Adventure Week: Downfall

Downfall ist ein Spiel von Harvester Games, die ein paar Jahre später mit The Cat Lady auf sich aufmerksam machen sollten. Daraufhin legten sie ihr Frühwerk etwas erweitert und vor allem aufgehübscht als Downfall: Redux erneut auf. Dass so ziemlich jeder Indie-Horror, der nicht schnöder Jumpscare ist, sondern Story bieten will, dabei eine massive Errektion für Silent Hill (2) hat, beweisst auch mal wieder dieses Spiel.

Der Prolog, der überspringbar ist, beginnt zunächst in der Jugend unseres Protagonistens Joe. An dem Tag, an dem er das etwas schräge Mädchen Ivy trifft, und an dem beim Spielen auf einer Baustelle sein kleiner Bruder umkommen wird.

Danach geht es ins Hauptspiel. Der erwachsene Joe ist mittlerweile mit Ivy verheiratet und beide steigen auf Urlaub in einem Hotel ab, um ihre zerbrechende Ehe eventuell noch zu retten. Oder zumindest denkt Joe dies würde helfen, Ivy wird sowieso das komplette Spiel über als hysterisch und dement porträtiert, und ist mal so gar nicht vom Zwangsurlaub begeistert. Sie kommt Joe auch bereits nach der ersten Übernachtung abhanden und die Suche durch ein schräges Hotel beginnt.

Das ist nämlich plötzlich fast vollkommen verlassen. Abgesehen von der sexy Leiterin, die Joe permanent Schlafzimmerblicke zuwirft. Einem verrückten Professor, dem Joe ein Gehirn bringt, damit er eine Leiche wiederbeleben kann. Oder die vier Inkarnationen eines Mädchens, die immer monströser werden, und die Joe ermorden soll. Joe wird dabei so einige merkwürdige und auch abstoßende Dinge unternehmen, alles mit den Scheuklappen so seine Frau wiederbekommen zu können, die er eventuell eigentlich gar nicht mehr liebt.

So lief das nämlich zumindest bei meinem Spiel ab. Von der ersten Szene zwischen dem Ehepaar ab, waren mir beide sofort unsympathisch und mir klar, dass der beste Ausweg aus dieser Ehekriese ist, sie zu beenden. Dementsprechend habe ich meinen Joe in den Konversationen nie heucheln lassen, dass er Ivy noch liebt, oder dass sie eine zweite Chance benötigen, es sei denn natürlich das Spiel zwang mich dazu, sondern dass man besser auseinandergeht, bevor es nur noch schlimmer und schmerzhafter für beide wird. Das akzeptiert das Spiel so in seiner Narration allerdings nur bedingt. Es mag an einer Stelle behaupten, dass Joe Ivy retten will, weil sie ihm mal etwas bedeutete, und er sie ja wohl kaum eventuell sterben lassen kann, nur weil er nicht mehr mit ihr verheiratet sein will. Aber an vielen anderen Stellen wird er so tun und auch verbalisieren, dass er sie angeblich noch liebt.

Natürlich lässt sich das zumindest teilweise im Nachhinein erklären, und das kommende ist natürlich ein Spoiler, auch wenn es niemanden groß überraschen sollte. Denn alles, was geschieht, ist natürlich nur eine schräge Halluzination an Verzweiflung und Blut, der abgedrehten Ereignisse und seltsamen Figuren, ein Hotel wie es in Silent Hill stehen könnte. Denn Ivy ist schon längst tot und Joe kann das einfach nicht verarbeiten. Ob er sie nun nach all der Streiterei umgebracht hatte, oder ob sie an ihrer Krankheit starb, ist dabei etwas offen für Interpretationen und leicht beeinflusst davon, welches der Enden man bekommt.

Das Spiel ist dabei grundsätzlich sehr gut darin, einem Anhaltspunkte einzubauen, wofür die Gegenstände, die man aufsammelt, benutzt werden müssen, bzw. welchen Gegenstand man zum Weiterkommen suchen muss. Was sehr löblich ist, denn es ist natürlich so, dass viele davon erst Mal nicht super sinnig sind dank der vorhandenen Thematik. Auch sehr atmosphärisch ist die in schwarz-weiß gehaltende 2D-Optik mit den herausstechend roten Flecken, wenn mal wieder jemandem spontan der Kopf explodiert oder Ähnliches. Passende Hintergrundmusik gibt es auch, zumindest meistens, ein paar der wenigen Songs stechen etwas merkwürdig heraus.

Nicht so geil ist die Sprachausgabe, da viele der Sprecher extrem schlecht und häufig weder zur aktuellen Szenenstimmung noch der Schreibweise passen. Da ist der Text schon mal All Caps, Joe spricht aber fast in einem Flüsterton. Dass viele Dialoge eher mäßig geschrieben sind und einige Charaktere schier endlos nicht das Maul halten können, sondern noch eine weitere redundante Zeile nach einer auf Diskussionsende hoffend lange Pause folgen lassen, war auch nicht so meines. Zudem ist die Steuerung zunächst gewöhnungsbedürftig, da sie die Maus nicht nutzt, sondern komplett über die Richtungspeilfe und Enter funktoniert. Gerade das Menü zu bedienen ist nicht so intuitiv.

Wer ein überschaubar kurzes, atmosphärisches Adventure mit starker Inspiration aus Silent Hill 2 spielen will, wird mit Downfall: Redux auf jeden Fall bedient. Solange man mit den schlechten Dialogen und der doch manchmal fast lachhaft übertriebenen Trash-Brutalität leben kann, die das Spiel enthält.

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