Shmup it Up: Kolibri & Darius Burst

Angefixt auf Shmups habe ich mich dann mal vom GameBoy weg getraut. Immerhin ist es nicht gerade die ideale Plattform für das Genre. Stattdessen ging ich mal auf die Konsolen, die dem besser gegenüberstehen. Allen voran das Mega Drive, welches ja nun wirklich keinen Nahrungsmangel an Shoot em Ups hatte.

Aber das Standard Mega Drive ist es gar nicht geworden, sondern seine kurzlebige Erweiterung das 32X. Es war nämlich Mitte der 90er so, dass sich Sega Japan und Sega America nicht so ganz gut gegenüberstanden und außerdem unterschiedliche Richtungen für die Zukunft wollten. Da das Genesis (deren Name vom Mega Drive) in den USA so erfolgreich war, wollte Sega America den Leuten nämlich eine kostengünstige Version anbieten, jenes auf 32bit aufzurüsten, statt die neue Saturn-Konsole von Sega Japan kaufen zu müssen.

Das Ding hat so gut wie keine Spiele bekommen und war schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. Unter den 41 herausgekommenen Spielen war allerdings ein Shmup von Novotrade, die Besitzern von Segas Mega Drive eher durch Ecco the Dolphin bekannt sein sollten. Und wenig überraschend liefern sie mit Kolibri ebenfalls ein untypisches Erlebnis für das Genre ab.

Ähnlich wie Ecco beginnen wir auch Kolibri in einer friedlichen Niederkunft von Artgenossen. Bis plötzlich ein kataklysmisches Ereignis eintritt und eine mysteriöse Kraft unseren Vogel als den Retter auserwählt. Die Reise beginnt.

Die geht durch für Shmups überraschend viele Stages mit 20 an der Zahl, die mehr oder weniger lang ausfallen. Was ganz untypisch ist, ist die Tatsache, dass normale Autoscroller, bei denen nur die hereinfliegenden Gegner überlebt werden müssen, eher die Seltenheit darstellen. Die meisten Stages in Kolibri sind hingegen offene oder labyrinthene Areale, die frei erkundet werden können. Mit dem Ziel entweder bestimmte Gegner zu erlegen, oder das Powerup zu finden, mit dem eine Steinblockade zerstört werden kann, um ins nächste Stage gelassen zu werden. Bosse gibt es an deren Ende überhaupt nicht, lediglich ein einzelner solcher Gegner ganz gegen Ende des Spieles.

Eine weitere interessante Eigenschaft ist, dass Kolibri überhaupt kein Interface einblendet. Lediglich der Name eines Stages und dessen Passwort, um hier jederzeit erneut einsteigen zu können, flattern zu Beginn schnell über den Bildschirm. Danach wird nichts angezeigt außer das Naturpanorama und die Gegner, die sich unserem Kleinvogel entgegenstellen. Viele davon sind Insekten, es gibt aber auch größere Tiere wie Schlangen oder Frösche, die einen Instakill bedeuten. Normalerweise können nämlich mehrere Treffer eingesteckt werden. Wann immer ein Health Up gefunden wird, zeigt das Spiel dies an, in dem kurz ein Schwarm von maximal vier Kolibris um den eigenen erscheinen. Gleiches, wenn man getroffen wird, denn dann fliegt einer davon wieder weg. Continues gibt es übrigens im Spiel unendlich viele, allerdings beginnt man nach einem Ableben an Checkpointen erneut statt direkt dort, wo der Vogel gestorben ist. Dafür können drei Schwierigkeitsgrade angepasst und im Zwei-Spieler-Modus gezockt werden.

Dieser Minimalismus gibt dem Spiel einiges an Atmosphäre. Überraschend nutzt es die 32bit-Kapazitäten auch nicht, um auf den damals aktuellen 3D-Hype aufzuspringen, sondern bietet lediglich 2D-Hintergründe an, die mehr Details und Farben aufbieten können. Im ersten Durchgang macht das Kolibri zu einem interessanten Erlebnis. Zerstört aber – abgesehen vom Versuch alle drei Schwierigkeitsgrade auszuprobieren – den Wiederspielwert. Ich kann verstehen, warum man beispielsweise keinen High Score einblenden wollte, aber nach dem einmaligen Durchspielen einen zweiten Modus mit Interface anzubieten, um zum Spielen auf besseren Score zu motivieren, wäre eventuell eine gute Idee gewesen.

