American Horror Story 1984

Ein neues Jahr, eine neue Staffel American Horror Story. Mit der Serie wird das mal wie mit Supernatural sein und keiner so richtig glauben können, wenn sie abgesetzt ist, weil die irgendwie immer da war. Immerhin ist sie seit Anfang des Jahres bereits für drei weitere Staffeln grüngelichtet worden. Kann man nur hoffen, dass sie die Chance bei der kommenden beim Schopfe packen, und die zehnte Staffel American Horror Story X nennen und sie in den Weltraum verlagern.

Eine starke Überschneidung mit Friday the 13th gab es immerhin schon in der letzt durchgelaufenen Staffel 1984. Wofür stehen die 80er denn so? Freiheit, Hedonismus, Kapitalismus. Natürlich war das nicht alles, Amerika ist so gut wie nie nicht in einen Krieg verwickelt und auch die AIDS-Kriese fand in den 80ern ihren Anfang. Doch für das allgemeine Volk, und für die nostalgisch auf die Dekade zurückblickenden aktuellen Serien, war dies nicht so im Augenschein. Es gab tolle neue Technologie, Pop-Stars, Aerobic-Workouts und irgendwie schien es oberflächlich allen gut zu gehen. Auch waren die 80er was Horror angeht die Dekade der Slasher-Filme, als dunkle Unterseite des Glamours, und genau in jene Kerbe schlägt deswegen American Horror Story 1984.

Die Staffel beginnt sogar in einem Camp Redwood, wo vor über zehn Jahren ein Massaker stattfand, und welches aktuell neu eröffnet werden soll. Ein bunter Haufen, die Los Angeles mal kurzzeitig entfliehen wollen, melden sich als Aufseher fürs Camp. Und prompt geht nicht nur ein sondern gleich zwei Mörder um. Derjenige, der das Massaker in den 70ern veranstaltet hat, und bei den News, dass das Camp wieder loslegt, direkt mal aus seiner Anstalt entflohen ist. Plus ein Mörder aus LA, der unseren Hauptmädel Brooke gefolgt ist, nachdem sie ihm in der Metropole entkommen konnte.

Warum es gleich zwei Serienmörder braucht, wird auch schnell klar. Denn der Part im Camp zieht sich einfach ewig. Ich dachte ja echt, man nutze dies mehr als Aufhänger für die ersten zwei maximal drei Episoden und dann geht es zum Hauptplot oder so. Zumal ich auch darauf wartete, dass gewisse andere bekannte Gesichter noch auftauchen, die im Camp nicht dabei sind. Allen voran Sarah Paulson, die seit der allerersten Staffel in jeder zu finden war. Aber tatsächlich sitzt der letzte Main Stay der Serie diese Staffel aus. Natürlich gibt es wieder bekannte Schauspieler, die schon in vorigen Staffeln dabei waren, aber sie war eben schlicht die letztgebliebene, die tatsächlich von Anfang an dabei gewesen war.

Doch Camp Redwood zieht sich ganze 5 von den 9 Folgen. Es muss also ordentlich aufgestockt werden an Dingen, die passieren können. Gleich zwei Serienmörder. Von denen einer mit Satan im Bunde ist und nicht sterben kann. Zumal auf dem Grund des Camps, und es wird nie erklärt wodurch, scheinbar eh alle Getöteten als Geister zurückkommen. Dann sind die meisten Charaktere auch nicht, wer sie zu sein vorgeben, sondern haben eine gewisse Agenda. Abgesehen von einer. Ich hatte ja echt erwartet, dass Brooke sich nicht als das typische Final Girl herausstellt, sondern die übliche Naivität etwas anderes verbergen soll, aber leider ist ihr Charakter tatsächlich so flach gewesen. Zumindest im Redwood-Teil. Dafür ist ziemlich schnell klar, wer wirklich in 1970 die anderen Kids umgebracht hat.

Als Episode 6 dann einen Zeitsprung macht, war ich ganz erleichtert, dass wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich das Camp los sind. Aber so wirklich stimmt das leider nicht. Nun springen wir stark in der Zeit hin und her, zu tragischen Ereignissen in den 40ern, aber auch wild in den 80ern herum. Aber alles hängt noch am Camp, was dort geschehen ist, und letztendlich geht es dorthin zurück. Das hat dies die übliches AHS-Problematik, dass dies etwas wirr und unorganisiert wird. Mr. Jingles, der Serienmörder der 70er, fällt mehr oder weniger aus der Serie raus. Der Night Stalker oder warum die Leute auf dem Campboden nicht endgültig sterben werden ebenfalls nie richtig befriedigend beendet. War schon etwas enttäuschend.

Es ist selbstverständlich nichts Neues, dass die Staffeln von American Horror Story gerne mal stark schwanken was die Qualität angeht. Von Staffel zu Staffel aber auch Staffel-intern. Einen gewissen Unterhaltungswert haben sie zwar immer, auf eine gewisse Dämlichkeit ist sich sowieso einzustellen, und wir schauen ja alle so oder so brav weiter. 1984 ist auch nicht die schlechteste der Staffeln bisher. Sie wirkt aber schlecht strukturiert. Der beginnende Camp-Teil zieht sich zu lang hin und danach scheint die Serie für die letzten Episoden nicht mehr so richtig zu wissen, was sie noch machen soll. Dabei wäre der Ansatz quasi gleich mehrere Slasher-Filme einer Reihe als durchgängige Serie zu präsentieren nicht der schlechteste.

American Horror Story: Apocalypse

Ein neues Jahr, eine neue Staffel von American Horror Story. Eine Tradition, die so schnell nicht gebrochen werden wird, da die Serie bereits das grüne Licht bis Staffel 10 hat, uns also auf jeden Fall bis einschließlich 2020 erhalten bleiben wird.

