Project Rub: Feel the Magic

Wenn Segas letzte Konsole, das Dreamcast, restrospektiv für Viele für eines steht, dann ist das Kreativität. Im letzten Versuch sich doch noch eine lukrative Nische zu finden, wurde auf so Spiele wie Shenmue, Space Channel 5, Jet Set Radio, Seamen und Co. gesetzt. Der Status als Konsolenmanufakteur sollte ihnen zwar entgleiten, damit war aber die Kreativität nicht mit verschwunden. Wie das beispielsweise ein kurz darauf auf dem DS erschienenes Spiel von Sega zeigte, bekannt in Europa als Project Rub, in Nordamerika als Feel the Magic XY/XX und mit einem japanischen Titel, der übersetzt ungefähr Ich würde für dich sterben lautet.

Aufmacher des Spieles ist, dass sich unser Schattenmensch von einem Kerl in eine weibliche Bevölkerungssilhouette verliebt, und diese auf sich aufmerksam machen respektive vor Gefahren schützen möchte. Mit all den üblichen Alltagsproblemen, die so eine Beziehungssuche und deren anschließender Erhalt mit sich bringt.

Was mache ich beispielsweise, wenn ich ihr einen Goldfisch schenken möchte, bei der Übergabe aber über einen Dritten stolpere, der vor Schreck den Mund öffnet, und den Goldfisch prompt verschluckt? Na ich reibe demjenigen natürlich den Bauch, bis der Goldfisch inklusive einiger weiterer wieder ausgespuckt ist.

Was mache ich, wenn die mittägliche Großstadt-Stampede ausbricht, bei der die Auserwählte genau in die Rennbahn der hundert Kuhbullen gerät? Na ich springe natürlich dazwischen und knocke sie alle aus, dabei darauf achten, die Asphalt-Ski-Fahrer zu verschonen.

Wenn der ganz normale Skorpion-Ausliefer-LKW dummerweise einen Unfall hat und alle mit lebenden Skorpionen bestückte Kisten auf meine Liebste niederregnen? Natürlich werden die von ihr ferngehalten, ohne sie dabei zu grob anzufassen.

Was ist, wenn meine frisch gefundene Freundin plötzlich von einer mutierten Audrey II Pflanze entführt wird? Na ich stecke die natürlich so lange in Brand, bis sie meine Angebetete wieder frei lässt. Und wenn ein Rivale mit Blitzgewitter um sie eiffert? Da wird natürlich mit der eigenen Haarpracht zurückgewittert.

Und ich dachte immer heterosexuelle Beziehungen wären total langweilig. Dabei geht da richtig die Post ab. Jetzt kann ich verstehen, warum Typen immer meinen, es wäre so schwer eine Freundin zu finden.

Der Nonsense von einer vage zusammengehaltenen Handlung dient letztendlich natürlich nur dazu, um eine Kollection an Minispielen irgendwie zusammenzufügen. Die von ihrer Sinnigkeit und Relation zueinander ansonsten genauso gut aus einem Wario Ware stammen könnten. Letztendlich muss in den mehreren Dutzend Challenges ordentlich der DS angetatscht und hin und wieder einen geblasen werden. Ob nun wild rubbeln oder gezielt antippen, vielfältig werden die Eingabegimmicks des Handhelds beansprucht. Das geht erwartungsgemäß mal beser und mal schlechter. Wobei ich nur zwei Minispiele wirklich extrem enervierend fand. Das Rhyhtm Game will unglaublich zeitgenaue Inputs dafür, dass das Touchscreen-drücken der entsprechenden Tasten eher ungenau ist. Und das Paintspray-Minispiel hat einen viel zu kurzen Timer. Beim Rest mag nicht alles immer gleich klappen, es hält sich aber alles im Rahmen des Machbaren.

Besonders punktet allerdings auch die audiovisuelle Präsentation. Das ganze Ding ist wie gesagt sowieso total überdreht, da dürfen abgespacte Musik und merkwürdie Geräusche aller Beteiligten natürlich nicht fehlen. Während die schräge Handlung durch Comic-Strips von stilisierten Silhouette-Figuren mit poppigen Primärfarben-Accessoires erzählt wird. Warum auf dem Cover und dem Hauptmenü allerdings ein Mannequin-Babe nur im Bikini prangt, das weiß wohl nur Sega selbst. Immerhin haben die den Nachfolger, der bei uns Rub Rabbits heißt, in Japan auch Wo kommen Babies her? betitelt. Macht so viel Sinn wie die ganze Minispiel-Sammlung an sich. Nämlich gar keinen. Ist aber so gewollt und dazu vibed es sich ganz schön.

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