JoJo: Phantom Blood & Battle Tendency

ava-2663Jojo’s Bizarre Adventure ist ein ziemlich großes Ding. Der Manga startete in 1987, ist demnach seit über 30 Jahren am Laufen, und hat gerade letztes Jahr seine achte Story Arc zu Ende gebracht, bereits über 100 Volumes zählend. Mir persönlich sagten Hirohiko Arakis Werke bisher nichts, mit einer Ausnahme, und zwar die Anime-Adatption von Baoh, welches ziemlicher Trash war.

Aber ich meine ganz so einfach war an JoJo auch nicht heranzukommen. Obwohl der Manga ein Megahit in Japan war, besonders mit dem beginn der dritten Story Arc und ihren Stands, so hat eine westliche Publikation lange auf sich warten lassen. Ein englisches Release erfolgte erst in den 2010er Jahren und in Deutschland gibt es den Manga erst seit letztem Jahr. Auch Anime-Adaptionen hatten sich ziemlich rar gemacht. So gibt es eine OVA-Serie aus den 90ern, die aber nur die dritte Story-Arc abhandelt. Einem Kinofilm der ersten Story wurde vom Zeichner die Publikation verwehrt, womit er zu Lost Media gehört. Erst 2012 wurde sich drangesetzt die Reihe von Anfang an in einer TV-Serie durch zu erzählen. 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Mangas und an das junge Studio David Production gehend.

Ich bin jetzt durch, zumindest mit der allersten Staffel. Welche allerdings bereits die ersten beiden Story Arcs abhandelt, da Phantom Blood mit 5 Bänden und Battle Tendency mit 7 Bänden zusammen genommen selbst noch kürzer sind, als alle darauffolgenden. Wer sich über die Zahlen wundert, muss erneut in Betracht ziehen, wie spät die westlichen Veröffentlichungen erst erfolgten, so dass deren Anzahl geringer ist, weil sie auf gebündelten Re-Releases basieren.

26 Folgen also für ganze zwei Story Arcs, und das auch nicht mehr oder weniger mittig getrennt, sondern nur 9 Folgen für Phantom Blood, während Battle Tendency der Löwenanteil zugestanden bekommt. Das macht schon ein wenig den Eindruck, als wären die die beiden Handlungen nur umgesetzt worden, um die Serie komplett zu haben, und man möglichst schnell zu den richtig beliebten Geschichten der dritten Story Arc und danach kommen kann. Dem Eindruck wird auch nicht widersprochen, wenn die Folgen dann endlich gesichtet sind.

Phantom Blood hat absolut ein miserables Pacing. In der ersten Episode trifft ein junger Jonathan Joestar auf seinen Adoptivbruder Dio, der sofort unbeschreiblich schrecklich zu ihm ist, seinen Hund umbringt, seiner Liebe den ersten Kuss stielt, und sich beim Vater dennoch zum Liebling gebiert. Und dann fängt die zweite Episode plötzlich Jahre später an, Jonathan und Dio sehen aus wie 25-jährige Bodybuilder, sind aber im letzten Jahr ihrer High School, und können sich plötzlich gut leiden? Beziehungsweise tun sie zumindest so, bis dann Dio den Vater des Erbes wegen umbringen will, aufgehalten wird, und mit einer Steinmaske zum Vampir wird, den Jonathan sich zum Ziel setzt aufzuhalten. All das geschieht super schnell und abgehakt mit fast keinem Build Up.

Dio wird von allen als Supergenie bezeichnet, obwohl seine Ränkeschmiede super offensichtlich sind und er auch die Hälfte der Zeit verkackt. Eine Sache, die sich eh durch sie Serie zieht, dass nicht sonderlich intelligente Charaktere als solche von noch dümmeren Charakteren hochgehyped werden. Allgemein verkommen viele Nebencharaktere dazu, nichts tuend an der Seite zu stehen, und einem als Zuschauer lautstark entgegenzubrüllen, was genau jetzt geschieht und warum, obwohl wir das offensichtlich sehen, weil sie das Publikum für genauso dämlich zu halten scheinen, wie die Charaktere in der Serie.

