Academy Weekend: BlacKkKlansman

Blackkklansman ist ein Film von Spike Lee, basierend auf dem Buch, welches eine reale Begebenheit nacherzählt. Der Film war für sechs Oscars nominiert, mit Best Picture und Best Director sogar zwei der großen, bekam dann aber nur den kleinen Best Adapted Screenplay zugesprochen. Spike Lee mag ein bekannter Regisseur Hollywoods sein, der sich vor allem durch Filme mit sozialem Kommentar auszeichnet, doch ich hatte hiervor tatsächlich noch nicht einen davon gesehen.

Es sind die 70er-Jahre. Die Civil Right Movements, in denen sich Schwarze gleiche Rechte erkämpften, sind also noch nicht lange her. Ron Stallworth glaubt daran, dass eine neue Ära angebrochen ist. Der Sohn eines Militärs bewirbt sich als erster schwarzer Cop bei der Colorado Springs Polizei. Und wird dort auch genommen. Wo er prompt als Undercover-Polizist bei einem Meeting einer Veranstaltung einer Civil-Rights-Bewegung eingesetzt wird, weil man Verbindungen zu den Black Panthern vermutet. Ron hält die Studenten allerdings für ungefährlich und mogelt sich telefonisch stattdessen beim Ku-Klux-Klan unter. Wo er natürlich kaum physisch auftauchen kann, was sein jüdischer Kollege übernehmen muss.

Amerika und auch die Academy mögen ganz besonders eine Art von Film über Rassismus. Nämlich jene über isolierte Fälle. Die bestätigen das Rassismus natürlich mal eine schlimme Sache war, aber eigentlich rum ist. Natürlich nicht zwangsläufig komplett, Rassisten wird es immer geben, aber man ist ja über Sklaverei und Segregation hinweg und eigentlich damit systematischer Rassismus kein Teil des Landes mehr. Einzelfälle sind differenzierter zu betrachten und die individuellen Hintergründe zu bleuchten und können gelöst werden. Wenn bei den Oscars 2019 endlich vermehrt Schwarze nominiert werden, zeigt das doch, wie weit wir gekommen sind. Wenn prompt in sozialen Netzwerken das Echo erfolgt, dass dies doch irgendwie merkwürdig und bestimmt eine forcierte Minderheitenquote ist, dann ist das niemals nicht echter Rassismus, sondern nur das legitime Hinterfragen von Fakten.

Tatsächlich scheint Blackkklansman zunächst genau so einen Film zu liefern. Immerhin spielt er Jahrzehnte vom Hier und Jetzt entfernt, wo man zugeben können darf, dass damals Rassismus vielleicht noch ein größeres Problem war. Und natürlich sind die KKK extreme Einzelfälle einer ansonsten sicherlich akzeptierenden Gesellschaft. Immerhin gibt es auch im Police Department scheinbar nur einen rassistischen Kollegen, während alle anderen Ron ganz normal behandeln und teilweise gute Freunde sind. Ron als der gute Schwarze, der an Recht und Gesetz glaubt und die Polizei von innen verbessern will, statt offene Rebellion gutzuheißen. Die Leute beim Klan werden geschickt ausgetrickst, mit ihren dummen Vorurteilen gespielt, schaden sich am Ende in ihrer eigenen Dummheit selbst. Und auch der rassistische Kollege wird überführt. Ende gut, alles gut.

Doch damit endet Blackkklansman nicht. Der aktuelle Fall mag abgeschlossen sein, zu einem guten Ende geführt haben, alle zufrieden und glücklich. Doch eine weitere Investigation in den Klan wird untersagt, die Unterlagen gehören vernichtet, da hat eindeutig jemand im Hintergrund an den Fäden gezogen. Vorm Haus von Ron und seiner Freundin wird ein brennendes Kreuz aufgestellt. Rassismus verpufft eben nicht einfach in der Luft, weil ein paar Einzelpersonen überführt sind. Schon gar nicht in einem Land, in dem es so lange inhärent war. Nicht umsonst startet der Film mit einem Ausschnitt aus Vom Winde verweht (13 Oscar-Nominierungen, davon 8 Gewinne), einem der absoluten beliebten Filmklassiker, welcher den Kampf der Südstaaten für die Sklaverei romantisiert. Und nach dem Abschluss von Rons Geschichte gibt es Ausschnitte in die Gegenwart. Zu rechten Aufmärschen wie in Charlottesville, zu einem Präsidenten, der das mit „auf beiden Seiten gibt es Gute und Schlechte“ relativiert, ist dem Gedenken an die tote Heather Heyer gewidmet.

Nachdem der Film in einem schon fast zu kitschig-sauberen Hollywood-Ende also genau das geliefert hat, was das breite Publikum erwartet, reißt er die Wunde wieder auf. Rassismus ist immer noch aktuell und am Erstarken. Der Klan im Film mag untereinander schon fast cartoonig chargierend, aber die Rhetorik den sie bereits in den 70ern nach außen filtern ist eine wohlbekannte. Man darf gar nichts mehr gegen Minderheiten sagen. Man darf nicht mal mehr sagen man wäre stolz darauf ein Weißer zu sein. Oder stolz auf sein Land. Ist das nicht der wahre Rassismus? Linke Terrorbewegungen wie die Black Panther sind doch eigentlich viel schlimmer. Wir sind nur um unser Land besorgte Bürger. Und eigentlich stimmt da doch jeder rational Denkende ein, es wird sich nur nicht getraut, dem offiziel zuzustimmen. Spike Lee zeigt, dass all dies Teil des Problems ist. Ja, wenn getwitter wird, dass du es irgendwie komisch ist, dass es so viele schwarze Oscarnominierungen gab, dann ist das Teil des Problems.

Spike Lee nutzt die lang zurückliegende Geschichte also dafür um zu zeigen, dass sich so viel eventuell gar nicht geändert hat und es sich eben nicht so schön einfach abcanceln und verpacken lassen kann, wie der Film zunächst vorgegeben hat. Wie es Hollywood-Filme über Rassismus häufig so gerne tun. Das ist ehrlich gesagt auch was ganz anderes, als ich zunächst vom Film erwartete. Ich hatte mehr mit einer schwarzen Komödie gerechnet, aber so witzig ist Blackkklansman gar nicht. Gerade die erste Stunde ist sogar ziemlich bedächtig. Die chilligen Vibes des Hauptcharakters und die dazu passende Musik lassen das nur kurzweiliger wirken als es ist. Weitere Mittel der Blendung und Täuschung von Lee, um sein Publikum in einen Film mit mehr Gravitas als es zunächst erscheint zu tricksen.

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: