Certainly Simple: Earth Defense Force

ava-2658D3s Simple Line stand unter einem schlichten Motto: Budget-Spiele für einen Budget-Preis. So zählen beispielsweise die Simpe 1500 Reihe auf der PS1 und die Simple 2000 Reihe auf der PS2 jeweils über hundert Einträge. Weil kleinere Firmen mit einem kleinen Budget ausgestattet jene sozusagen am Fließband für D3 entwickelt haben. Meist basierend auf einer simplen Idee oder einem einzelnen Gimmick, sind so relativ schwachbrüstige Spiele entstanden. Wobei ein paar Einträge auch Budget-Re-Releases bekannterer Spiele sind. Das PS2-Release von Super Bust-A-Move oder die japanische Version von Puzzle Quest: Challenge of the Warlord sind beispielsweise ebenfalls Teil der Simple Line gewesen.

Die Zahl im Namen hat dabei einen einfachen Grund: Das ist der Preis. Die Simple 2000 Spiele auf der PS2 wurden also für 2000 Yen unter den Spieler gebracht. Das im Vergleich zu den 7000-9000 Yen eines normalen Neupreisspieles gesetzt erklärt auch, wie die Spiele mit ihrem schwachen Inhalt überhaupt Konkurrenzfähig waren. Wie gesagt: Simple Spiele zum simplen Preis.

Überraschend viele davon sind übrigens unter diversen Namen bei europäischen Nischen-Publishern erschienen. Feinschmecker von obskuren Spielen, die zudem in Europa aber nicht Nordamerika erschienen, finden hier also reichlich Kost.

Zwei von jenen Serien, die als Simple 2000 begannen, haben es allerdings über die Jahre zu einer gewissen Notorietät geschafft und sind zu eigenen Franchises geworden. Von denen wir uns Heute mit der wohl berühmtesten auseinandersetzen: Earth Defense Force. Welches immerhin drei Einträge auf der PS2 hatte. Dessen japanischer Titel ist The Chikyuu Boueigun und stellte Vol.31 der Simple 2000s statt. In Europa wurde es schlicht Monster Attack betitelt.

Als notdürftige Backstory bekommen wir geliefert, dass auf der Welt Friede Eierkuchen eingekehrt war, nachdem eine non-nationale Armee, die Earth Defense Force, gebildet wurde. Bis dann Aliens auftauchten, welche die Erde angegriffen haben. Nach einem ersten Rückschlag übernehmen wir nun einen der verbliebenen EDF-Soldaten, der im futuristischen Jahr 2017 gegen die Aliens mit Maschinengewehr und Raketenwerfer antritt.

Das Spiel ist dabei Missionsbasiert. Aus einer stetig wachsenden Liste wird also die aktuelle ausgewählt, man in das jeweilige Kampfareal gebeamt, um dort die Wellen an Gegner zu besiegen. Das sind mal gigantische Insekten, dann irgendwann fliegende Untertassen, laserschießende Walker-Mechs oder auch Nicht-Goldzilla und Mecha-Nicht-Godzilla. Teils dann irgendwann auch mehrere dieser Gegnerarten gleichzeitig. Irgendwann wird dann noch das Mutterschiff abgeschossen und Friede kehrt wieder auf der Erde ein.

Die Horden an Gegnern hinterlassen dabei ständig Pick Ups. Teils um die aktuelle Lebensleiste wieder aufzufrischen, nachdem man Schaden genommen hat. Aber auch um den Kämpfer stärker zu machen. Armor Pick Ups beispielsweise erhöhen die maximale Lebensleiste, Weapon Pick Ups hingegen schalten neue Waffen frei. So erweitert sich das Arsenal beständig. Zwischen den Missionen kann ausgesucht werden, welche zwei Waffen gerade mitgenommen werden sollen.

Und so schießt es sich, wahlweise sogar im 2-Personen-Multiplayer (lokal), durch jede Menge Insekten, auf das deren grüne Säfte spritzen, oder kommen UFOs in großen Explosionen zur Bruchlandung – all dies reichlich häufig zu sehen. Denn natürlich kennt das Spiel jetzt nicht wirklich viel Abwechslung. 90% der Missionen finden in der gleichen Stadtlandschaft statt, ein paar wenige am Strand oder Canyon, die dann aber auch jeweils nur eine Variante dieses Areals kennen. Irgendwann sind die Ameisen auch mal Rot oder besonders gigantische Königinnen. Monster Attack ist hauptsächlich dazu da, in kleinen wenige Minuten andauernden Missions-Happen einfach mit Laune und wenig Hirn wie in einem B-Movie Aliens und Rieseninsekten über den Haufen zu knattern. Wobei es durchaus cool ist, dass die komplette Landschaft zerstörbar ist. Wer also mit dem Raketenwerfen eine Brücke, Hochhaus oder Baum trifft, vernichtet auch jenes in großer Explosion. Manchmal darf auch in ein Bike oder einen Panzer eingestiegen werden, um stattdessen damit um sich zu schießen.

Lasst euch übrigens nicht davon erschrecken, dass nach jeder Mission die Komplettierungsprozent nur um 0.8 Punkte steigen. Es gibt keine 125 fast identische Missionen. Das Spiel hat lediglich 25 davon, allerdings können sie auf fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden von Easy bis Insane angegangen werden, die jeweils als 20% des Spieles gelten.

Es lohnt sich übrigens die Einstellungen durchzuprobieren. Ich rate beispielsweise die cineastische Kamera auszustellen. Die führt dazu, dass das Spiel in Slow Down geht und stark ranzoomt, wann immer ein UFO dramatisch explodierend zu Boden geht. Was aber dazu führt, dass man die ganzen kleinen Gegner, die einen noch umschwärmen, nicht mehr im Blickfeld hat. Außerdem sollte geschaut werden, ob einem das Steuerungsschema Normal oder Technical besser gefällt. Technical bietet mehr manuellen Freiraum, während Normal beispielsweise automatisch Gegner anvisiert, aber deswegen eventuell auch nicht immer den, den man gern im Visier hätte.

Der Nachfolger The Chikyuu Boueigun 2 stellte Vol.81 der Simple 2000 Linie dar und erschien in Europa als Global Defence Force. Na das ist ja schon fast der „richtige“ Namen. Was hat uns Sandlot durch D3 denn diesmal abgeliefert?

Der Handlung nach hat der Alien-Angriff aus dem letzten Spiel dazu geführt, dass 2018 die Earth Defense Force gegründet wurde, um weiteren solchen trotzen zu können. Kein bisschen zu früh, denn bereits 2019 kommt besagte neue Attacke. Rieseninsekten entsteigen dem Untergrund Londons und neue UFOs werden über dem Tokioter Himmel gesichtet. Schon merkwürdig, dass der zweite Teil angibt, die EDF wäre aufgrund der vorigen Ereignisse gegründet worden, wenn der erste Teil doch meinte, sie existierte bereits vor dem Alien-Angriff. Bei einem Simple 2000 Spiel kann der Kontinuitätsfehler natürlich von allen Richtungen kommen – ein Übersetzungsfehler des EU-Publishers des ersten Teiles, dem des zweiten Teiles, aber genau so gut kann auch das japanische Original bereits Mist gebaut haben.

Das zweite Spiel spielt sich dabei grundsätzlich erst Mal exakt gleich gegenüber seinem Vorgänger. Bietet aber von allem mehr. Das merkt man schon, wenn nach der ersten erfolgreich bestandenen Mission der Completion-Zähler nur um 0.3 Prozent ansteigt. Die Anzahl der Missionen wurd nämlich fast verdreifacht und zählt nun satte 71 bis zu den End-Credits. Die wie gewohnt auch wieder in fünf verschiedenen Schwierigkeitsstufen vorliegen. Aber das ist noch nicht alles. Es gibt nun auffällig zwei Completion-Zähler. Denn in Global Defence Force darf ein zweiter Charakter durch alle 71 Missionen auf allen fünf Schwierigkeitsstufen geleitet werden. Neben dem normalen EDF-Kerl aus dem Vorgänger wurde nämlich ein weiblicher Spielercharakter der neuen Pale Wing Truppe hinzugefügt. Die hat ihre eigene Auswahl an Waffen und mehr Mobilität durch ein Jetpack, die alle aus der gleichen Energie-Ressource statt Munition zehren.

