The Iron Duke

The Iron Duke ist der erste Roman einer Reihe von Fantasy-Romance. Diesmal allerdings kein Young Adult, wobei da die Übergänge in der Regel eh fließend sind und sich eher daran festmachen, wie häufig und heftig die Sexy Times sind. Geschrieben wurde es von Meljean Brook, die so einige Bücher in ihrem Repertoire hat, welche aber in der Regel alle unbekleidete Sixpacks auf den Covern haben.

Die Geschichte spielt im viktorianischen England, allerdings mit dem Twist, dass wir zudem im Steampunk sind. Und sowieso in Alternative History. Denn „Die Horde“, a.k.a Mongolen, hatten Europa mit ihrer überragenden Technologie überrannt. Inklusive England, wo sie den Einwohnern Maschinen, „Bugs“, eingepflanzt haben. Diese hielten sie kräftig und gesund, allerdings auch absolut dem Sendesignal der Horde ausgeliefert. Um sie zu arbeitswilligen Sklaven ohne eigene Gefühle zu machen. Zumindest solange, bis Arbeiternachwuchs ranmusste, und ein anderes Signal ausgestrahlt wurde, welches alle in notgeile Raserei brachte. Der berüchtigte Pirat Rhys hat jedoch eines Tages im Alleingang den Sendeturm der Horde in die Luft gejagt und alle von deren Fremdkontrolle befreit. Jetzt leben die Engländer wieder selbstbestimmt. Unter ihnen auch Mina, die aus der Verbindung ihrer Mutter und einem Mann der Horde während des Brunfstsignals entstanden ist. Obwohl sie es also bei der Polizei weit gebracht hat, wird sie ob ihres mongolischen Aussehens vielerorts schlecht behandelt.

Natürlich bekommen wir diese Hintergrundgeschichte und die ganzen technologischen und historischen Besonderheiten dieser Welt nur so nach und nach erzählt. Das Buch an sich beginnt damit, dass Mina endlich von einer ihr lästigen Party (sie kommt aus verarmten Adelshaus) weg darf, weil es einen Todesfall zu investigieren gibt. Sie staunt nicht schlecht, als sie herausfindet, dass dies im Anwesen des Iron Dukes passierte, ehemaliger Pirat Rhys der durch die Befreiung Englands natürlich ordentlich Reichtum und soziales Ansehen erlangte. Oder besser gesagt es geschah in der Einfahrt, denn jemand hat einfach von einem Flugschiff aus dem Iron Duke eine Leiche vor die Haustüre geworfen. Dies führt bald zur Erkenntnis, dass irgendwer das ehemalige Flagschiff des Ex-Piratens, welches er der Royal Navy übergeben hatte, entführte und nun auf dem Schwarzmarkt eine Waffe kaufen will, die eine starke Bedrohung Englands werden kann. Der jüngere Bruder von Mina war dann noch ausgerechnet auf dem Schiff.

Rhys würde das eigentlich selbst regeln, kann sich aber nicht davon abbringen, Mina doch mitzuschleppen. Denn er hat sich auf den ersten Blick in sie verguckt. Was zunächst nur sexueller Besitzanspruch war, macht ihn über jede Zurückweisung Minas aus nur umso interessierter an der Person der charakterstarken Frau an sich. Mina hingegen könnte sich nie dem kernigen Supermann Rhys hingeben. Nicht wegen irgendwelcher Moralvorstellungen, die sind in der hiesigen alternativen Realität gar nicht viktorianisch. Nein es würde Mina und ihre Familie ins Rampenlicht rücken mit dem Helden Englands anzubandeln, und dies nur umso mehr Spott auf sie mit ihrem Hordenblut ziehen.

