Once Upon a Time

ava-1543Once Upon a Time ist eine recht erfolgreiche (bei 3 Staffeln und einer Wonderland-Spinoff-Serie kann man das glaub ich sagen), laufende Serie der Lost-Schreiber. Man kann also viele Rätsel und null Auflösung erwarten? Mal sehen, immerhin ist es eh ein ganz anderes Subject Matter.

Denn Once Upon a Time dreht sich – wie sollte es auch anders sein – um Märchen und Fabeln. Genau genommen bekommt die bodenständige, Familienlose Bostoner Emma Swan plötzlich Besuch von einem Jungen, der meint, er sei ihr Sohn, den sie damals zur Adoption aufgegeben hat, und der sie mit ins Städtchen Storybrooke bringt. Laut ihm liegt über jenem ein Fluch: Die Böse Königin hat alle Märchencharaktere in diese Stadt des realen Amerikas gebracht, und regiert nun als Bürgermeisterin über die ihr früheres Ich nicht kennenden Leute. Jedoch gibt es natürlich, wie in solchen Geschichten immer, einen Auserwählten, der den Fluch aufheben kann, nämlich das Kind von Snow White und ihren Prince Charming: Emma.

Märchen einen neuen Blickpunkt zu verpassen ist zwar bei weitem keine neue Idee, aber eine, die immer funktioniert. Einfach dadurch, dass wir als ein westliches Publikum einen Großteil jener Geschichten im populärkulturellen Unterbewusstsein verankert haben, es schwer ist, nicht mit den Brüdern Grimm oder den Disney-Fabeln aufgewachsen zu sein. Jene Geschichten, die also so mit unserer Kindheit verankert sind, auf eine andere Art und Weise erzählt zu bekommen, regt quasi immer Interesse.

Dabei nimmt Once Upon a Time das Wort „Märchen“ recht großzügig, und inkludiert eben quasi jede Fabel, die mehr als hundert Jahre auf den Buckel hat. Neben den Grimm-Gestalten sollte man sich also nicht wundern, wenn plötzlich auch Alice im Wunderland oder Frankenstein auftauchen. Und da diese alle in den Rückblicken im selben Märchenland zur selben Zeit lebten, gibt es tatsächlich interessante Arten, wie sie miteinander verflochten werden. So wird die Geschichte von Rotkäppchen mit der von Peter und der Wolf zusammen geworfen, und als Würze der Werwolf-Mythos drauf gestreut. Das Biest in die Schöne und das Biest ist Rumpelstilzchen.

Das Hauptaugenmerk liegt aber definitiv auf dem Märchen von Schneewittchen. Die meisten Rückblenden drehen sich darum, wie sie und ihr Prinz sich getroffen haben, und was die Böse Königin dazu verleitet hat, sie so sehr zu hassen, dass sie es auf sich nimmt, in eine Welt ohne Magie zu transferieren, nur um ihr Glück endgültig zerstört zu sehen. Wobei nach wenigen Folgen schnell klar wird, dass zudem Rumpelstilzchen ebenso eine große Rolle spielt, als derjenige, der eventuell wirklich die Fäden im Hintergrund zieht.

Immerhin haben wir es hier mit den Lost-Schreibern zu tun, ein ordentliches Mysterium ist denen natürlich nie zu schade, auch wenn erneut die Auflösungen vielleicht nicht immer ganz befriedigen. Case in Point: Die Backstory hinter Schneewittchen und der Bösen Königin. Die ganze erste Staffel ist ein Build up dazu, was sie ihr wohl angetan haben könnte. Was die Böse Königin überhaupt erst Böse gemacht hat. Was da so unverzeihlich ist. Schneewittchen selbst gibt zu, deren Leben ruiniert zu haben. Wenn wir dann endlich herausfinden, was es ist, war ich aber doch ziemlich enttäuscht, da es doch ein gut gemeintes Missverständnis ist, welches nur schwere Folgen mit sich zog. Ich hatte gehofft Schneewittchen hätte da tatsächlich etwas Schwerwiegendes gemacht, statt das ihre gute Intention schlichtweg schief lief.

