Fire Emblem Fates

Meine Fire-Emblem-Jungfräulichkeit ist gebrochen. Also eigentlich wollte ich ja immer mit den drei GBA-Teilen anfangen, hatte dann aber doch zu viel Respekt davor. Dann machte mir Awakenings Baby-Mode die Reihe wieder schmackhafter, aber das Spiel hab ich nie für unter 20€ gesehen. Ich mein, theoretisch habe ich ja Fire Emblem Heroes mal kurz angespielt gehabt, aber wir wissen ja alle, dass Mobile Spinoffs, ganz wie nur mal kurz die Spitze reinhalten, nicht wirklich voll zählen. Doch nun ist es geschehen, Fire Emblem Fates hat sich mir billig genug angeboten, so dass ich es nicht mehr einfach einsam and er Ecke stehenlassen konnte und stattdessen mal beackert habe.

Es ist übrigens Vermächtnis gewesen, wen es interessiert. Ich bin doch nicht blöd und Spiel das harte Herrschaft, ich brauchs erst mal weicher. Natürlich habe ich den Permadeath direkt ausgestellt, auch wenn mich hierfür einige Spielkritik-dot-Com-Redakteure ordentlich schief anschauen würden. Ich bin aber dann doch beim Casual-Mode-für-Babys Normal + kein Dauertod geblieben, habe vor dem Super-Baby-Jeder-Darf-Das-Spiel-Genießen Phönix-Modus abgesehen, der einem die gestorbenen Einheiten nicht nach jedem Kampf, sondern nach jeder Runde wiederbelebt. Dadurch durfte mein Corrin natürlich leider nicht schwul sein, weils dafür jeweils nur einen Charakter gibt und die auf die beiden Editionen aufgeteilt sind. Aber na ja, ums Dating und komische Betatschen geht es ja vorrangig in Fire Emblem nicht, oder so sollte man zumindest meinen, denn diese Elemente einzufügen hatte letztendlich die Franchise vor dem permanenten Tod bewahrt.

Tatsächlich gestalteten sich die Kämpfe dann für mich natürlich so, wie ich sie mag, und so, wie eher wenig über sie zu schreiben ist: Eher ohne großartige Taktik kommt man auch durch. Ich habe natürlich schon versucht, die Charaktere alle am Leben zu halten. Das mache ich auch in Spielen ohne Permadeath wie Shining Force. Aber mir war natürlich schon immer bewusst, dass ich eine Einheit durchaus riskieren kann, weil sie eben nicht für immer verschwindet, wenn sie erschlagen wird. Hätte ich so wie hier mit Permadeath gespielt, hätte ich einige Einheiten zu Spielende nicht mehr gehabt. Beziehungsweise einige Kämpfe mehrmals neu starten müssen. Was ja im Prinzip letztendlich jeder Fire-Emblem-Spieler mit angeschalteten Permadeath macht, wenn eine Einheit stirbt. Dabei bin ich mir immer noch nicht sicher, dass dies die Intention des Systems war, sondern eher, dass man mit verstorbenen Charakteren leben und seine Teamaufstellung ändern sollte, um sie zu ersetzen, statt via Reset wiederzubeleben.

Natürlich habe ich auch Vermächtnis statt Herrschaft gespielt, welches zwar auch den Permadeath ausschalten lässt, wenn ich richtig informiert bin, aber die Kämpfe dennoch wesentlich schwieriger gestaltet, in dem es mehr Hürden gibt und überzählige Gegner einem entgegenstellt. Und wenn ich mal von den wenigen Gimmick-Kämpfen in Vermächtnis ausgehe, bei denen beispielsweise auf Umgebungsschaden durch Lava und Sumpf, oder auf weitläufig Projektile schießende Orbs geachtet werden musste, oder bei denen einfach ständig neue Kanonenfuttergegner eingetroffen sind, um einen von den Seiten aufzureiben, gingen mir die definitiv am meisten auf den Keks und ich habe kein Bedürfnis, auch den schweren Teil der Dilogie (bzw. eigentlich ja Trilogie) zu spielen. Auch wenn es die heißeren Charaktere offeriert und ich die Bottom Bitch von Niles drin sein kann.