Darius Burst hingegen ist ein ganz anderes Erlebnis. Zum einen ist es ein semi-aktuelles Shmup. Darius Burst Chronicles Saviour ist mit 2015 immer noch das neueste existente Spiel der langlebigen Franchise. Auch wenn das Original auf der Playstation Portable bereits 2009 erschienen ist. Welches auch die Version ist, die ich mir angeschaut hatte.

Womit sie ebenfalls relativ minimal bleibt, statt die vielen Modi und Einstellungsmöglichkeiten der erweiterten Re-Releases zu bieten. Im Gegensatz zu Kolibri haben wir es hier außerdem mit einem ziemlich normalen Shmup-Erlebnis zu tun. Es wird durch fünf Stages im Autoscroller geschossen, Updrades für die Feuerkraft des Schiffes eingesammelt, am Ende jedes Stages wartet ein Boss, und nach einem Treffer ohne Schild ist ein Leben verloren. Nach besagtem Ableben respawned das Schiff aber netterweise dort, wo es explodiert ist, statt zu einem Checkpoint zurückgesetzt zu werden. Und auch an Feuerkraft verliert es nur eines der vielen Upgrade-Level.

Besonderheiten gegenüber der Shmup-Konkurrenz hat das Spiel allerdings schon, alle ziemlich typisch für die Darius-Reihe. So gibt es im Spiel durchaus mehr als fünf Stages, elf sind es nämlich an der Zahl. Nachdem es von Stage A nach Stage B ging, kann anschließend gewählt werden, ob es in Stage C oder D weitergehen soll. Was letztendlich zu vier verschiedenen End-Stages mit Bossen und Endsequenzen führt. Die Route mit den früher im Alphabet stehenden Buchstaben ist dabei einfacher als die von späteren Buchstaben. Sprich End-Stage H ist das einfachste, Stage K das härteste Finale.

Zudem kann daran, zumindest im Arcade-Mode, weiterhin geschraubt werden. Es lässt sich nämlich der Schwierigkeitsgrad aus den drei Standards wählen und die Leben von einem bis zu sechs pro Continue verändern. Von besagten Continues gibt es zudem unendlich viele, es kommt also nicht dazu, dass einem irgendwann alle Leben und Continues ausgehen und ganz von vorn begonnen werden muss.

Ein bisschen was Freischaltbares gibt es auch. Wo zunächst nämlich nur ein Schiff geflogen werden kann, sind später zwei weitere verfügbar, deren Schuss- und Bombkonfiguration anders ausfallen. Gleiches mit den Modi. So wird mit Arcade gestartet, lassen sich aber auch noch Burst und Mission Mode freischalten. Burst Modus ist die Challenge durch das Spiel auf nur einem Leben und keinen Continues zu kommen, dafür ist das Schiff aber auch von Anfang an voll aufgepowert statt Upgrades einfangen zu müssen. Mission Mode hingegen setzt den Spieler jeweils mit einer Aufgabe versehen in ein Stage, die erfüllt werden soll.

Was mir Darius allerdings immer besonders gefällig macht, ist die audiovisuelle Präsentation. Immerhin ist es bei Shmups allgemein nicht unwichtig, dies alles möglichst cool aussehen zu lassen. Neben der echt guten Mucke ist es dann das Gegnerdesign, welches ich in Darius so schätze. Die sind nämlich alles mechanische Meeresbewohner. Es ist schon cool, wenn sich am Ende eines Stages ein gigantischer Quastenflosser, Nautilus, oder gar Wal einem entgegenstellt und um sich schießt. Genau das hebt die Reihe dann nämlich von der Konkurrenz auch mit ab.

Ich war sogar motiviert genug aus Interesse in das erste Darius hineinspielen zu wollen. Das hat ja in 2019 einen neuen Port bekommen, als es zu einem Bonusspiel auf dem Mega Drive Mini wurde. Eine Version des Spieles war nämlich damals fürs Mega Drive geplant, allerdings nie umgesetzt worden, so das jene komplett neu nur für die Mini-Konsole entstand.

Zunächst einmal war es nett zu sehen, dass die Version die Auswahlmöglichkeiten der PC Engine Releases gibt. Neben der Arcade-Version mit vielen Copypaste-Bossen lässt sich das Spiel so alternativ mit 26 Unikat-Bossen spielen und jene sogar als reiner Boss Rush ohne die davorstehenden Stages angehen. Dummerweise lässt einen das Spiel allerdings keinerlei Leben oder Continues einstellen. Wer wie ich in Stage 2 alle seine drei Leben verloren hat, muss somit schnell feststellen, dass es an Continues null gibt und das Spiel von vorn begonnen werden muss. Da hab ich dann direkt aufgegeben.

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: