Etrian Odyssey Nexus

Ein weiteres Ende ist erreicht. Zumindest nämlich das Vorläufige in Sachen Etrian Odyssey. Nach drei Teilen auf dem DS und drei auf dem 3DS, habe ich mit Nexus sozusagen alle Hauptteile beschritten. Wobei natürlich sich bei Nexus genau wie bei Monster Hunter Generations die Frage stellt, ob man es als solches überhaupt werten will. Weil ein wirklich richtig neuer Hauptteil sind die beiden Spiele nicht, sondern eine Feier aller vorigen, sie spielen sich halt nur genau wie ein neuer Eintrag.

Deswegen ist der Beititel beider Spiele auch in Japan X für Cross. Weil es ein Crossover der bisher erschienenen Teile ist. Als End-Zelebrierung der alten Charge auf Nintendos Handhelds. Wobei wir bei Etrian Odyssey ja noch nicht so genau wissen, wann es wo weitergeht, und ob ein sechster Hauptteil wirklich viel anders machen wird. Doch die Agenda ist klar: Alles, was in den vorigen Teilen erinnerungswürdig erschien, wird neu verwertet. Ist natürlich auch etwas kostengünstiger, wenn man dadurch viele Assets aus ihnen übernehmen kann, und eher wenig neuen Content fürs Spiel braucht.

Ich würde übrigens beide Spiele nicht zwangsläufig ein „Best of“ nennen. Denn das impliziert, dass man sich wirklich die besten Momente aus den Vorgängern herausgepickt hat. Das man da wirklich über eine Qualitätskontrolle einschränkte, was wirklich benutzt wird und was nicht. Es ist allerdings dann doch eher, dass alles, was irgendwie herausgestochen hat, was in Erinnerung blieb, rausgesfischt wurde. Und das ist eben nicht immer das Beste. Fällt zugegebenermaßen in Monster Hunter Generations stärker auf als in Etrian Odyssey Nexus, weil sich in der Atlus Franchise die Spiele in Sachen Qualität nicht so maßgeblich unterscheiden. Dennoch hatte ich definitiv das Gefühl von Quantität über Qualität beim Spielen von Nexus.

Denn es ist auch hier ein wenig der Content-Supergau angesagt. Für die vorigen Spiele kann gesagt werden, dass die immer im Schnitt fünf Dungeons von fünf Stockwerken enthielten. Die Storyline von Nexus schickt einen hingegen durch 13 Dungeons von je 3-5 Stockwerken. Und hat zudem noch kleinere Nebendungeons, die zwar jeweils nur ein Stockwerk haben, dafür auch acht an der Zahl sind. Das bedeutet schon ziemlich viel zurückgelegter Kriechweg, bevor die Truppe beim Endboss steht.

Wie genau die ihrem Pendant aus den anderen Teilen ähneln, kann ich dabei gar nicht belegen. Ich habe zwar die anderen fünf Etrian Odysseys gespielt, kann mich aber an die ersten vier nur noch schwach erinnern. Die sind sich halt einfach auch zu ähnlich, um sich nach Jahren wirklich noch an Dungeon-Layouts und darin befindliche Gegner zu erinnern, wenn man nicht als großer Fan jeden Teil mehrmals gespielt hat. Dazu kommt ja auch noch, dass bei den ersten beiden Teilen sicherlich die Assets eher aus den Untold-Remakes sind, da die ja schon in 3D vorliegen. Und allzu viel aus dem fünften Teil scheint ebenfalls nicht im Spiel zu sein, zumindest so weit ich mich dran erinnere. Die Rassen gibt es beispielsweise schon wieder nicht mehr und die Dungeons kamen mir jetzt auch nicht sonderlich aus vor einigen Monaten bekannt vor.

Was dabei interessant ist, ist die Tatsache, dass ich noch nicht mal glaube, sonderlich viel länger an Nexus gegenüber den anderen Spielen gesessen zu haben. So ein Dungeon muss insgesamt also schon zügiger vorangeschritten sein, als das noch in den Vorgängern der Fall war. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass das Spiel einem gern unterstützende NPCs mit auf die Reise gibt, die sich Storybedingt kurz anschließen, und einem passiv die Angelegenheit etwas vereinfachen. Und neben den reichlich Shortcuts zum Verkürzen des Rückwegs kann beim erneuten Betreten eines Dungeons von der Oberweltkarte aus direkt angewählt werden, auf welchem der bereits besuchten Stockwerke man loslegen will. Es gibt also nicht so wahnsinnig viel Backtracking im Spiel, wenn man ein Stockwerk erst einmal hinter sich gelassen hat.

Eine richtige Oberwelt a la Etrian Odyssey IV sollte man von Nexus übrigens nicht erwarten. Es ist lediglich eine Karte, auf der man die Dungeons anwählt. Netterweise gibt es aber auch hier ein paar Harvest Spots, die das Einsammeln von Abbau-Materialien vereinfachen, und einen ein wenig finanziell Boosten. Das ist nett. Genau wie die Sache, dass es erneut Schwierigkeitsgrade zur Auswahl gibt, mehr als in V, und diese auch jederzeit in der Stadt hoch- oder runtergeschraubt werden dürfen. Es hat sich über die Jahre eben doch etwas an Quality of Life eingefunden in die weitestgehend gleichgebliebene Dungeon-Crawler-Reihe.

Was bei mir und Etrian Odyssey ja immer ein Stück weit interessant war, ist die Tatsache, dass mir die Gimmicks der Reihe, die deren Herausstellungsmerkmal sein sollten, nie sonderlich viel gebracht haben. Da ist zum einen natürlich das Zeichnen einer eigenen Karte. Eine Tugend, die irgendwann Anfang der 90er offiziell begraben wurde, aber dank des Touchscreens des DS für Etrian Odyssey reanimiert wurde. Ich hielt das schon immer für unnötige Arbeitsbeschäftigungsmaßnahme und bin froh, dass die neueren Teile zumindest schon mal den Boden und die Wände für einen einzeichnen (wenn man es nicht ausstellt), und ich nur noch die Icons selbst drauf verteilen muss. Und dann sind da natürlich noch die FOEs. Die besonders starken Minibosse auf den Stockwerken, denen besser zunächst aus dem Weg gegangen wird und für die man später wieder zurückkommt. Oder halt nicht, weil ich nicht die Motivation dazu habe, für sie in abgeschlossene Dungeons zurückzugehen.

Eventuell kann natürlich noch herausgehoben werden, dass die Etrian Odysseys sehr Puzzle-affin sind. Eine Sache, die in westlichen Dungeon Crawlern immer ziemlich stark ausgeprägt war. Besonders in denen nach Baukasten Dungeon Master, aber auch Wizardry hatte schon immer viele Teleporter, Drehplatten und andere Navigationshindernisse eingebaut. In den japanischen Vertretern des Genres haben die allerdings nie so stark Einzug gefunden gehabt. Selbst die ersten Etrian Odysseys sind da nicht sonderlich anders. Mittlerweile haben in ihnen allerdings einige Dungeons ihr besonderes Navigationsgimmick, welches eingebaut wurde. Und die FOEs stehen auch nicht mehr verstärkt als optionale Minibosse mehr oder weniger am Wegesrand herum, sondern werden mit ihren diversen Bewegungsmustern zu eigenen Rätseln, wie denn um sie herumgelaufen werden kann. Mich persönlich nerven die Stockwerke, die zu hart auf diese Bewegungspuzzles gehen, ehrlich gesagt eher. Den Supergau hatten wir hier allerdings eindeutig in Etrian Odyssey IV und Persona Q, in Nexus hält sich das alles zum Glück weitestgehend im Rahmen.

Ist dennoch ganz nett, die ganze Reihe mein Eigen nennen zu können. Und behaupten zu können, die komplette Serie gespielt zu haben. Ich hab auf Dungeon Crawler ja eh keine so hohen Ansprüche, ich muss nur ganz gut Durchgekrochen kommen, und bin zufrieden. Sowie ich es bevorzuge mein eigenes Team bauen und möglichst wenig textlastige Story im Weg zu haben, was ja beides auf Etrian Odyssey zutrifft. Dass mich natürlich ausgerechnet die Serienbesonderheiten kalt lassen, ist etwas kurios. Aber als nettes 6/10 bis 7/10 Comfort Food geht immer mal ein Teil.

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