Academy Weekend: The Favourite

Es ist Oscar-Wochenende und wie jedes Jahr nutze ich es dafür, drei Gewinner der letztjährigen Academy Awards zu schauen. Weil das immer eine gute Ausrede ist, um Filme auf der To-Watch-Liste nach oben zu schieben, die interessant aussehen, zu denen ich aber realistisch gesehen wahrscheinlich dann doch nie oder erst spät gekommen wäre. Den Anfang macht The Favourite, welcher mit 10 Nominationen gut dabei war, auch wenn im Endeffekt nur eine Auszeichnugn rumkam. Dafür immerhin mit Best Actress für Olivia Colman eine der großen Auszeichnungen.

Die spielt die britische Queen Anne. Eine Monarchin, die im Film oft als leicht einfältig und kindisch dargestellt wird, und absolut unter der Fuchtel ihrer Geliebten Lady Sarah steht, welche für sie die meisten Staatsgeschäfte übernimmt. Immerhin haben die beiden eine Bindung seit ihrer Jugend. Aktuell ist beispielsweise der Krieg mit Frankreich aktiv, und währed die Kron-treue Party im Parlament ihn weiterführen will, möchte die Opposition ihn mögilchst schnell beenden, da er nicht weiter finanziert werden kann und nach einem ersten Sieg Brittaniens Frankreich zu Friedensgesprächen bereit ist. Queen Anne sieht durchaus die Not der Bevölkerung unter einem weiterzufinanzierenden Krieg, während Lady Sarah darauf pocht, dass Frankreich komplett zu schlagen letztendlich besser ist und alles tut, um dies durchzusetzen.

Neu am Königshofe ist die junge Abigail, eine Cousine von Sarah, die ursprünglich auch mal eine Lady von Ansehen war, bis ihr Vater das ganze Vermögen und sie selbst beim Glücksspiel verloren hatte. Sie ist also weit gefallen, hatte nicht das beste Leben seither, und hofft nun um Anstellung als Dienstmagd. Über einen Dienst an der kranken Königin hebt Sarah sie allerdings zu ihrer Zofe an. Und Abigail merkt schnell durch ihre Verwandte, dass sich mit dem richtigen Kalkül am Hofe bewegt werden muss, wenn man Macht haben will. Besonders als Frau ohne Stand, die ihr ehemals angenehmes Leben zurückhaben will. Im Zweifelsfalle auch gegen ihre Gönnerin Sarah, wenn Abigail so zur neuen Favoritin der Königin werden kann.

Der Film klingt jetzt natürlich wie ein Historiendrama. Wird aber nicht umsonst als schwarze Komödie bezeichnet. Denn er ist extrem überspitzt geschrieben und geschauspielert. Mit viel zynischem Humor, mit fiesen Sprüchen der Ränkeschmiede gegeneinander. Sich nicht zu schade den Hof als dekadentes Dreckloch und den Hochadel als verzogene Kindsköpfe darzustellen. Der trockene Humor trieft geradezu aus vielen der Szenen, und das häufig durch die Art der Dialoge und wie sie geschauspielert sind.

Was nicht bedeutet, dass The Favourite ausschließlich Klamauk ist. Es gibt auch viel Drama und ehrliche Momente. Gerne im Kontrast zueinander. In einer Szene beispielsweise proklamiert Queen Anne, die bisher ausschließlich kindisch dargestellt wurde, es sei der Tag eines ihrer Hasen und das sie deswegen jetzt mit ihren spielen wird. Abigail lässt die Haustiere aus ihren Käfigen mit dem verschmitzten Kommentar, dass das ganz schön viele sind. 17 Stück an der Zahl, benannt nach den 17 Kindern, die Queen Anne entweder direkt als Totgeburt oder kurz danach verloren hat. Bam, ein ernster Charaktermoment hat sich angeschlichen und einem eiskalt in die Rippen gehauen.

Die ganze Situation an sich entbehrt natürlich einer gewissen Tragik. Die traurige Königin ohne Selbstwertgefühl, deren einzige Liebe Sarah ist. Die Anne scheinbar auch wirklich wahrhaftig liebt, aber oft etwas arg schroff mit ihr ist, und ihr Land noch mehr liebt, so dass sie auch häufig keine Zeit hat. Abigail, die durchaus gewitzt ist, aber anfänglich noch etwas blauäugig scheint, bis sie merkt wie der Hase läuft und je mächtiger sie wird immer mehr korrumpiert. Männer spielen in The Favourite nur eine untergeordnete Rolle. Der Film verstärkt sich komplett auf das Zusammenspiel, Miteinander und Gegeneinander dieser drei Frauen. Die sich mal foppen, mal miteinander lachen und gegen Ende erbitterten Psychokrieg führen.

The Favourite war ein bisschen „der andere“ Film bei meiner diesjährigen Wahl. Ich war mir schnell bei zweien sicher, dass ich sie schauen will, während der dritte Slot eine Weile offen war, bis ich spontan diesen hier gewählt habe ohne groß was zu wissen. Und was für eine angenehme Überraschung mich erwartete. Gar kein staubiger Kostümfilm, sondern locker flockig. Mit komischen Momenten, mit dramatischen Momente, mit starken gut geschauspielerten Frauen, und einem bitteren Ende. Genau meine Art von Film.

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