Den Fieslingen wie Rumpelstilzchen und der Königin ordentlich tragische Geschichten zu geben, die sie überhaupt erst zu den Antagonisten gemacht haben, ist natürlich modern-gefällig. Letztendlich sind die beiden tatsächlich mit meine Lieblingscharaktere der Serie, weil sie eben die interessanteste Geschichte mit sich bringen, aber in ihrer aktuellen Inkarnation auch so herrlich unterhaltsam böse sind und sich gegenseitig auszuspielen versuchen. Der verrückte Hutmacher war auch ganz cool, so als Serienmörder im stylischen Goth Chic.

Keine Ahnung, gefallen hat mir die Serie schon, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich direkt die nächsten Staffeln auch brauche. Vielleicht versuch ich mich erst mal an denen, auf die alle momentan so extrem geil sind, wie House of Cards, Orange is the New Black, oder tatsächlich Sherlock.

Adventures in Wonderland and Through the Looking-Glass

ava-1331Ich habe bereits über einige Versionen der Geschichte gebloggt, sei es nun die bekannte Disney-Version, die düstere Disney-Version, die wirklich düstere Ostblock-Version, die ganz frühe Filmversion,  die 90er-TV-Version, die moderne TV-Neuinterpretation, oder der Hardcore-Porno. Bisher mir unbekannt hingegen war aber das Original, Lewis Carrolls um die Jahrhundertwende geschrieben Geschichte, mit der er entweder das Herz eines kleinen Mädchens erfreuen, oder sich in ihr Höschen charmeuren wollte, je nachdem, wem man glauben will.

Die meisten Versionen picken sich dann übrigens sowieso Segmente aus beiden Geschichten, nicht nur Alices Adventures in Wonderland, sondern auch dem Nachfolger Through the Looking-Glass. Humpty Dumpty? Die sprechenden Blumen? Tweedledee und Tweedledum? Der Handwerker und das Walross? Die sind alle aus Looking-Glass. Ja Tim Burtons Version von 2010 ist, auch wenn der Name anders vermuten lässt, sowieso mehr eine Nacherzählung jenen Buches, statt des Erstlings.

Die beiden Klassiker sind Unsinnsgeschichten, ja eine absolut unzusammenhängende Aneinanderreihung von schrägen Ereignissen, in die Alice durch ihre kindliche Neugierde gerät, einen roten Faden gibt es so gut wie nicht, abgesehen vom Erreichen des Spieles gegen die Herzkönigin im ersten Buch, und das Wiedertreffen mit der Roten Königin im Zweiten. Dementsprechend sind die Segmente ja auch so gut in jeder Version unterzubringen, egal aus welcher Vorlage sie stammen, da sie eh keinen Zusammenhang haben oder höherer Sinnigkeit folgen. Dass die meisten Geschichten sich hingegen dennoch vom Faden her an Adventures hängen, ist wohl daher begründet, dass dies das Buch ist, das als einziges ein richtiges Finale hat, so mit der Antagonistin der Herzkönigin und dem Gerichtsverfahren, während Looking-Glass bei einem Dinner endet und einfach so ausklingt, ohne je eine Konfrontation gehabt zu haben.

Allgemein ist überraschend, wie wenig eigentlich wirklich geschieht. Oh sicher, Alice trifft auf so einige fantastische Bewohner in ihren beiden Abenteuern, doch tun die nicht viel, außer Alice in Gespräche zu verwickeln. Und ist sie alleine, spricht sie permanent mit sich selbst. Gerade jene Dialoge sind es dann auch, die den Charme der Bücher ausmachen, so wird gereimt und gesungen, viele Gespräche sind auch unsinnige Aneinanderreihungen von Wortspielen, in denen Alice meist versucht, dem aktuellen Wunderwesen etwas klar zu machen, welche dies aber mit logisch klingender Unlogik und Wortmissverständnissen zu kontern wissen. Man kann einen kleinen Lacher bei diesen Wortgefechten häufig nicht unterdrücken. Carroll ist ein Meister des Wortspiels. Hier hat mir dann auch Looking-Glass etwas besser gefallen, als Adventures, trotz der loseren Struktur, so ist doch der Wortwitz noch um einiges höher.