Aber hey, Phantom Blood ist ja immerhin super kurzgehalten und auch die am wenigsten beliebte Story Arc, es kann ja noch besser werden.

Battle Tendency dreht sich um Jonathans Enkel Joseph Joestar, der gegen drei wiedererweckte Supervampire kämpfen muss, welche die Steinmasken ursprünglich entworfen haben. In bester Shonen-Kampf-Serien-Manier mit ordentlich Trainingsmontage bei Lehrerein Lisa Lisa und mit einem Kerl an der Seite, der vom Rivalen zum Freund wird.

Und ehrlich gesagt viel besser wird es nicht. Das Pacing ist nicht mehr ganz so hakelig, da man nun mehr Episoden zur Verfügung hat. Aber der Rest der Serie konnte mich dennoch nicht überzeugen. Weiterhin sind alle Charaktere lautstark und nervtötend am Rumschreien, um das eh schon Gesehene noch mal dem Zuschauer klarzumachen. Jojo ist ein super Beispiel wie man „show, don’t tell“ nicht macht. Speedwagon verkommt absolut zum Nicht-Charakter, der nur an der Seitenlinie rumschreit statt je was zu machen. Und Joseph ist einfach nicht sonderlich sympathisch.

Alle Charaktere werden als so edel und nobel und intelligent, oder als absolut böses Superwesen porträtiert, aber das erneut mehr in Worten als in Bildern. Es gibt allgemein absolut kein Build Up für plötzlich super dramatisch eskalierende Sachen. Wenn Charaktere sterben, dann ist da keine Emotion dahinter, egal wie lauthals alle anderen Rumheulen.

Und gut aussehen tut die ganze Angelegenheit auch noch nicht mal. Dabei ist Araki dafür bekannt, dass seine Zeichnungen super stylisch sind. Ein wenig sieht man das Aushängeschild noch. Araki ist dafür bekannt europäischen Glamour und High Fashion zu mögen. Das merkt man daran, wenn der finale Showdown gegen ACDC plötzlich in Sankt Moritz stattfindet. Das sieht man daran, dass seine muskulösen Kerle ständig posieren wie in High Fashion Shoots und der Kleidungsstil sehr heraussticht. Und natürlich sind die meisten Charaktere nach Bands und Songs benannt. Aber all das kommt in der Serie nicht wirklich visuell besonders herüber. Die Openings sind super stylisch und gut durchanimiert, und in den eigentlichen Episoden sieht man davon nichts mehr. Hin und wieder werden Sound Words auf den Bildschirm gekleistert, und wenn doch mal ein Charakter introspektiv nachdenkt statt alles laut herauszuschreien, wird die Szenen manchmal im Regenbogen eingefärbt. Aber die meiste Zeit ist weder der Zeichenstil sonderlich konsistent, noch die Animationen besonders flüssig, noch die Cinematographie besonders interessant.

Ich hoffe ein wenig, dass sich all dies bessern wird. Wie gesagt ist die nächste Story Arc jene, die so richtig populär wurde. Von daher hoffe ich einfach, dass die Handlung interessanter wird. Und das mit einer kompletten Staffel für die Story Arc auch mehr Zeit ist, Dinge sacken und sich aufbauen zu lassen, statt aus dem Nichts zu eskalieren. Und das David Production endlich ein Budget bekommt, so dass die Serie auch visuell mehr zu den Openings stilistisch aufzieht statt so nüchtern daherzukommen.

Denn ein wenig mögen wollte ich JoJo schon. Der Stilbruch zwischen dem maskulinen Shonen Anime und der High Fashion Optik versprach interessant zu sein. Und extrem melodramatisch voller strunzdummer Charaktere zu sein kann auch seinen Charme haben. JoJo bringt alles dazu mit, eine unterhaltsame Soap Opera zu sein. Doch der Funke wollte in der ersten Staffel noch nicht dauerhaft für mich überspringen.

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