Captain Marvel

Wer sich wundert, dass wir Ant-Man and the Wasp überspringen: Das liegt daran, dass ich den tatsächlich mal sogar zu Release im Kino gesehen habe, also bereits kenne. Von daher haben wir zwischen den Avengers im Infinity War und denen im Endgame nur noch einen Zeitsprung zurück in die 90er zur Captain Marvel zu machen.

Vers ist eine Soldatin der Kree, deren oberstes Kredo es ist, dass Gefühle unterdrückt gehören, weil sie einem nur in den Weg kommen. Angeführt von der Supreme Intelligence führen die Kree einen Krieg gegen die feindlichen Skrull, die als Gestaltwandler theoretisch jederzeit eine Unterwanderung beginnen können, weswegen die Kree beständige Paranoia dahingehend hegen müssen.

Bei einem Einsatz strandet Vers allerdings mit ein paar Skrull auf der Erde, wo sie prompt auch Nick Fury über den Weg läuft, und nach und nach feststellen muss, dass was sie als Wahrheit zu kennen meint, dieser eventuell gar nicht entspricht. Immerhin scheint sie auf dem Planeten bereits als Kampffliegerin Carol Danvers bekannt zu sein, ist also eigentlich gar kein Teil der Kree.

Ich habe mit Captain Marvel im Grundzug bereits das gleiche Problem, welches ich mit Doctor Strange hatte: Er wirkt fehlplatziert und altbacken. Es ist 2019. Wir sind in Phase Drei des MCU. Einen Film vom Endgame entfernt. Und wir bekommen eine weitere Origins Story, die durch die Standards eines frisch erweckten Superhelden gehen muss, was thematisch wesentlich besser in Phase Eins und die erste Hälfte von Zwei passt. Ich als Zuschauer, aber auch der MCU als Franchise, ist eigentlich mittlerweile weitergezogen. Und das Spider-Man: Homecoming und Black Panther versuchten, wenn auch nicht ganz erfolgreich, eine jene zu übergehen, zeigt mir, dass man sich bei Marvel dessen auch bewusst ist. Aber wichtige Figuren für die Avengers-Filme dürfen nicht einfach vom Himmel fallen, und jeder neue MCU-Film schwingt sich automatisch dazu auf, einer der monetär erfolgreichsten Filme seines jeweiligen Kinojahres zu werden, also bekommen wir weitere Superhelden-Anfänge präsentiert.

Abgesehen davon wirkt Captain Marvel, erneut ganz wie Doctor Strange, besonders nüchtern und schwunglos. Spider-Man: Homecoming hat wenigstens die witzigen Sprüche und einnehmende Energie seines Hauptcharakters zu bieten. Black Panther eine Menge coole Action und einen eigenen Look. Captain Marvel hat auch Action. Captain Marvel hat auch flotte Sprüche. Aber so richtig herausragend in irgendeinem Bereich ist der Film nie, sondern scheint wirklich hauptsächlich durch die vorgegebene Motorik zu gehen.

Die Sprüche beißen sich teilweise sogar ein wenig mit dem Charakter an sich. Denn Vers ist mal die stoisch-emotionslose Kree, und dann in der nächsten Szene wieder die Sprüche-klopfende Oneliner-Maschine. Und es scheint nie so ganz zusammenpassen zu wollen. Selbst Brie Larson scheint in einigen Szenen etwas verwirrt darüber, welchen Charakter sie jetzt genau mimen soll. Ich kann mir echt nur vorstellen, dass hier jemand ziemlich merkwürdige Schauspielanweisungen gegeben hat. Wenigstens hat sie mehr Chemie beim Spiel mit ihren Co-Stars, als das Benedikt Cumberbatch hatte.

Ein Problem, welches der Film sicherlich hatte, ist zudem, dass Captain Marvel viel zu stark ist. Tatsächlich muss ihr im großen Endkampf dann sogar geradezu eine ganze Flotte an Raumschiffen entgegnen, damit sie als einzelner Superheld ein wenig ins Schwitzen kommt. Der Kampf wird auch prompt fast eher humoristisch dargestellt. Im Endresultat darf der Charakter dadurch eben erst auf die letzten 10 Minuten des 2-Stünders ihre vollen Kräfte als Captain Marvel bekommen, was den Film auch etwas hinzieht und dazu zwingt, sich irgendwie anders füllen zu müssen.

Ich verbleibe mit Captain Marvel also etwas unenthusiastisch. Erneut will ich wiederholen, dass man mit so ziemlich jedem MCU-Film einen langweiligen Abend killen kann. Auch Captain Marvel unterhält auf einem basischen Level. Aber eben auch nicht mehr. Damit steht der Film nicht alleine am Grund des MCU-Fasses, aber nur weil er Gesellschaft hat, hebt ihn das eben dennoch nicht über den Durchschnitt.

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