Avengers: Infinity War

2018 wurde also genau 10 Jahre nach dem ersten Iron Man das Ende eingeläutet. Der finale Avengers-Film ging in seine erste Hälfte, auch wenn Marketing irgendwann das Part 1 rausstrich, und dem letzten Film einen neuen Untertitel verabreichte. Wurde prompt auch der bestverkaufte Film des Jahres, und setzte sich auf den dritten Platz aller Zeiten, steht auch dieses Jahr noch auf Platz vier.

Da gibt es so ein violettes Alien mit Namen Thanos. Dessen Planet stand vor der Zerstörung durch Überbevölkerung. Also hat er den „facts over feeling“-Plan entworfen, doch einfach die Hälfte der Bevölkerung zu töten. Ganz fair per Losentscheid. Hat keiner mitgemacht, und deswegen ist seine Heimat zugrunde gegangen. Thanos immer noch davon überzeugt, dass sein Plan die einzig wahre Idee ist, erhebt sich anschließend zum das Universum bevormundenden Faschisten, der einfach für alle anderen entscheidet, und von Planet zu Planet reist, um jeweils den halben Genozid zu vollführen.

Massenmord muss aber doch effizienter gehen, wenn man mal genau drüber nachdenkt. Und deswegen ist der fliederfarbene Schurke nun hinter den Infinity Stones her, damit er mit einem einzigen Fingerschnippen das halbe Universum ausrotten kann. Einen davon haben die Avengers. Über einen anderen wacht Doctor Strange. Den Zugang zu einem dritten Stein kennt seine abtrünnige Tochter bei den Guardians of the Galaxy. Den aus Asgard hat er Thor bereits abgenommen und Loki umgebracht. Thanos eckt also bei jedem an.

Thanos ist natürlich ein interessanter Schurke. Er ist nicht im Recht, aber man kann nachvollziehen, warum er sich so fühlt. Zumal er sehr charismatisch gespielt wird und der Film sichergeht, dass er nach jedem Mord oder gar Völkermord eine Träne vergießt, damit wir auch ja sehen, wie schwer es ihm fällt. Auf einer streng logischen Basis, wenn damit konfrontiert, dass die Welt an Überbevölkerung in naher Zukunft zugrunde gehen wird, und es dafür keine Lösung gibt… ist die Lösung die Überbevölkerung strikt anzugehen natürlich naheliegend. Moralisch und ethisch absolut verwerflich. Aber warum jemand auf die Idee kommen könnte schon klar. Wobei ich ja denke, dass die Regierungen dabei im Extremfall schon mitspielen würden, aber das mit dem Losentscheid für sich selbst und ihre Familien aussetzen würden. Es gäbe dann nämlich eher die Diskussion, wer lebenswert ist und wer nicht und wer das zu entscheiden hat. Aber keiner würde es komplett dem Zufall überlassen, der könnte nämlich auch einen selbst und die eigenen Lieben treffen.

Ich glaube nicht, dass Infinity War versucht, uns darzulegen, dass Thanos eigentlich recht hat. Stattdessen sehe ich es her so, dass es ganz gut zeigt, wie er immer tiefer in den Hasenbau fällt. Sobald erst mal angefangen wurde, Leben dem angeblich größeren Ziel zu opfern, entsteht ein Schneeballeffekt mehr und mehr zu opfern bereit zu sein, eben damit die vorigen Opfer und die damit auf sich gezogene Schuld nicht umsonst war. Man hört nicht mitten mi Genozid auf, sondern rechtfertigt weiter, bis er abgeschlossen ist, in der Hoffnung recht gehabt zu haben, dass das Ziel wirklich die Mittel heiligt.

Als Film an sich fühlt sich Infinity War übrigens ein wenig so an, als steckte man in mehreren. Die Sache mit so einem großen Crossover ist, dass es schwer ist alle Charaktere und deren Persönlichkeiten auftreten lassen zu müssen, ihnen gerecht werden zu müssen, sie in ein stimmiges Ganzes zu bringen. Da schafft es Infinity War sicherlich ganz gut, allen Beteiligten gerecht zu werden, und am Ende ist man ja aus der Problematik raus, in dem der Cast rigoros für Endgame zurechtgestutzt wird. Aber je nachdem, zu welcher Lokalität und welchen Superhelden wir gerade springen, scheinen wir von der Stimmung her doch in grundverschiedenen Filmen zu sein. Zumindest bis zum Ende, wenn alles in einem Rundumschlag an Misery Porn zusammenkommt.

Das führt natürlich auch dazu, dass der Film wenigsten viel Abwechslung bietet. Es ist schwer, sich zu langweilen, wenn so viel auf einmal zu geschehen scheint, so viele Charaktere mehr oder weniger zusammenkommen. Und gegen Ende natürlich auch so viel auf dem Spiel steht. Ich war zumindest voll involviert, und die Szene zwischen Peter Parker und seinem quasi Mentor Tony Stark hat mich schon erwischt gehabt. Es ist ein Film, der durch charismatische Charaktere, witzige Dialoge, coole Action und auch emotionale Momente unterhält, also ein wenig was von allem bietet. Letztere funktionieren natürlich nur, wenn man mehr oder weniger mit auf der Reise der letzten 10 Jahre durchs MCU war, die Charaktere schon noch zumindest vage aus den anderen Filmen kennt, aber es begeht sicherlich keiner wirklich den Fehler, die Franchise bei Infinity War zu beginnen.

Ganz so gut gefallen wie Captain America: Civil War hat mit Avengers: Infinity War zwar nicht. Denn Civil War hat ähnliche Thematik, ist jedoch wesentlich stringenter präsentiert. Aber richtig gut gefallen hat mir Infinity War dennoch, es ist definitiv ein toller Auftakt zum Payoff des MCU und ich bin mal gespannt, ob Endgame alles einzulösen wissen wird, ein guter Start dazu ist zumindest gelegt.

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