Tom of Finland (2017)

Touko Laaksonen ist ein junger finnischer Mann, der im Zweiten Weltkrieg dient. Das ist natürlich eine Ausnahmesituation, bei der man nie weis, ob und wer lebend wieder nach Hause kommt. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass bei allen anderen Nachteilen, er zumindest seine Homosexualität ausleben kann. Natürlich alles immer noch hinter vorgehaltener Hand und nicht offen angesprochen. Doch kümmert es keinen, welche Soldaten sich nachts heimlich in den Parks treffen, um gleichgeschlechtlichem Personennahverkehr nachzugehen, wenn es am nächsten Tag Bomben regnen könnte.

Das ändert sich, sobald der Krieg vorbei ist und Touko zurück nach Hause kommt, ein normales Leben beginnen soll. Nun wird er aus Clubs geworfen, wenn er dort dem Falschen Avancen macht. Und nachts werden Gleichgesinnte von prügelnder Polizei aus den Parks vertrieben. Finnland ist zu konservativ, auch gegenüber Laaksonens Faible homoerotische Bilder zu zeichnen.

Doch sein späterer Partner ermutigt ihn nicht nur weiterzuzeichnen, sondern die Bilder auch ins Ausland zu schicken. Im aufgeschlossenen Kalifornien der Flower-Power-Era wird er sogar hochbekannt und seine Bilder das Gesicht der Community – allerdings alles schön brav unter schützendem Pseudonym Tom of Finland.

Bilder von Tom of Finland kennt sicherlich jeder, immerhin ist er einer der bekanntesten Porn-Künstler, die es gibt. Und seine Werke sind mittlerweile durch Ausstellungen und Kunststudium längst nicht mehr nur in der Schmuddelecke zu finden. Heutzutage mag man beim Anblick seiner hypersexualisierten Männer in hautengen Uniformen fast ein wenig schmunzeln, können sie doch glatt ein wenig lächerlich übertrieben wirken. Zumindest wenn man eines seiner zahmeren Werke sieht, statt eines derer, wo stark mit sexueller Gewalt geflirtet wird.

Deswegen fand ich es sehr interessant in dieser Dramatisierung seines Lebens mehr Kontext zu bekommen. Es ist sonst einfach zu vergessen, dass Touko Laaksonen diese Bilder seit den 40ern gezeichnet hatte. Dass er damit begann, als deren Besitz einen noch hinter Gittern bringen konnte. Das sie mit ein künstlerischer Ausdruck dafür waren, dass Homosexualität existiert und nicht verschwinden wird. Zunächst für Laaksonen und seinen Partner. Dann später als Gesicht der Freien Liebe, die auch Homosexualität duldet. Und während der Beginne der AIDS-Krise, als es als schwule Krankheit galt, und von der Regierung nix unternommen wurde, weil die Schwuchteln sollen ruhig dran sterben, erneut als ein Sinnbild dafür, dass man existiert und sich nicht erneut Stigmatisieren lassen will.

Etwas wackeliger wird der Filmes schon, wenn es um das Privatleben von Laaksonen geht. Immerhin spannt er in seinen knapp 2 Stunden ganze Jahrzehnte, vom Einsatz im Krieg in den 40ern bis hin zu seinem Tod Anfang der 90er. Da geht dann natürlich alles sehr schnell und man mag sich kaum auf was einlassen können. Seine Schwester bleibt beispielsweise ein unterrepräsentierter Charakter. Sie nimmt ihn nach dem Krieg auf. Sie scheint auch eine unterstützende Wirkung zu haben, auch wenn sie seine Homosexualität nicht akzeptiert. Es kommt sogar fast zu einem Liebesdreieck mit Toukos späterem Partner, welches nie wieder Reibungspunkte aufbietet, nachdem er sich für ihn statt seine Schwester entschieden hat. Anschließend verschwindet sie sogar weitestgehend aus dem Film. Auch Toukos Partner kommt immer sporadischer vor, nachdem sich ihre Beziehung gesetzt hat.

Von daher ist es sicherlich besser, wenn man Tom of Finland (2017) als eher oberflächliche Biographie des Künstlers sieht. Eine, die mehr auf seinen Schaffungsprozess und Sexualität eingeht.

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