Ace Attorney: Spirits of Justice

Ich habe gelogen, als ich behauptete, dass Crimson Shroud und Aero Porter die einzig zwei verbliebenen meiner 3DS-Spiele sind. Als ich früher in diesem Jahr das zweite Investigations/Gyakuten Kenji gespielt habe, fiel mir nämlich wieder ein, dass ich mir das sechste Ace Attorney als einziges bisher nie geholt hatte. Und dann habe ich das mal nachgeholt, auch wenn mein Herz hauptsächlich in der ersten Trilogie steckt.

Diesmal gibt es keinen neuen Hauptcharakter auf der Anwaltsbank, dafür aber weiterhin alle drei aus dem vorigen: Phoenix Wright aus der ersten Trilogie, Apollo Justice aus dem vierten Part, und Athena Cykes aus dem fünten, die sich schon da das Rampenlicht mit den anderen beiden teilen musste. Und auch hier wieder etwas kurz kommt. Genau genommen ist diesmal übrigens Apollo mehr Hauptcharakter als Phoenix. So sehr, dass ich Spirits of Justice fast sowas wie das Ende seiner Trilogie nennen könnte. Es wäre echt interssant gewesen, wie genau der fünfte und sechste Teil ausgesehen hätte, wenn Phoenix tatsächlich nach dem vierten den Stab weitergereicht hätte. Wenn es wirklich mit der neuen Charakterriege weitergegangen wäre. Statt die alten weiterhin einzubinden, weil die bei Fans besser angekommen sind.

Diesmal dreht sich die Handlung stark um das Königreich Khura’in, welches von Nepal und Tibet inspiriert ist. Hier kann die Königsfamilie nicht nur die gleiche Geisterbeschwörung wie Maya machen, sondern auch deren letzten Momente vor ihrem Tod visualisieren. Was dazu führt, dass dies als das Hauptbeweismittel dient, um einen Angeklagten zu überführen. Besonders nachdem ein Verteidiger und mittlerweile Rebellenanführer die vorigen Königin angeblich umgebracht hat. Weswegen neue Regeln herrschen: Wer jemandem verteidigt, der des Mordes überführt wird, bekommt ebenfalls die Todesstrafe. Deswegen gibt es im Königreich keine Verteidiger mehr, nur noch Ankläger.

Phoenix weiß davon nichts, wenn er im ersten Fall, The Foreign Turnabout, eigentlich nur im Land ist, um Maya zu treffen, die hier ihre spirituellen Kräfte trainiert hat. Sein landesansässiger Guide, der keine Alibi für den Moment hat, als ein Landesschatz gestohlen und dessen Wache tot aufgefunden wurde, passenderweise Ahlbi Ur’gaid genannt, wird angeklagt. Und Phoenix, wie er nun mal so ist, denkt nicht lang nach, und will ihn verteidigen. Phoenix ist halt der Typ, der in einem fremden Land einfach den Gerichtssaal stürmt, um sich einzumischen, und erwartet, alles läuft wie gewohnt ab. Immerhin kennt er das Ankläger-Gesicht bereits, denn es ist der altbekannte Payne. Der ist nämlich genau der Typ, der nach seinen Niederlagen in Japan, in einem Land Ankläger werden würde, in dem es keine Oppossition gibt.

Natürlich geht es im ersten Fall mal wieder sehr nach Tutorial ab. Schnell abhandeln und alle alten wie neuen Spielemechaniken behandeln. Neu sind halt die Zeremonien, welche die letzte Erinnerung des Verstorbenen zeigen. Die werden wie Filme abgespielt und dort pausiert, wo ein wörtlich dargestellter Sinneseindruck mit der Szeneninterpretation nicht übereinstimmt. Und ehrlich gesagt finde ich die Ace Attorneys mittlerweile echt arg überladen. Phoenix, Apollo und Athena kommen jeweils mit ihrem eigenen Gimmick wie Gefühlstherapie oder Gedankenblocks daher, und jetzt noch das obendrauf. Ich wünsche mir die Zeit zurück, wo man einfach Zeugenaussagen mit Beweisen wiederlegen musste, und nicht in jedem Fall ein neues Minispiel mit eingebaut gehörte.

Für The Magical Turnabout gehen wir zurück nach Japan, denn Trucy steht auf der Anklagebank während ihrer Magieshow einen anderen Zauberer ermordet zu haben. Alles schön auf Kamera aufgenommen und im Fernsehen ausgestrahlt. Apollo muss sie verteidigen. Und das gegen den Ankläger Nahyuta, der aus Khura’in hier angekommen ist, und für den Rest des Spieles den Wiedersacher geben wird. Und eine Vergangenheit mit Apollo hat.

In The Rite of Turnabout sind wir zurück bei Phoenix, der nun endlich Maya treffen darf, die sich für das Abschlussritual vorbereitet hat, nach dem es zurück nach Japan geht. Und natürlich prompt auf der Anklagebank landet und von Phoenix verteidigt werden muss. Auch Emma Skye ist zurück. Hier wird viel auf die Rebellion, die gegen das Königshaus gerichtet ist, eingegangen. Und das die besonders gegen die strickte Gerichtsführung und das Fehlen von Verteidigern sind, die die keine fairen Prozesse zulassen.

Bei Trunabout Storyteller gehen wir noch mal zurück nach Japan und diesmal darf Athena den Verteidiger spielen. Bekommt dabei aber Hilfe ihres ehemaligen Antagonisten Simon, dem Ankläger des vorigen Spieles. Scheinbar trauen die Schreiber ihr nicht zu, alleine durch einen Fall zu kommen, denn wie häufig er ihr aushelfen oder Mut zusprechen muss, ist echt etwas nervtötend. Ihr Fall besteht auch als einziger nicht aus einem Teil Spurensuche und einem im Gericht, sondern nur dem Gerichts-Part. Was ihn noch mehr halbherzig eingeschoben wirkt, damit sie was zu tun bekommen hat.

Mit Turnabout Revolution geht es ins Finale und zurück nach Khura’in. Zumindest in der zweiten Hälfte. Apollo ist wieder Verteidiger, hat hilfe von Athena und nun auch noch Miles Edgeworth. Muss gegen den Ankläger Phoenix Wright antreten. Jepp, die beiden liefern sich einen Kampf vor Gericht und das ist eigentlich echt ziemlich cool. Angeklagt ist Rebellenanführer Dhurke, der Vater von Nahyuta und Adoptivvater von Apollo. Dun dun dun! Dies bringt alles zu einem runden Abschluss. Die Gerichtbarkeit von Khura’in und deren Fehler. Das Ereignis von vor vielen Jahren, welches die Rebellionsbewegung begründete. Und Apollos Familienangehörigkeit, über die wir in vorigen Spielen nie viel erfahren haben. Deswegen auch so ein wenig das Ende seiner Geschichte und somit schon Quasi-Trilogie.