Sexy Alice

Porn Spoofs können so schön dämlich-witzig sein, da war meine Neugier natürlich doch geweckt, sobald Ikki mich auf den Film gestoßen hatte. Zumal es mir eine Ausrede verschafft, mir doch endlich mal die OVA zu Miyuki-Chan in Wonderland anzuschauen, um etwas mehr zum Schreiben zu haben. Genau genommen gibt es noch einen weiteren Alice-Porn, einer aus den 70ern, wenn ich mich da richtig an eine Episode des Cinemasnobs erinnere. Aber 70er-Pornos sind so langweilig und hässlich, den muss ich mir nicht geben.

Egal, fangen wir erst mal ganz katholisch-keusch an mit Clamps Miyuki-Chan im Wunderland. Ich hab mir damals 2003, als ich noch Mangas kaufte und eh alles von Clamp ins Haus musste, das Ding gekauft, allerdings bisher nie die OVA geschaut gehabt. Jene besteht sowieso nur aus zwei Folgen von je einer Viertelstunde, die das „Wunderland“ respektive „Hinter den Spiegeln“ Kapitel abdecken.

In ihnen wird halt die Schülerin Miyuki in die Welten gezogen und trifft dort auf die verschiedenen Charaktere, die alle Frauen in mehr oder weniger reizender Wäsche und als Female-only-Gesellschaft natürlich auch alle Lesben sind, die ein hochgradiges Interesse daran bekunden, Miyuki aus ihrer Schuluniform zu bekommen. Wirklich schaffen tun sie das übrigens nie, das Machwerk ist weit entfernt davon ein Hentai zu sein, sondern ist weitestgehend eine Komödie, sexy Comedy. Viele hübsche Frauen in Reizwäsche und zweideutigen Posen, ein paar Panty-Shots von Miyuki, damit hört es im Prinzip auf. Wenig Antatschen, keine Küsse, im Spiegelland allerdings doch mal ganz kurz eine nackte Brust. Gewagt. Trotz Domina-Herzkönigin oder Schachfiguren, die beim Besiegen die Kleider verlieren, allzu erotisch ist die Reise also gar nicht mal.

Nun, ich war immer ein Fan von Clamp, aber alles ist nicht Gold, was ihnen aus der Feder tropft. Nicht jedes ihrer Werke ist ein X oder RG Veda, die School Detectives beispielsweise halte ich für hochgradig langweilig, 20 Masken kaum besser und Justice Guards Duklyon ist mal ganz witzig, aber auch etwas unspektakulär. Miyuki-Chan in Wonderland gehört zu den Serien, die eher weniger Wellen schlagen, will eine kleine, feine, harmlose Unterhaltung für Zwischendurch sein. Alles recht ohne Sinn und Verstand, aber wie viel Sinn steckt hinter Alices Abenteuern im Wunderland denn auch allgemein schon? Das Problem ist nur, dass alles so schrecklich unwitzig und langweilig ist.

Zumindest in der OVA. Habe dann auch noch mal in den Manga reingeschaut. Jener hat schon Mal den enormen Vorteil, dass er viel hübscher anzusehen ist. Din-A-4 und neben den eigentlichen Kapiteln davor und dahinter sogar noch ein paar ganzfarbige Artworks, was ja schon mal viel mehr her macht. Was die Handlung angeht, wird gleichzeitig weniger und mehr geboten. Mehr im Sinne als das die beiden Alice-Parodien nur die ersten beiden von 7 Kapiteln sind. Danach geht es noch ins Game, Mahjong, Teilzeitjob oder sogar das X Land. Die Kapitel sind auch hier sehr kurz, jeweils 10-15 Seiten, was dazu führt, dass die gerade mal 15 Minuten der OVA doch die Episoden stärker ausschmücken. Gerade im Spiegelland passiert dort viel mehr, während man beim Manga schon fast den Eindruck gewinnt, als fehlten mittendrin Panels, so abgehackt ist dort der Verlauf. Dafür fand ich den Manga insgesamt allerdings etwas humoriger und charmanter, nicht ganz so langweilig wie die animierte Version. Große Sprünge macht die Reihe natürlich so oder so nicht, darauf ist sie auch gar nicht konzipiert.

Das war jetzt doch wortreicher, als erwartet. Kommen wir nun aber zum Hauptevent des Tages, Malice in Lalaland, der nicht mehr so katholisch-keuschen Interpretation des Stoffes.

Malice liegt in der Anstalt von Dr. Queenie. Ein Hase macht sie frei (also von ihren Fesseln, nicht Bluse) und verhilft ihr zur Flucht. Während nun die Wache, der sie entkommen ist, sich auf ihre Fersen heftet, steigt Malice ins Auto von Chester Katz, dank dessen fahrbaren Untersatz sie immer einen Schritt voraus bleibt. Da kann man schon mal einen Abstecher machen, um sich im Alice-Cosplay fotografieren und vögeln zu lassen, bei Kater Pillz im Stripclub vorbeizuschauen oder sich in Matt Hatters Party-Orgie zu ergehen.

Alice in Wonderland also, aber als Road Movie und Porno. Und leider vorrangig letzteres davon, wodurch die Angelegenheit dann doch ziemlich langweilig ist. Ich hätte hier echt auf ein zweites Pirates gehofft, welches zwischen dem Ficken auch tatsächlich ein unterhaltsamer Film ist, den man sich sogar als Sex-befreite Version noch ansehen könnte. Bei Malice ist das leider nicht der Fall. Ich denke, dafür ist das Ausgangsmaterial vielleicht als Porno auch nicht geeignet genug. Alice ist ja nun mal eine ziemlich unzusammenhängende Sache ohne großen roten Faden. Was Alice in Wonderland interessant macht ist, die vielen verschiedenen, schrägen Charaktere zu treffen und zu sehen, wie sie mit Alice interagieren. Das fehlt hier natürlich, da alle Charaktere, auf die Malice trifft, zu sehr damit beschäftigt sind, sich das Hirn rauszuvögeln, statt witzige Persönlichkeiten zu präsentieren.

Was bleibt ist ein Prono, mit interessantem Speed-Metal-Soundtrack und einer brauchbaren Optik, als hätte Tarantino ihn (im Halbschlaf) gedreht, mit gar nicht mal allzu schlechtem Schauspiel und überraschend gutaussehenden Akteuren (die Frauen sind vergleichsweise wenig künstlich für Pornostarletts [besonders Sasha Grey ist echt ganz niedlich] und auch die Männer sind durch die Bank weg sexy [von Ron Jeremy in den Anfangscredits nicht abschrecken lassen, der kommt in den Nacktszenen nicht vor]), dem es halt leider zwischen dem zahlreichen Sex doch stark an was fehlt, um es hervorzuheben. Da sollte man sich von der ersten Viertelstunde in der Anstalt nichts vormachen: Danach wird’s erschreckend schnell konstant langweiliger.

Was übrigens den Bezug zu Alice in Wonderland angeht… eh… der ist auch eher schwach vorhanden. Es gibt eine Menge Name Dropping, aber wären Film und Charaktere anders benannt, ich wüsste nicht, ob ich gemerkt hätte, worauf das hiesige Geschehen basieren sollte. Selbst wenn dann am Anfang einer Sexszene mal die Leute Hasen- und Katzenköpfe tragen, was ja auch mal eine coole Idee wäre, wenn sie jene dann nicht immer nach einer halben Minute auch schon wieder abziehen würden.

Modern Alice

Die letzte Alice, an der ich Interesse habe, ist der TV-Zweiteiler aus 2009. Übrigens vom gleichen Regisseur, wie die 1999er-Version, wie ich gerade lese. Und eine der Original Productions des TV-Senders Syfy… was eigentlich eher abschrecken sollte, aber bekanntlich findet auch ein blindes Huhn mal ein Korn, nicht wahr?

Alice ist eine Judo-Lehrerin, ihr Vater verschwand, als sie 10 war und seither lebt sie mit der Mutter zusammen und hat ein Problem, feste Bindungen einzugehen. Umso größer ist die Sache, die am heutigen Abend ansteht: Ihr neuester Freund kommt vorbei, um der Mutter vorgestellt zu werden. Die Sache läuft auch gut, bis jener plötzlich eine SMS bekommt, in der nur „Renn“ steht. Ganz überstürzt gibt er Alice einen Ring und will sie unbedingt auch seiner Mutter vorstellen… was ihr dann natürlich doch etwas schnell geht. Und schwupps, schon ist er aus dem Haus und die ihm folgende Alice sieht nur noch, wie er in einen Van gezogen und entführt wird.

Mehr Probleme bahnen sich an, als ein in Weiß gekleideter Mann von ihr den Ring haben will und dann durch einen Spiegel verschwindet. Alice, die sich nicht einfach so ihren Freund entführen lässt, folgt ihm natürlich auf dem Fuße. Sie landet im Wunderland, das sich allerdings stark verändert hat in den 150 Jahren, seit die erste Alice es besuchte. Es ist ein ziemlich runtergekommener Ort geworden, der von der Herzkönigin regiert wird. Jene lässt „Austern“, Menschen aus Alices Welt, entführen und sie dann ihre Emotionen entziehen, die von der Wunderland-Bevölkerung wie Drogen konsumiert werden und sie so zu willenlosen Untertanen machen, die sich der Herzregierung nicht in den Weg stellen. Natürlich gibt es auch eine Untergrund-Gegenbewegung und einen Vertreter davon wird Alice schon bald in Form des Hutmachers treffen.

Jepp Alice (2009) ist eine fröhlich von der Leber weg inspirierte Neuinterpretation des Stoffes. Ein heruntergekommenes, kaputtes Wunderland, nicht so düster wie in Alice (1988) oder Alice in Wonderland (2010), da das märchenhafte, die Magie jenem hier komplett abgeht. Es ist… apokalyptischer? Schwer zu beschreiben, jedoch ist dieses Wunderland optisch wesentlich stärker in der Realität behaftet, sind alle Bewohner diesmal Menschen.

Die Anspielungen auf das Original sind natürlich reichlich. Mehrmals wird erwähnt, dass vor 150 Jahren bereits eine Alice das Wunderland besuchte (was ziemlich genau mit der Buchveröffentlichung einher geht). Alices Freund bringt ihr zum Date einen Strauß weißer Rosen mit einer roten darinnen mit. Alice trägt ein blaues Kleid. Nachdem sie, frisch im Wunderland angekommen, unfreiwillig baden gegangen ist und wieder an Land kommt, sieht sie zunächst eine tote Maus in einer Falle. Der Mann in Weiß, dem Alice gefolgt ist, hat seine langen weißen Haare zu zwei Zöpfen zusammen, a la Hasenohren. An allen Ecken und Enden kann man jene Hinweise auf den Originalstoff entdecken, mal mehr mal weniger geschickt eingestreut, jedoch allgegenwärtig.

Das macht dann auch viel vom Interesse des Zweiteilers aus, einfach sehen, was man sich einfallen lassen hat, wie das gute alte Wunderland doch in dieses moderne, SciFi-esque Wunderland umgebaut wurde. Und der Trip an sich ist glücklicherweise auch alles andere als unspannend geraten, sondern hält doch ganz gut bei Stande. Ihm ist dadurch geholfen, dass die Reise hier etwas weniger Episodenhaft wirkt, hier ist mehr Stringenz hinter den Ereignissen und immer ein roter Faden da, warum Alice überhaupt jetzt tut, was sie tut. Sie ist halt kein kleines Mädel, das vor Langeweile einschläft und schräges Zeug träumt. Auch wenn sie schon ganz schön viel durch macht, nur um ihren Freund wiederzubekommen, zu dessen Ringübergabe zu Beginn sie noch stark abgeblockt hat, weil ihr das doch zu schnell ging.

Alles ist allerdings nicht rosig im hiesigen Alice. Das Design ist grundsätzlich ganz schnieke anzusehen, irgendwo zwischen poppige 60iger und futuristischer Vision, Mit Schirm, Charme und Melone trifft Inception sozusagen – aber man sieht halt doch stark, dass das Budget nicht pralle war. An der Imagination scheiterts also nicht, sondern am schnöden Mammon… etwas. Außerdem fand ich den zweiten Teil gegenüber dem rasant-packenden ersten etwas schwächer. Er beginnt etwas Ziellos und so wirklich richtig in einem großen Klimax alles zu einem feinen Ende zusammen gebunden wird auch nicht, stattdessen kommt jenes etwas überstürzt und unspektakulär. Als hätte man nicht gewusst, wie man all das jetzt zu einem runden Ganzen bekommt und stattdessen den einfachsten Weg raus genommen. So endete der eigentlich echt interessante Trip etwas unbefriedigend.