Ich hätte dabei nicht gedacht, dass der Untertitel so direkt ist. Aber das ist er. Innerhalb der ersten Folge sorgt ein Ereignis dafür, dass die Welt untergeht, und während der nukleare Winter auf der Oberfläche sein Unwesen treibt, folgen wir nun einer kleinen Gruppe vom Collective ausgewählter (oder sich hineingekaufter, weil so ein Projekt natürlich auch finanziert werden muss) Leute in einem Bunker. Violett für den Apokalypsen-Adel mit besonders herausragenden Genen… oder viel Geld, und Grau für das ihnen dienende Fußvolk.

Im Bunker herrschen unter der schwarz gekleideten Miss Venable allerdings merkwürdig strickte Regeln. Natürlich besteht das Essen in so einer Extremsituation nicht aus besonders tollen Gaumenfreuden, aber kein Interkurs und nur ein Kuss pro Woche? Die Unterkunft ist nicht nur eingrichtet wie im viktorianischen London, sondern auch unter entsprechend puritanischer Leitung. Zumindest bis Michael Langdon auftaucht, der vom Collective stammt, und Psychospielchen mit den Bunkerbewohnern treibt, meinend er würde die Besonderen unter ihnen für eine zentrale Unterkunft auswählen, weil die einzel verstreuten bisherigen von Zombies überrannt werden.

Wie sich herausstellt ist er allerdings der Antichrist, der mit Hilfe der Iluminati die Apokalypse heraufbeschworen hat, und nun die letzten Hexen aus der dritten Staffel umbringen will, die sich ihm noch in den Weg stellen könnten. Außerdem ist er das Baby aus der ersten Staffel. Ich denke mal diesen peinlichen Satz geschrieben haben zu müssen reicht aus, um darzulegen, dass auch Apocalypse die Tradition von reichlich dämlichen Trash der Serie vortführt.

Das Problem für mich ist dabei eher wieder, dass sie häufig einige Durchhänger im Unterhaltungswert hat. Ich fand die ersten vier oder so Folgen im Bunker mit den Animositäten unter den Überlebenden und Langdons Spielchen mit ihren Egos tatsächlich recht gut und es schien in eine interessante Richtung zu gehen. Ich war echt gespannt, was geschehen würde, wenn sie in den neuen Bunker des Collectives gelangen. Das geschieht allerdings nie. Sobald wir herausgefunden haben, dass Langdon der Antichrist ist, springen wir in einen Flashback vor die Apokalypse und wie er aufwuschs, zum jetzigen sich geworden ist, und warum er die Hexen so hasst. In die Apokalypsen-Timeline geraten wir erst wieder für die finale zehnte Folge.

Das war mir ehrlich gesagt eindeutig zu viel Zeit verbracht in dem Teil der Narration, die wesentlich weniger interessant ist. Nur um herauszufinden, dass Michael eine schlechte Kindheit hatte? Dass ihn früher oder später jeder im Stich gelassen hat? Und was ist das Ziel dessen? Sympathie geht schlecht, da er als tatsächlicher Sohn Satans von Anfang an Tiere und Babysitter umgebracht hat, hat aus gutem Grund jeder ihm früher oder später den Rücken zugekehrt. Die umgedrehte Geschlechterdiskriminierung, weil die Hexen auf Grund ihrer größeren Macht auf die Warlocks hinabschauen, war sicher mal ein unterhaltsames Thema, aber auch hier wesentlich länger als erwünscht. Das ist glaube ich einfach das allgemeine Problem: Es ist nicht so, dass im Rückblick nicht interessante Themen zu finden sind, sondern das er einfach viel zu langgezogen ist. Es hätte vollkomen gereicht für drei Folgen in ihm zu verweilen und die drei letzten im Finale der Staffel wieder coolen Ereignissen in der Apokalypse zu gönnen.

Abgesehen davon, dass die Staffel sowieso rechts und links Tode wiederbelebt und sogar Zeitreisen einbringt, um Michael aufzuhalten. Da ist natürlich dann auch ein wenig das Lüftchen an Spannung raus, wann immer jemand in Gefahr ist oder etwas gehörig schief zu laufen beginnt, weil wir jetzt wissen, dass mit genug Magieschmalz alles wieder gerichtet werden könnte. Aber mittlerweile macht American Horror Story eh, was ihm gefällt. Mittendrin haben wir beispielsweise, wenn der Hexentest der 7 Wunder durchgeführt wird, einfach mal, dass die Serie in Stummfilm-Ästhetik umschaltet. Warum auch immer, fand halt jemand eine tolle Idee, egal wie merkwürdig es wirkt. Oder in einer Folge taucht aus dem Nichts Stevie Nicks auf, um einen Song zu singen, und dann nie wieder gesehen oder von geredet zu werden.

Apocalypse ist dabei auch die „Everyone is here!“ Staffel. Sie bringt die vorigen Staffeln mehr zusammen als je eine vorher. Wie gesagt sind die Ereignisse aus Murder House und die Hexen aus Coven wichtig, aber wir machen beispielsweise auch einen Abstecher nach Hotel. Und fast jeder wichtige Charakter aus einer vorigen Staffeln wird irgendwann mal durchs Bild getrieben und vom Originalschauspieler verkörpert. Ja selbst Jessica Lange haben sie zurückbekommen, der wahre Star der ersten vier Staffeln! Die Schauspieler, die nicht für diese Staffel zumindest kurz zurückgekehrt sind, kann man echt an einer Hand abzählen. Das ist natürlich der Vorteil, wenn man eine so erfolgreiche Serie mit weiterhin stabilen Einschaltquoten hat: Man kann sich mehr Cameos leisten. Abgesehen davon kann ich Bryan Murphy nur Respekt zollen, seine Erfolgsserien als Outlets zu nutzen den Traum eines jeden Schwulen zu realisieren: Jede Königin von einer Frau und jedes Sahnestück von einem Mann zu casten, für die er gerade eine Schwäche hegt.

Eigentlich hat sich bei American Horror Story also wieder gar nicht so viel verändert. Die Serie war immer dummer Trash, aber auch immer unterhaltsam, wobei einige Staffeln halt im Unterhaltungswert mehr schwächeln als andere – Apocalypse vorrangig in der zweiten Hälfte.