Eine Sache, die mir bei den beiden Spielen auffiehl, die ich diesjahr gezockt habe, ist die Textgeschwindigkeit. Irgendwie finde ich es bei der Franchise ja schon cool, dass der immer im Autoscrolling ist, um Sprache zu emulieren und weil es zum Comedic Timing und der Charakterisierung passt. Dümmliche Charakter sprechen langsam. Plötzliche Wutanfälle sprudeln schnell aus ihnen heraus. Pointen tauchen eben mit Timing auf. Allerdings ist mir die Standard-Geschwindigkeit doch häufig etwas sehr langsam, da ich ein schneller Leser bin.

Charmant sind aber auf jeden Fall die dämlichen Namen, die ja zum Standard in der Franchise gehören. Der Tourguide ohne Alibi heißt wie erwähnt Ahlbi Ur’gaid. Der Tempelwärter, der beim Patrollieren des Geländes ermordet wurde ist Pat Rhol genannt. Es ist einfach so herrlich bescheuert.

Es ist auch schön, dass in diesem Eintrag es endlich mal Sinn macht, dass jeder den Verteidigern Steine in den Weg legt und jedes Wort misstraut. Immerhin haben die seit der Ermordung der Königin einen schlechten Ruf, was von der Porpaganda der letzten Jahre nur verstärkt wurde. Ich weiß, auch in den vorigen Teilen war das Gerichtssystem in Japan so ausgelegt, dass der Verteidiger immer die schlechtere Position hatte. Aber manchmal war das ihnen gegenübergebrachte Misstrauen und offensichtliche Gegenspielerei doch unglaubwürdig, besonders von Charakteren, die laut Persönlichkeit eigentlich auf die Wahrheit aus waren, statt einem Anwalt das Leben schwermachen zu müssen. Hier macht das total Sinn natürlich. Nicht so realistisch vielleicht, dass im letzten Fall einfach mal so selbst die Königin angegangen werden kann, die in ihrer diktatorischen Staatstruktur die Gesetze zu ihren Gunsten umzuschreiben weiß. Das ist eigentlich keine Situation, in der die Verteidigung gewinnen können sollte. Aber natürlich geht alles gut aus.

Was haben wir sonst noch? Ach ja so meine generelle Serienkritik der letzten Teile steht immer noch. Ich mag es immer noch nicht, dass dadurch, dass die Fälle immer verrücktere und abwegigere Wendungen nehmen, einen Charaktere direkt auf Lösungen stoßen müssen, weil sonst keine Sau drauf käme. Oder das mehrmals quasi der Fall verloren wird, damit ein anderer Charakter den aktuellen Verteidiger in letzte Sekunde dramatisch retten kann. Zu viel geredet wird sowieso. Aber all das ist in Spirits of Justice zumindest nicht so schlimm wie in Gyakuten Kenji 2.

Also ist das sechste Ace Attorney ungefähr gleich auf mit den beiden Vorgängern. Es wird nie die geile erste Trilogie an Qualität erreicht. Aber es ist schon eine gute und meistens quirlig-charmante Unterhaltung.

Ace Attorney Investigations: Gyakuten Kenji 2

Als ich mich 2015 erneut duch die Ace-Attorney-Reihe gespielt habe, oder zumindest die damaligen fünf Hauptteile, war der Plan eigentlich, nach einer Pause auch die Investigations nachzuwerfen. Immerhin besitze ich den ersten Teil und der zweite ist über eine Fantranslation seit Jahren spielbar. So ganz wurde daraus dann nie was. Doch ein wenig angefixt war ich kürzlich schon wieder. Das erste Investigations habe ich ehrlich gesagt nicht in bester Erinnerung, und deswegen nun gleich zum mir neuen zweiten Teil gegriffen.

Irgendwie ist es schon schön zurück zu sein mit all den bekannten Gesichtern. Miles Edgeworth, Dick Gumshoe, der Richter, und viele der erneut auftauchenden Nebencharaktere früherer Spiele. Mit ihren übergroßen Persönlichkeiten und schrägen Sprite-Animationen. Das Hightlight immer, wenn man jemanden zum ersten Mal aus der Fassung bringt, und deren Art und Aussehen sich komplett ändert. Aber auch durchaus subtiler verwendet. Ein großer Punkt in Miles Edgeworth 2 sind z.B. Väter, darunter auch Miles Beziehung zu dessen früh verstorbenen. Und ob Miles den Weg des Staatsanwalts auf der Anklageseite aufgibt und verspätet seinem Vater auf dem des Verteidigers folgen wurd. Durch die Flasbacks zu seinem leiblichen Vater aber dann auch später väterlichem Vorbild von Karma, sieht man beispielsweise sehr schön, dass der aktuelle Miles Manerismen von beiden übernommen hat.

Der erste Fall Turnabout Target ist dabei wie so häufig hauptsächlich als kürzeres Tutorial gedacht. Ein Bodyguard kommt beim Attentat auf einen ausländischen Präsidenten ums Leben und wir klären die Verschwörung dahinter auf. The Imprisoned Turnabout dreht sich nun darum, dass derjenige, den wir im vorigen Fall ins Gefängnis gebracht haben, dort umgebracht wurde. Der Fall ist wesentlich länger, komplexer, und hat eine fast zu hohe Zahl an Charakteren aufzufahren. Darunter auch das Prosecutor Committee, welches sich Miles Aufklärungsarbeit in den Weg stellt und wiederholt versuchen wird, ihn seines Amtes zu entheben. Sowie Raymond Shields, ein alter Freund von Miles Vater, der dessen Kanzlei übernommen hat.

Das führt uns zu The Inherited Turnabout, in dem mal Miles Vater bei einem Mordfall während eines Confiserie-Wettbewerbs gespielt wird, und dann wieder 18 Jahre später Miles, der den Fall wieder aufrollen muss, immer begleited von Raymond. The Forgotten Turnabout bringt dann Miles Sidekick Kay Faraday auf die Anklagebank und beschäftig sich stark mit dem falschen Spiel des Commitees. Um dann im Grand Turnabout alles zusammenzuführen. Charaktere und lose Enden aus allen vorigen Fällen kommen erneut auf den Tisch, ein 12 Jahre alter Fall wird eingewoben, Miles findet seinen Weg im Leben. Alles in ein nettes Päckchen verschnürt.

Leider muss ich sagen, dass Miles Edgeworth 2 so ziemlich jedes Problem hat, welches sich in der Reihe über die Jahre anhäufte. Maßgeblich das ganze Geschwafel und die Überlänge der Fälle. Klar ist das hier ein Adventure Game/Visual Novel. Die bestehen nun Mal zum Großteil aus Text. Aber in den neueren Teilen finde ich die einzelnen Fälle einfach zu lang und ermüdend. In der Original-Trilogie waren die doch genauso spannend, spaßig, wendungsreich und ausgeklügelt, haben das aber in einer wesentlich angenehmeren Zeit geschafft. Ich habe bei den neueren Teilen eher häufig das Gefühl, dass leere Luft getreten wird und mehr Text keinen Mehrwert bringt.

Hilft natürlich nicht, dass der Text in den Spielen autoscrollt, was dem (comedic) Timing zwar sehr hilft, oft aber für schnelle Leser wie mich auch etwas anstrengend langsam sein kann. Außerdem ist das hier ein Paradebeispiel für alle Fehler, die man besonders japanischem Storytelling gern vorwirft. Das Spiel ist voller Flashbacks, was sicherlich Sinn auf Ereignisse voriger Spiele oder Fälle macht, aber häufig tatsächlich auch einfach Szenen wiederholt, die man wahrhaftig vor zehn Minuten erst erlebt hat. Permanent weisen einen Charaktere mit der Nase auf die Probleme und mögliche Lösungen, statt nur vage Hints zu geben. Teilweise hinten sie zunächst sogar nur, um dann zwei Sätze später dann doch noch direkter zu werden. Das Ende des Spieles ist hier besonders schlimm übrigens. Was die übergeordnetten Themen des Spieles sind, allen voran Väter und den eigenen Weg zu finden, ist eigentlich mehr als klar. Aber scheinbar traut einem Miles Edgeworth 2 nicht zu, dies selbst zu merken, sondern hat im fast endlos erscheinenden Epilog jeden Charakter noch mal seinen Senf dazuzugeben, um gefühlt zehn Mal genau zu deklarieren, worum es ging. Wieder und wieder. Das Spiel kann einfach nicht zu reden aufhören.

Es gibt reichlich unnatürlich klingenden Phrasen wie „Ach das von DAMALS“, „Jetzt muss ich DAS Ding wohl einsetzen“ etc. Da haben sich die Spiele wohl selbst etwas ins Bein geschossen. Denn durch die immer haarsträubender werdenden Lösungen kann wohl nicht mehr drauf gesetzt werden, dass ein Spieler sie ohne dieses Draufstoßen auch noch findet. Sowieso hat das Spiel eine Unart, mehrmals pro Fall alles wie verloren aussehen zu lassen, bis dann ein Charakter eingreift und das Ding noch mal umdreht, was aus spielerischer Sicht ebenfalls etwas unbefriedigend ist. Man kommt sich halt so vor, als würde man selbst die Fälle nicht lösen (dürfen), sondern ständig gerettet oder mit dem Zaunpfahl auf Lösungen hingewieswen zu werden.

All das ist halt einfach wirklich schade. Weil man so gerne die verzwicketen Fälle und interessanten Charaktere voll und ganz auf sich wirken und mit dem Spiel Spaß haben wollen würde. Pacing und Script wollen das aber einfach nicht zulassen, sondern nerven stattdessen immer wieder.

Ace Attorney Week – Dual Destinies

ava-1755Es dauerte eine Weile bis Gyakuten Saiban 5 auftauchte, Capcom stattdessen die DS-Trilogie mit den zwei Miles Edgeworth Spinoffs auffüllte. Das mag daran gelegen haben, dass Serienerschaffer Shu Takumi sich lieber Ghost Trick zuwandte, letztendlich nicht mal für den fünften offiziellen Teil verfügbar war, weil er beim Spinoff Professor Layton vs. Ace Attorney eingebunden war. Aber vielleicht auch weil, obwohl der vierte Teil finanziell und von den Kritik ein Erfolg war, die neuen Charaktere eben doch nicht so beliebt bei den Fans waren – würde erklären warum wir wieder bei Ace Attorney Phoenix Wright: Dual Destinies sind, nicht Apollo Justice 2, und man die ursprünglich bei den Ace Attorney Investigations angedachte Protagonistin Ema Skye lieber mit Favoriten Miles Edgeworth austauschte.

Turnabout Countdown startet dann auch gleich spektakulär mit… holy shit, sind das Anime-Cutscenes, und butterweich durchanimierte 3D-Modelle und Kamerschwenks in den Locations, und was zur Hölle ist mit der Stimme von Phoenix… ok, noch mal. Der erste Fall startet direkt spektakulär damit, dass im Gerichtssaal eine Bombe explodiert, Apollo Justice außer Gefecht setzt. Da muss also schnell eine Vertretung her, und das ist natürlich… der neue weibliche Sidekick Athena Cykes. Aber nein, natürlich ist auch die dem Tutorial-Ankläger Payne nicht gewachsen, und so taucht Phoenix Wright wieder in seinem blauen Anzug auf, um zu beweisen, wer wirklich die Bombe detoniert hat und vor allem warum. Athena bringt jedoch mit sich das neue Gimmick a la Psyche-Locks und Perceive System, diesmal Mood Matrix genannt und im Prinzip ein glorifizierter Stimmungsring, denn Athena kann auslesen, wann die Gefühle eines Zeugens nicht mit der Aussage kongruent laufen, um dort eine Angriffsfläche in der Aussage zu wittern (Apollos Armband und Phoenix Magatama kommen allerdings weiterhin zum Einsatz).

The Monstrous Turnabout springt dann zeitlich etwas zurück und zeigt uns den ersten Fall, den Apollo mit der frisch dazu gestoßenen Athena hatte. Und zwar geht es um Yokai, bzw. die beiden verfeindeten Orte in einem Tal, welches von jenen Sagengestalten geprägt ist… und dem Wrestling! Außerdem führt der erste „richtige“ Fall des Spieles natürlich weitere Hauptfiguren ein, nämlich den übereifrigen und einfältigen Detective Fulbright, so wie den Staatsanwalt des hiesigen Teiles: Der monochrome und höflich-altmodisch daher redende Blackquill, der selbst wegen Mordes überführt ist, und einen trainierten Falken mit in den Gerichtssaal bringt. Also erneut rundum eine coole Sau.

In Turnabout Academy übernehmen wir nun die Rolle von der Dritten im Verteidiger-Bunde, die forsche Athena Cykes. Die will nämlich ihre Kindheitsfreundin Juniper von der Anklage des Mordes an ihrer Professorin befreien, die genau nach Junipers Script für eine Show-Verhandlung gemeuchelt wurde. Interessant ist, dass es der erste Fall ist, der uns nicht direkt im Opening zeigt, wer der wahre Mörder ist, man es sich aber 5 Sekunden, nachdem er zum ersten Mal den Bildschirm betritt, denken kann, wer es war. Außerdem spielen hier stark zwei Themen des Spieles rein: Eine unter Spannung geratene Freundschaft, sowie die „Dunkle Zeit des Gesetzes“, in der es scheinbar nicht mehr um Wahrheit geht, sondern das Ziel die Mittel heiligt (eine Sache, die auch der fünfte Fall des ersten Spieles angedacht hatte, sowie Apollo Justice weitestgehend sich um gefälschte Beweise drehte). Cameo von Klavier Gavin!

Die beiden vorigen Fälle fanden übrigens beide noch vor dem ersten des Spieles statt. So auch The Cosmic Turnabout, bei dem wir Apollo steuern, der einen Astronauten verteidigt, der angeklagt wird, seinen Mitarbeiter und Apollos Freund umgebracht zu haben. Außerdem sind auch hier zwei Bomben hochgegangen. Und dann explodiert jene im Saal, die der Opener des Spieles war, und wir steuern für den Rest der Verhandlung Phoenix, nun nach dem Tutorial-Fall. Hier fällt nun auch, was das Spiel schon reichlich geteast hat: Apollo verlässt unbestimmt die Kanzlei, um auf eigene Faust zu ermitteln. Außerdem scheinen Athena und Blackwill erstaunlich involviert ins Geschehen zu sein. Und dann das Cliffhanger-Ende….

