Ace Attorney: Spirits of Justice

Ich habe gelogen, als ich behauptete, dass Crimson Shroud und Aero Porter die einzig zwei verbliebenen meiner 3DS-Spiele sind. Als ich früher in diesem Jahr das zweite Investigations/Gyakuten Kenji gespielt habe, fiel mir nämlich wieder ein, dass ich mir das sechste Ace Attorney als einziges bisher nie geholt hatte. Und dann habe ich das mal nachgeholt, auch wenn mein Herz hauptsächlich in der ersten Trilogie steckt.

Diesmal gibt es keinen neuen Hauptcharakter auf der Anwaltsbank, dafür aber weiterhin alle drei aus dem vorigen: Phoenix Wright aus der ersten Trilogie, Apollo Justice aus dem vierten Part, und Athena Cykes aus dem fünten, die sich schon da das Rampenlicht mit den anderen beiden teilen musste. Und auch hier wieder etwas kurz kommt. Genau genommen ist diesmal übrigens Apollo mehr Hauptcharakter als Phoenix. So sehr, dass ich Spirits of Justice fast sowas wie das Ende seiner Trilogie nennen könnte. Es wäre echt interssant gewesen, wie genau der fünfte und sechste Teil ausgesehen hätte, wenn Phoenix tatsächlich nach dem vierten den Stab weitergereicht hätte. Wenn es wirklich mit der neuen Charakterriege weitergegangen wäre. Statt die alten weiterhin einzubinden, weil die bei Fans besser angekommen sind.

Diesmal dreht sich die Handlung stark um das Königreich Khura’in, welches von Nepal und Tibet inspiriert ist. Hier kann die Königsfamilie nicht nur die gleiche Geisterbeschwörung wie Maya machen, sondern auch deren letzten Momente vor ihrem Tod visualisieren. Was dazu führt, dass dies als das Hauptbeweismittel dient, um einen Angeklagten zu überführen. Besonders nachdem ein Verteidiger und mittlerweile Rebellenanführer die vorigen Königin angeblich umgebracht hat. Weswegen neue Regeln herrschen: Wer jemandem verteidigt, der des Mordes überführt wird, bekommt ebenfalls die Todesstrafe. Deswegen gibt es im Königreich keine Verteidiger mehr, nur noch Ankläger.

Phoenix weiß davon nichts, wenn er im ersten Fall, The Foreign Turnabout, eigentlich nur im Land ist, um Maya zu treffen, die hier ihre spirituellen Kräfte trainiert hat. Sein landesansässiger Guide, der keine Alibi für den Moment hat, als ein Landesschatz gestohlen und dessen Wache tot aufgefunden wurde, passenderweise Ahlbi Ur’gaid genannt, wird angeklagt. Und Phoenix, wie er nun mal so ist, denkt nicht lang nach, und will ihn verteidigen. Phoenix ist halt der Typ, der in einem fremden Land einfach den Gerichtssaal stürmt, um sich einzumischen, und erwartet, alles läuft wie gewohnt ab. Immerhin kennt er das Ankläger-Gesicht bereits, denn es ist der altbekannte Payne. Der ist nämlich genau der Typ, der nach seinen Niederlagen in Japan, in einem Land Ankläger werden würde, in dem es keine Oppossition gibt.

Natürlich geht es im ersten Fall mal wieder sehr nach Tutorial ab. Schnell abhandeln und alle alten wie neuen Spielemechaniken behandeln. Neu sind halt die Zeremonien, welche die letzte Erinnerung des Verstorbenen zeigen. Die werden wie Filme abgespielt und dort pausiert, wo ein wörtlich dargestellter Sinneseindruck mit der Szeneninterpretation nicht übereinstimmt. Und ehrlich gesagt finde ich die Ace Attorneys mittlerweile echt arg überladen. Phoenix, Apollo und Athena kommen jeweils mit ihrem eigenen Gimmick wie Gefühlstherapie oder Gedankenblocks daher, und jetzt noch das obendrauf. Ich wünsche mir die Zeit zurück, wo man einfach Zeugenaussagen mit Beweisen wiederlegen musste, und nicht in jedem Fall ein neues Minispiel mit eingebaut gehörte.

Für The Magical Turnabout gehen wir zurück nach Japan, denn Trucy steht auf der Anklagebank während ihrer Magieshow einen anderen Zauberer ermordet zu haben. Alles schön auf Kamera aufgenommen und im Fernsehen ausgestrahlt. Apollo muss sie verteidigen. Und das gegen den Ankläger Nahyuta, der aus Khura’in hier angekommen ist, und für den Rest des Spieles den Wiedersacher geben wird. Und eine Vergangenheit mit Apollo hat.

In The Rite of Turnabout sind wir zurück bei Phoenix, der nun endlich Maya treffen darf, die sich für das Abschlussritual vorbereitet hat, nach dem es zurück nach Japan geht. Und natürlich prompt auf der Anklagebank landet und von Phoenix verteidigt werden muss. Auch Emma Skye ist zurück. Hier wird viel auf die Rebellion, die gegen das Königshaus gerichtet ist, eingegangen. Und das die besonders gegen die strickte Gerichtsführung und das Fehlen von Verteidigern sind, die die keine fairen Prozesse zulassen.

