Ace Attorney Investigations: Gyakuten Kenji 2

Als ich mich 2015 erneut duch die Ace-Attorney-Reihe gespielt habe, oder zumindest die damaligen fünf Hauptteile, war der Plan eigentlich, nach einer Pause auch die Investigations nachzuwerfen. Immerhin besitze ich den ersten Teil und der zweite ist über eine Fantranslation seit Jahren spielbar. So ganz wurde daraus dann nie was. Doch ein wenig angefixt war ich kürzlich schon wieder. Das erste Investigations habe ich ehrlich gesagt nicht in bester Erinnerung, und deswegen nun gleich zum mir neuen zweiten Teil gegriffen.

Irgendwie ist es schon schön zurück zu sein mit all den bekannten Gesichtern. Miles Edgeworth, Dick Gumshoe, der Richter, und viele der erneut auftauchenden Nebencharaktere früherer Spiele. Mit ihren übergroßen Persönlichkeiten und schrägen Sprite-Animationen. Das Hightlight immer, wenn man jemanden zum ersten Mal aus der Fassung bringt, und deren Art und Aussehen sich komplett ändert. Aber auch durchaus subtiler verwendet. Ein großer Punkt in Miles Edgeworth 2 sind z.B. Väter, darunter auch Miles Beziehung zu dessen früh verstorbenen. Und ob Miles den Weg des Staatsanwalts auf der Anklageseite aufgibt und verspätet seinem Vater auf dem des Verteidigers folgen wurd. Durch die Flasbacks zu seinem leiblichen Vater aber dann auch später väterlichem Vorbild von Karma, sieht man beispielsweise sehr schön, dass der aktuelle Miles Manerismen von beiden übernommen hat.

Der erste Fall Turnabout Target ist dabei wie so häufig hauptsächlich als kürzeres Tutorial gedacht. Ein Bodyguard kommt beim Attentat auf einen ausländischen Präsidenten ums Leben und wir klären die Verschwörung dahinter auf. The Imprisoned Turnabout dreht sich nun darum, dass derjenige, den wir im vorigen Fall ins Gefängnis gebracht haben, dort umgebracht wurde. Der Fall ist wesentlich länger, komplexer, und hat eine fast zu hohe Zahl an Charakteren aufzufahren. Darunter auch das Prosecutor Committee, welches sich Miles Aufklärungsarbeit in den Weg stellt und wiederholt versuchen wird, ihn seines Amtes zu entheben. Sowie Raymond Shields, ein alter Freund von Miles Vater, der dessen Kanzlei übernommen hat.

Das führt uns zu The Inherited Turnabout, in dem mal Miles Vater bei einem Mordfall während eines Confiserie-Wettbewerbs gespielt wird, und dann wieder 18 Jahre später Miles, der den Fall wieder aufrollen muss, immer begleited von Raymond. The Forgotten Turnabout bringt dann Miles Sidekick Kay Faraday auf die Anklagebank und beschäftig sich stark mit dem falschen Spiel des Commitees. Um dann im Grand Turnabout alles zusammenzuführen. Charaktere und lose Enden aus allen vorigen Fällen kommen erneut auf den Tisch, ein 12 Jahre alter Fall wird eingewoben, Miles findet seinen Weg im Leben. Alles in ein nettes Päckchen verschnürt.

Leider muss ich sagen, dass Miles Edgeworth 2 so ziemlich jedes Problem hat, welches sich in der Reihe über die Jahre anhäufte. Maßgeblich das ganze Geschwafel und die Überlänge der Fälle. Klar ist das hier ein Adventure Game/Visual Novel. Die bestehen nun Mal zum Großteil aus Text. Aber in den neueren Teilen finde ich die einzelnen Fälle einfach zu lang und ermüdend. In der Original-Trilogie waren die doch genauso spannend, spaßig, wendungsreich und ausgeklügelt, haben das aber in einer wesentlich angenehmeren Zeit geschafft. Ich habe bei den neueren Teilen eher häufig das Gefühl, dass leere Luft getreten wird und mehr Text keinen Mehrwert bringt.

Hilft natürlich nicht, dass der Text in den Spielen autoscrollt, was dem (comedic) Timing zwar sehr hilft, oft aber für schnelle Leser wie mich auch etwas anstrengend langsam sein kann. Außerdem ist das hier ein Paradebeispiel für alle Fehler, die man besonders japanischem Storytelling gern vorwirft. Das Spiel ist voller Flashbacks, was sicherlich Sinn auf Ereignisse voriger Spiele oder Fälle macht, aber häufig tatsächlich auch einfach Szenen wiederholt, die man wahrhaftig vor zehn Minuten erst erlebt hat. Permanent weisen einen Charaktere mit der Nase auf die Probleme und mögliche Lösungen, statt nur vage Hints zu geben. Teilweise hinten sie zunächst sogar nur, um dann zwei Sätze später dann doch noch direkter zu werden. Das Ende des Spieles ist hier besonders schlimm übrigens. Was die übergeordnetten Themen des Spieles sind, allen voran Väter und den eigenen Weg zu finden, ist eigentlich mehr als klar. Aber scheinbar traut einem Miles Edgeworth 2 nicht zu, dies selbst zu merken, sondern hat im fast endlos erscheinenden Epilog jeden Charakter noch mal seinen Senf dazuzugeben, um gefühlt zehn Mal genau zu deklarieren, worum es ging. Wieder und wieder. Das Spiel kann einfach nicht zu reden aufhören.

Es gibt reichlich unnatürlich klingenden Phrasen wie „Ach das von DAMALS“, „Jetzt muss ich DAS Ding wohl einsetzen“ etc. Da haben sich die Spiele wohl selbst etwas ins Bein geschossen. Denn durch die immer haarsträubender werdenden Lösungen kann wohl nicht mehr drauf gesetzt werden, dass ein Spieler sie ohne dieses Draufstoßen auch noch findet. Sowieso hat das Spiel eine Unart, mehrmals pro Fall alles wie verloren aussehen zu lassen, bis dann ein Charakter eingreift und das Ding noch mal umdreht, was aus spielerischer Sicht ebenfalls etwas unbefriedigend ist. Man kommt sich halt so vor, als würde man selbst die Fälle nicht lösen (dürfen), sondern ständig gerettet oder mit dem Zaunpfahl auf Lösungen hingewieswen zu werden.

All das ist halt einfach wirklich schade. Weil man so gerne die verzwicketen Fälle und interessanten Charaktere voll und ganz auf sich wirken und mit dem Spiel Spaß haben wollen würde. Pacing und Script wollen das aber einfach nicht zulassen, sondern nerven stattdessen immer wieder.

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