What Did You Eat Yesterday?

Boys Love Manga sind, um es mal vorsichtig auszudrücken, selten sonderlich Realitätsnahe. Immerhin ist es auch ein Genre, welches maßgeblich von Frauen für Frauen geschaffen ist, von daher ist das auch weniger deren Ziel. Tatsächlich von schwulen Männern gezeichnete Mangas werden in Japan häufig auch gar nicht als Boys Love, sondern als Gay Comics kathegorisiert. Die mögen sich von der Natur der Sache aus besser damit auskennen, wie es zwischen zwei Männern läuft, was aber nicht bedeutet, dass der Content zwangsläufig mehr schwulen Alltag in Japan wiederspiegelt, da sie sich in der Regel über den Sex verkaufen und daneben wenig Platz bleibt.

Eine Ausnahme zur Regel ist allerdings What Did You Eat Yesterday?, auch unter dem japanischen Titel Kinō Nani Tabeta? bekannt. Der BL Manga hat es sich zur Aufgabe gemacht, via Slice of Life tatsächlich den Alltag eines schwulen japanischen Pärchens darzulegen. Und das mit Erfolg, denn der 2007 gestartete Manga läuft immer noch und steht aktuell bei 15 Sammelbänden. Um den soll es hier aber gar nicht gehen. In 2019 lief nämlich eine 12 Folgen umfassende Live Action Adaption über die Fernsehbildschirme Japans. Und die ist es, welche ich mir zu Gemüte geführt habe.

Mich hatte die erste Folge auch sehr positiv überrascht zurückgelassen. Unser Pärchen besteht aus dem Anwalt Shiro und dem Friseur Kenji, die beide nicht nur in einer bereits gefestigten Beziehung miteinander, sondern auch über die 40 sind. Bin ich voll dabei. Kein übliches Coming of Age. Kein Hauptcharakter, der ja eigentlich gar nicht schwul ist, aber dann einen unwiederstehlichen Kerl trifft und erst mal damit klarkommen muss, dass er für den Gefühle hat. Kein frühbeziehungstechnisches Drama. Dann bekommt der reservierte Shiro auch noch einen Anruf seiner Mutter, die ihm ins Gewissen redet, er solle sich ruhig bei seiner Arbeitsstelle outen, weil nichts Schlimmes daran ist, homosexuell zu sein. Also auch noch eine unterstützende Familie, statt heimliche Beziehung oder Beef mit den Eltern. Letztendlich eröffent Shiro sogar noch, dass er bewusst nur langweilige und einfache Fälle annimmt, auch wenn er dann etwas weniger gut verdient, weil er ein angenehmes Leben haben will und jeden Tag zur gleichen Zeit nach Hause kommen kann, um für sich und Kenji zu kochen. Also keine positive Portätierung der japanischen Tugend sich halb tot zu arbeiten.

Rundum also eine sehr erfrischende Show. Und ich war voll und ganz dabei, hier schlicht ganz undramatisch und langweilig einer Beziehung zu folgen. Ein etabliertes Paar in ihrem schnöden Alltag ohne große Probleme. Nur das sie halt schwul sind.

Ganz so langweilig wie ich es mir erhofft hatte, war die Serie dann letztendlich doch nicht. Ich meine, macht ja auch irgendwo Sinn. Als TV-Drama sowie als BL Manga richtet sie sich immerhin nicht vornehmlich an ein schwules Publikum, und deswegen ist es nicht verkehrt, doch zwischen dem harmlosen Slice of Life Pärchenalltag immer mal wieder ein Problem anzuschneiden, welches Homosexuelle in Japan haben. Die bleiben allerdings in der Regel auf der Stufe von nicht böswillig gemeinter Ignoranz und Micro-Aggressionen, es bleiben immer alle sehr nett und verständnisvoll. Lediglich etwas merkwürdig fand ich die Eltern von Shiro. Die haben sich zwar damit abgefunden, dass ihr Sohn nicht heiraten und eine Familie gründen wird, doch wie viel Verständniss und vor allem Aufgeklärtheit sie nun wirklich mitbringen, schien mir von Folge zu Folge merkwürdig zu schwanken.

Der Serientitel kommt übrigens daher, dass wie gesagt das Kochen für sich und seinen Partner für Shiro sehr wichtig ist. Im Gegensatz zu Kenji ist der nämlich etwas unterkühlt und wenig extrovertiert und zeigt seine Gefühle eher durch Taten denn Worte. In jeder Folge wird er also ein Gericht zubereiten, und der Vorgang wird in seinen einzelnen Schritten gezeigt und von ihm erklärt. Im Manga sind wohl sogar die genauen Rezepte abgedruckt gewesen.

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2 Kommentare

  1. Interessant, ich habe noch nie etwas von der Serie gehört, obwohl ich manchmal wie besessen nach solchen, nicht stereotypischen Beispielen in den Bereichen Manga/Anime suche. Auch dazu habe ich etwas geplant, aber bei so vielen umzusetzenden Projekten dürfte es wohl noch eine Weile bis dahin dauern. Wenn ich doch nicht so langsam oder unkonzentriert wäre…^^‘

    Ich mag ja eher kleine, abgeschlossene Projekte, als mich mit einer augenscheinlichen Endlosserie anzulegen, aber der Manga landet zumindest im überfüllten Hinterkopf zu den Sachen, die ich vielleicht irgendwann mal genauer betrachten werde.

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    • Den Manga habe ich zwar nicht gelesen, da die Serie aber Slice of Life Alltag ist, ist es ja immerhin so, dass man da bei jedem beliebigen Kapitel einen Stopp einlegen kann ohne das es stört.

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