Wobei ich noch immer nicht weiß, warum ich nicht einfach jeden daten kann, der mir beliebt. Fates geht doch eh stark in die Wish Fullfilment, zumindest für die Hetero-Spieler. Und man hat sich ja nicht mal die Mühe gemacht, die Support-Diskussionen zu ändern. Somit hat jeder der äußerst attraktiv designten Männer im Spiel ausreichend mit mir geflirtet und mir Schlafzimmeraugen gemacht, nur um dann nach dem A-Rang No-Homo-No-S-Ranking zu gehen. Ich musste mir also die unglaublich fremdschämenden Anime-Flirt-Gespräche in den Supports antun, und durfte anschließend nicht mal einen als Belohnung wegstecken. Und keiner kann mir sagen, dass nicht zumindest Jackob absolut gay für Corrin wäre.

Allgemein gesehen ist das Spiel eher mäßig gut geschrieben. Nicht nur was das Tête-à-Tête im eigenen Schlafzimmer, sondern auch was die Handlung an sich angeht. Die konnte mich nämlich jetzt echt nicht umhauen. Grundsätzlich geht es mal darum, dass Corrin zwar im Fantasymittelalterlichen Nohr aufgewachsen ist, allerdings herausfinden muss, dass er der Königsfamilie vom Fantasyfeudaljapanischen Hoshido als Kind vom fiesen Nohr-König entführt wurde. Je nachdem, welche Edition man nun spielt, kämpft er entweder weiterhin mit seinen Adoptivgeschwistern Nohrs, oder wechselt nach Hoshido. Eine mysteriöse Sängerin Azura ist immer mit dabei.

Wobei ich verstehen kann, dass das Spiel einen schnell durch die ersten sechs Kapitel schleußen will, weil eben erst dann die Weggabelung zwischen den Editionen erfolgt, aber extrem überhastet ist die Sache schon. Und bleibt auch so. Ich fand es sowieso etwas merkwürdig, wie die Charaktere zumindest in den deutschen Texten mal absolut künstlich hochgestochen miteinander reden, und dann in den Supports wieder flapsig miteinander umgehen. Aber irgendwie traut auch jeder gleich jedem, oder tut legitime Einwendungen mit wage-hehren Worten ab, dass es mich echt überrascht, warum die ganze Gruppe nicht nach drei Tagen ermordet war. Es ist auch eine solche Handlung, die mir – wie schon bei Tales of the Abyss erwähnt – zwar ständig sagt, wo wir jetzt hingehen, was wir da machen, aber mir dennoch nie das Gefühl geben konnte, dass sie nicht stillsteht. Liegt wahrscheinlich auch mit daran, weil man nach jedem Kampf zurück ins friedliche Schloss gewarpt wird, um mit Leuten zu flirten. Abgesehen davon ist sie eben auch nicht in einer Edition abgeschlossen. Es ist klar, dass hinter dem Verhalten des Nohr-Königs irgendeine böse Macht steckt, aber Genaues finden wir nie heraus. Es wird auch nie klar, wer Azura nun wirklich ist, obwohl das Spiel stark hintet, dass sie die ehemalige Königin ist. Die Handlung wirkt halt eben doch nicht aufgelöst und beendet, wenn man nicht die anderen Editionen spielt.

Mochte ich denn was am Spiel? Also die Präsentation war Ok. Ganz so viel kann ich die erneut nicht bewerten, da ich unverzüglich die englische Sprachausgabe und die Kampfanimationen ausgestellt habe, damit das Spiel zügiger vorangeht. Aber die Charakterdesigns sind alle sehr attraktiv und wie mit dem Skalpell darauf getrimmt, möglichst Figuren an lechzende Fans verkauft zu bekommen. Die wenigen Cutscenes sind auch ganz gut, wobei die meisten Sachen natürlich mit den Charakteraufstellern über Textkästen erledigt werden.

Ich kann auf jeden Fall bestätigen, dass Fire Emblem Fates absolut für Neueinsteiger, die an der Serie interessiert sind, geeignet ist, da es eben nicht sonderlich schwer und sehr zugänglich gestaltet ist. Mich für sich oder die Serie an sich gewinnen konnte es aber nicht, denn ich fand es in vielen Belangen dann doch etwas uninteressant. Würde ich aber nicht maßgeblich daran festmachen, dass ich es nicht auf härteren Einstellungen gespielt habe, sondern daran, dass es auch am Drumherum schwächelt.