Welches uns in den letzten Fall führt, soweit man nicht den DLC erworben hat, Turnabout for Tomorrow. Eigentlich ist’s ja eher eine Verlängerung des Vorfalles, statt was komplett Neues. Jedenfalls kommt nun alles zusammen. Das Kindheitstrauma von Athena. Der Mordfall von vor 7 Jahren, bei dem Blackwill verurteilt wurde. Die Bombenattentate der letzten Tage. Und natürlich die „Dunkle Ära des Gesetzes“. Und da Apollo eigene Wege geht und niemand anderes als Athena auf der Anklagebank steht, übernehmen wir wieder Phoenix, dem zuerst Trucy zur Seite steht, dann Pearls(!) einen Cameo einlegt, und der zunächst auch gegen Edgeworth(!) sich beweisen muss.

Damit endet also auch das fünfte Ace Attorney. Und ich stehe so etwas da, wie nach dem vierten Teil. Ich fand es insgesamt schon recht gut und unterhaltsam, aber so der letzte Kick des ersten und dritten Teiles geht mir etwas ab. Weiß auch nicht genau was das ist, aber ganz so witzig ist es nicht, ganz so charmant, ganz so schräg unterhaltsam. Was mich allerdings definitiv etwas gestört hat, und was etwas geringer mir im Vorgänger schon stärker wie sonst auffiel, ist, wie nervig es doch wird, wenn die Spiele – hier recht häufig der Fall – ewig brauchen, um bei dem Punkt anzukommen, den man schon längst eindeutig raus hat, sowie dann auch noch fünf Mal einen mit der Nase rein stupsen von wegen „da gibt es doch DIE Sache“, „jetzt brauche ist DAS was DAMALS passiert ist“ etc.

Ace Attorney Week – Apollo Justice

ava-1754Turnabout Trump mag das übliche, kurze Tutorial gegen Winston Payne sein, doch hat es ziemlich viel unterzubringen, muss es uns doch zeigen, was alles in den Jahren seit Trials & Tribulations anders ist. Als frischer Verteidiger Apollo „Chords of Steel“ Justice müssen wir also den unter (natürlich) Mordanklage stehenden Phoenix Wright verteidigen, der vor 7 Jahren seinen Beruf an den Nagel gehängt hat. Stellt sich heraus sein Freund und Apollos Mentor, Kristoph Gavin, war es. Warum erfahren wir noch nicht.

Nach 3 GBA-Upgrades ist man beim ersten nativ für DS entwickelten Spiel natürlich auch reichlich zunächst davon abgelenkt, wie viel klarer doch alles aussieht. Besonders die Hintergründe sind nicht mehr so pixelig, aber auch die Charaktere, ebenso wenn es um mehr kleine Animationen für jene geht. Selbst die Soundausgabe klingt nun irgendwie glatter.

Turnabout Corner nun führt die zwei wichtigen neuen Charaktere ein: Apollos Sidekick, die schon im ersten Fall kurz erschienene Trucy Wright, Phoenix Wrights „Tochter“. Und Klavier Gavin, der Bruder von Kristoph, und hiesiger Ankläger mit Nebenberuf Rockstar, der mehr auf die Wahrheit denn einen Schuldspruch aus zu sein scheint. Übrigens sehen wir Ema Skye wieder, aus dem Bonus-Fall des ersten Teiles, die uns erneut den Einsatz von Touchscreen und Mikrophon für die Spurensuche beibringt. Sowie nun das neue Gimmick der Spieles richtig im Gerichtssaal zum Tragen kommt: Durch die Beobachtung der Körpersprache kann herausgefunden werden, wann ein Zeuge lügt. Dafür gibt es keine Psyche-Locks mehr.

Ach ja, der Fall an sich beginnt damit, dass Phoenix von jemanden über den Haufen gefahren wird, zeitgleich ein Nudelwagen und Trucys Unterwäsche gestohlen werden. Beim Versuch den Täter für die drei Taten zu finden, geraten wir natürlich wieder in einen Mordfall, bei dem wir den Sohn eines Yakuza-Bosses verteidigen müssen, der bereitwillig sich schuldig bekennen will.

In Turnabout Serenade sind Apollo und Trucy zu einem Konzert von Klaviers Band eingeladen, welches uns via schrecklich hässlichen CG-Movie präsentiert wird, das über den Fall hinweg zum Erbrechen in Auszügen wiederholt werden wird. Ganz überraschend findet ein Mord statt und Apollo findet sich als Verteidiger des ausländischen Pianisten wieder, der weder sehen kann noch der englischen Sprache mächtig ist, jedoch als Einziger von der Statur her aus dem Tatort hätte entfliehen können.

Das Gerichts-System in der Ace-Attorney-Franchise ist natürlich Fiktion, jedoch vom existenten japanischen geprägt. Beispielsweise hat Japan eine Überführungsrate von gut 99% – schon allein dadurch, dass die Anklage fast nur dann jemanden vor Gericht zerrt, wenn sie sich ihrer Beweislast sicher genug sind, dass sie ihn dran kriegen. Das erklärt natürlich, warum in den Spielen der Anklage so viel mehr Glaubhaftigkeit entgegengebracht wird, als dem armen Verteidiger Phoenix, und warum diese „Schuldig bis die Unschuld bewiesen ist“ Mentalität vorherrscht. Zwischen Trials & Tribulations und Apollo Justice nun gab es eine Neuerung im japanischen System: Die Existenz von Jurys.

Warum ich das erwähne? Das wird für den finalen Fall, Turnabout Succession, wichtig. In einem großen Fall führen hier alle losen Enden des Spieles zusammen. Was vor 7 Jahren geschehen ist, so dass Phoenix Wright seine Anwaltslizenz verlor. Was es mit dem Geheimnissen um die Magier-Truppe zu tun hat, der Trucy abstammt. Was die Gavins damit zu tun haben. Wo die besondere Fähigkeit Apollos her kommt, die Körpersprache der Menschen so auslesen zu können.

Aber auch, was Phoenix die letzte Zeit über so geplant hat, worauf er immer wieder mysteriös hingewiesen hat: Das MASON-System. Eben weil es mittlerweile als unvertretbar gilt, dass die Verteidigung eindeutige Beweise auftischen muss, um jemanden für unschuldig zu erklären, statt umgedreht, und sollten sie fehlen, selbst bei die höchste Unschuldswahrscheinlichkeit ob Indizien und Zeugenaussagen nicht reicht, wird nun eine unabhängige Jury ausgelost, die dem Fall beiwohnt, und am Ende anonym über Schuld und Unschuld abstimmt.