Bei Trunabout Storyteller gehen wir noch mal zurück nach Japan und diesmal darf Athena den Verteidiger spielen. Bekommt dabei aber Hilfe ihres ehemaligen Antagonisten Simon, dem Ankläger des vorigen Spieles. Scheinbar trauen die Schreiber ihr nicht zu, alleine durch einen Fall zu kommen, denn wie häufig er ihr aushelfen oder Mut zusprechen muss, ist echt etwas nervtötend. Ihr Fall besteht auch als einziger nicht aus einem Teil Spurensuche und einem im Gericht, sondern nur dem Gerichts-Part. Was ihn noch mehr halbherzig eingeschoben wirkt, damit sie was zu tun bekommen hat.

Mit Turnabout Revolution geht es ins Finale und zurück nach Khura’in. Zumindest in der zweiten Hälfte. Apollo ist wieder Verteidiger, hat hilfe von Athena und nun auch noch Miles Edgeworth. Muss gegen den Ankläger Phoenix Wright antreten. Jepp, die beiden liefern sich einen Kampf vor Gericht und das ist eigentlich echt ziemlich cool. Angeklagt ist Rebellenanführer Dhurke, der Vater von Nahyuta und Adoptivvater von Apollo. Dun dun dun! Dies bringt alles zu einem runden Abschluss. Die Gerichtbarkeit von Khura’in und deren Fehler. Das Ereignis von vor vielen Jahren, welches die Rebellionsbewegung begründete. Und Apollos Familienangehörigkeit, über die wir in vorigen Spielen nie viel erfahren haben. Deswegen auch so ein wenig das Ende seiner Geschichte und somit schon Quasi-Trilogie.

Eine Sache, die mir bei den beiden Spielen auffiehl, die ich diesjahr gezockt habe, ist die Textgeschwindigkeit. Irgendwie finde ich es bei der Franchise ja schon cool, dass der immer im Autoscrolling ist, um Sprache zu emulieren und weil es zum Comedic Timing und der Charakterisierung passt. Dümmliche Charakter sprechen langsam. Plötzliche Wutanfälle sprudeln schnell aus ihnen heraus. Pointen tauchen eben mit Timing auf. Allerdings ist mir die Standard-Geschwindigkeit doch häufig etwas sehr langsam, da ich ein schneller Leser bin.

Charmant sind aber auf jeden Fall die dämlichen Namen, die ja zum Standard in der Franchise gehören. Der Tourguide ohne Alibi heißt wie erwähnt Ahlbi Ur’gaid. Der Tempelwärter, der beim Patrollieren des Geländes ermordet wurde ist Pat Rhol genannt. Es ist einfach so herrlich bescheuert.

Es ist auch schön, dass in diesem Eintrag es endlich mal Sinn macht, dass jeder den Verteidigern Steine in den Weg legt und jedes Wort misstraut. Immerhin haben die seit der Ermordung der Königin einen schlechten Ruf, was von der Porpaganda der letzten Jahre nur verstärkt wurde. Ich weiß, auch in den vorigen Teilen war das Gerichtssystem in Japan so ausgelegt, dass der Verteidiger immer die schlechtere Position hatte. Aber manchmal war das ihnen gegenübergebrachte Misstrauen und offensichtliche Gegenspielerei doch unglaubwürdig, besonders von Charakteren, die laut Persönlichkeit eigentlich auf die Wahrheit aus waren, statt einem Anwalt das Leben schwermachen zu müssen. Hier macht das total Sinn natürlich. Nicht so realistisch vielleicht, dass im letzten Fall einfach mal so selbst die Königin angegangen werden kann, die in ihrer diktatorischen Staatstruktur die Gesetze zu ihren Gunsten umzuschreiben weiß. Das ist eigentlich keine Situation, in der die Verteidigung gewinnen können sollte. Aber natürlich geht alles gut aus.

Was haben wir sonst noch? Ach ja so meine generelle Serienkritik der letzten Teile steht immer noch. Ich mag es immer noch nicht, dass dadurch, dass die Fälle immer verrücktere und abwegigere Wendungen nehmen, einen Charaktere direkt auf Lösungen stoßen müssen, weil sonst keine Sau drauf käme. Oder das mehrmals quasi der Fall verloren wird, damit ein anderer Charakter den aktuellen Verteidiger in letzte Sekunde dramatisch retten kann. Zu viel geredet wird sowieso. Aber all das ist in Spirits of Justice zumindest nicht so schlimm wie in Gyakuten Kenji 2.

Also ist das sechste Ace Attorney ungefähr gleich auf mit den beiden Vorgängern. Es wird nie die geile erste Trilogie an Qualität erreicht. Aber es ist schon eine gute und meistens quirlig-charmante Unterhaltung.

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