American Horror Story: Cult

Auch dieses, bzw. mittlerweile dann ja doch schon letztes Jahr, gab es eine neue Staffel von American Horror Story. Diese nennt sich Cult und nimmt sich zu gegebenem Anlass direkt mal den Totalausfall der amerikanischen Präsidentschaftswahl an. Oder das zumindest zu Beginn.

Ich meine, AHS ist immerhin kein South Park, bei dem man eine Woche vor Ausstrahlung erst das Skript schreibt. Von daher kann man natürlich davon ausgehen, dass die Präsidentschaftswahl oder zumindest deren ultimatives Ergebnis sich nur sehr gut mit dem Hauptthema der Staffel paaren lies. Denn dieses ist dem Untertitel geschuldet eines um Sekten. Hauptsächlich eben, wie charismatische Soziopathen es schaffen, Leute von ihren immer extremeren Vorstellungen zu überzeugen. Maßgeblich natürlich dadurch, dass sich Menschen von ihrem Staat und sozialem Umfeld im Stich gelassen fühlen, weil sie in zumindest als immer chaotischer und schlimmer werdend wahrgenommenen Zeiten nach einfachen Lösungen suchen, und nach jemandem, der ihnen eine klare Linie vorgibt, ihnen die Verantwortung fürs eigene Leben abzunehmen bereit ist.

Das funktioniert eben ganz gut mit dem Zuckerguss der Wahlen. Denn die Präsidentschaftswahl war schon eine, die viele mit Unmut zurückgelassen hat. Schon vor dem Ergebnis war es oftmals eine Entscheidung für das kleinere Übel, denn so wirklich populär war auch Clinton selbst bei vielen Demokraten nicht. Und leider ist das amerikanische System auch noch so aufgebaut, dass es sich nur lohnt eine der beiden großen Parteien zu wählen, Stimmen an Dritte verschwendet sind.

Und dadurch, dass es letztendlich Trump geworden ist, kann sich AHS: Cult so richtig auf die uramerikanische Kleinstadtangst einlassen. Eben zum einen der Radikalisierung der Alt-Right und dem ganzen Anhang, die schleichend und vor allem auch bei jungen Männern im Internet, zu dem Ergebnis geführt hat, mit dem nun gelebt werden muss. Aber auch die liberale Wählerschaft der Demokraten, die dank des Trump-Regimes darum zittern dürfen, dass ihnen langsam aber sicher ihre Rechte wieder aberkannt werden, oder die Nachbarschaft von Neo-Nazis überschwemmt wird.

Optisch bleibt die Serie übrigens bei der brachialen, realistischen Darstellung der vorigen Staffel. Das Opening mag zurück sein, das Promotionsmaterial wieder viel Glamour und Class verbreiten, doch die Optik ist wieder bodenständiger und ernster. Was der Thematik durchaus auch ganz gut tu.

Wobei ich persönlich die Staffel im späteren Verlauf besser fand, als eben der Bezug auf die aktuelle politische Lage immer notdürftiger wurde, und die eigentliche Handlung um den Kult angefangen wurde. So ganz verschwunden ist es nie, aber AHS ist halt einfach eine viel zu dumme Serie, um wirklich etwas aussagen zu können, und da nimmt sich Cult nichts. Ganz so wie jede Staffel kommen immer mehr Nebenhandlungen hinein, hier noch eine Abzweigung, hier noch eine Biegung in die Geschehnisse. Nicht alle wirklich zwangsläufig zu einem befriedigenden Ende gebracht, und allgemein die Serie zu verwässernd, um wirklich am Ende des Tages eine Punkt und eine Aussage zu bieten. AHS schaut man für den Unterhaltungswert, nicht um dabei auch das Hirn aktiviert zu haben.

Und so wird von 4Chan bis zu den extremen First Wave Feministen, die plötzlich eigentlich der Zodiac Killer waren, weil sie alle Männer umbringen wollten, alles geboten. Warum junge Menschen dennoch rechts wählen, warum die snobistische Einstellung vieler Linker keinen für ihre Seite gewinnen kann, gezielt geschürte Panik durch fingierte Überfälle, um die immer bessere Kriminalstatistik zu untergraben und subjektive Gefahr der objektiven Lage entgegenzusetzen – und am Ende gibt es doch das Matriarchat als richtige Gruppe von Frauen in Kutten. Wilder Ritt, abgedreht und unterhaltsam, aber wann immer die Serie droht vielleicht doch einen nuancierten Punkt zu machen, wird das von einer an den Haaren herbeigezogenen Idee wieder untergraben. Aber hey, Subtilität oder Hirn kann man der aktuell realen politischen Lage in den USA tatsächlich nicht vorwerfen, von daher ist AHS vielleicht gar nicht mehr so weit von der Realität entfernt, wie sie das mal war.

American Horror Story: Roanoke

Die super höchst-geheime sechste Staffel von American Horror Story hat dann also den thematischen Untertitel Roanoke bekommen. Wahrscheinlich auch weil American Horror Story: Fake Reality TV irgendwo nicht so gruselig klingt, wobei beim richtigen Klientel eventuell schon, allerdings nicht mit der richtigen Bedeutung dahinter.

Denn Roanoke ist eine alte amerikanische Siedler-Kolonie, die unter mysteriösen Umständen irgendwann einfach spurlos verschwunden ist, und um die sich deswegen diverse Legenden ranken. Also jetzt in echt und wirklich, nicht nur für die Staffel an sich als Hintergrundgeschichte ausgedacht. Jedoch ist ehrlich gesagt dies eher nebensächlich, letztendlich könnte jeder andere Grund ebenfalls herangezogen werden, um zu erklären, warum das Anwesen von Geistern heimgesucht wird – das dies der Siedlungsgrund der Kolonie war, dient nämlich als wenig mehr. Ähnlich wie Lady Gagas Charakter, der alle paar Folgen mal kurz durchs Bild springt, als Ursprung der okkulten Macht in der Region herhalten darf, aber die ebenfalls hätte von anderen Dingen ersetzt werden können, weil sie alles andere als integral für die Geschichte wird. Was Einigen sicherlich auch gefallen hat, die ihre Präsenz in Hotel überfordernd fanden.

