Resident Evil 5

Die erste Hälfte der 2000er war eine sehr durchwachsene Zeit für Resident Evil. Es kamen unglaublich viele Spinoffs auf den Markt, um Kapital aus der Beliebtheit der Franchise zu machen. Code Veronica bekam merkwürdigerweise keine Nummer spendiert, REmake und Zero läuteten das erhoffte Revival auf GameCube nicht ein. Und Resident Evil 4 befand sich lange genug in Developement Hell, als dass das ursprünglich als solches geplante und dann zur Eigenständigkeit aufgewertete Devil May Cry schon fast zwei Nachfolger hatte, bis das finale Resident Evil 4 endlich erschien. Doch letztendlich wurde dieser Teil zum absoluten Hit und demnach war auch klar, welcher Linie Resident Evil 5 zu folgen hatte.

Diesmal hat es Chris Redfield, der frisch durch Steroide seine Körpermaße gegenüber REmake verzehnfacht hat, nach Afrika, wo er mit seiner neuen Partnerin, nachdem Jill bei einem Kampf gegen Matrix Wesker verschollen ging, gegen das Umbrella abgelöste Tricel und deren neues Zombievirus ankämpfen muss. Was in ersten Trailern zum Spiel auch ein paar Vorwürfe der rassistischen Untertöne aufgeworfen hatte, als man einen weißen Soldaten einen Haufen schwarzer Zombies erschießen sah. Mit einer afrikanischen Partnerin an seiner Seite und vielen anderen schwarzen BSAA-Mitgliedern bei den Guten, sowie ab und zu die Horden in den Stadtlandschaften auch mit nicht-schwarzen Zombies zu sprenkeln, macht dies natürlich wieder einen anderen Anschein.

Zumindest bis man in den umliegenden Dörfern zum Einsatz vorbeischaut, einen Bericht darüber findet, dass das Virus die Infizierten zurück in ihre barbarischen Ursprünge verfallen lässt, und man Haufenweise Schwarzer in Lendenschurz und Kriegsbemalung antrifft, die gutturale Laute von sich geben. Später dann noch, dass wenn das Virus mit einem kompatibel ist, und einen statt zum Zombie zum Supermenschen macht, dies mit dem Nebeneffekt einer Aufhellung der Hautpigmentation und erblonden der Haare kommt. Arische Meisterrasse lässt grüßen. Ich persönlich bin ja einer, den all dies nicht direkt gestört hat, zumal wir hier in Deutschland auch nicht die gleichen historischen Altlasten der Sklaverei Schwarzer mit uns rumtragen, aber aufgefallen ist es mir schon und ein wenig ‚Yikes‘ auf jeden Fall mit dabei.

Ehrlich gesagt hat mich Resident Evil 5 zu spielen stark an Zero erinnert. Und das gar nicht mal, weil sich die beiden Spiele so ähnlich wären. Stattdessen kommen sie mir so vor, als wären sie in einem ziemlich ähnlichen Klima entstanden. Beide hatten stilistisch einen direkten, viel beliebteren Vorgänger. Was RE4 für RE5 ist, ist REmake zu Zero. Und beide Spiele versuchen absolut sich nach jenem Vorgänger auszurichten, um die Magie erneut einfangen zu können. Verfehlen es allerdings beide ein Stück weit und sind im Endergebnis stellenweise geradezu etwas langweilig. Und beide meinen, zwei Spielercharaktere wären ein gutes Alleinstellungsmerkmal.

Das ist es eventuell vielleicht auch. Ich kann mir gut vorstellen, dass RE5 im Co-Op ordentlich Laune machen kann. Aber dann wiederum, welches Spiel ist nicht dadurch verbessert, dass man es mit jemand anderem zusammenspielt, zumindest jemandem, den man kennt? Ganz wie bei ObsCure II musste ich jener Intention sowieso absagen und meine Sheva der KI überlassen. Fand sie dann auch gar nicht so schlecht, wie es gern hingestellt wird. Zu Beginn ist es sicherlich ein wenig enervierend, dass sie so schnell durch die Munition der normalen Pistole geht. Aber sobald man ihr die Sniper Rifle gibt, ist sie doch ganz brauchbar, wobei es hilft sie in normalen Gebieten im Cover-Modus zu haben, damit sie nicht auf eigene Faust vorgeht, und bei Bossen in den Attack-Modus zu wechseln, damit sie die auch mal angreift.

