Shark Week – Open Water 2

Open Water hatte mir ja mal so gar nichts gesagt, bevor ich es nicht herausgezogen hatte, um nicht nur billigen Trash an Haifilmen zu schauen, sondern auch legitimere Vertreter mit Budget und eventuell auch mal ohne Trash. Das Ding war aber so ein wenig wie Paranormal Activity: Ein für lau gemachter Indie-Film auf dem Sundance Film Festival, welcher dann doch eine weiträumigere Distribution fand, und massig Millionen eingefahren hat.

So Überraschungshits sind immer eine gute Gelegenheit dafür, bereits rumliegende Drehbücher mit ähnlicher Thematik, die bisher keiner verfilmen wollte oder durfte, doch das grüne Licht zu geben, um darauf aufzuspringen, bevor der überraschend eingerollte Zug schon wieder weitergefahren ist.

So auch Adrift, aus dem Open Water 2: Adrift bzw. teilweise auch nur Open Water 2 wurde. Dass das Drehbuch ursprünglich nichts mit dem ersten Open Water zu tun hatte, sollte hier auch gar nicht wirklich Schwierigkeiten bereiten. Dies war immerhin ein Film, der sich darum dreht, dass ein Pärchen bei einem Tauchausflug auf offener See vergessen wird, und dann 90 Minuten im Wasser Panik schiebt, bis sie dann doch mal sterben. Da lässt sich eh schlecht irgendwo ansetzen einen direkten Nachfolger oder Vorgänger zu machen. Solange Leuten was Schreckliches auf hoher See geschieht, ist es absolut legitim, dies als ein weiteres Open Water zu verkaufen.

Diesmal haben wir es mit einer Gruppe von Freunden zu tun, die den Geburtstag eines von ihnen auf der Jacht eines anderen von ihnen feiern wollen. Vier von ihnen sind schon lang befreundet, einer ist ein dazugestoßener Ehemann (mit deren Baby in Schlepptau) und ein sechster Partygast ist der aktuelle Flirt des Jacht-Besitzers. Alle sind ganz ausgelassen und fröhlich und haben diese nervtötenden Indie/Arthouse-Dialoge, die möglichst realistisch klingen sollen, was darin resultiert, dass sie alle irgendwelchen Blödsinn, der genausogut Improv sein könnte, wild durcheinanderreden und sich gegenseitig ins Wort fallen. Ganz Un-Indie und ganz Un-Open-Water ist allerdings, dass man hier sogar den einen oder anderen Schauspieler kennen könnte. Nicht mit Namen, so berühmt ist dann doch keiner, aber schon so auf die Art von „Hey, war der nicht Artz in Grey’s Anatomy?“ oder „Ist das nicht die Stimme von FFXIII Lightning?“ und so.

Amy, das ist die mit Ehemann und Kind, hat übrigens panische Angst vorm Wasser, seitdem ihr Vater bei einem Ausflug mit ihr als kleines Mädchen ertrank. Dies versucht sie zu überwinden, was natürlich eine nette Character Arc wird. Und der verantwortungslose Jacht-Besitzer heißt Dan und war mal mit ihr zusammen. Jedenfalls, nachdem alle anderen bereits zu einem kurzen, spaßigen Schwimmen im Wasser sind, entschließt Dan sich dazu, Amy mittels Schocktherapie zu heilen, in dem er sie hochnimmt und mit ihr ebenfalls in den offenen Ozean springt. Subotpimale Ergebnisse resultieren aus der Aktion. Zunächst einmal ist Amy sofort katatonisch. Und dann hat er bei jenem Gedankenblitz vergessen, die Leiter auszufahren, damit man aus dem Wasser wieder aufs Boot kommt.