Jedenfalls ist das wahre Gimmick eben jenes, dass diese Staffel wie Reality TV daherkommt, und zwar in diversen Formen, weil sie sozusagen aus mehreren Serien besteht. Diesmal auch nur in 10 Folgen und ganz wie eine Werbeunterbrechung-habende solche Show, die es ja eigentlich bei AHS auf FX nicht gibt, sind die Folgen diesmal auch nur je 40 Minuten lang, statt ihren Stundenslot fast zu füllen (oder in Spezialfällen wie in den vorigen Staffeln sogar zu sprengen). Das macht sie auf jeden Fall schon mal ein Stück weit kurzweiliger als andere Staffeln, besonders die doch etwas überlangen Freak Show und Hotel.

Die erste fiktive Serie ist dabei My Roanoke Nightmare, welche die ersten fünf Folgen einnimmt. Sie ist wie eine Dokumentation aufgezogen. Bedeutet es gibt immer wieder Cuts im Geschehen, in denen wir die „echten“ Leute hinter der Geschichte in Kurzinterviews haben, während der Bulk des Programms (wie auch immer schön am Bildschirmrand angemerkt) lediglich Dramatic Re-Enactments sind, in denen von Schauspielern die angeblich echten Ereignisse dieser Interviewten nachgespielt werden. Vorrangig dreht es sich darum, dass ein Pärchen sich ein hübsches koloniales Anwesen im Nirgendwo gekauft hat, es dann aber mit kanibalischen Redneck-Nachbarn und den Roanoke-Geistern inklusive deren Anführerin The Butcher zu tun bekommen.

In Episode 6 wird uns dann erzählt, dass diese Serie der absolute Hit war, und deswegen ein Nachfolger in der Produktion ist, betitelt Return to Roanoke: 3 Days in Hell. Der Produzent der ersten Staffel schickt die Schauspieler sowie die echten Menschen hinter der Geschichte zusammen zum Blutmond, wenn die Scheiße so richtig abgeht, in das Anwesen zurück, um sie wie in Big Brother die drei Tage durchgängig zu filmen. Gegen Ende von Episode 6 wird uns allerdings bereits reißerisch kundgetan, dass die Serie nie zur Ausstrahlung kam, weil alle Beteiligten mit einer Ausnahme während des Drehs starben, und was wir sehen sind die Überreste der Kameraaufnahmen. Return to Roanoke, welches sich bis einschließlich Episode 9 erstreckt, ist also Found Footage, inklusive gegen Ende im Blair-Witch-Stil hinzustoßende Studenten.

Folge 10 ist dann sozusagen die Nachbereitung, die in Auszügen mehrere TV-Progamme zeigt was aus dem einzigen Überlebenden geworden ist und wie es mit dem Roanoke-Haus zu Ende geht. Dabei gehen wir über Real Crime TV zu Möchtegern-Geisterjägern bis hin zur Live-Schaltung von Nachrichten.

Es ist schon interessant in letzter Zeit einen gewissen Horror-Trend mitzubekommen, der Back to the Roots ist. Der neueste Blair Witch richtet sich an der simplen Found-Footage-Prämisse des Erstlings. Resident Evil 7 geht zurück zum Survival Horror in einem Haus. Und auch American Horror Story hat weniger überdrehte Ideen und Spektakel in seiner sechsten Staffel zu bieten. Stattdessen bleibt es relativ bodenständig, eben auch durch sein Gimmick geschuldet. Wobei Return to Roanoke schon ordentlich aufdreht im Vergleich zum etwas biederen und ehrlich gesagt leicht langweiligen My Roanoke Nightmare. Die letzte Folge unterhält dann eher durch die Kurzweil im schnellen Austausch der Fernsehformate.

Ich fand es irgendwo schon ganz gut, die Herangehensweise ist schon kohärenter und die Staffel in sich stimmiger als so einige der Vorgänger. Aber ganz mein Ding ist es halt auch nicht gewesen. Wie gesagt ist mir die erste fiktive Serie nicht ganz spannend genug, zumindest nicht dafür das sie ganze 5 Folgen spannt, sondern hier wäre weniger mehr gewesen, während die zweite wie so viel Found Footage ziemlich schnell an der Frage scheitert, warum überhaupt alle noch so obsessiv alles filmen, gerade weil hier die Scheiße wesentlich schneller und härter zu fliegen beginnt, dafür unterhält sie aber auch mehr. Ich mein die Seitenhiebe auf diese Art Serien sind schon interessant, genau wie die sich entwickelnde Dynamik, weil man als Zuschauer tatsächlich richtig etwas durcheinander geworfen wird, wenn die Schauspieler aus My Roanoke Nightmare in Return to Roanoke plötzlich ganz andere Charaktere sind, weil sie jetzt die Schauspieler dahinter schauspielern müssen.

American Horror Story: Hotel

ava-2001Mit American Horror Story: Hotel geht die Hitserie, die nach der zweiten Staffel irgendwie ziemlich den Fokus verloren hat, also in die bereits fünfte Saison. Diesmal leider ohne Highlight Jessica Lange, dafür hat man sich die Gaga in der Hautrolle verpflichtet. Zusammen mit einem Kerl aus den Hunger Games und Matt Bomer eventuell also ein Versuch auch ein jüngeres Publikum wie bisher anzusprechen?

Geht übrigens auch diesmal um Vampire, wobei deren Hype ja eigentlich mittlerweile schon wieder im Abgang ist – Twilight ist immerhin auch schon 10 Jahre her. Wobei die Vampire hier eh mehr untote Mörder ohne sonstig großartige Fähigkeiten sind. Sonnenlicht schadet ihnen nicht, sondern schwächt sie nur, genau wie der zu lange Verzicht auf Blut. Sie haben keine Fangzähne. Wunden heilen zwar recht schnell, allerdings alle tödlichen Verletzungen sind dies scheinbar auch für sie. Wie gesagt, wäre nicht die endlose Lebensspanne oder die Blut-Diät, die Vampire in Hotel währen von normalen Mördern nicht wirklich zu unterscheiden. Und irgendwie sind Massenmörder und die in diesem Hotel umgekommenen Geister dann auch schnell Griffparat, um die übernatürliche Quote der Staffel zu steigern.

Hotel ist und bleibt dabei genauso unaufgeräumt wie die vorigen zwei Staffeln. Lang her ist die Zeit von Murder House, bei dem es zwar einige schräge Einfälle gab, welches aber dennoch eine eigentlich recht geradlinige Haupthandlung hatte. Die extreme Exploitation-Schiene von Asylum war für die zweite Staffel eine echt coole Abwechslung, jedoch scheint die Serie in diesem Schema festzuhängen. Die Staffeln sind seither over the top und random, und Versuchen Schocker hier und dort einzubauen, jedoch geht mir irgendwo zwischen den vielen Charakteren mit ihren vielleicht oder vielleicht auch nicht am Ende wichtig gewordenen Substories so ein wenig die Haupthandlung ab. Zu keinem Moment in American Horror Story: Hotel hatte ich ein Gefühl dafür, was von dem Erlebten wichtig war, wo die Story hinzuführen gedenkt, was als nächstes geschehen wird, oder was wirklich die Motivation vieler dieser Charaktere ist. Hotel ist einfach ein Haufen Randos, die beliebige Dinge machen. Viele jener Charaktere und ihre Subplots tauchen dabei genauso aus dem Nichts auf, wie sie anschließend für zig Folgen komplett vergessen werden, bevor es zu einer Auflösung kommt, wenn man sich als Zuschauer durch all das andere Zeug, das bisher geschehen ist, kaum noch dran erinnert, dass dort überhaupt noch was offen war.

Wenn man großzügig sein will, kann man sagen, Hotel dreht sich um das Thema „Familie“. Dies ist allerdings kaum überraschend, denn Familienbanden und Familienersatz scheint immer eine recht hohe Konstante in der Serie zu sein. Murder House dreht sich um eine dysfunktionale Familie, die wieder zusammen findet. In Coven bekommen heranwachsende, von der Gesellschaft ausgestoßene, Hexen einen Familienersatz. Die Freaks in Freak Show sind eine große Familie. Und so ist es dann doch nicht so speziell, dass in Hotel erneut Kathy Bates und ihre Bande zu ihrem Sohn eine wichtige Rolle spielen, sowie der investigierende Polizist Familienprobleme mitbringt, und so einige andere Charaktere was mit Familie oder Ersatzfamilie zu tun bekommen werden.

Es ist sicherlich nicht alles schlecht an Hotel. Serienfans bekommen beispielsweise so einige Nods zu Season 1 und 3 geboten, welche implizieren, dass die Staffeln doch alle in der gleichen Welt spielen, vielleicht irgendwann doch mal zusammengeführt werden. Das Schauspiel ist gewohnt stark. Aufs Auge gibt es auch viel, von der runtergekommen Eleganz des Hotels, zu Matt Bomer in stylischen Klamotten. Und sicher ist die Extreme und die Crazyness der Serie immer mal wieder unterhaltend, und durchaus auch immer mal wieder self aware. Wenn in der ersten Folge auf eine Szene, in der ein Rando von einer weißen Gestalt mit Drillpenis anal vergewaltigt wird, direkt darauf zu cooler Mucke die Gaga und Matt Bomer als stylisches Pärchen sich zurecht machten, nur damit beim Open-Air-Nosferatu-Viewing direkt in der nächsten Szene die Gaga die universelle Pussylecken-Geste macht, um sich ein Opfer-Pärchen zu fangen… irgendwie sind die tonalen Hasensprünge, die American Horror Story macht, doch auch ein Teil dessen Charmes. Ich hätte nur echt gerne mal wieder eine stärkere Main Storyline in dem Ding, statt nur Schrägheit irgendwo zwischen mit Leichtigkeit eingewobener und bemühter Randomness.

American Horror Story: Freak Show

ava-1761American Horror Story muss ein wirklich netter Gig für einen Schauspieler sein. Als Erfolgsserie hat man ein jährlich wiederkehrendes Engagement, allerdings hat man nie das Problem seiner Rolle überdrüssig zu werden, oder in ein Typecasting-Problem zu geraten, da man in jeder Staffel einen anderen Charakter in einer neuen Handlung verkörpert.

American Horror Story war sich ja noch nie zu schade dafür, total verrückt und over the top zu sein, egal wie viel Sinn das unterm Strich dann ergibt. Und wie der Beititel der vierten Staffel schon zeigt, hat man sich eben wirklich die Freak Show, die immer wieder abgespult wird, diesmal tatsächlich zum Thema genommen.

Wir sind also in den 50er Jahren angesiedelt. Eine interessante Zeit, denn sie ist nicht progressiv genug, so dass Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen eben noch als Freaks behandelt wurden, aber dank des Aufkommens des Fernsehens spät genug, als das diese Zirkus-artigen Monstrositätenkabinetts eine aussterbende Art sind. Das macht es für die „Freaks“ natürlich zu einer besonders prekären Lage, denn die Gesellschaft will sie nicht, während ihre einzige bisherige Überlebensquelle – sich auf diese Art zur Belustigung des Normalo-Publikums zur Schau zu stellen – am versiegen ist. Dann gibt es auch noch diejenigen, die sich für zu kultiviert für einen solchen Zirkus halten, und stattdessen im Museum die Deformitäten-Ausstellung begaffen.

