Chasing Tail: Monster Hunter Generations (Part 1)

2014 konnte Monster Hunter auf ein zehnjähriges Bestehen zurückschauen. Mit vier Hauptspielen, dazu jeweils ein bis zwei erweiterten Re-Releases, sowie diversen Spinoffs. Seit den PSP-Tagen ein Millionenseller. Keines der Jahre war ohne ein Release vergangen. Und das sollte 2015 auch nicht. Bevor Monster Hunter World eine neue Ära einleiten sollte, wurden die vier vorigen Generationen mit einem letzten 3DS-Teil gefeiert. Monster Hunter Cross in Japan genannt, zwecks des Crossover-Effekts, durfte man es im Westen als Monster Hunter Generations erstehen.

Erstellt ist es vom B-Team. Eine Franchise, die jährlich einen Ableger erfährt, hat natürlich nicht nur ein Entwicklungsteam. Das A-Team ist das, welches bisher an den neuen Hauptteilen arbeitete, während das B-Team traditionell dafür verantwortlich war, die erweiterten Re-Releases oder portablen Versionen besagter Hauptteile zu erschaffen. Witzigerweise sind sie als Erschaffer der drei Monster Hunter Portables damit diejenigen, die für die wesentlich profitableren Einträge schuldig zeichnen. Das sollte auch erklären, warum die Dörfer, die besucht werden, diejenige aus den PSP-Teilen sind.

Denn Monster Hunter Generations dreht tatsächlich sozusagen noch mal eine Ehrenrunde durch die vorigen Spiele. Nachdem man in einem neuen Dorf und einem neuen Kampfareal durch den ersten Rang gejagt ist, eröffnen sich drei weitere Dörfer aus den PSP-Teilen, die entsprechende Monster und Einsatzgebiete aus den ersten drei Generationen offerieren. Gegeben von altbekannten NPCs aus den Teilen. Generations ist ein Nostalgietripp für diejenigen, die lang dabei sind. Lediglich die vierte Generation kommt etwas kurz, was allerdings eventuell verständlich ist, weil das ja das aktuellste Spiel war, von dem man davon ausgehen kann, dass Fans dort gerade erst ihre 600 Spielstunden gelassen hatten.

Ich habe tatsächlich aus jeder Generation ein Monster Hunter gespielt. Als langjährigen Fan kann man mich allerdings dennoch nicht bezeichnen, da ich erst Ende 2017 mit Tri eingestiegen bin. Ich habe die ersten beiden Generationen also erst später gespielt, keine rosigen Nostalgiegläser an vermeintlich bessere Zeiten auf. Ich bin derjenige, der auf Monster Hunter und Monster Hunter Freedom 2 schaut, und sich wundert, wie die Franchise es je geschafft hat 15 Jahre zu bestehen und zum Millionenseller zu werden. Irgendwie verstehe ich es schon, denn der suchtende unterliegende Gameplay Loop, den ich aus späteren Spielen kenne, ist auch in ihnen drin. Aber viel des Contents aus ihnen ist retrospektiv einfach nicht so geil, die Monster oft spielerisch nicht herausragend und sich ähnlich, die kleinen Quests wie Eiertransporte und Fischerei nervig.

Monster Hunter Generations ist hier anderer Meinung. Das Spiel ist ähnlich wie Etrian Odyssey Nexus, welches in Japan ja auch Cross genannt ist und eine ähnliche End-Ära-Zelebration darstellt, nämlich weniger ein „Best of“ und mehr „Alles, was Erinnerungswürdig ist“. Das ist nicht das Gleiche. Die Eier an brüllenden Rathians vorbei zu tragen, Cephalos für ihre Leber zu bekämpfen, seltene Fische zu angeln… ständig von Bullfangos ungerannt zu werden… Khezu in irgendeiner Form bekämpfen zu müssen. Einige Dinge haben sich nicht aus Gründen der Qualität oder des Spielspaßes in das Gedächtnis derer, die sie durchstanden haben, eingebrannt. Leider ist Generations in seinem Content-Supergau voll mit diesen Dingen.

