Bloodborne

Es ist vollbracht. Die Reise hat ein Ende gefunden. Vor zwei Jahren holte ich mir Dark Souls Remastered. Vollkommen davon überzeugt das die Franchise nichts für mich ist. Aber nach Jahren des Interesse-weckens war ich doch bereit dazu, es zumindest auszuprobieren. Nur mal so zum Spaß. Nur um zu sehen, wie früh der spät das unweigerliche Scheitern kommt.

Es kam nicht. Stattdessen kamen die zwei Nachfolger und Bloodborne zu mir nach Hause. Die es auch nicht vermochten einen hoffnungslos unfähigen Spieler wie mich davon abzuhalten, irgendwie durch ihren Content bis zu den End Credits zu stolpern. Wie sich herausstellt muss man gar nicht git gooden. Ich habe nie gelernt wie ein Backstab funktioniert, oder ein Parry und Reposte. Auch Bloodborne konnte mir den Gun Parry und die Visceral Attacks nicht beibringen, nach Anfangsschwierigkeiten habe ich nie wieder die Pistole abgefeuert. Bossattacken lernen? Durch sie hindurch dodgen? Nah. Und dennoch stehe ich nun hier, mit allen vier von mir spielbaren Soulsbornes (Demon’s Souls gibt’s auf der PS4 nicht, Sekiro ist keines, gut danke weiter im Text) hinter mir liegend. Ich bin frei!

Ich bin bis Heute nämlich nicht sicher, was mich an den Spielen so packt. Irgendwas muss es ja sein, sonst hätte ich nicht in zwei Jahren vier davon durchgezogen. Es muss wohl was im Gameplay-Loop sein, auf das ich meine Finger nicht legen kann. Der Schwierigkeitsgrad ist es jedenfalls nicht, ich würde die auch auf einem Easy-Mode spielen. So verpönt es auch ist, Schwierigkeitsgrade im Kontext mit Soulsborne ins Gespräch zu bringen. Als ob die Existenz von mehr Optionen dazu führen würde, dass es nicht weiterhin auf Normal gespielt werden könnte. Es kann auch nicht an Handlung und Lore legen, denn erstere gibt es in den Spielen keine, und zweiteres ignoriere ich.

Wobei das Victorian Gothic Design von Beast Souls schon sehr ansprechend ist. Die Stadtlandschaften voller Grabsteine, Särge und Statuen sehen schon richtig geil aus, wenn auch das Spiel grafisch weiterhin etwas flach und eindimensional rüberkommt statt schön plastisch. Was ein allgemeines Soulsborne-Problem ist, oder bis zur PS5-Version von Demon’s Souls zumindest war. Außerdem gibt es vielleicht ein paar Stadtgebiete viel in Bloodborne. Ähnlich wie bei Code Vein kann ich nicht sagen, dass die mir während des Spielens absolut zum Hals raushingen, aber ein wenig Abwechslung schadet nicht. Als richtige Beschwerde geht es aber denke ich nicht durch, wenn es nur auffällt statt wirklich zu stören. Zumal die Gebiete definitiv in sich distinikter und interessanter designt sind als die doch sehr gamigen Level eines Code Veins. Später kommt dann eh noch der kosmische Horror hinzu, was aber mehr Auswirkungen auf das Gegnerdesign hat und nur bedingt auf die Gebiete an sich. Man fühlt sich in Bloodborne einfach, als wäre man im viktorianischen London nicht der eigentlichen Periode, sondern in einer korrupten Version wie sie durch Gedichte von Poe und Geschichten von Lovecraft vor dem inneren Auge erscheinen.

Spielerisch hat sich gegenüber den anderen Teilen nicht viel geändert und doch schon ein wenig was. Wobei es erneut darauf ankommt, ob man Bloodborne mit den Spielen vor ihm vergleicht, oder mit dem Spiel nach ihm. Generell ist das Kampfsystem wesentlich schneller als in den ersten drei Soulsbornes. Allerdings habe ich ja das später erschienene Dark Souls III auch vorher gespielt, und so unähnlich sind die sich dann wieder nicht. Allerdings muss ich noch mal deutlich betonen, dass der schnellere Spielverlauf für mich in Dark Souls III gegenüber dem bedächtigeren der ersten beiden Dark Souls nie so richtig funktioniert hat. Für mich wirkte da irgendwas nicht stimmig. In Bloodborne hatte ich damit tatsächlich wesentlich weniger Probleme. Vielleicht weil es tatsächlich gar keine Schilde gibt, die zum Blocken ausgerüstet werden können. Vielleicht aber auch wegen dem Rally-System. Wer nämlich in Bloodborne eine Attacke einsteckt, kann sich einen Teil der verlorenen Lebensleiste durch direktes gegenattackieren zurückholen. Das belohnt das gewollte aggressivere Spielen wesentlich mehr als das Estus-System eines Dark Souls. Auch wenn Auseinandersetzungen, gerade gegen (große) Biester dadurch optisch gern mal zu einem reinen Clusterfuck werden können, bei dem man am Ende nicht genau sagen kann, wer nun mehr eingesteckt hat, bis eine der Seiten tot ist.

Eine weitere Neuerung ist die Art der Heilung. Das funktioniert eben nicht mehr durch etwas wie den Estus, der an Bonfiren automatisch wieder aufgefüllt wird. Stattdessen gibt es Blood Vials, die wie die Kräuter in Demon’s Souls ganz normal konsumierbare Gegenstände sind. Und deswegen finit sind und nachgefarmt werden müssen, wenn das Lager leer ist. Fürs Balancing können „nur“ 20 davon auf einmal mitgenommen werden, was aber ziemlich reichlich ist. Ich hatte sogar das Glück, dass ich nie langwierig jene nachfarmen musste, wie ich das zunächst befürchtet hatte. Allerdings habe ich zu Beginn Upgrade-Materialien in Central Yharnam gefarmt, wodurch ich einen gewissen Puffer von Anfang an hatte. Da Blood Vials von vielen Gegnern hinterlassen werden, war es sogar so, dass ich häufig mehr Heilung hatte, als das ein Estus-System zugelassen hätte. Einfach weil ich verbrauchte Vials unterwegs durch Gegner-Drops wieder aufgestockt hatte. Die gehen nämlich zunächst ins aktive Inventar und erst ab dem Maximum von 20 in den Vorrat. Von daher kam mir persönlich das geänderte System sogar zugute statt mich zu belasten. Ich darf mich also hier nicht beschweren.

Ich will mich aber beschweren, sonst verliere ich noch meine Identität. Und deswegen sprechen wir mal ganz schnell über die Lampen. Das sind die Bonfire von Bloodborne. Aber mal so gar keine Bonfire. Ist das nicht doof? Das ist doof und hier ist warum. Sie sind eher Arch Stones aus Demon’s Souls. Deswegen müssen sie doch doof sein! Es liegt letztendlich an ihrer Funktionalität. Denn all die schönen Sachen, die man so an einem Bonfire machen konnte, kann man an den Laternen nicht. Nur warpen. Und auch nur in die Hub-World des Hunter’s Dreams. Man möchte aufleveln, Gegenstände kaufen, Gegenstände aus dem Lager holen, Waffen aufbessern, die geslotteten Gems/Runes wechseln, Rüstung reparieren? Für all das muss in den Hunter’s Dream zurück. Die Gegner eines Gebietes sollen respawnen? Zum Hunter’s Dream und dann zurück ins Gebiet warpen. Man möchte in einem anderen Gebiet weiterkämpfen? Zum Hunter’s Dream und dann von dort ins neue Gebiet. Klar gewöhnt man sich dran. Aber dennoch ist es etwas schade, dass all dies immer mit zwei Ladebildschirmen einhergeht, während die Dark Soulse mehr oder weniger viele der häufiger genutzten Funktionen bereits schön praktisch ohne die unnötige Warperei bereitgestellt hatten.

Weiterhin persönlich unbegeistert war ich vom harten Einstieg in das Spiel. Ich würde mal sagen, dass es eigentlich insgesamt sogar das einfachste der vier Spiele ist. Zumindest bin ich bei meinem üblichen Death Count hier deutlich am niedrigsten geblieben. Die meisten Tode gingen auf den Boss Father Gascoigne. Das ist der Boss das allerersten Gebietes. Und der fühlt sich einfach viel zu fies dafür an. Der optionale weitere Boss im ersten Gebiet, Cleric Beast, war um einiges einfacher. Und ironischerweise gab es mal eine Türe, die von dessen Arena ins nächste Gebiet geführt hatte, dann aber irgendwann während des Developements verschlossen wurde. Sich auszusuchen, welchen der beiden Bosse man lieber machen will, und zum anderen im Notfall später zurückkommen zu können, wäre echt schön gewesen. Cleric Beast und Father Gascoigne sind auch noch zwei komplett unterschiedliche Archetypen an Bossen. Eines ist ein großes wild fuchtelndes Biest. Der andere ein humanoider Hunter mit einem Spielercharakter-Attackarsenal. Cleric Beast zu besiegen bereitet einen also auch überhaupt nicht auf Father Gascoigne vor. Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn Bloodborne statt Dark Souls Remastered mein erstes Soulsborne gewesen wäre, ich hätte wohl dort aufgegeben. Mein Gefühl, dass die Franchise zu schwer für mich ist, und ich früher oder noch früher eh nicht weiterkomme, hätte ich sofort bestätigt gesehen. Laut Trophies besiegen nur 45% aller Spieler ihn. Über die Hälfte kommt nie aus dem ersten Gebiet raus. Das Internet ist voller Threads von Leuten, die sich über ihn beschweren oder zumindest zugeben, dass sie das Spiel dort entweder komplett abgebrochen oder zumindest für lange Zeit pausiert haben. Ist echt schade, dass diese erste Hürde so hoch ist, das Spiel hat echt viel zu bieten und ist danach wesentlich ausgewogener.

Natürlich liegt das wie eigangs erwähnt auch an meinem unterirdischen Spielstiel. Als jemand, der die Feinheiten nicht beherrscht, sondern sich hinter einem dicken Schild verkriecht und mit dem fetten Zweihänder den Gegnern in möglichst wenigen Schwüngen den Kopf einschlägt, bevor die gefährlich werden können. So auch in Bloodborne nicht anders gespielt, nur halt ohne Schild. Wer braucht schon eine Pistole, wenn er die Hunter’s Axe, dann den Kirkhammer und dann Ludwig’s Holy Blade zweihänden kann? Tja bei Gascoigne und den teils sehr überstarken Hunter-NPCs in einigen Gebieten wäre gekontes Gun-Parrying sicherlich nützlich gewesen. Fraglich ob es nötig war, einem das am ersten mandatory Boss unbedingt beibringen zu wollen, wenn der Rest des Spieles auch ohne funktioniert.

Am Ende des Tages ist doch eh alles egal. Der Gameplay-Loop ist da. Der Gameplay-Loop packt. Der Gameplay-Loop lässt einen immer weitere Soulsbornes kaufen, bis man am Ende der Reihe angekommen ist. Bloodborne ist zudem meist das rundeste der Spiele, welches die wenigsten starken Schwankungen an Qualität und Balancing mit sich bringt. Ich glaube ich mag Dark Souls Remastered dennoch etwas lieber, aber dann kommt schon Beast Souls noch vor Dark Souls II: Scholar of the First Sin und Dark Souls III.

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