Natürlich verfallen die beiden einander. Und natürlich gibt es dann doch wieder dämliche Missverständnisse von beiden Seiten, die mehr ermüden denn der Spannung wirklich zugänglich sind. Wobei es interessant ist, dass The Iron Duke, obwohl es das erste Buch einer Reihe ist, als in sich abgeschlossen betrachtet werden kann. Kein offenes Ende, kein zwar abgeschlossenes Einzelabenteuer aber mit Aussicht auf mehr kommend. Das war immerhin nett. Umso weniger erklärt sich mir diese Verkomplizierung kurz vor Ende des Buches, wenn es die beiden eben nicht fürs nächste wieder auseinanderbringen sollte, sondern sie sich doch wieder versöhnen.

Der Rest der Romanze war so schlimm allerdings gar nicht. Was auch dadurch geholfen ist, dass The Iron Duke in erster Person geschrieben ist, jene Person aber zwischen Mina und Rhys hin und her springt. Deswegen wissen wir als Leser eigentlich immer, was deren Beweggründe und ihr Gefühlsleben ist. Das hilft vor allem dann, wenn Rhys ganz wie in Romance Lit üblich, zu Beginn auch stark übergriffig rüberkommen kann. So ganz Ok ist sein Verhalten immer noch nicht, aber es wird ein wenig relativiert, wenn bekannt ist, was dahintersteckt und was Mina so davon hält. Ich hätte dennoch durchaus ein wenig weniger häufig lesen können, wie sehr er sich doch wünscht, Mina unter sich winden zu sehen, und wie ihre Ablehnung ihn nur heißer macht. Das gute alte Paradox, dass Rhys sie als starke Frau bewundert, aber dennoch einen übertriebenen Beschützerinstinkt entwickelt, ist auch mal wieder da. Aber da hat das Genre an sich sowieso ein Identitätsproblem, wenn es darum geht so einen richtig kernigen sexy Kerl zu haben, der aber halt nur auf die richtige sexy Art ein Macho ist. Die Hauptakteurin eine starke selbstständige Frau sein zu lassen, die aber doch irgendwo drauf stehen darf, von ihm dominiert und beschützt zu werden, wenn sie nur ein oder zwei Mal ihren Unmut darüber verbalisiert.

Und ich muss sagen irgendwo habe ich ja auch eine gewisse Schwäche für solche Liebesgeschichten. Auch wenn der Kopf sagt, dass das alles ein schizophrenes Durcheinander ist, geht das Herz doch mit. Da bin ich wohl zu sehr durch meine Boys Love Vergangenheit auch vorbelastet, in denen die Beziehungen keinen Deut besser sind. Manchmal darf man sich ein wenig von seiner Fantasie verhätscheln lassen, statt immer alles Kopfgesteuert auseinandernehmen zu müssen.

Was bei The Iron Duke halt zudem dadurch funktioniert, weil es eh Alternative History ist. Wenn dann der europäische Kontinent zum Großteil entvölkert und von Zombies überrannt ist. Wenn die meisten Leute halb Mensch und halb Maschine sind. Wenn es mit ihrgenwelchen zu bindenden Schleifen zu befestigende Proto-Kondome gibt, bei denen ich nie verstanden habe, wie die halten sollen. Wichtig sind sie natürlich, denn der Iron Duke fickt. Merhmals und ausgiebig im Detail beschrieben. Das ist es doch gut zu wissen, dass die auf sich achten.

Doch letztendlich muss ich echt zugeben, dass zwar viel eventuell nicht ganz realistisch praktikabel rüberkommt, die Steampunk-Welt aber auf jeden Fall dicht ausgedacht ist. Dadurch ist mehr über sie zu erfahren durchaus einer der interessanten Punkte des Buches. Als Abenteuerroman funktioniert es ebenfalls gut, denn es kommt zu genug gut geschriebener Action. Schlecht geschrieben ist das Buch auf gar keinen Fall, egal um welchen Aspekt es geht.

Ich fand es auf jeden Fall ziemlich unterhaltsam. Sowohl was den Fantasy-Roman- wie den Liebes-Roman-Teil anging. Ersterer ist aber auf jeden Fall der bessere der beiden Parts. Ich wäre zumindest nicht ganz abgeneigt der Serie weiter zu folgen.

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