Der Überlebenskampf von Elsa Mars und ihrem Cabinet of Curiosities ist allerdings natürlich nicht das einzige Thema der Staffel, sowas wäre für American Horror Story viel zu geradlinig. Nein, stattdessen geht in der Stadt zeitgleich auch noch ein verrückter Killer-Clown um, was natürlich auf die Freak Show zurückfällt. Und dann wird selbstredend viel mit der Bezeichnung „Freak“ an sich gespielt. Es sind eben nicht nur diejenigen welche, die ob ihrer offensichtlichen Behinderung/Deformation in der Show auftreten, von so „harmlosen“ Dingen wie einer Frau mit Bart oder besonderer Körpergröße zu exotischeren Präsentationen a la siamesischer Zwillinge oder Phokomelie/Robbengliedrigkeit. Auch einen Körperteil bei einem Unfall oder durch den Krieg verloren zu haben, macht einen schnell zum Freak. Ein weiterer Charakter meint, er wäre innerlich und somit unsichtbar ein Freak – eine Anspielung auf seine Homosexualität, denn Schwule sind in der Zeitperiode auch Freaks.

Und dann ist da natürlich der wahre Freak der Staffel, das verwöhnte Muttersöhnchen Dandy. Von außen betrachtet der Traum eines jeden: Junger Bursche, aus gutem und reichen Hause, und optisch der All American Dream Boy. Innen drin ein psychotischer Killer, das wahre Monstrum der Staffel, das aufgrund reiner Äußerlichkeiten im Gegensatz zu den harmlosen „Freaks“ nicht als solches wahrgenommen wird.

Nett ist allerdings definitiv, dass American Horror Story: Freak Show uns nie wirklich mit dem Zaunpfahl eines über den Schädel zieht. Mit dem Territorium kommt eben mehr oder weniger starker Subtext wie Diskriminierung, jedoch wird es eben nie zu penetrant.

Ein Highlight der Staffel ist die Halloween-Doppelepisode, in der jeder „Freak“ seinen Moment hat, in dem er uns sein Päckchen, welches er oder sie zu tragen hat, präsentieren kann. In für die Serie schon fast untypisch unreißerischer Manier, weitestgehend einfühlsam. Aber genau das ist glaub ich ein Teil des Problems der Staffel: Dank moderner Mentalität kann man aus der Thematik keine so verrückt-dämlich-abgedrehte Show machen, wie das in den vorigen Staffeln der Fall war. Man muss netter mit zu Gange gehen. Und das ist zwar selbstverständlich richtig so, macht es aber zu einer ziemlich schizophrenen Staffel, die weiterhin Horror-Exploitation wie die vorigen liefern will, sich dann aber nie ganz zum letzten Schritt traut. Macht ausgerechnet die Freak Show dann nicht ganz so unterhaltsam wie das verrückte Asylum oder das abgedrehte Coven.

American Horror Story: Coven

ava-1508Nach einem Geisterhaus im der ersten, und einer dämonischen Irrenanstalt in der zweiten, gibt uns die dritte Staffel American Horror Story nun den größten Horror, den man sich vorstellen kann. Diesmal haben wir es mit den irrsten, unberechenbarsten, wankelmütigsten, impulsivsten Kreaturen dieses Planeten zu tun, nur das sie hier übernatürlich Kräfte haben, zu tun und zu lassen, was sie wollen: Teenie-Mädels mit Hexenmacht!

Eine solche ist Zoe, die davon aber nichts weiß, und von ihren Eltern erst erfährt, als das erste Mal mit ihrem Freund jenen sofortig verbluten lässt. Man lässt sie also nach New Orleans schicken, wohin die Hexen nachdem es in Salem zu brenzlig wurde geflüchtet sind, dort nun eine Schule existiert, in der jungen Hexen beigebracht wird mit ihren Kräften umzugehen, und nicht weiter aufzufallen, so dass sie nicht gejagt werden. Nur scheinen Hexen eine aussterbende Art zu sein, denn neben Zoe gibt es gerade mal 3 weitere Mädels dort.

Außerdem findet Zoe heraus, dass es in jeder Generation eine „Supreme“ gibt, die alle Hexenkräfte in sich vereint, statt wie die meisten nur wenige zu besitzen, und die den Zirkel eigentlich leiten sollte. Nur ist die aktuelle zu sehr damit beschäftigt ein Jet-Set-Leben zu führen. Zumindest bis ihr die Diagnose Krebs gegeben wird. Nun ist es so, dass die Supreme eigentlich voll im Safte stehen müsste, sobald allerdings der Ersatz in einer neuen Generation an Macht heranwächst, verliert die aktuelle Supreme langsam ihre bis sie stirbt. Und eine Jessica Lange ist noch lang nicht bereit, den Abgang zu machen, also kommt sie zur von ihrer Tochter in ihrem Namen geleiteten Schule zurück, um das Biest ausfindig zu machen, das ihr die Kräfte raubt.

Nebenbei findet sie auch heraus, dass Kathy Bates, die in 1800-irgendwas in New Orleans dafür bekannt war, schwarze Sklaven in ihrem Folterkeller schrecklich zuzurichten, gar nicht tot ist, sondern von einer Voodoo-Hexe unsterblich geflucht und lebendig begraben wurde. Nachdem sie die also ausgegraben hat, legt sie sich mit jener Voodoo-Tante an, weil sie auch die Unsterblichkeit will.

Das Haupt-Thema von Coven ist also glücklicherweise nicht zum Okkulten erwachende Teenie-Mädels aus der weißen Mittelschicht, wie das in den 90ern mal so ein beliebtes Thema war. Was genau das Thema von Coven ist, ist eigentlich erneut ziemlich schlecht herauszufinden, weil es eben typisch American Horror Story ist. Es ist alles ziemlich over the top, manchmal etwas dumm, manchmal geradezu schlocky Exploitation, aber eine gewohnt enorm unterhaltsame Achterbahnfahrt, die an allen Ecken und Enden mit überraschenden Wendungen aufwartet, faszinierend anzusehen ist, durch die Bank weg gut und ernst geschauspielert wird, so dass man sie wenn es nötig wird eben trotz allem ernst nehmen kann, und unglaublich stilsicher inszeniert ist.

