Mardock Scramble – Second Combustion

Beim letzten Mal: Die misshandelte Rune-Ballot wird von Shell in die Luft gesprengt, aber von Easter und Oeufcoque kämpferisch aufgebessert rekonstruiert, um Shell hinter Gittern bringen zu können. Der setzt jedoch Boiled auf sie an, welcher Oeufcoque erneut zu seiner Waffe machen will. Rune-Ballot dreht auf Grund ihres Machthochs kurz durch, Oeufcoque reagiert mit einer Abstoßreaktion, es sieht so aus, als hätte Boiled sie erledigt.

Dem ist natürlich nicht so, ansonsten hätten wir kaum zwei weitere Filme, es sei denn Mardock Scramble zieht einen Psycho ab und ändert plötzlich den Hauptcharakter. Tut die Reihe natürlich nicht. Gerade, als Boiled Rune-Ballot erschießen will, kommt Dr. Easter in einem riesigen Ei vorbeigeflogen und nimmt Rune-Ballot und Oeufcoque mit in Sicherheit.

Sie wacht in Paradies wieder auf, einem Forschungslabor, in dem Projekte wie Scramble 09 gestartet sind, die experimentalen Technologien entwickelt werden, und Rune-Ballot sowie Oeufcoque geheilt werden können. Rune-Ballot ist dabei untröstlich, dass es ihrem Mitstreiter dank ihr so schlecht geht, lässt sich allerdigns von einem weiteren stummen Psi-Begabten etwas ablenken. Der nennt sich Tweedledee und führt sie im Paradies rum. Erklärt ihr, dass drei Forscher es ursprünglich erbaut haben. Dass nicht nur Scramble 09 sondern auch die ihm entgegengesetzte October Group hier ihren Ursprung fanden. Lässt sie mit einem der Hauptforscher reden, der nun noch als Kopf in einem Vogelkäfig weiterbesteht, und zeigt ihr seinen schwulen Lover in Form des Delphins Tweedledum.

All der Blödsinn nimmt ein jähes Ende, wenn Boiled vorbeikommt, weil er natürlich immer noch Rune-Ballot und Oeufcoque erledigen muss. Die fliegen aber einfach wieder weg. Mittlerweile wissen wir dann auch, dass die Erinnerungen von Shell, die er regelmäßig wegen seines Hirnimplantats verliert und deswegen abspeichern lässt, in vier Chips in einem Kasino der October Group, in die Shell einheiraten will, um mehr Immunität gegenüber der Justiz zu haben, versteckt sind. Also geben sich Easter und Rune-Ballot als Glücksspieler aus und versuchen mehrere Millionen zu gewinnen, um an die hochkarätigen Chips zu gelangen. Der Film stoppt genau dann, wenn sie mit Black Jack beginnen wollen.

Ich dachte ja irgendwie, dass die drei Filme bei je knapp einer Stunde echt hetzen müssen, um alles gezeigt zu bekommen, was sie einem zeigen wollen. Dass es noch dem Aufbau im ersten Film jetzt so richtig losgeht. Aber eigentlich steigt Mardock Scramble: The Second Combustion so richtig auf die Bremse. Ganz zusammenhängend erscheinen die Ereignisse sowieso nicht, sondern sind zwischen Paradies und Kasino hart voneinander getrennt, als wären zwei Folgen einer TV-Serie aneinander getackert worden.

Im Paradies wird viel geredet, letztendlich geht es allerdings um wenig. Die Charaktere philosophieren munter von der Leber weg, aber so richtig die Bedeutung für das größere Ganze in Mardock Scramble will sich mir aus ihnen nicht erschließen. Es ist mehr die obligatorische psychedelische Episode, um den Stoff erneut intelligenter wirken zu lassen, als er letztendlich ist. Natürlich mit erneut viel Möchtegern-Shockvalue-Edgyness, wie der homosexuellen Beziehung (Skandalös!) und dann noch zwischen einem Jungen und seinem Bruder, der auch noch ein Delphin ist. Oder halt Leuten, die als Köpfe weiterexistieren.

Im Kasino geschieht dann in der zweiten Hälfte des Filmes scheinbar gar nichts. Rune-Ballot und Easter haben erneut wenig bereichernde Gespräche darüber, wie man auch ohne Cheaten ein Spiel so liest, dass man eigentlich nur gewinnen kann. Außerdem beißt sich Rune-Ballot an einer coolen Dame beim Roulette fast die Zähne aus, bis sie gegen sie gewinnt. Aber letztendlich sehen wir den beiden nur dabei zu, wie sie beim Glücksspiel gewinnen und sonst nichts. Und dann ist das noch nicht mal rum, sondern stoppt einfach mittendrin, wenn es zum Black Jack geht.

Das lässt den ganzen Film ehrlich gesagt etwas unbefriedigend erscheinen, weil es zu wenigen Höhepunkten kommt. Immerhin finden wir die eine oder andere Sache raus, wie beispielsweise die Vergangenheit von Boiled und warum Oeufcoque ihm so wichtig ist. Und das immerhin in stilsicheren Bildern, denn das Paradies wirkt schon sehr cool, gerade wieder in den üblichen kühlen Cyberpunkfarben gehalten, und auch das Kasino ist sehr stilsicher umgesetzt.

Ich glaube ein Problem, welches ich mit Mardock Scramble habe, ist zudem, dass ich kein Gefühl für die Welt habe. So viel, gerade im ersten Film, doch über die Charaktere, die wissenschaftlichen Einrichtungen, die staatlichen Projekte, erzählt wurde, so wirkt das nie wie aus einer stimmigen Welt. Es sind mehr Erklärungen dafür, warum die Dinge jetzt so sind, wie Mardock Scramble sie gerade in der Szene braucht, ohne dabei je auf das größere Ganze einzugehen. Mardock Scramble erklärt kleine Versatzstücke, aber zeigt einem nie wirklich die Welt, in der dies alles möglich ist und warum. Dadurch existiert und geschieht alles in diesen Filmen so ein wenig im luftleeren Raum für mich.

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Ein Kommentar

  1. Die Romanvorlage hat die selben Probleme. Ubukata beweisst unbestritten teils wilde Ideen für sein Universum. Auch die Charakterriege ist herrlich Mangafiziert. Leider verbleibt vieles von seiner Welt in einer Art Schwebezustand.

    Ich fand die Buch Trilogie ganz in Ordnung. Keine Offenbarung aber auch kein Griff ins Klo.

    Die animierte Umsetzung muss ich mir noch besorgen, da ich doch sehr an der visuellen Umsetzung interessiert bin.

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