River King: A Wonderful Journey?

Meine Beziehung zu den River-King-Spielen ist kompliziert. Mir ist immer mal wieder nach einem Angelspiel. Aber keines von jenen, die sich wirklich an Hobby-Angler in Spe richten, mit realistischem Gameplay, welches gutmöglichst versucht die Sportart einzufangen. Da kommt River King natürlich immer recht. Nicht umsonst ist River King: A Wonderful Journey das achte Spiel der Franchise, welches ich bespielt habe. Problem an der Sache ist dann immer, dass ich sie nach den Credits reflektierend oftmals doch nicht so geil fand wie ich mir das erhofft hatte.

A Wonderful Journey richtet sich dabei als PS2-Spiel nach den anderen Konsolen-Vertretern. Statt wie in den Handheld-Spielen also einen Charakter vorgegeben zu haben, stellt A Wonderful Journey einem vor die Auswahl einer ganzen Familie. Vater, Mutter, Tochter, Sohn. Alle mit leicht unterschiedlichen Anfangswerten und theoretisch auch individuellem Text was denn ihr Ziel ist. Das ist natürlich etwas Schall und Rauch, denn letztendlich geht jeder von ihnen in gleicher Reihenfolge durch die gleichen Gebiete, bekommt die gleichen Quests angeboten, und ihr Ziel und damit die Credits sind erreicht, wenn der River King gefangen ist.

Neu im Gegenzug der vorigen Teile ist allerdings, dass es keine zufälligen RPG-Kämpfe mehr gibt. Die haben mich ja eh immer ziemlich genervt. Weil die Wildtiere immer nur sporadisch aufgetaucht sind, und sie ziemlich langweilig waren, so dass das Leveln für sie wie eine Tortur wirkte. Ohne sie ist das Quest in den späteren Teilen wesentlich flüssiger. In A Wonderful Journey springen einem aber dennoch immer mal wieder Tiere, erneut sehr sporadisch, vor die Füße. Statt zu kämpfen stellen die einem allerdings Quiz-Fragen und stehlen bei falscher Beantwortung einen Fisch aus der Box, sollte man bereits welche gefangen haben.

So schön es ist, dass auf die Kämpfe verzichtet wird, so macht leider A Wonderful Journey bei fast allem anderen ziemlich viel falsch. Das Fischen und ich haben an sich schon immer eine komplizierte Beziehung. Ich fische gern in diesen Spielen. Es ist auch sehr einfach einen Fisch zu fangen. Leine geben, wenn er gegensteuert, und einholen, wenn er pausiert, und schon sind die meisten Fische ziemlich einfach gefangen. Allerdings bringe ich häufig nicht ganz die Geduld mit, die diese Spiele von einem verlangen. Zumindest wenn es darum geht, einen ganz bestimmten Fisch fangen zu müssen. Welche Angel mit welchem Köder muss in welchem Bereich des Areals ins Wasser geworfen werden, damit er überhaupt anbeißt? Dann immer die Ungewissheit, ob die Kombination richtig ist, genau wie die Stelle, aktuell aber einfach nicht die richtige Sorte reingespawnt ist, und deswegen nicht beißt. Oder der Fisch einfach mal keinen Bock zum Beißen hatte, obwohl der Köder der richtige ist. Die selteneren und größeren Fische schwimmen nämlich auch gern mal dran vorbei und gehen nur selten an die Angel, auch wenn man alles richtiggemacht hat. Bei A Wonderful Journey kam erschwerend hinzu, dass die einzelnen Gebiete gigantisch sind, aber häufig nur wenige Fische ins Wasser spawnen, was zu noch mehr Warterei und Ungewissheit, ob alles richtig ist, führt. Die Angel zu nah werfen, und er schwimmt weg, zu weit weg und er bemerkt den Köder nicht. Wenn dann nicht nur ein seltener Fisch, sondern auch noch in der richtigen Größe gefangen werden soll, ist bei mir das Gefluche schnell da. Zumal sobald man die Angel ausgerüstet hat, die Blick- und damit Wurfrichtung des Charakters nicht mehr geändert werden kann.

Es gibt ein paar Dinge, die bis zum Ende hin mysteriös für mich waren. Neben einem Level, für das man Erfahrungspunkte durch Fischfänge bekommt, gibt es beispielsweise eine Fishing Technique. Wie genau die sich erhöht, konnte ich selbst mit Internet nicht wirklich finden. Nur der Hinweis, dass man im finalen Gebiet kaum etwas, und schon gar nicht den River King, eingeholt bekommt, wenn sie nicht auf 5 ist. Als ich drei Viertel durch das Spiel war, war ich zwar bereits bis Level 19 gestiegen, meine Fishing Technique aber immer noch auf 1 und ich hatte schon bedenken, dass sich da mal wieder ein Bug eingeschlichen hat. Dafür ist ja gerade die Schwesterserie Harvest Moon mehr als bekannt. Kurz vor Spielende erhöhte sie sich dann doch auf 2. Und damit konnte ich auch den River King ohne Probleme fangen. Dennoch weiß ich bis Heute nicht, was sie genau macht und wodurch sie sich erhöht. Ein Level an Kochkünsten gibt es übrigens auch, die Macher inkludieren das ja gern mal in ihre Spiele. Hier scheint es einem nicht viel zu bringen, sondern nur aus Spaß an der Sache dabei zu sein. Gerichte können nicht verkauft werden, Fische, die man kocht, sind also verloren. Durchs Essen bekommt man Stamina zurück, aber ehrlich gesagt lief ich nie Gefahr das jene mir zur Neige gehen würde. Es scheint mehr zum Selbstzweck dazusein, ganz wie die Koch- und Angeltourniere, die nie wirklich angegangen werden müssen, obwohl sie wichtig klingen.

Progression durch das Spiel ist wie üblich. Wir starten im Gebiet direkt um das Wohnhaus des gewählten Charakters und müssen diversen NPCs ihre Quests erfüllen, damit sie uns ins nächste Gebiet lassen. Und ins nächste. Und ins nächste. Bis irgendwann der geheime See entdeckt ist, in dem der River King rumschwimmt, weil man den nämlich immer in einem See fängt, ich glaube die allererste Gurke auf dem NES war das einzige mal, dass der Flusskönig auch im Fluss zu finden war. Aber auch hier wird viel falsch gemacht. Warum auch immer kann man in A Wonderful Journey immer nur ein Quest gleichzeitig laufen haben. Wenn mit einem NPC gesprochen wird, und das verwickelt einen in eine Quest-Cutscene, dann hat man die jetzt auch an der Backe und muss sie beenden. Aufgeben kann man nicht. Andere NPCs offerieren nur Standard-Sprüche, selbst wenn sie eigentlich auch ein Quest haben. Einige Quests sind wesentlich nerviger als andere, und teilweise auch optional. So kann man schnell mit einem dämlichen Quest geschlagen sein, nur um nach Erledigung herauszufinden, dass es einem beim Weiterkommen null geholfen hat. Und darf dann die riesigen Gebiete anschließend erneut ablaufen, um einen weiteren NPC mit Quest zu finden, weil man mit aktivem Quest ja nicht mitbekommt, wer noch eines hätte. Warum der Spieler nicht einfach alle Quests annehmen und nach eigenem Belieben abwickeln kann, ist mir echt ein Rätsel. Führt auch zu so tollen Situationen, wie das man einen Fisch verkauft hat, den man für das aktuelle Quest nicht brauchte, nur um zwei Quests später genau jenen für den NPC fangen zu sollen, um dann mitzubekommen, das es ein seltenes Vieh ist und man ne Stunden für den nächsten Fang aufbringen muss.

Technisch gibt’s auch absolut nix zu holen beim Spiel. Es ist tatsächlich eines der hässlichsten PS2-Spiele, welche ich je gespielt habe. Die Charaktermodelle sind immerhin stark stilisiert, haben aber so gut wie keine Animation, sondern werden nur hin und her gedreht in den meisten Szenen. Das übrigens in einem Spiel von 2005, also nicht gerade zum Launch-Zeitraum. Warum man die Engine aus dem zwei Jahre vorher erschienenen und besser aussehenden Harvest Moon: A Wonderful Life nicht verwertet hat, bleibt ein Rätsel. Auch sind alle Charaktere sehr schräg und over the top designt, was anfänglich ganz interessant ist, aber auch nie so wirklich witzig werden will. Die Übersetzung ist Natsume-üblich ebenfalls sehr schwankend und weißt viele merkwürdige Formulierungen auf, als wäre das über Google Translate aus dem Japanischen rübergebracht und dann nur ganz schnell von jemandem, dessen Zweitsprache Englisch ist, aufs Gröbste drübergelesen.

Ich war jedenfalls ganz froh, dass ich nach 12 Stunden das Ziel vom Vater erreicht und den River King gefangen hatte. Wenn alles gut lief, dann machte das Angeln schon Spaß. Aber es gibt einfach zu viele Schnitzer und Nervfaktoren im Spiel, als das ich meine Zeit im Schnitt gesehen wirklich groß genossen gehabt hätte. Ich würde sogar sagen, dass A Wonderful Journey das schlechteste River King ist, was ja gut dazu passen würde, dass A Wonderful Life auch das schlechteste Harvest Moon ist. Jedoch ist es dann doch nicht ganz so schlimm wie das NES-Original, schon alleine dank der fehlenden Gegnerkämpfe, wenn auch wenig mehr.