Hierbei muss ich allerdings einräumen, dass ich ein etwas spezieller Spieler bin, wenn es um Monster Hunter geht. Ich spiele nicht online. Ich versuche mich an den Multiplayer-Sachen auch nicht solo. Ich brauche keine G-Rang-Erweiterungen. Mir reicht es, wenn ich die „Story“-Questline durchspiele und nach den Credits das Spiel bei Seite lege. Dementsprechend habe ich das normale Generations und nicht seine erweiterte Ultimate-Variante gespielt, und auch nur die Village Quest Line, welche hier nur aus dem Low Rank besteht. Jener ist allerdings voll mit Quests und Monstern der ersten beiden Generationen. Welche in der Engine der vierten Generation zugegeben nicht ganz so schrecklich sind, wie in ihren Originalen, aber dennoch nicht gerade den beste Fuß voran darstellen was Monster Hunter Content angeht. So schön es ist all diese bekannten Dörfer, Gesichter und auch ikonischen Einsatzgebiete erneut zu sehen. So bin ich eher medium motiviert, wenn ich zum xten Mal einen die Raptordroms, den Yian Kut-Ku oder Gypceros erlegen soll. Ich hatte sogar das Gefühl, dass gewisse Monster wie der Yian Garuga und Rathalos hier nerviger zu bekämpfen sind, als sie das in Monster Hunter 4U waren. Als hätte man frühere Versionen von ihnen übernommen, deren Verhaltensmuster und Hitboxes schlechter programmiert sind.

Das revidiert sich zum Glück mit der Zeit etwas. In den Rängen 4 und 5 sind es dann beispielsweise wesentlich mehr Großwildjagden und die vielen kleinen Gather Quests etc. lassen stark nach. Die Monster aus Portable 3rd und wenigen aus 4 sind spaßiger und interessanter zu bekämpfen. Ganz zu schweigen von dem neuen Content, der für Generations gemacht wurde. Das neue Dorf mit den Alpaca-esquen Nutztieren ist sehr heimelig. Die Jurassic Frontier ein tolles Einsatzgebiet. Und alle neuen Monster sind mit die besten Quests, die das Spiel zu bieten hat. Leider gibt es davon eben nicht viel, weil das Augenmerk von Generations auf dem Feiern und Wiederverwerten alten Contents und nicht von Neuem sitzt. Wäre aber zumindest schön gewesen, wenn wenigstens für jedes Rang-beendete Urgent Quest ein neuwertiges Monster erschaffen worden wäre, statt nur zwei und dann die Fated Four fürs Finale.

Eine sehr schöne Neuerung ist hingegen, dass das Crafting nun einfacher ist. Vielleicht ist dem auch etwas der Tatsache geschuldet, dass es durch all den vielen Content auch sehr viele unterschiedliche Materialien gibt, von denen gegebenenfalls viel unnütz wäre. Aber Rüstungen und Waffen brauchen nun beispielsweise nur noch manchmal Monster-spezifische Materialien, um sie zu schmieden, während sie zwischendurch auch durch andere der gleichen Art aufgewertet werden können. Das macht das Farming angenehmer.

Auch ist Generations wesentlich mehr Anime. Statt einer neuen Waffenart wie zunächst angedacht, von denen es eh schon viel zu viele gibt, führt das Spiel nämlich Hunting Styles ein. Je nach Wahl vereinfachen diese beispielsweise das Ausweichen, verlängern die Zeit in der Luft, oder das Aufpowern der Angriffe. Und bieten diverse Special Moves an, die einen wie ein Shonen-Manga-Charakter durch die Gegend schnetzeln lassen. Wer lieber wie gehabt spielt, kann natürlich auch den Guild-Style benutzen. Irgendwie gibt es übrigens doch eine neue Waffenart im Spiel, denn alternativ kann auch als Prowler gespielt werden – einer er Palico-Verbündeten. Als Katze spielt es sich tatsächlich wesentlich anders und sie haben sogar exklusive Missionen, jedoch muss ich hier eingestehen diese Option komplett ignoriert zu haben.

Man kann also sagen, dass es ein gewisses Auf und Ab war mit mir und Monster Hunter Generations. Ich kann nicht sagen, dass ich keinen Spaß beim Spielen hatte, allerdings benötigt es auch nicht viel, um mich bei einem Hunting Game zu motivieren. Doch zunächst war der Content, der so verliebt in die ersten beiden Generationen zu sein scheint, etwas ernüchternd. Die späteren Ränge sind dann besser, und die Fated Four einfach absolut super. Dennoch leidet die Gesamtqualität eben unter der ersten Hälfte etwas. Natürlich bin ich nicht ganz das Zielpublikum gewesen. Ich habe wie gesagt die Franchise erste Ende 2017 begonnen und mich seither durch alle Genratioen gespielt. Meine Reaktion auf altbekannte Dinge war also weniger „Ah, ja damals!“ und mehr „Eh, das hab ich doch erst alles gemacht“. Das macht sicherlich ebenfalls einen Unterschied zu Spielern, die diesen Content vor vielen Jahren zuletzt gemacht hatten, oder Serien-Einsteigern, für die in Generations eh alles neu ist.

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