Natürlich gibt es auch mehr Gegner und Schauplätze. Wie beispielsweise die Londoner Innenstadt oder eine nächtliche Metropole. Riesige Spinnen, Tausendfüßler und neue UFO-Varianten werden in die altbekannten Feinde gemischt. Alles natürlich immer noch reichlich häufig wiederverwertet, so viele neue Dinge gibt es nun auch nicht im Vergleich zu der hohen Anzahl an neuen Missionen. Außerdem geht die Framerate diesmal wesentlich häufiger wesentlich stärker in den Arsch. An Balancing fehlt es auch ein wenig, manche Missionen sind sowas von viel schwerer als die anderen vor und nach ihnen, dass es echt keine Freude macht. Die meisten Missionen sind aber weiterhin dümmlich-spaßige Metzeleien.

Als letztes erschien als Vol.103 dann noch das Spinoff The Chikyuu Boueigun Tactics, in Europa auch schlicht Global Defence Force Tactics betitelt. Übrigens der erste Titel, der einem die Wahl zwischen 50hz und 60hz in der Pal-Version lässt. Ist schon irgendwo erheiternd, dass es das in den beiden Action-Spielen nicht gab, aber dafür im rundenbasierten Strategie-Spiel, bei dem das weitestgehend unwichtig ist.

Ich muss dabei eingestehen, dass ich nicht aus reiner Kuriosität das komplette Spiel gezockt habe. Denn es ist überraschend lang. Ich ging davon aus, dass es nach ein paar Maps vorüber ist. Eine kurze Recherche hat allerdings ergeben, dass es doch ganze 50 Schlachten gibt. Und das ist nur die erste Hälfte des Spieles. Denn nachdem man die EDF gespielt hat, darf man die 50 Schlachten auch von der Invader Gegenseite aus spielen. Für jemanden, der nicht wahnsinnig großer Fan von Strategie-Spielen ist und auch nicht sonderlich Laune am hiesigen Exemplar hatte, war das doch etwas viel verlangt.

Immerhin hat man sich diesmal thinkArts ins Boot geholt, um das Spiel zu entwickeln. Die haben zumindest ein wenig Erfahrung mit Strategie-Spielen, haben sie doch bereits für SystemSoft einige Daisenryaku Spiele auf Portable Geräte portiert.

Als Einheiten gibt es alle Gegner aus den ersten beiden Spielen, sowie deren EDF Einheiten, angepasst auf ein Strategie-Spiel. So sind die EDF Fußtruppen und die Pale Wings noch mal in weitere Spezifikationen unterteilt, sowie sind die verschiedenen Vehikel ihre eigenen Einheiten. Fliegende Einheiten wie die Pale Wings können dabei nicht von normalen Bodeneinheiten wie die Ameisen angegriffen werden, sondern es benötigt schon die geflügelten Varianten oder die mit Fäden schießenden Spinnen. Dafür können die geflügelten Ameisen wiederum nicht von den EDF-Bodentruppen erreicht werden.

Das Terrain spielt eine gewisse Rolle. So gibt es auf einigen davon einen Defensivbonus, wenn eine Einheit darauf steht. Allen voran hilfreiche Gebäude der Stadt. Von denen aus unter anderem auch Nachschub an Einheiten kommen können, je nachdem, unter wessen Einfluss sie stehen. Erneut können nur Bodentruppen die feindlichen Gebäude einnehmen. Der normale Zug, bei dem man die Einheiten bewegt, wird übrigens von einem Reinforcements-Zug begleitet. Denn obwohl man mehr als fünf Einheiten mit in die Schlacht nehmen kann, können jeweils nur fünf neue einrücken. Es dauert also ein paar Runden, bevor man wirklich alle Einheiten auf der Karte hat. Gewonnen scheint dabei, zumindest in den ersten Karten, immer dann zu sein, wenn alle Gegnereinheiten ausgeräumt oder ihr Hauptquartier eingenommen ist. Anschließend gibt es sogar ein Ranking wie gut man war.

Nach den erfolgreich bestandenen Missionen werden übrigens neue Einheiten und neue Waffen freigeschaltet. Die Einheiten, die partizipiert haben, leveln zudem langsam auf. Erst so können sie beispielsweise bessere Waffen mit in den Kampf nehmen. Wie viele Einheiten man mit in die Schlacht nimmt, ist dabei grundsätzlich davon abhängig, wie viel sie kosten und wie viel Budget man hat. Wobei erneut zumindest bei den ersten Karten immer alle mitgenommen werden können, ohne die Kasse zu sprengen.

Nach wenigen Maps lässt sich das natürlich schwer wirklich evaluieren, doch Global Defence Force Tactics scheint mir schon ein simples aber ganz brauchbares Strategie-Spielchen zu sein.

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