Da haben wir schon mal das Bild einer Lady, die im hübschen Herrenhaus gut gestriegelt in kompletter Schwarz-Weiß-Einrichtung sitzt, was einfach das Wort „Klasse“ zu definieren scheint. Dann wiederum haben wir einen Rückblick zum Charakter von Kathy Bates, die einem schwarzen Sklaven einen Stierkopf annäht. Dann das Teenie-Mädel, das sich über drei Sätze bei einer Party in einen Kerl verguckt hat, wodurch sie ihn sogar von den Toten zurückholt – aber erst, nachdem sie ihm aus den Leichen der anderen Unfallopfer den perfekten neuen Körper zusammengesucht hat. Und die letzte Folge beginnt mit einer Sequenz, die ganz wie ein 80er-Jahre-Musicvideo anmutet, während Stevie Nicks singt. Und kein Charakter bleibt lange weg, Tote werden wiederbelebt, lebendig Begrabene wieder ausgebuddelt, Zerstückelte wieder zusammengenäht – mit einer Häufigkeit, dass einem nach einer Zeit das Beseitigen eines Charakters nur noch mit der Schulter zucken lässt.

Die Serie springt also was Stil und Thematik angeht freudig von einem Punkt zum nächsten. Mal denkt man die Probleme der Mädels mit ihren neuen Kräften stehen nur für die Probleme der Pubertät an sich. Dann das die Verweigerung von Jessica Langs Charakter dem Tod ins Auge zu sehen uns auf unsere Endlichkeit vorbereiten soll. Dann haben wir definitiv den Rassismus, weswegen sich die weißen Hexen und schwarzen Voodoos in den Haaren liegen (witzig dabei, dass ein wortloser Nebencharakter, der vielleicht in 10 Sekunden der Gesamtserie zu sehen ist, ein Albino Schwarzamerikaner ist) – was aber auch nie richtig Gewichtigkeit bekommt, weil abgesehen von Kathy Bates niemand wirklich rassistisch ist. Stattdessen tauchen plötzlich Hexenjäger auf, weswegen die beiden Seiten sich zusammenschließen müssen. Nun mag man denken dies wäre ein feministische Botschaft, mit (fast) allen Hexen als mächtige Frauen, während die sie als Bedrohung ermordende Jäger alles Männer sind, sogar Meetings im Anzug in ihren Milliardenunternehmen führen. Doch auch deren Bedrohung wird ausgeschaltet, bevor wirklich was draus werden kann.

Das ist halt das Hauptproblem an Coven, welches aber durchaus nicht neu zu American Horror Story ist – mindestens Asylum war eigentlich auch nicht wesentlich anders -: Es wirkt nicht kohärent. Keine Idee, keine Thematik, kein Subplot kann wirklich aufblühen und zu einem Ziel führen, weil es viel zu schnell vom nächsten abgelöst wird. Aber das ist es halt auch mit der Serie: Dies fiel mir erneut erst so richtig auf, als ich mit der Staffel durch war. Denn das ganze Chaos ist einfach viel zu unterhaltsam, als das ich nicht gebannt durch die Folgen gehetzt wäre, dadurch das sie einen halt nicht Durchatmen lässt, kaschiert sie das zunächst ganz gut. Und mehr als gut unterhalten zu werden kann man sich von einem Unterhaltungsmedium ja auch wieder nicht wünschen. Im Prinzip ist es also so: Wer Asylum gut fand, kann beruhig weiter schauen, wer mit American Horror Story eh nie was anfangen konnte, wird hier auch nichts Neues geboten bekommen. Ich fand den Ritt erneut super.

American Horror Story: Asylum

ava-1222Ich hab mich jetzt also durch die zweite Staffel von American Horror Story geschaut. Wie bereits damals erwähnt, ist jede davon eine eigenständige Handlung mit neuen Charakteren (wobei viele Akteure wiederverwendet werden), die mit der vorigen nichts zu tun hat. Deswegen wohl auch statt Season-Durchnummerierung die Untertitel – Staffel 2 nennt sich Asylum, Staffel 1 hat nachträglich den Untertitel Murder House angehängt bekommen.

Das Ding startet im Hier und Jetzt mit einem frisch verheirateten Paar, das in seinen Flitterwochen die bekanntesten Spukstätten der USA bereist, um darin zu ficken. Das führt sie auch nach Briarcliff, einer ehemaligen Irrenanstalt, deren bekanntester Insasse der Frauenmörder Bloody Face war. Und von dem werden sie prompt im Gemäuer angegriffen.

Cut und plötzlich sind wir in den 60ern bei unserer eigentlichen Haupthandlung, nämlich in der Anstalt, als sie noch von der Kirche als solche genutzt wurde. Eine Reporterin, die Lunte für ihren großen Durchbruch riecht, legt sich, um an Bloody Face zu kommen, mit der Chefnonne der Anstalt an… die prompt ihre Macht ausnutzt, um sie einweisen zu lassen. Bloody Face derweilen beteuert unschuldig zu sein und seine Frau nicht ermordet, sondern an Aliens verloren zu haben.

Die Sache mit der ersten Staffel war die, dass es zwar das Opening a la Marylin Manson Musikvideo hatte und es das ganze Lynch-esque schräge Promomaterial mit der Schwangeren und dem lebenden Latexanzug gab, die Serie an sich dann aber überraschend bodenständig präsentiert und recht gewöhnliche Haunted House/Rosmary’s Baby Geschichte war. Asylum geht nun in die ganz andere Richtung und ist voll und ganz zufrieden damit, batshit insane zu sein.

Wir haben hier also fiese Nonnen; Frauenmörder, die deren Haut als Maske tragen; Aliens; Ghouls; einen Nazidoktor, der Experimente durchführt; Todesengel; Besessene; Exorzismen; Kreuzigungen und natürlich jede Menge Wahnvorstellungen und Blut. American Horror Story: Asylum hat sozusagen für jeden was zu bieten und hakt munter jede Horrorfilmtrope ab, die man auf die Schnelle finden konnte. Das macht die Sache ehrlich gesagt häufig etwas unfokussiert und mag überbordet wirken, man sich dem Gefühl nicht entziehen können, all dies kann nur in einem Trainwreck enden, doch eine unterhaltsame Fahrt ist es allemal, einfach weil einem so viel entgegen geschmissen wird, in der Hoffnung, irgendwas davon bleibt schon hängen.

