Tatort Giftschrank: Wem Ehre gebührt

Es ist vollbracht. Wir sind beim letzten Tatort mit Giftschrank-berührung angekommen. Diesmal handelt es sich um den 684sten auf dem Jahr 2007. Der elfte Fall mit Kommissarin Lindholm, Wem Ehre gebührt, ist bis Heute im Giftschrank verblieben und nicht wieder ausgestrahlt worden.

War ein wenig schwer in den Film reinzukommen, muss ich ehrlich gestehen. Wahrscheinlich weil hier viel in den B-Plots im Privatleben von Lindholm rumgemacht wird. In welches ich natürlich ziemlich ins kalte Wasser gesprungen bin, da ich keinen ihrer vorigen zehn Fälle kenne. Somit auch nicht die Vorgeschichten, die hierhin geführt haben. Sie ist schwanger, aber der Kindsvater ist aus dem Bild, genaues weiß ich nicht. Ihr Mitgewohner hilft ihr viel, ist aber auch etwas schlecht auf sie zu sprechen, weil sie nicht richtig dankbar ist. Oder so ähnlich. Allgemein fehlt es Lindhom extrem an Sozialkompetenz, weswegen auch ihre Kollegen auf dem Revier sie scheinbar nicht so super leiden können. Wobei es mir halt nicht klar ist, ob das daran liegt, dass sie so für sich zurückgezogen bleibt, oder ob da schon immer Animositäten waren, wegen derer sie die eben eher meidet.

Im Hauptplot geht es zumindest um eine ermordete Frau. Aber eigentlich auch am Rande zur Raubkopiererei, Lindholms aktueller Fall, der aber unter Anderem an ihren neuen türkischen Kollegen übergeben wird, damit sie wegen ihrer Schwangerschaft nicht auf Außendienst muss. Schreibtischarbeit liegt ihr aber gar nicht, also haut sie ständig für verlängerte Mittagspausen ab. Wodurch sie auch zufällig in die Deutschtürkin Afife rennt, die sich mit ihrem Bruder und wichtigen Mittelmann im Raubkopierer-Fall streitet. Kurz darauf wird sie tot aufgefunden. Angeblich Selbstmord.

Lindholm glaubt da nicht dran. Was ihr auch eine Xenophobie-Vorwurf ihres Kollegens einbringt. Denn was macht sich schon besser, als zu zeigen, wie schwer das Leben einer weißen deutschen Polizistin doch ist, wenn sie ausländische Minderheiten unter Tatverdacht stellt. Einfach so Grundlos hagelt es da Rassismusvorwürfe. Von denen sich Lindhom natürlich nicht unterkriegen lässt, immerhin hat sie sich nichts zu Schulden kommen lassen. Ja als Afifes jüngere Schwester Selda um Hilfe bittet, weil sie selbst unverheiratet schwanger ist und um sich fürchtet, beherbergt sie die sogar. Wer genau der Vater ist oder warum sie so überzeugt davon ist, dass Afife ermordet wurde, will Selda aber nicht rausrücken.

Letztendlich wird der Mord aufgedeckt. Was stark mit dem Kindsvater zusammenhängt. Und mit der Tatsache, warum der Tatort im Giftschrank ist. Die türkische Familie gehört den Aleviten an. Die Probleme zwischen der aufgeschlosseneren Religion und den orthodoxeren Sunniten (denen Afifes Mann angehörte) wird behandelt. Ehrenmord als Tatmotiv klischeehaft aufgeworfen. Tatsächlich geht es aber um schnöde Pädophilie und Inzest. Der Vater von Selda hat sich an ihr vergriffen, ist deren Kindsvater. Afife wusste Bescheid und musste deswegen sterben. Die Geschichte wird nicht wirklich direkt mit der Religion in Verbindung gebracht. Es ist mehr ein roter Hering, ein Gotcha-Moment. Nach dem Motto „Türkische Familie, ist ja klar, an welche üblichen Klischeemorde da jeder denkt, aber das hier hätte in jeder vorkommen können“. Dennoch waren angehörige der Glaubensgemeinschaft selbstverständlich nicht sonderlich erfreut darüber, dass ausgerechnet bei einer Familie ihres Glaubens die Inzestkeule rausgeholt wird. Man hat sich beschwert und die ARD sich dazu entschieden, die Folge nicht mehr auszustrahlen.

Verlustig gegangen ist uns damit allerdings auch nicht viel, will ich hier mal so ganz frech sagen. Die Folge ist unaufgeräumt und langweilig. Zu viel Privatleben der Kommissarin, zu wenig Fokus auf den Fall. Die ganzen Missdirects, die zusätzlich mit verbaut sind, aber alle sehr Klischeelastig behaften, machen die Handlung auch nicht stringenter. Am Ende sitzt man dann da, hat einer Unsympathin 80 Minuten durch ihren Fall gefolgt, und denkt sich „Ach so war das… ok“, zuckt mit der Schulter, und übergibt den Tatort dem Vergessen. Vielleicht ist aber auch die Reihe einfach nicht ganz mein Ding.

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