Certainly Simple: War in Japan

ava-2696Kurz zur Erinnerung: Die Simple 2000 Linie ist eine umfangreiche Reihe von simplen und mit niedrigem Budget erstellten Spiele und schnell gemachter Re-Releases, die D3 auf den japanischen Markt brachte. Und die zum Ausgleich bereits für 2000 Yen (daher die Zahl im Namen) statt der üblichen fast 8000 Yen eines Neureleases zu haben waren. Von den über 100 Spielen haben es sogar so einige nach Europa geschafft, in der Regel aber nicht nach Nordamerika.

Als ich in einem früheren Beitrag schrieb, dass die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ist, ein Simple 2000 Spiel mit einem Bikini Babe auf dem Cover sei von Tamsoft, habe ich ihnen nicht ganz recht getan. Wobei, eigentlich stimmt das schon. Tamsoft zeichnet nur für noch mehr verantwortlich. Eternal Quest war von ihnen und auch das vorliegende Shogun’s Blade kommt komplett ohne weibliche Charaktere aus.

Der japanische Titel ist Simple 2000 Vol.47: The Kassen Sekigahara, was so viel wie Die Schlacht von Sekigahara bedeutet, und mal wieder ziemlich transparent wiedergibt, worum es sich handelt. Jene Schlacht gab es nämlich wirklich und in Shogun’s Blade darf man nun eine fiktive, überspitzte Version davon nachspielen. Die Inspiration ist eindeutig Koeis Dynasty Warriors, nur in Japan statt China angesiedelt.

Nur ist natürlich alles stark zurückgefahren, weil es sich hier um ein Budget-Titel handelt. So gibt es zu Spielbeginn beispielsweise nur die Auswahl zwischen zwei Kämpfern, Musashi und Kojirou. Ich griff zu Musashi, weil der ziemlich ausgewogene Statuswerte hat, während Kojirou Kraft für Geschwindigkeit opfert. Nach einer Weile macht das eh keinen Unterschied mehr, denn nach jeder Mission gibt es ein Punktekonto, auf dessen basierend sich dann die Erfahrung für Level Ups errechnen, so dass sich die Statuswerte in allen Bereichen eh nach und nach aufbessern. Wobei viele Gegner zu besiegen oder lange Kombos zu machen kaum Punkte gibt im Vergleich dazu, die mit speziellen Namen daherkommenden Generale zu besiegen.

Und damit geht es dann rein ins zweifelhafte Vergnügen. Das Spiel ist gerade mal sechs Stages lang, wobei bereits absolvierte erneut gespielt werden können. Es geh immer auf das genau gleiche Schlachtfeld, welches hauptsächlich aus grüner Wiese mit reichlich Nebel besteht, die exakt gleichen Gegner niederschnetzelnd. Sich langsam hin und her bewegend, hoffend man rennt in einen General beziehungsweise das Ziel der Mission, denn es ist wirklich einfach sich in der immer gleichen Landschaft im Kreis zu drehen. Neue Rüstung gibt es nicht, nur ein paar temporare Statusboni oder AOE-Zauberkugeln werden manchmal von Gegnern hinterlassen, wobei sich nicht auf sie verlassen werden sollte.

Inmitten der Gruppen stehend ist es leicht während einer Kombo von einem Gegner in den Rücken geschlagen zu bekommen, die Lockon-Funktion hilft nur leidlich dabei ein Ziel auch beizubehalten, und am einfachsten cheesed sich die ganze Sachen, in dem ständig Sprungangriffe ausgeführt werden, womit die KI wenig zurecht kommt. Neunzig Minuten bis zwei Stunden an absoluter Langeweile später ist die Kampagne dann durch, wobei genau das gleiche natürlich gern noch mal mit dem anderen Charakter oder auf höheren Schwierigkeitsgraden ertragen werden kann.

Shogun’s Blade war definitiv bisher ein Tiefpunkt im Lineup. Auch andere Spiele sind ziemlich barebones oder repetitiv, aber Dragon Sisters oder Oneechanbara machen dennoch auf eine gewisse Hirnlose Art noch Laune. Eine Sache, die Shogun’s Blade absolut abgeht.

Von einem echten historischen Krieg gehen wir nun über in Gang-Kriege im modernen Japan. Das nächste Spiel ist nämliche Yakuza Fury, oder auch Simple 2000 Vol. 72: The Ninkyou. Ein Spiel, bei dem es ziemlich offensichtlich ist, welche große Serie es optisch nachahmt, um Käufer zu finden. Noch mehr im lokalisierten Namen.

Segas Yakuza ist das natürlich. Denn auch in Yakuza Fury geht es um einen jungen Nachwuchs-Yakuza, der in die Mitte eines Krieges von fünf Klans geschmissen wird, deren Gleichgewicht ins Wanken geraten ist. Das Outfit vom Hauptcharakter sieht sogar etwas aus, wie das von Kazuma Kiryu, die Kapitelüberschriften sind in ähnlichem Stil, und wann immer ein wichtiger Charakter die Bühne betritt, gibt es eine Plakette mit Namen und Sitz im Klan. All das ist generell für Yakuza-Stories und Filme nicht unüblich, doch schon ziemlich bezeichnend identisch zu Yakuza gestaltet.

Natürlich ist das Spiel wesentlich eingeschränkter. Deswegen stützt es sich komplett auf das Beat em Up Gameplay statt irgendwas dumherum zu bauen. Im ersten Kapitel wirft uns das Spiel direkt hinein in ein Stage, bei dem wir uns schön brav linear durch die Gänge prügeln, bis wir einen Boss erledigt haben. Danach geht es, wie immer zwischen zwei Kapiteln, zwar in die begehbare Stadt, aber sie funktioniert nicht wesentlich anders. Wir haben nur ein paar kurze Straßen zum Erkunden und es geht eigentlich nur darum, die nächste Cutscene oder NPC zu finden, der das nächste Story-Kapitel startet. All das, während wir weiterhin beständig von anderen Gangmitgliedern angegriffen werden.

Eine Besonderheit gibt es dann doch in der Stadt, und das wäre der Shop. In dem können neue Outfits von dem Geld gekauft werden, welches von besiegt Gegnern hinterlassen wird. Besonders daran ist, dass dies beeinflusst, wie stark unser Charakter ist. Manche Outfits machen ihn schnell oder stärker, durch manche hinterlassen Gegner mehr Geld, einige geben uns sogar neue Moves. Charaker-Customisation kommt also komplett durch den Look zusammen. Mit allen dem Standard-Outfit ist er nämlich leider etwas arg behäbig zu steuern.

Die Handlung endet dabei je nachdem, ob man ein schlechtes oder gutes Ende bekommt, nach drei bis fünf Kapiteln. Wobei es insgesamt zehn gibt, denn wie gesagt gibt es schlechte und gute Ending-Wege sowie ein True Ending im New Game Plus, die verschiedene Kapitel aneinanderreihen. All dies ist beeinflusst durch ein Moral-System. Das Ninkyou aus dem japanischen Titel ist nämlich das Wort für einen Ehrenkodex, besonders gern bei Yakuza-Media genutzt, um die „guten“ und die „schlechten“ Yakuza voneinander zu trennen. Im Prinzip heißt dass, dass wir besser keine Zivilisten auf der Straße verprügeln und Faustkämpfern nicht mit Waffen gegenübertreten, um eine gute Ethik zu vertreten. Jedoch ein Katana oder eine Pistole statt der Fäuste zu nutzen, macht die Stages um einiges einfacher. Leider auch für die Gegner. Diejenigen, die einem außerhalb des Bildschirmausschnittes davonlaufen, um einen dann unter Beschuss zu nehmen, sind besonders nervig. Netterweise ist es nicht gegen den Ehrenkodex, bewaffnete Gegner selbst mit Waffengewalt einzutüten.

Yakuza Fury ist damit eines der bessern Spiele der Simple 2000. Man sollte sich vom ersten Kapitel nicht abschrecken lassen, die Kämpfe kontrollieren sich besser, wenn man neue Kleidung kauft. Danach ist es wirklich ein ganz brauchbares Beat em Up, welches einem die Cliffnotes eines Yakuza-Thrillers durchlaufen lässt.

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