Und ich war tatsächlich überrascht, bringt die Staffel die Ereignisse doch zu einem runden Ende, statt total aus dem Ruder gelaufen nichts mehr auf die Reihe bringen zu können. Für die letzten 2-3 Folgen geht’s ordentlich vom Gas runter, wirft die ganzen übernatürlichen Spektakel komplett über Bord und präsentiert in ruhigen, geordnetem Ton ein schon fast antiklimaktisches Finale, das doch irgendwie gut passt.

American Horror Story

Was macht man, wenn man von kunterbunten Musical-Reigen eines Glees genug bekommt, als nächste TV-Serie? Natürlich eine Horror-Story. Das sie auf einer Schiene steckenbleiben kann man den Machern zumindest nicht vorwerfen, zuerst Nip/Tuck, dann Glee, nun das Ende letzten Jahres seine erste Staffel bekommende American Horror Story. Und erfolgreich sind die Serien zudem auch noch alle.

Im Prinzip handelt es sich vom Setting her um eine recht gewöhnliche Haunted House Geschichte. Eine kleine Familie, Vater Mutter Kind, zieht um und landet in einem tollen Haus mit merkwürdig niedrigem Kaufpreis, da die vorigen Besitzer dort Selbstmord begangen haben. So ein Schnäppchen lässt man sich natürlich nicht entgehen. Dummerweise sind die unmittelbar vorigen Besitzer nicht die einzigen gewesen, die hier ihr Ende gefunden haben. Seit Anfang des Jahrhunderts hat das Haus jeden, der darin wohnte, ins Unglück getrieben, wie wir nach und nach herausfinden werden.

Die Familie an sich ist nur nicht die übliche All American Family, wie sie in solchen Handlungen üblich ist, sondern bereits ziemlich dysfunktional. Mami hat eine Todgeburt hinter sich, Papi ist mit einer jungen Studentin fremdgegangen und die Teeny-Tochter ist ein ritzender Freak. Der Umzug soll das wohl irgendwie kitten, aber so richtig will das natürlich nicht gelingen, besonders nachdem die seltsamen Ereignisse im Haus mehr und mehr Stress hervorrufen.

Und dann haben wir die merkwürdigen Nachbarn. Eine alternde Diva, übrigens hervorragend gespielt von Jessica Lange, die über die Jahre hinweg alle ihre Kinder verloren hat, bis auf ihre Tochter mit Down-Syndrom. Jene hat die Eigenart, sich ins Spukhaus zu schleichen und den neuen Besitzern zu sagen, dass sie hier drin sterben werden. Dann gibt es da noch die Haushaltshilfe, die darauf besteht, der neuen Familie zu helfen, weil sie schon immer im Haus ausgeholfen hat und die von Frau und Tochter als schrullige Alte, vom Vater allerdings als sexy Dienstmädchen gesehen wird, das sich ihm ständig an den Hals wirft. Den Abschluss macht ein Teeny-Junge, neuer Patient des Vaters, der übrigens Psychiater ist, und der ihm gern von seiner Fantasie erzählt, einen Amoklauf in seiner Schule anzurichten, sich mit seiner Tochter anfreundet. Ach ja, und da wären dann natürlich die neuen Mitbewohner, die Geister diverser im Haus gestorbener Leute, die nun an es gebunden sind. Und der seltsame Fetisch-Latexanzug auf dem Dachboden, den sie weg werfen, der aber eines Abends wiederkommt und der Mami ein neues Kind macht.

Dass es von den Machern von Nip/Tuck ist, merkt man vor allem daran, dass die Charaktere im Prinzip alle durch die Bank weg unsympathisch sind. Funktioniert in einer Horror-Story nur eben gleich ein Stück besser, weil ich mir so keine Sorgen machen muss, wenn ihnen schlimme Dinge passieren. Unsympathische Charaktere sind in Horrorgeschichten ja keine Seltenheit, und sogar ganz wichtig, wenn man die kreativen Morde genießen will, statt für ihr Überleben zu fiebern.

Im Großen und Ganzen ist American Horror Story eigentlich eine recht normale Spukhaus-Geschichte, die den üblichen Konventionen solcher Handlungen folgt. Familie zieht in Spukhaus, Spuk passiert immer häufiger, sie wissen nicht mehr, was real ist und was nicht, schrullige Nachbarn wissen mehr, als sie zuzugeben scheinen. Das soll jetzt gar keine Negativkritik sein, denn die Serie ist solide und spannend aufgezogen, nur große Originalität kann man ihr eben nicht verbuchen. Sie ist auch nicht ganz so David Lynch/Lars von Trier-esque schräg, wie man vielleicht nach der ersten Folge erwarten würde. Wobei sie gegen Ende doch überrascht, dass muss man ihr schon lassen. Der große Vorteil der Serie ist nämlich, dass es eine geschlossene Handlung ist. Es wird zwar eine zweite Staffel geben, jene sich aber um neue Charaktere in einem neuen Haus drehen, von daher kann hier im Finale im Prinzip alles passieren, da man nichts für eine Weiterführung braucht.

Ein zentrales Thema der Serie ist übrigens Familie. Die neuen Bewohner, die versuchen, ihre Familienbande zu kitten. Die Nachbarin, die alles für ihre Tochter tun würde, obwohl sie sie gleichzeitig auch als unerträgliche Bürde empfindet, und ihre anderen Kinder verloren hat. Und die bisher im Haus Verstorbenen? Alles Familien oder Kinder, selbst das schwule Pärchen dachte an Adoption. Nicht zu vergessen natürlich der ganze Rosemary’s Baby Kram.

Doch, doch, American Horror Story fand ich wirklich recht unterhaltsam. 12 Folgen einer in sich geschlossenen Handlung sind ja jetzt auch kein enormes Time Commitment. Ist es eine Serie, die ich in 10 Jahren noch als Klassiker, den man sich anschauen soll, genannt sehen werde? Nicht unbedingt. Aber während sie noch läuft, wird sie sicherlich häufiger mal genannt werden.