Hinterlasse einen Kommentar

5 Kommentare

  1. Hey, wie geht es dir mit deiner verlorenen Jungfräulichkeit trotz des Verzichts auf Niles‘ heißen Beischlaf? Dass du dich für diese Route entschieden hast ergibt schon Sinn, wobei diese nach meiner Ansicht selbst an der sehr niedrig gesetzten Messlatte der Trilogie sogar noch der schwächste Part ist – storymäßig wie spielerisch. Ich nehme an, du willst dich der restlichen Teile, geschweige denn dem Rest der Trilogie, nicht mehr annehmen? So oder so muss ich dir zustimmen, dass sowohl Awakening, als auch Fates keine besonders gut geschriebenen Geschichten abliefern, aber das müsstest du ja noch aus meinen Beiträgen wissen.

    Eines noch: generell muss man sich nicht dafür rechtfertigen, ein Spiel auf einem leichteren Schwierigkeitsgrad zu spielen, ganz gleich, wie sehr die „Hardcore“-Fans darüber lamentieren wollen; man spielt Spiele eigentlich für den Spaßfaktor oder für ein besonderes Erlebnis und wenn wirklich irgenjemand einen Schwanzvergleich anstellen will, kannst du in deinem Fall immer noch deine Erfahrungen mit Wizardry und anderen Dungeon Crawlern hervorholen. :P Dieses Gekreische und die Angeberei um möglichst harte Erlebnisse zeugt in den meisten Fällen entweder von Elitarismus, Verweigerung von Veränderungen oder schlichtweg von Minderwertigkeitskomplexen.

    Antworten
    • Also, wenn ich Awakening ganz billig irgendwo rumstehen sähe, würde ich mich vielleicht doch noch mal erbarmen. Aber nein, auf die anderen beiden Fates hab ich keinen Bock. Three Houses sah zunächst noch ganz interessant aus, hör ich aber auch eher gemischte Sachen, und wie da mit den MvM relationships umgegangen wird find ich auch nicht pralle.

      Ach, ich bin da eh ziemlich schmerzbefreit, und würde mir nie reinreden lassen, auf welchem Schwierigkeitsgrad oder auf welche Weise ich ein Spiel zocke. Das ist mehr so ein kleiner passiv-aggressiver Joke, dass ich es immer erwähne nur im Baby-Mode gespielt zu haben, wenn es einen gibt :D

      Antworten
      • Was Three Houses und seine Repräsentation angeht, bin ich auch sehr enttäuscht bis wütend, aber angesichts Japans konsvervativer Natur war das schon zu erwarten. Immerhin haben lesbische Spieler dank der Objektifizierung durch Hetero-Männer eine große Auswahl bekommen und mit eingeschaltetem Permadeath kann man sogar das Klischee des toten Partners einer solchen Beziehung nachstellen, yay! Zu was sonst eignen sich ja solche Beziehungen laut vieler Medien nicht.

        Wie wäre es eigentlich mit Shadows of Valentia? Dort gibt es zwar weniger Supports und wegen seines Statuses als Remake eines NES-Spiels eine eher simple Handlung, aber dafür wird diese recht nett und konsistent über ein gutes Charakterdesign und den fantastischen Soundtrack präsentiert und Permadeath kannst du dort auch ausschalten. Zudem ist es auch häufig günstig zu haben, weil es weniger auf Waifu-Mechaniken setzt und daher auch nicht so heiß begehrt ist.

      • Dass Valentia überhaupt existiert, vergesse ich irgendwie immer. Irgendwie freunde ich mich aber auch gerade mit dem Gedanken an, bald alle meine 3DS-Spiele durchgespielt zu haben und den Handheld ad acta legen zu können, statt noch viel Neues zu kaufen, nur weils existiert und billig ist xD

      • 40 Euro würde ich für Awakening übrigens auch nicht wieder auf den Tisch legen. Ist vermutlich nicht schlechter als die günstigeren Fates/Valantia, aber wohl auch nicht wesentlich besser.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: