The Evil Within 2

Die Resonanz der beiden Evil Withins in Spielerkreisen ist sehr interessant. Ich habe bisher wenig gesehen, die beide Teile toll finden. Sondern meist sind Fans vom ersten Teil eher weniger vom Nachfolger begeistert gewesen. Während diejenigen, die den Erstling eher mau fanden, vom zweiten Teil wesentlich besser abgeholt wurden. Auch ich kann aus diesem Teufelskreis nicht ausbrechen. Während ich The Evil Within im letzten Jahr absolut nicht genossen habe, kam ich nämlich mit The Evil Within 2 wesentlich besser klar.

Auch wenn ich zustimme, dass dies hier nicht hätte ein direktes Sequel sein müssen. Es gibt im Prinzip zwei wiederkehrende Charaktere, Sebastian ist erneut der Hauptcharakter, während Kidman diesmal eine wesentlich größere Rolle inne hat. Die Geschichte an sich hat aber mit dem ersten Teil nur am Rande zu tun und würde mit komplett neuen Charakteren genauso funktionieren. Sogar besser würde ich sagen, denn eigentlich macht der Grund der Neu-Involviertheit der beiden wenig Sinn. Nicht das das Storygeschehen im ersten The Evil Within so wahnsinnig schlüssig gewesen wäre. Ein neuer Kerl, der in den Animus eintauchen muss, um seine Tochter zu retten, hätte zumindest mehr Sinn ergeben, als diese Geschcihte Sebastian aufzubürden.

So wahnsinnig viel geschert habe ich mich ehrlich gesagt um jene Handlung, auch wenn sie jetzt wesentlich persönlicher ist, allerdings erneut nicht. Ihr ist allerdings diesmal wesentlich einfacher zu folgen, da sie nicht unnötig verkompliziert erzählt wird. Ein wenig generischer ist sie natürlich schon, wobei die im Erstling halt auch nicht herausragend speziell war, sondern nur sehr obtus umgesetzt. Das ist allerdings so allgemein ein wenig das Motto von The Evil Within 2: Generischer beziehungsweise normaler als der Erstling, dafür aber auch besser funktionierend.

Dies merkt man schon in Chapter 2, welches im Prinzip von der Herangehensweise wie Chapter 1 des Vorgängers ist. Eine Art Prolog, bei dem Sebastian sich zunächst durch seine Umgebung schleichen und dann anschließend vor einem Gegner davonrennen muss, weil er noch keine Waffen hat. Nur sieht das in der dementen Kunstgalerie besser aus, ist die Übersicht beim Schleichen besser gegeben, und ist die Verfolung die Speerspitze statt mehrmals zu geschehen, so dass sie zur Routine geworden ist.

Das Spiel ist übrigens Open World. Das Un-Termini der letzten Videospielgeneration und so mal gar nicht, was man in Verbindung mit Survival Horror hören will, weil eine offene Herangehensweise selten im Horror funktioniert. Es sei denn es soll lediglich ein virtuelles Grusekabinett sein. The Evil Within 2 regelt es immerhin so, dass nur wenige der Kapitel Zugang zur kompletten Stadt ermöglichen, während die dazwischen narrativ wesentlich stringenter sind und sich auf einen eingeschränkten Weg begeben. Zudem kann die Open World ignoriert werden, da immer klar ist, wo es weitergeht. Auch wenn man damit einen Großteil der Spielzeit und optionale Pickups ausklammert, wobei das Spiel eh wieder zu den längeren Vertretern des Generes gehört.

Ich mein es mag nicht alles besser sein. Die Cover-Mechaniken sind manchmal etwas merkwürdig, weil Sebastian sich wesentlich lieber an ne Wand klebt, als mir das lieb ist. Das Problem habe ich aber immer, von daher liegts vielleicht auch an mir, weil ich nicht Cover-Shooter trainiert bin. Die zum Glück wenigen und kurzen Schleichsegmente in First Person wollen auch nicht so ganz, weil dabei Sneak Kills echt schwer sind. Und es gibt etwas arg viel zu Sammeln und Craften, was wahrscheinlich durch die Open World kommt. Aber ist ja nicht so, dass es letzteres im Vorgänger gar nicht gegeben hätte. Wenigstens rennt man nicht mehr ständig mit fast keiner Munition durch die Gegend, man hat – erneut wenn man die Open World zumindest macht – eigentlich immer mehr als genug Zeug, welches in Munition und Heilung gewandelt werden kann. Sofern nicht auf den höchsten Schwierigkeitsgeraden gespielt wird.

Der Look des Spieles gefällt mir zumindest wesentlich besser. Vielleicht nicht die neuen Charakterkostüme, die nicht mehr so stylisch sind, aber dafür der Rest. Es ist halt nicht alles Grau und im grobkörnigen Filmfilter. Stattdessen gibt es ein paar Farben, blau eine thematisch sehr häufig tünchende darunter, sowie später weiß. Da ein Hauptgegner ein dementer Künstler ist, darf man sich natürlich auch über pseudo-artistische Dekoration von blinkenden Augenbildern oder arrangierten Leichen einstellen. Das wirkt ein wenig wie ein Silent Hill für Arme, weil The Evil Within nie auch nur versucht dessen Tiefe zu erreichen, sondern das ganze eher für den coolen Look trägt… aber das macht den Look halt nicht weniger cool. Die Bethesda-RPG ähnlichen Gesprächsszenen mit den NPCs, die einem sogar Sidequests aufdrücken können, wirken aber schon etwas cheap und fehlplatziert.

Auch mag ich einfach, dass sich jetzt alles so viel stringender anfühlt. Zumindest außerhalb der Open World brauchen die Kapitel nicht gefühlt doppelt so lang, wie man Lust hat, reiht sich noch ein drittes oder viertes Setpiece aus dem Nichts ans Geschehen. Es endet nicht mehr jedes sowieso schon ermüdend lange Kapitel auch noch auf einen Bosskampf. Und es muss nicht an jeder Ecke mehr gefürchtet werden vom letzten Checkpoint erneut beginnen zu müssen, weil man schon wieder einen Onehit Kill nicht kommen sah. The Evil Within 2 beschränkt sich einfach lieber auf weniger Ideen, die gut ausgearbeitet sind, statt beständig mit Neuem überraschen zu wollen, das dann dürftig umgesetzt ist.

The Evil Within 2 ist also auch nicht perfekt. Es ist eigentlich von seiner Umsetzung her sogar ein wesentlich anderes Spiel als sein Vorgänger und macht dadurch erneute Kinderfehler eines Erstlings, obwohl es keiner ist. Den Großteil vom Vorgänger über Bord werfen zu müssen, um ein brauchbares Spiel machen zu können, sagt aber mehr über Teil 1 statt Teil 2 aus. Kein Wunder das kaum einer beide so richtig leiden kann. Entweder man mag Resident Evil in Schlecht, oder man mag Silent Hill ohne Tiefgang, aber nicht beides.

Ich mochte dann tatsächlich The Evil Within 2 mehr. Oder besser gesagt mochte ich 2 im Gegensatz zu 1 überhaupt. Vielleicht eben dadurch, dass es alles anders macht und ich es ständig mit dem Vorgänger verglichen habe, mochte ich es sogar etwas mehr, als es eigentlich auf sich alleingestellt verdient hätte. Ich glaube The Evil Within 2 ist eher gehobener Durchschnitt. Damit ist er aber schon so ungleich viel spielbarer und spielenswerter als der Vorgänger.

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