Dark Alice

Es gab natürlich schon düstere Alices, bevor McGee meinte, überall großzügig Blut drauf schmieren zu müssen. Ich mein, um mitzubekommen, dass die Geschichte ja schon irgendwie recht dement ist, muss man nicht gerade Raketenwissenschaften studiert haben. Die Tschechen beispielsweise bereits in ihrem 1988er Something from Alice, bzw. dann im US-Release lediglich Alice genannt.

Auch hier haben wir natürlich ein glangweiltes, kleines Mädchen mit Namen Alice, das einschläft, nur um ein ausgestopftes Kaninchen zum Leben erwachen zu sehen und ihm zu folgen. Wir treffen auf Flüssigkeiten, die sie schrumpfen; Plätzchen, die sie vergrößern; sie steckt in einem Haus fest; hat eine Teeparty mit dem verrückten Hutmacher und spielt Cricket mit der Herzkönigin, die sie anschließend vor Gericht zerrt, was dann doch genug Unsinn und Wahnsinn für Alice ist, um wieder aufzuwachen.

Alice hält sich also tatsächlich recht genau am Buch, ist dabei nur kompromisslos düster, nicht mal unbedingt so extrem bemüht wie McGees Spiele, sondern wesentlich organischer. Die Sets stehen beispielsweise alle in runtergekommenen Fluren und Zimmern eines Hauses, sind zusammengesetzt aus Bauklötzen und Schrott. Sprich alles ist dreckig und rostig und abgegriffen. Als hätte Silent Hill das Wunderland verschluckt. Die Kreaturen, die es bevölkern bestehen zum Großteil aus ausgestopften Tieren, denen das Sägemehl aus den Ritzen läuft; aus Tierskeletten oder eine Mischung von beidem. Manchmal sicherlich auch eine Holzfigur oder eine Spielkarte, aber alles gewohnt verschlissen und alt. Zum Leben erweckt werden sie mit Stop Motion, wodurch die damit einhergehenden abgehackten Bewegungsabläufe die Viecher nur noch creepier erscheinen lassen. Geräusche sind häufig sehr laut, gesprochen wird eher wenig.

Das führt zu einem echt interessant anzusehendem und atmosphärischen Erlebnis. Ich würd noch nicht mal direkt sagen eine Alice nicht für Kinder, auch wenn es für jene sicherlich sehr unheimlich ist. Aber eben schon eine sehr runtergekommen-düstere Ostblock-Alice.

Early Alice

Wie bereits erwähnt, wird Alice in Wonderland gern adaptiert. Wikipedia allein zählt gut zwei Dutzend Versionen, was nur relativ getreue Nacherzählungen nicht sehr entfernte Inspirationsquellen beinhaltet und voraussetzt, dass Wikipedia vollständig und fehlerfrei ist, was man nicht unbedingt immer voraussetzen sollte. Die früheste Verfilmung ist dabei ein britischer Stummfilm von 1903, da war das Buch schon fast 40 Jahre alt.

Wie viele sehr alte Stummfilme ist er zum einen sehr kurz, zum anderen auch nur noch in sehr schlechtem Zustand vorgefunden worden. Es gibt eine restaurierte Fassung, aber auch jene hat viele Bildfehler und gilt – wie so häufig – als unvollständig. Laufzeit sind gerade mal 8 Minuten und es ist erstaunlich viel drin verbaut. So folgt Alice dem weißen Kaninchen nach Wunderland und hat die „iss mich/trink mich“-Episode, um durch die Tür zu kommen. Sie trifft einen Hund in einem Garten und wird im Kaninchenhaus wieder zu groß. Sie trifft die Baronin, deren Kind sich in ein Schwein verwandelt und hat die Teeparty mit dem verrückten Hutmacher, zu der sie von der Grinsekatze geleitet wurde. Und natürlich endet auch diese Version mit der Auseinandersetzung mit der Herzkönigin, die sie erwachen lässt.

Heh, es ist immer interessant, Stummfilme zu schauen, die so übertrieben gestikulieren, weil man ja alles über die Gestik ausdrücken muss, was man nicht sagen kann. Natürlich helfen die Texteinblendungen, wobei die hier hauptsächlich nur das sagen, was in der Folgeszene eh zu sehen ist, nicht wirklich viel mehr Info einspeisen und deswegen etwas unnötig wirken. Nett waren auch die Primitiveffekte, wobei die Szenen mit der Grinsekatze doch etwas arg seltsam war.

Gern hätte ich auch die 1910er-Version gesehen, ebenfalls nur 10 Minuten lang (nicht ungewöhnlich im so frühen Film), doch jene scheint nicht wirklich erhältlich zu sein, vielleicht sogar ganz verschollen. Bereits ab der Verfilmung von 1915 waren die Alices dann Feature Length, also mindestens eine knappe Stunde lang, und ab 1931 dann auch in Ton.

Der 1915er-Film ist irgendwie… ein wenig langweilig. Komischerweise hat er trotz 50 Minuten wenig mehr Stationen zu bieten, als der 1903er. Es gibt noch eine Szene auf einer Tierversammlung, eine mit dem Griffon und dem Walrus, eine zur Gerichtsverhandlung am Ende. Dafür fehlt aber beispielsweise die Teeparty, die absolute Alice-Szene neben dem Cricket-Spiel schlechthin! Wer weiß, vielleicht ist die Szene auch einfach nur verschollen? Bei so alten Filmen kommt es ja häufig vor, dass Teile wenn nicht ganze Filme verloren gegangen sind. Würde auch erklären, warum so viele Szenen so abrupt enden und irgendwo die Übergänge fehlen. Ich mein, die Stationen in der Geschichte waren schon immer sehr random und bauten wenig bis gar nicht aufeinander auf, doch hier ist’s echt extrem.

Die Kostüme sind hier ganz nett anzusehen, dafür ist der Rest überraschend bieder. Es gibt nicht mal die „iss mich/trink mich“-Sache mit der Größenänderung, ein Effekt, den die 1903er-Version beispielsweise drin hatte. Die Texteinblendungen sind dafür hier besser, bieten sie doch auch endlich ein paar der Gespräche im spritzigen Buch-Wortlaut, statt nur schnöde „seh ich eh gleich“-Exposition.

So viel also zur stummen Alice, alle der vielen Filme werde ich mir natürlich nicht antun, aber ein oder zwei andere Versionen haben doch mein Interesse geweckt, es wird also demnächst noch mal was zu ihr geben.

Alice in Wonderland

Alice im Wunderland von Lewis Carroll ist ein beliebter Adaptionsstoff und Inspirationsquelle. Der Disney-Animationsfilm ist mancherorts vielleicht bekannter als das Buch selbst, Tim Burtons düsteres Effektfeuerwerk genau am Emo-Nerv der Zeit und genauso natürlich die beiden Spiele von American McGee, gerade beim Publikum, dass Märchen düster und Alices Abenteuer dement darzustellen ja so edgy und originell findet.

Es gibt natürlich noch mehr Alices, eine davon eine amerikanisch-britische Co-Produktion fürs Fernsehen von 1999. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, sie sehen zu wollen, als sie dann damals hier ausgestrahlt wurde, bin mir aber nicht sicher, ob ich es wirklich je getan habe. Spätestens jetzt halt, gell? Kennt eigentlich noch jemand das Anime aus den 80ern, das eine Zeit lang im deutschen Fernsehen lief? Oder seit ihr da alle zu jung für? ;P

Die hiesige Alice (hier mal in gelbem Kleid statt im gern wie Disney gehaltenen Blau [oder wahlweise Goth-Loli-Outfit]) soll vor geladenen Gästen singen. Sie singt durchaus gern, aber ist zu schüchtern, jenes wirklich auch gern vor Publikum zu tun. Zumal sie vor Aufregung dann auch immer den Text vergisst und durcheinander wirft. Also versteckt sie sich im Garten und flüchtet vor der Aufführungs-Realität ins Wunderland.

Und dort trifft sie dann halt auf die verschiedenen, schrägen Figuren. Von einem Streit zwischen den Tweedle-Brüdern, zur Baronin mit ihrem schreienden Kind, dem Spiel und Gerichtsverhandlung mit der Herzkönigin, der Teeparty, sprechenden Blumen, grinsenden Katzen, Austern essenden Wahlrössern usw. usf. Jeder sollte ja wissen, was in Alice so passiert, irgendeine Version wird man ja in seinem Leben mal mitbekommen haben.

Wie so viele Verfilmungen bedient sich Alice im Wunderland übrigens nicht nur bei Alice im Wunderland, sondern streut auch Alice hinter den Spiegeln, den Nachfolger, ein. Da ich die Bücher nie gelesen habe, wüsste ich natürlich nicht genau was woher kommt aber ich hab so ein Gefühl, dass die 1999er-Version dies relativ aufteilt. Zumindest ist der Stil der Ereignisse auf die zweite Stunde, nach dem Cricket-Spiel etwas anders, gegenüber der ersten Stunde. Etwas weniger schrill und bunt, etwas düsterer sogesehen.

Da wären wir auch schon beim kleinen und einzigen Problem des Filmes: Er ist zu lang. Das Teil geht 2 Stunden 10 Minuten, fühlt sich an wie 3. So witzig und abwechslungsreich, wie die einzelnen Stationen sind; so viel Schneid, wie die Dialoge haben; so symphatisch, wie die Charaktere sind; ich glaub die Geschichte eignet sich einfach nicht als so langer Film. Dafür sind Alices Abenteuer einfach zu episodisch, zu random, zu fragmentiert, herrscht zu wenig Zusammenhang, fehlt der rote Faden (die immer wieder leicht aufgebrachte Lampenfieber-Überwindung ist hier nicht stark genug ausgeprägt, um als solcher zu dienen). Alice stolpert halt von einer komplett unabhängigen, schrägen Situation in die nächste. Das ist ideal für eine Serie von Halbstündern und funktioniert auch als kürzerer Film noch, wird auf die Dauer von 2 Stunden aber leicht ermüdend. Hier wäre es vielleicht besser gewesen, die Angelegenheit in 2 separate Filme von je einer Stunde zu splitten, gerade weil es sich mit dem leichten Stilbruch nach knapp der Hälfte auch anbietet.

Ansonsten gibt es wenig zu meckern am Großprojekt, das 20 Millionen sich hat kosten lassen. Den Effekten sieht man dank der Tatsache, dass viel auf traditionelle Sachen wie Animatroniks und Green Screens und wenig auf CG gesetzt wird, die TV-Produktion und 13 Jahre weniger an, als man erwarten würde und das Staraufgebot geht sicher, dass die Sache auch launig gespielt ist. So haben wir beispielsweise Whoopie Goldberg als Grinsekatze, Martin Short als Hutmacher, Gene Wilder als Suppenschildkröte, Christopher Lloyd als Weißer Ritter oder Ben Kingsley als Raupe.

Disney Sunday – Alice in Wonderland

Die kleine Alice ist echt gelangweilt davon, dass ihre große Schwester ihr ständig langweiligen Kram beibringen will, der aus Büchern kommt, die noch nicht mal Bilder haben! Logik ist eh scheiße, da braucht man ja sein Hirn für, in ihrer Traumwelt wäre alles nur Nonsens. Ist eh viel spannender. Und dann gerät Alice in jene Welt, voller zu spät kommender Kaninchen, rauchender Raupen, singender Blumen, kolerischen Königinnen und trickreichem Gebäck. Und muss ziemlich schnell feststellen, wie anstrengend sowas doch zu ertragen ist und das es daheim vielleicht doch nicht arg so schlimm war.

Was ist Alice in Wonderland ein Spaß! Die Geschichte ist letztendlich nicht umsonst so beliebt, denn die Abenteuer des Mädchens durch das Kaleidoskop an schrägen Charakteren und Begebenheiten hält gut bei Laune, selbst wenn man nicht alles auf Goth-Loli trimmt, um sich beliebt zu machen. Denn das Geschehen ist so oder so verrückt und irgendwie leicht dement, da muss nicht ein McGee überall Blut drüber schmieren, das ist durchaus auch hier schon zu merken. Macht einfach Laune zu sehen, was jetzt als nächstes kommen wird und die jeweiligen Episoden sind zudem schön kurzweilig, die Geschichte hängt sich nie lang an einer Stelle auf, ist immer in Bewegung. Mit „Painting the roses red“ liefert es zudem auch noch den Ohrwurm schlechthin ab. Verdammt gut durchanimiert für 1951 ist er dann noch obendrauf, besonders was Alice an sich und die vielen kleinen Bewegungen, die sie bei allem macht, angeht. Und eine Moral für die Kinners gibt es auch: Abenteuer sind spannend, aber zu viel Abenteuersinn und Naivität können einen auch schnell in Schwierigkeiten bringen.