Und damit ist der Horror des Filmes erneut mehr jener, wie schrecklich es doch ist, mitten im offenen Ozean gestrandet zu sein. Hier noch etwas ironischer, weil sie ja alle direkt neben ihrem Boot sind, nur keine Möglichkeit haben draufzukommen. Macht den Film allerdings auch spannender als den ersten Open Water. Zum einen ist es natürlich so, dass bei einer Gruppe aus sechs Menschen mehr die Charaktere anfangen können aneinanderzureiben. Es gibt mehr dumme Entscheidungen und Kurzschlussreaktionen resultierend aus erhitzten Gemütern. Und mit der Jacht direkt neben allen kann mehr über den Zeitraum geschehen, da verschiedene Pläne geschmiedet werden, um sie doch irgendwie erklimmen zu können. Beispielsweise an der herabhängenden Fahne emporzuklettern, die natürlich reißt. Eine Luke mit einem Messer aufzustülpen, wobei es ihm aus der Hand rutscht und bei der panischen Suche danach er sich den Kopf stößt und ein leichtes Trauma zuzieht. Die Badesachen auszuziehen, um sie zu einem Seil zu verbinden, welchem man eventuell emporklettern kann.

Viel, was schiefgeht, lässt sich dabei natürlich mit der Extremsituation erklären. Die dümmsten Entscheidungen resultieren aus hitzigen Streits oder plötzlicher Panik. Doch sind unsere sechs Gestrandeten auch wirklich nicht allzu schlau. All die Kletteraktionen versucht beispielsweise einer der muskulösen Kerle zu vollführen, weswegen Fahne und Seil reißen, keiner lässt es mal die 50-Kilo-Blondine zuerst versuchen. Sie versuchen aus dem Wasser heraus zu springen, um das Deck zu erreichen, was natürlich viel zu hoch ist, aber erneut kommt keiner mal auf die Idee, zu versuchen, besagtes blondes Leichtgewicht mit Schwung zu boosten, um zu sehen, ob sie vielleicht hoch genug kommt.

Und jetzt zum Elefant im Raum: Es gibt keinen Hai. Ich ging einfach davon aus, dass einer vorkommt, weil es welche im ersten und dritten Open Water gibt. Aber das Script von Adrift hat wohl keine vorgesehen, und man sich auch nicht dazu entschlossen, nachträglich einen reinzuschreiben, als man daraus einen Open Water 2 machte. Natürlich ist das Konzept des ersten Films auch eher gewesen, was für eine Horrorsituation denn das hilflose Treiben im offenen Ozean ist. Und das haben wir auch hier. Haie waren im Vorgänger sporadisch zu sehen, häufig nur fürs Publikum, wenn sie Teilnahmslos am Pärchen unterm Wasser vorbeigeschwommen sind. Haie sind nicht essentiell für Open Water. Aber wäre es so schwer gewesen, zumindest eine solche Swim-By-Szene zu inkludieren? So als Thrill für das Publikum? Wir haben sogar einen Moment, wo eines der Mädels in Panik vor Haien verfällt, weil etwas angeblich ihr Bein streift. Wir sehen dann aber nix. Genau genommen spielt der Film sogar mit dieser Erwartung. Denn mehrmals verletzt sich einer der Gruppe und beginnt zu bluten. Und man denkt natürlich sofort „Ach so, jetzt werden die Haie endlich angelockt“. Geschieht dann aber doch nie.

Finde ich gar nicht mals so dramatisch, wenn auch eine seltsame Entscheidung bei den ganzen möglichen Panikquellen nicht ein Mal zumindest einen Hai die Gruppe aufmischen zu lassen. Aber ja, eine kleine Mogelpackung von mir ist es schon, Open Water 2 in eine Shark Week zu setzen, obwohl nicht nur keiner im Film von einem angegriffen wird, sondern noch nicht mal je einer irgendwo zu sehen ist. Wir denken uns einfach mal, dass da schon hin und wieder, ohne das wir es sehen, einer rumgeschwommen ist. Ich habe den Film jedenfalls für die Shark Week geschaut und deswegen bekommt ihr in der Shark Week auch darüber zu lesen. Zumal ich denke, dass sicherlich nicht nur ich den Fehler beging, Open Water 2 für einen Haifilm zu halten, mindestens ein Hai-am-Rande-habenden wie den ersten Teil.

Macht es aber nicht zu einem weniger spannenden „Gestrandet auf hoher See“-Thriller. Auch mal so ganz erfrischend ohne Haie. Man muss es nur ins Positive kehren, schon lebts sich angenehmer.

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