Alles ganz meta, in dem der Spieler selbst zu einem Jury-Mitglied wird, dem in der zweiten Spielhälfte per Virtual Reality die Investigation von Phoenix im Jetzt sowie vor 7 Jahren gezeigt werden. Da verliert mich das Spiel dann etwas an Glaubwürdigkeit, wenn es darum geht, wie dies alles funktionieren soll. Aber es ist ganz nett, mal kurz Phoenix steuern zu dürfen, sogar in alter Grafik, Sound und mit Psyche-Locks, obwohl die neuen Grafiken natürlich schrecklich daraus hervorstechen.

Abschließend sag ich mal zu Apollo Justice, dass es wohl der polierteste Teil ist, der cineastisch am besten durchdacht wurde. So hängen alle Fälle eindeutig stark zusammen, mehr als bei Phoenix ersten beiden Teilen, evtl. sogar deutlicher als im dritten. Außerdem sind die Fälle, wenn auch immer noch viele Wendungen bereithaltend, insgesamt geradliniger und aufgeräumter strukturiert. Dennoch fehlt mir hier etwas, wodurch ich es hinter dem ersten und dritten Ace Attorney einreihen würde. Die neuen Hauptcharaktere sind charmant, aber etwas zu glatt, und Phoenix stiehlt ihnen sowieso allen hier die Show – der Teil wirkt sowieso mehr wie ein Übergangs-Spiel, bei dem Phoenix die Fackel an Apollo weiter reicht, nicht wie der erste große Apollo-Outing. Und die Auflösung von Fall 2 und 3 waren ein klein wenig zu unbefriedigend für mich, vielleicht eben weil man sich alles für das große Finale aufgespart hatte. Es fehlt dem Spiel halt so ein wenig der letzte Funke an extra Pepp, den man von der Franchise gewohnt ist.

Ace Attorney Week – Trials & Tribulations

ava-1753Kommen wir also nun zum Abschluss der originalen GBA- bzw. Phoenix-Trilogie, und auch dem letzten Spiel, bei dem Shinji Mikami ein Händchen als Executive Producer drauf hatte (in Apollo Justice übernahm diese Rolle Keiji Inafune), Serienschöpfer Shu Takumi blieb hingegen noch ein weiteres Spiel dabei, bevor er sich ebenfalls anderen Dingen zuwendete.

Turnabout Memories ist das übliche Tutorial gegen den unfähigen Ankläger Payne, allerdings diesmal nicht als Phoenix, sondern als Mia Fey! Denn das Spiel springt 5 Jahre zurück, zu ihrer gerade mal zweiten Gerichtsverhandlung, in der sie niemand anderen als unsren naiv-trotteligen Phoenix „Feenie“ Wright vertreten muss, da seine Freundin Dhalia „Dollie“ Hawthorne ihm den von ihr begangenen Mord anhängen will. Des Mordes an Mias Freund überführen wir sie gleich quasi mit. Unterstützung gibt’s vom Wiederkehrer Grossberg.

The Stolen Turnabout bringt nicht nur Larry Butz und Adrian Andrews zurück in die Serie, sondern als erster richtiger Fall auch das Auftauchen des hiesigen, gegnerischen Anklägers. Das wäre die coole Sau Godot, der immer von jazziger BGM begleitet wird, und wild aus dem Kaffeesatz philosophiert, den er konstant konsumiert. Ein halber Mech ist er auch noch. Der perfekte Mann also. Wie Maya überraschend feststellt, geht es ausnahmsweise mal nicht um einen Mord, sondern um Diebstahl, denn Phoenix Trites Klient ist angeklagt, der Profidieb MaskDeMasque zu sein, was er auch gar nicht abstreitet. Letztendlich wird dann allerdings doch wieder ein Mordfall draus.

Recipe for Turnabout startet damit, dass Phoenix Wright eine Gerichtsverhandlung verliert, demnach die unter Mordanklage stehende Rückkehrerin Maggey Byrde für schuldig befunden wird. Doch weiß Phoenix davon gar nichts, als Gumshoe ihn darauf anspricht, denn es hat sich einfach jemand als er ausgegeben! Es kann also dank Verfahrensfehler zu einer neuen Verhandlung für Maggey kommen, jedoch stellt sich hier das Problem, dass während sie felsenfest behauptet, den Mörder mit dem Opfer am Tisch sitzen gesehen zu haben, gleich zwei unabhängige Zeugen behaupten, dass Opfer habe seinen Kaffee alleine getrunken. Und das Gift war auch noch in Maggeys Tasche. Was nicht alles passiert, wenn man sich mit den Yakuza anlegt.

Turnabout Beginnings ist ein weiterer Kurzfall, der nur aus einer Gerichts-Session besteht, die allerdings wesentlich mehr her gibt, als die Tutorials zu den Spielbeginnen, da es ziemlich essentiell für die Handlung von Trials & Tribulations ist. Wir springen noch ein wenig weiter zurück, als bei Fall 1, nämlich zum ersten Fall von Mia Fey (und auch der erste für Edgeworth auf der Gegenseite), in der ihr direkt ein entflohener Krimineller, der wegen Mordes verurteilt ist, und einen weiteren begangen haben soll, aufs Auge gedrückt wird. Hier treffen wir die Schlange im Schafspelz, Dhalia Hawthorne, wieder, sowie steht Mia statt Grossberg ihr Kollege Diego Armando bei, der verdächtig nach Godot aussieht.

Und dann kommt mit dem finalen Bridge to the Turnabout der beste Fall im besten Ace Attorney. Phoenix, Maya und Pearls verbringen ein Wochenende in einem Medium-Trainingscamp, doch endet bereits der erste Tag darin, dass jemand tot aufgefunden wird, die exakt wie Dhalia Hawthorne aussehende Priesterin Iris unter Verdacht steht, Maya und Pearls verloren gehen, und Phoenix im Krankenhaus landet. Da auch Godot nicht aufzufinden ist, müssen am nächsten Tag niemand andere als Miles Edgeworth und Franziska von Karma im Gerichtssaal für sie einspringen, und beispielsweise Larry Butz befragen. Wie immer ist Gumshoe dabei, und sogar Wendy Oldbag hat eine Post-Credits-Szene.

Sprich alle beliebten oder beliebt-gehassten Charaktere kommen für einen finalen, großen, langen Fall zusammen, um das Finale der Phoenix-Wright-Trilogie einzuläuten, in dem alles noch mal zu einer großen Geschichte verwurstet wird: Der Tod von Mia. Der Fall um ihre Mutter Misty. Die Folgekriege in der Fey-Familie. Morgan Feys noch vom Vorspiel ausstehende Drohung. Die Signifikanz von Dhalia Hawthorne. Und warum Godot unseren Phoenix nicht ausstehen kann. Viele Irrungen und Wirrungen, so wie gefühlt hundert Psyche-Locks später – die Ace Attorneys halten sich schon lange nicht mehr an unterhaltsamen Werwicklungs-Irrsinn zurück – laufen die Credits, und man hat ein richtig wohlig-warmes Gefühl im Bauch.

Das kann man natürlich teilweise auch der Vorarbeit der beiden vorigen Spiele attestieren, immerhin kennen und lieben wir die hiesigen Charaktere schon seit X Stunden, und sie alle für einen großen Endfall der Phoenix-Arc zusammenkommen zu lassen, ist natürlich automatisch gefällig. Aber auch so ist Trials & Tribulations definitiv das beste der drei Spiele, da die besten Fälle hier sind, der beste Humor, die unterhaltsamsten Wendungen, und auch die neuen Charaktere – allen voran Dhalia und Godot – stehen den bekannten Gesichtern nichts nach. Trials & Tribulations hält sich in Nichts zurück und ist der Punkt, wo die Serie am besten im Einklang mit sich war.

Ace Attorney Week – Justice for All

ava-1752Das zweite Spiel startet mit The Lost Turnabout, dem üblichen Tutorial: Wright vs. Payne in einer einzigen Gerichts-Session, in der er mal wieder beweisen muss, dass der Zeuge der wahre Verbrecher ist, nicht die Polizistin und Freundin des Mordopfers, auf die alle Beweise hindeuten. Direkt zu Beginn wird Phoenix eine übern Kopf gezogen, was ihm eine kurzzeitige Amnesie einbringt, und somit das Spiel eine Ausrede hat, für neu in die Serie gekommene die Spielmechaniken nochmal zu erklären, sowie die bekannten Charaktere dennoch wieder vorzustellen.

Reunion, and Turnabout ist der zweite und damit erste „richtige“ Fall, und dem zweiten im Vorgänger nicht unähnlich. Auch hier findet sich Maya wegen Mordes auf der Anklagebank wieder, und wir müssen eine Zeugin der Lüge überführen, die fake-überzuckert süß daher manipuliert, dass selbst japanische Idols vor Neid erblassen würden. Hier lernen wir nun die eigentlich einzig beiden wirklich Erinnerungswürdigen neuen Charaktere von Justice for All kennen: Die ihre Peitsche einem Objection-Ruf vorziehende, kühle Franziska von Karma als gegnerischer Staatsanwalt; und Mayas süße jedoch überraschend resolute Cousine Pearls als neuen Sidekick. Auch wird das neue Gameplay-Gimmick eingeführt: Psych-Locks. Eigentlich sind jene nur eine Visualisierung dessen, wenn ein Charakter eine Antwort zurückhält, und wir ihnen Beweise anschleppen müssen, um sie zum Reden zu bringen, was ja im Grundprinzip nicht wirklich komplett neu ist. Allgemein treffen wir hier auf mehr vom Fey-Klan und finden mehr über ihr Dasein als Geistermedium heraus, da genau dies ist, was zumindest angeblich geschah: Ein Arzt wollte den Geist einer Krankenschwester beschwören, damit sie zugibt, dass der zum Tod eines dutzend Patienten geführte Fehler rein ihr Verschulden ist, und dann nutzt jener Geist den Körper Mayas, um den Arzt zu töten. Gibt übrigens ein Wiedersehen mit der geschwatzigen Lotta Hart.

Turnabout Big Top bringt uns zurück ins Rampenlicht der Stars und Sternchen, allerdings nicht ans Set einer Superhelden-Show, sondern in den Zirkus, was wohl den Fall mit den bisher illustresten Charakteren mit sich bringt. Der fliegende Magier Maximillion Galactica, der eigentlich ein simpler Junge vom Land ist, wurde angeklagt den Zirkusleiter umgebracht zu haben. Der Großkotz, der sich das auch noch leisten kann, weil er tatsächlich die Hauptattraktion darstellt, ist bei seinen Kollegen natürlich nicht sonderlich beliebt, was fast jedem ein Alibi geben würde, ihn anschwärzen zu wollen, wenn denn der Zirkusleiter wiederum nicht so ein netter Kerl wäre, dass eigentlich keiner ein Alibi hat, ihm an den Kragen zu wollen. Da steckt also mal wieder mehr dahinter, Phoenix bekommt halt nur notorisch abgedrehte Fälle auf den Tisch.

So richtig gut wird es dann im finalen Fall, Farewell, My Turnabout, welcher uns auch zurück ins Tokusatsu-Milleu bringt, da nämlich der Jammin Ninja vom Nickel Samurai umgebracht wurde, respektive deren Schauspieler. Phoenix übernimmt die Verteidigung von Matt Engarde, a.k.a Nickel Samurai, und ist schon allein deswegen hoch motiviert, weil Maya entführt wurde, und ihr Entführer sie umzubringen gedenkt, wenn er keinen Freispruch erwirkt. Er hilft uns sogar zusätzlich, in dem er auf Franziska von Karma schießt, um unsere Rivalin aus dem Gerichtssaal zu bringen, was dazu führt, dass Edgeworth von den Toten aufersteht, um die Anklage zu übernehmen.

Was sich entwickelt ist ein richtig geiler Fall, der über seinen Verlauf hinweg so einige Haken und Wendungen schlägt, und bei dem man als Spieler vor die Frage gestellt wird, was einem wichtiger ist – das Leben von Maya, auch wenn es den Freispruch eines Schuldigen bedeutet, oder die eigene reine Weste immer der Wahrheit zu folgen, auch wenn es sie in Gefahr bringt. Was sogar zu zwei verschiedenen Enden führt, je nachdem was die höhere Priorität hatte.

Neben dem den Rest des Spieles absent gewesenen Edgeworth treffen wir übrigens auch andere bekannte Gesichter wieder: Lotta Hart, Wendy Oldbag und Will Powers.

Justice for All kann den hohen Standards seines Vorgängers leider nicht ganz gerecht werden. Dafür sind die ersten drei Fälle nicht ganz auf Höhe, und nur das Finale so richtig ein Showstopper. Und außerdem machen sich die üblichen Probleme hier viel häufiger bemerkbar. Unglaublich häufig scheint Wright einfach nur ins Blaue zu stochern, man als Spieler jede Aussage pressen und überall noch drei Mal hinterfragen zu müssen, in der Hoffnung, irgendwann macht ein Zeuge ein Fehler, oder die Handlung rettet einen aus einer Sackgasse, statt einem von Anfang an einen Ansatzpunkt für eine Lösung zu bieten. Es gibt mehr Instanzen, wo meiner Meinung nach mehrere Beweise etwas widerlegen könnten, das Spiel jedoch nur eines oder sie in bestimmter Reihenfolge nimmt. Und höhere Strafen legt es einem auch auf, es gibt diverse Momente, wo das Falsche zu präsentieren die halbe oder gar ganze „Lebensleiste“ abzieht.

Darüber macht sich das Spiel sogar mehrfach lustig, wie verrückt die Wendungen in der Serie doch sind, und wie häufig Wright durch die Gegend trickst und Inkonsequenzen so aufbauscht, bis plötzlich doch was draus wird. Eben jene Self Awareness ist mir wieder etwas sympathisch, aber ganz ablenken kann sie eben nicht davon, wie häufig ich echt am Rätseln war, was das Spiel nun schon wieder von mir will, damit es weitergeht, nur um nach der Lösungsfindung mich nicht „ah klar, ich stand nur auf dem Schlauch“ sondern „aha, warum auch immer“ gehen zu lassen.

Ace Attorney Week – Phoenix Wright

ava-1751Ah, die Ace-Attorney-Reihe. So beliebt in Japan, dass nach den GBA-Versionen auch Ports für DS, PC, Wii, Handy und 3DS erschienen, während ein West-Release zunächst unwahrscheinlich erschien, dann aber in der DS-Ära doch realisiert wurde. Ich weiß noch als der erste Teil zaghaft releast wurde, und der Hype sofortig begann, habe ich mich ins Wagnis begeben einfach die schön billigen Best-Price-Auflagen aus Japan zu importiert, weil ich so die Trilogie fast Preisgleich zum Vollpreis-Westrelease des nur ersten Teiles bekam, und sie bereits die englischen Texte beinhalteten. Das waren die Zeiten, bevor Nintendo meinten ihr Ruf ist zu Kundenfreundlich, und eine Regionalsperre in ihre Handhelds einzubauen begannen.

Also rein in die Nostaglie um die Serie, jetzt wo die 3DS-Auflage erschienen ist, in der schräge Charakter-Designs und extreme Körpersprache vorherrschen, Menschen nach Wortspielen benannt sind, Gerichtsverfahren innerhalb drei Tagen abgeschlossen sein müssen, und nach dem Motto „schuldig, bis die Unschuld bewiesen wird“ laufen. Denn nur so lässt sich erklären, durch wie viel Beweislast sich Verteidiger Phoenix erklären muss, während der Anklage alles sofort geglaubt wird, und Zeugen ihre Aussage zehn Mal ändern dürfen.

Der erste Fall, passend betitelt The First Turnabout, ist dann auch unser zum Standard werdendes Tutorial, in dem in einem sehr kurzen Fall Phoenix sich gegen Running Gag Payne behaupten muss, bevor es zum richtigen Ankläger des Teiles im nächsten Fall geht. Wir lernen also den leicht verwirrten Phoenix kennen, die heiße Powerfrau Mia, unter der er das Verteidiger-Handwerk frisch erlernt hat, in dem er seinem trotteligen Kindheitsfreund Larry Butz helfen muss, gegen eine Mordanklage anzukommen. Alles recht schnörkellos, da uns der Tutorial-Fall sogar direkt den echten Mörder im Opening präsentiert, wir müssen nur noch anschließend beweisen, dass Mr. Sahwit eigentlich Mr. Didit ist. Ansonsten, joa, Beweismittel sichten, Zeugenaussage anhören, Statements pressen und mit Gegenbeweisen in den Wahnsinn treiben.

Der zweite Fall, Turnabout Sisters, präsentiert uns dann gleich weitere der Mainstay Charaktere, und das restliche Gameplay des Spieles außerhalb des Gerichtssaals: Tatorte untersuchen und Zeugen befragen. Denn Mia, unsere Chefin mit der harten Schale und den weichen Brüsten, bleibt nicht unser Sidekick, nein sie wird hier direkt erschlagen, und alles weißt auf ihre Schwester Maya hin, die schräge Miko im Training, die zum wirklichen Sidekick von Phoenix werden wird (und durch die per Medium-Sprachrohr Mia sich weiterhin einschalten kann). Außerdem treffen wir zum ersten Mal auf den enthusiastischen Trottel-Polizisten Gumshoe, und den (zumindest im ersten Teil) gegnerischen Ankläger, das penible Genie Edgeworth, der so übel gar nicht ist, als einer der populärsten Charaktere seine eigenen zwei Spinoff-Games bekam, und in 90% des Gay Porn Fanwork die Hauptattraktion darstellt. Auch hier sehen wir den Mörder direkt im Intro, werden ihn aber erst halb durch das Kapitel wirklich kennenlernen. Statt eines Versteckspieles ist also erneut eher angesagt, die Beweislast von Maya abzuwenden, denn immerhin gibt es sowohl einen Zettel, auf dem ihr Name mit Blut geschrieben ist, sowie eine Zeugenaussage gegen sie, die sich später gegen Wright selbst richten wird.

In Tunrabout Samurai kommen wir ans Set einer Tokusatsu Show, denn der beliebte Steel Samurai, respektive der Schauspieler unterm Kostüm, soll seinen Serien-Rivalen umgebracht haben. Ein weiterer, wiederkehrender Charakter wird uns hier präsentiert, in Form der geschwätzigen Alten Wendy Oldbag, die uns in der Reihe so einige Kooperationsprobleme bereiten wird. Diesmal wissen wir nicht direkt, wer der Mörder ist, und genau genommen schlägt die Geschichte auch noch zwei Haken, bis wir herausfinden, was überhaupt wirklich geschehen ist. Und Edgeworth kommt Wright doch tatsächlich ein wenig zur Hilfe… kurios!

Das kann direkt auch zurückgezahlt werden, denn in Turnabout Goodbyes steht plötzlich Edgeworth wegen Mordes vor Gericht. Zwei Dinge kommen hier wieder, die bereits mehrmals erwähnt wurden. Zum einen der Fall, in dem die Mutter von Mia und Maya involviert war, und die ihren Ruf als Medium zerstört hat. Sowie das Wright, Butz und Edgeworth mal zusammen zur Schule gegangen sind. Wir finden raus was wirklich geschah, warum Pheonix zum Verteidiger wurde, sowie Edgeworth auf der anderen Seite landete. Außerdem wird mit Von Karma uns ein beinharter Gegner ins Gericht gestellt. Neben einem bereits wiederkehrenden Larry Butz machen wir auch Bekanntschaft mit der geschwatzigen Lotta Hart, die ebenfalls nicht nur dieses eine Mal anzutreffen sein wird. Und am Ende gibt es eins schönes Wrapup, mit Credits, und letzten Charakter-Sprüchen und sogar einem Photo des ganzen Casts, wie sich das für das Ende eines Spieles gehört.

Hold it!, dem ist seit der DS-Version nämlich nicht mehr so, gibt es doch seither einen fünften Bonus-Fall, Rise from the Ashes. Merkt man auch ziemlich schnell, denn das neue Artwork sieht doch klarer aus, als das aus dem GBA-Original, und nun sind Touchscreen und Mikrofon nicht mehr optional, sondern fürs Nehmen von Fingerabdrücken/Finden von Blutflecken essentiell. Hier gibt es den letzten der beliebten, wiederkehrenden Charaktere: Blue Badger! Außerdem ist der Fall alles andere, als schnell dahin geklatscht, ja er ist geschätzt 1.5 bis 2 mal so lang wie der längste vorige. Und die Verhandlung um zwei Morde zur gleichen Zeit, mit gleichem Tatverlauf, an unterschiedlichen Orten, am gleichen Mordopfer(!), ist sozusagen ein Best of. Es gibt wieder eine Schwesternbeziehung, ein unschuldiger aus dem Business auf der Anklagebank, einen Fall aus der Vergangenheit, Hilfe von Seiten Edgeworths, einen korrupten Obrigen, und durch die vielen Wendungen geradezu ein Maschinenfeuer an Objections. Mit dem Aufwerfen der Frage, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt und seinem wirklich spannenden Verlauf, würde ich es fast zu meinem Favoriten-Fall machen, wenn er mir dann doch nicht deutlich zu lang geraten wäre.

Wenn Ace Attorney einen Fehler hat, dann das die Serie geradlinig und scripted ohne Ende ist. Es emuliert Richter-/Crime-Serien aus dem TV, mit seinen überdrehten Charakteren und irrsinnigen Handlungsverläufen, sowie ordentlich Pathos in den Reden, und das ist auch unterhaltsam. Aber es lässt halt auch immer nur genau den vorgegebenen Lösungsverlauf zu. Wenn man in einem Fall beweisen muss, dass es zu drei statt zwei lauten Geräuschen kam, und das Spiel das Beweismittel der Pistole (unter deren Beschreibung bereits vermerkt ist, dass sie 3 mal abgefeuert wurde) nicht akzeptiert, weil es stattdessen das per automatischen Auslöser gemachte Foto sehen will, welches für eine dritte Zeit bürgt. Wenn der finale Fall fragt, was wirklich das abgebrochene Messer war, aber nur das Foto mit dem kaputten Messer-Schild-Preis zulässt, obwohl man einen zweiten Preis unter den Beweismitteln verstaut hat. Dazu kommt noch, dass hin und wieder ein Fall scheinbar verloren werden muss, damit die Story sich schnell überraschend eine Rettung durch einen Dritten aus dem Ärmel schütteln kann. Und natürlich kleine Logiklücken. Es ist etwas schwer zu schlucken, dass Edgeworth die Rückseite der Rechnung übersehen würde, oder dass Von Karma einen handgeschriebenen Brief verschickt.

Das sind so kleine Probleme, die uns die ganze Serie über begleiten werden, und auch schon seit dem ersten Teil mit von der Partie sind. Aber sonderlich häufig treten sie immerhin nicht auf, und dienen halt dem spannenderen Spielverlauf. Ich war überhaupt überrascht, wie spannend und vor allem charmant das erste Spiel bereits ist, irgendwie hatte ich fast etwas erwartet, dass es nach all den Jahren zurückgehend vielleicht gegenüber den Nachfolgern etwas trocken daher kommt. Dem ist aber tatsächlich nicht so.

Gyakuten Saiban

ava-1293Jeez, ich war so gehyped, als der Film angekündigt wurde, und dann wird der vor über einem Jahr released, ohne dass ich es groß mitbekommen hätte. Regie führte bei dem tatsächlich schlicht Ace Attorney genannten Film übrigens niemand anderes als das enfant terrible turned mainstream Takashi Miike, dem wir auch Sachen wie das Remake The Great Yokai War, die Yatterman Adaption sowie der Verfilmung von Like A Dragon/Yakuza verdanken, aber auch das an sein wesentlich früheres Output angesiedeltes Machwerk Imprint. Mal schaun, wie dieser Film so wird, denn zumindest langweilig ist das Zeug von Takashi Miike eher selten und die Ace Attorneys sind auch nicht gerade arm an Wendungen (der japanische Titel der Reihe ist nicht umsonst Turnabout Trial).

Der Film hat also, bei solch einer Vorlage und solch einem Regisseur, keine Berechtigung, langweilig zu sein. Ist er aber. Vielleicht sollte der Herr Miike einfach die Finger von Videospiel-Verfilmungen lassen, denn gleiches hab ich glaub ich damals schon zu Yakuza geschrieben.

Der Film hält sich übrigens ziemlich nahe am Spiel. Soweit ich das beurteilen kann, ist ewig her. Ich hab mir damals, kurz nachdem der erste Teil im Westen erschien und jedem total einer drauf abgegangen ist, spontan die Phoenix-Trilogie aus Japan importiert (als Best-Price-Rerelease waren die damals spottbillig und die DS-Remakes haben bereits englische Texte), entsprechend schwammig sind die Ereignisse aus dem Erstling also. Was mir vielleicht sogar zu Gute kommt, da die Langweile eben nicht daher rühren kann, dass ich alles bis ins kleinste Detail noch kannte, genau genommen kam alles, außer wer der Oberschurke ist, mehr oder minder erst zu mir zurück, als es hier passierte.

Stützen tut sich der Film dabei auf den DL-6/Miles Edgeworth Fall. Der um Larry Butz und der um den Steel Samurai machen gerade mal die Einstiegsminuten aus, um uns Miles und Phoenix vorzustellen, und der Fall um die Ermordung von Mia ist ebenfalls innerhalb der ersten halben Stunde gegessen. Den Rest der Überlänge (der Film geht satte 2 Stunden 15 Minuten) nimmt nun die Verhandlung um den angeblichen Mörder Edgeworth ein.

Was mir beim Film dabei am meisten abgeht, ist einfach der Spaß an der Sache. Schon alleine die ganze Optik ist falsch. Ja, alle haben die aus dem Spiel bekannten übertriebenen Frisuren und dämlichen Outfits, die an einer echten Person noch übertriebener wirken sollten (und gerade dem armen Schauspieler von Edgeworth, der eigentlich auch Model ist, absolut keinen Gefallen tun) und auch im Gerichtssaal werden die Beweisfoto-Hologramme und Sieges-Konfetti nur so herum geworfen. Doch dabei ist alles so dunkel und alle Farben sind so ausgewaschen, ein Ace Attorney sollte viel poppiger sein. Auch die Charaktere sind absolut nicht überzeichnet genug. Edgeworth hat quasi gar keine Persönlichkeit, Butz nervt, Maya könnte gleich gar nicht im Film sein, und Gumshoe ist hier tatsächlich ein absolut kompetenter Polizist.

Trotz der Überlänge macht der Film übrigens Erstschauer-unfreundliche Sprünge. Abgesehen davon, dass man, wenn man das Spiel nicht gespielt hat, sowieso nicht sonderlich in den Hauptfall investiert ist, weil einem alles, was aus den hier weitestgehend rausgenommenen, drei vorigen Fällen hineinspielt, abgeht, scheint es einem doch häufig, als fehle einem als Zuschauer, warum Phoenix plötzlich einen genialen Einfall hat, um das Ruder doch rumzureißen. Gerade Van Karma scheint er quasi aus dem Nichts zu beschuldigen. Ach ja, die herrlich übertriebenen Zusammenbrüche, wenn ein Zeuge oder Beschuldigter beim Lügen ertappt wird, fehlen übrigens auch.

Hin und wieder hat der Film dennoch ein kleines Highlight, wenn doch mal eine Szene oder ein Satz glückt und charmant oder witzig ist, dank der Musikuntermalung doch kurz Spannung aufkommt. Doch das sind nur abgeschottete Momente in einem viel zu langen Film, der häufig einfach überraschend fade ist.

aceattorney