Ansonsten hat mir die Kapitelstruktur gut gefallen, weil man das Spiel dadurch auch gut in kleinen Happen spielen kann, am Ende eines Kapitels oder sogar am Ende einer Szene des aktuellen Kapitels den Kontroller einfach zur Seite gelegt wird, wenn die Spielsession gerade nicht so motivierend war. Ganz ehrlich gesagt habe ich beispielsweise lange gebraucht, um so richtig ins Spiel reinzukommen, und in den ersten zwei Kapiteln wirklich so gut wie nach jeder der eigentliche kurzen Szenen aufgehört, aber ab Kapitel 3 dann doch meist ein ganzes Kapitel am Stück gespielt.

Und wer wie ich sowieso immer Angst hat, dass einem die Ressourcen ausgehen könnten, kann in RE5 übrigens jederzeit schon bestrittene Kapitel erneut spielen, und dadurch bedingt letztendlich auch farmen. Einfach wo reingesprungen, wo am Anfang die Muni für die Knarren rumliegt, die einem ausgegangen sind. Oder ein paar der Schätze erneut sammeln und verkaufen, um das letzte noch nicht erschwingliche Upgrade der Waffen kaufen zu können. Das mag einigen sicherlich ordentlich gegen den Strich gehen, weil Survival Horror braucht eine oppressive Atmosphäre oder so, aber jetzt mal ehrlich, so richtig gibt es die bei RE5 sowieso nicht. Wir sind hier halt jetzt im Action-Horror, bei dem man mit ordentlich Brachialgewalt alles über den Haufen schießt, was einem gefährlich werden will, während es regelmäßig zu großen Setpieces und Bossen kommt. Die Zeiten, die man alleine durch finstere Gänge gekrochen ist und der Hälfte der Gegner ausweichen musste, sind schon lange rum. Realistisch gesehen ist der Part im Tempel allerdings zumindest den alten Spielen am Nahesten, weil er mehr auf Puzzle statt große Kämpfe geht.

Wobei das Spiel zusätzlich ja noch seine zwei ehemaligen DLC-Szenarien auffährt, die mittlerweile bei jedem aktuellen Release automatisch vorhanden sein müssten. Lost in Nightmares und Desperate Escape sind dabei so ziemlich den genau entgegengesetzten Ausrichtungen nachgehend. Lost in Nightmares versucht mehr von der alten RE-Atmosphäre einzufangen, in dem man durch ein düsteres Herrenhaus geht, und mehr mit dem Puzzeln statt Gegnern beschäftigt ist. Desperate Escape hingegen ist Nonstop-Action gegen einfallende Horden an Gegnern. Um ganz ehrlich zu sein haben mir persönlich allerdings beide nicht so gefallen, eben weil sie mir zu sehr in die jeweilige Extreme gingen. Desperate Escape war mir zu stressig, Lost in Nightmares hingegen etwas langweilig.

Aus Resident Evil 5 komme ich eher mit gemischten Gefühlen hervor. Wie bereits erwähnt werde ich das Gefühl nicht los, dass man wirklich ein zweites RE4 herstellen wollte, und in dieser Hinsicht schlichtweg mal komplett versagt hat. Auf sich alleingestellt ist das Spiel aber auch nicht so übel, wie ich das teilweise gehört habe, wobei der schlechte Ruf sich glaube ich auch eher nach und nach gebildet hat, statt direkt zum Release entstanden zu sein. Soweit Action-Horror geht ist es ganz brauchbar, mit den gewohnt dämlichen RE-Charakteren und Plottwists, nur dass man jetzt mehr Waffengewalt auf der eigenen Seite hat. Trotz all den Versuchen größer und extremer zu gehen und trotz all der aufgefahrenen Setpieces, wollte es mit mir aber nicht komplett klicken, sondern ich habe es an einigen Stellen etwas gar ambivalent runtergespielt.

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3 Kommentare

  1. Ich hatte mir von Resident Evil 5 eine herrlich hirnlose Ballerei wie Dino Crisis 2 erhofft, musste mich aber der Steuerung, überfordernden Gegnerhorden und am Ende einem Boss mit Instakill-Kettensäge geschlagen geben. Meine bessere Hälfte war ohnehin schon lange aus völlig nachvollziehbaren Gründen als Co-Op Partnerin ausgestiegen :D Am Ende verschenkte ich das Spiel an eine Arbeitskollegin, die es mit ihrem Freund zocken wollte, und ich fühlte mich dabei ein bisschen so, als würde ich jemandem eine Kopie der Ringu VHS-Kassette überlassen.

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    • Vielleicht sind die dann doch etwas einfacher mit der doch ziemlich kompetenten KI gespielt? Easy Mode hilft natürlich auch :D Oder ich bin von ObsCure II einfach viel schlimmeren Co-Op-Horror gewohnt xD

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      • KI und Easy Modus haben auch nicht viel gebracht, bzw. auch nicht meine Abwesenheit von Spaß wandeln können :D

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