sie ist „das Löwenjunge“, denn sie ist die letzte Überlebende der Blutlinie der Herrscherfamilie des von Nilfgaard überrannten Cintra. Sie ist „die Überraschung“ und „das Schicksal“ von Geralt von Rivia, der sie an sich und mit nach Kaer Morhen, dem Unterschlupf der Witcher, gebracht hat. Sie ist „die Quelle“, denn es reicht natürlich nicht, dass das Mädel zu einer Schönheit heranwächst, dem Witcher-Training stand hält, und königliches Blut in sich trägt, nein magische Kräfte hat sie auch noch, und ist das Sprachrohr einer Prophezeiung. Und sie ist halt auch „das Blut der Elfen“, denn irgendwo in ihrem Ahnenstamm versteckt sich ein Vorfahre einer der Alten Rassen, um sie noch ein wenig mehr extra special zu machen.

Wenn man darüber nachdenkt, macht es fast etwas Sinn, dass Geralt nun etwas in den Hintergrund rückt. Denn genau genommen ist er ja unwichtig. Er ist ein Witcher. Witcher mischen sich nicht in die politische Lage ein. Witcher kümmern sich nicht um Kriege. Witcher werden angeheuert, um Monster umzubringen, und ziehen nach erfolgreich verrichteter Arbeit weiter. Die Witcher sind die Schweiz, nur blutrünstiger und mit niedrigerer Lebenserwartung. In den zwei Kurzgeschichten-Bänden, wo jedes Kapitel ein neuer Auftrag eines Witchers ist, ja da ist Geralt von Rivia die Hauptfigur. In der Hauptsaga nun allerdings geht es um Machtspiele. Nilfgaard hat Cintra eingenommen und bedroht die Grenzen der restlichen Reiche der Region. Nicht nur per militärischer Übermacht, denn zumindest diese Fronten sind zum Stillstand gekommen. Doch Nilfgaard ist nicht dumm, stattdessen stiften sie die Nicht-Menschrassen zur Rebellion an, auf das die Scoia’tael sie von innen heraus zermürben, sowie unterwandern deren Ökonomie und Moral der Zivilisten mit der Einfuhr von billigen Konkurrenzgütern und Privilegien der Einwohner ihrer neuen Provinzen. Kriegsführung an allen Fronten, nicht nur mit dem Schwert.

Und da ist Ciri natürlich plötzlich wichtig, als rechtmäßige Thronerbin von Cintra. Wollen die anderen Königreiche sie dort wieder einsetzen? Sie als hehren Ansporn zur Wiedereroberung des gefallenen Königreiches nehmen? Per Heirat vielleicht sogar eine Fremdkontrolle garantieren? Oder wollen sie das Mädel lieber aus dem Weg räumen, damit sie zumindest nicht zur Puppe Nilfgaards werden kann, die mit ihr verehelicht plötzlich einen gerechten Anspruch auf Cintra hätten, statt der Besatzer zu sein? Und da Ciri die Supertolligste ist, die auch noch die kosmischen Mächte channelt, interessiert sich die Magiergilde auch noch für das Kind. Oder kurz gesagt: Jeder will wissen, ob die Gerüchte wahr sind, dass Geralt Ciri an sich genommen hat. Das macht Geralt wichtig, aber nur weil Ciri wichtig ist, und er dessen Beschützer mimt. Im letzten Drittel des Buches, wenn die Könige ihre Pläne schmieden, und Ciri von ihrer Zeit mit Yennefer als Lehrerin berichtet, kommt Geralt eigentlich gar nicht vor.

Was ich dem Buch dabei echt Zugute halten muss, ist die Tatsache, dass mir Ciri dennoch nicht zum Halse heraushängt. Das Mädel ist gefährlich nahe an einem Mary-Sue-Status, und keiner mag Mary Sues. Aber Ciri ist soweit Ok gewesen, die flapsige Art des sich mehr oder minder gegen die Erwachsenen zu behaupten wissenden Mädels ist ganz nett. Überhaupt gefällt mir, wie die Charaktere in der Saga geschrieben sind. Denn jeder überrascht mit dem einen oder anderen smarten oder zynischen Kommentar, die doch unerwartet beim Lesen ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern kann, jeder dabei aber dies auf seine Art und Weise tut, so wie es zu deren etablierten Charakter passt.

The Last Wish & The Sword of Destiny

ava-1793Es ist das Jahr des Witchers, mit Wild Hunt geht die Fantasy-Trilogie des polnischen CD Studio Reds in die finale Runde, hat WRPGler es freudigst erwartend, gleichzeitig aber mit dem mulmigen Beigeschmack die beste Franchise der letzten Jahre anschließend zu verlieren. Doch den Witcher Geralt von Rivia gibt es bereits seit 1986, als Autor Andrzej Sapkowski seine erste Kurzgeschichte auf die polnische Leserschaft losließ.

Weitere sollten folgen, und letztendlich eine richtige Witcher-Saga mehrerer Bücher daraus werden. Doch die ersten beiden, The Last Wish und The Sword of Destiny, sind Sammelbände jener episodischen Geschichten, die diverse Erlebnisse des Wichters wiedergeben.

Darunter, wie das mittlerweile bei Fantasy zum guten Ton gehört, der Rassismus bzw. die allgemeine Angst vor der Andersartigkeit. Die Welt des Witchers ist eine im Umbruch, eine bei der sich die Menschheit über die Lande verbreitet hat wie eine Plage, die Fantasywesen und Monster verdrängend. Elfen, Zwerge, Dryaden und Co. sehen sich auf verlorenem Fuße im Kampf gegen deren Vordrängen, bestenfalls kann man versuchen sich in ihre Gesellschaft zu integrieren, aber eben wegen der langen Auseinandersetzungen wird man dort nicht zwangsläufig gut aufgenommen. Das betrifft auch den Witcher, nicht mehr wirklich Mensch, dank der Mutationen, die sie zu so guten Monsterjägern machen, und die den meisten der ihren Familien entrissenen Jungen das Leben kosten, bevor die Prozedur zum einsamen Jäger beendet ist. Die Witcher, die dazu gezüchtet wurden der Menschheit gegen die Monster zu helfen, werden häufig selbst als solche angesehen.

Alles trist ist allerdings nicht in den Exkursen von Geralt, denn er selbst pflegt sich einen trocken-zynischen Humor, genauso wie besonders besagte Fantasywesen ein recht lustiges oder zumindest interessantes Völkchen sein können. Und Geralt hat durchaus auch Freunde. Den Troubadour Dandelion beispielsweise, dessen flinke Zunge und Hurerei ihn gern in Schwierigkeiten bringt. Oder die Zauberin Yennefer, mit der er eine destruktive On-Off-Liebschaft pflegt. Und dann natürlich das Mädchen Ciri, welches erst zum Ende von The Sword of Destiny ins Geschehen kommt, und dessen Schicksal mit dem von Geralt verbunden zu sein scheint.

Sapkowski scheint auch ein Faible für Fabeln zu haben. Denn viele der Geschichten stützen sich doch auf mehr oder weniger bekannte Märchen und Volksglauben, oder erwähnen zumindest einen kleinen Hint zu einem am Rande. So haben wir beispielsweise in einer Geschichte ein Liebespaar aus Menschenmann und Meerjungfrau, die darum streiten, wer weniger Hingabe ob ihrer Liebe zeigt, sie weil sie ihre Flosse nicht gegen Beine eintauschen will, oder er weil er nicht zum Meermann zu werden bereit ist. In einer weiteren geht es um einen verwunschenen Prinzen, der nun wie ein Biest aussieht, alleine in seinem Schloss im Walde wohnt, und nur die berüchtigte wahre Liebe ihn erlösen kann. Also lässt er sich gegen Bezahlung für ein Jahr junge Mädchen der Bevölkerung bringen, mit denen er Abenteuer auf vielfältige Arten verlebt, in der Hoffnung eine davon entwickelt mehr als nur das Verlangen danach Reisende zu erschrecken und animalischen Sex zu haben. Wieder eine weitere mag nur nebenbei mal erwähnen, dass Geralt einen anderen Charakter daher kennt, weil er ihn von einem Fluch befreite, der ihn in einen Spatz verwandelte, und dessen törichte Schwester auf den Irrglauben reinfiel, ein Hemd aus Nesseln würde ihn zurückverwandeln – Einwurf, dass Gechichtenerzähler wie Dandelion daraus sicherlich viel romantischer 11 Brüder machen würden, die sich in Schwäne verwandeln. Sprich die Geschichten haben auch ihren Spaß damit, mehr oder weniger direkt altbekannte Märchenerzählungen einzubinden, und sie dem raueren und weniger romantischen Ton der Reihe anzupassen.

Liest sich also wirklich eigentlich ganz gut, recht schnell und episodisch wie es ist, aber mit genug Charakterisierung gen Antiheld Geralt und der pragmatischen Welt, in der er lebt, um Interesse nach mehr zu wecken.