Doctor Who: Series Eleven

Willkommen bei der elften Staffel des Doctor-Who-Revivals. Mal wieder mit entscheidenden Änderungen. Wir haben mit Jodie Whittaker eine neue Doktorin der Nummer Dreizehn. Steven Moffat ist nicht mehr, wir haben neue Producer, die für die Serie verantwortlich zeichnen. Und sie ist nun zehn Episoden lang, es gibt keine Mehrteiler mehr, und ein Weihnachtsspecial auch nicht.

Den Beginn macht das mit der vollen Stunde leicht längere The Woman Who Fell to Earth. Welches natürlich hauptsächlich damit beschäftigt ist, die neue Doktorin und ihre Companions einzuführen. Wir haben ein Predator-likes Alien, welches um sich in seiner Kriegerhierarchie zu beweisen, eine ausgemachtes Ziel auf der Erde erlegen muss. Am Ende wird er natürlich besiegt, die coolste Mitstreiterin bleibt auf der Strecke, und da er nicht wirklich umgebracht, sondern nur verbannt wurde, kann man davon ausgehen, dass auf ihn zurückzukommen ist.

Nicht die beste Folge, aber ich glaube die Doktor-Einstiegsfolgen fand ich bisher häufig etwas unausgegoren. Das Alien mit dem Zahngesicht sieht halt auch dämlich aus und die Handlung drumherum ist nicht herausragend. Ich mag aber tatsächlich Whittakers Doktor bereits ziemlich, sie bringt da eine sehr überschäumend-chaotische Energie rein, und das neue Outift ist auch knorke. Wahrscheinlich hat sie sich von Schauspiel-Kollegen David Tennant inspirieren lassen, denn sie spielt Nummer Dreizehn sehr ähnlich.

The Ghost Monument ist damit beschäftigt, der mit den noch unfreiwilligen drei Companions gestrandeten Doktorin ihren TARDIS zurückzubringen, in einer ähnlichen Endszene wie die allererste Serie. Auch das hier ist übrigens ein tödliches Spiel ähnlich der Jagd auf der Erde, nur das hier auf einem Alienplaneten ein Wettrennen stattfindet, bei dem nur der Gewinner überleben darf. Dachte tatsächlich, dies würde ein wenig der rote Faden der Staffel werden, die nächsten Folgen richten sich dann aber doch anders aus.

Eine weitere Solala-Folge für mich. Der Tripp über den tödlichen Planeten und die Einblicke in die beiden Wettstreiter ist nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend, sondern mehr oder weniger eine brauchbare Standardfolge. Warum der Hologramm-Typ sich allerdings dahinbringen lässt, doch zwei Gewinner zu akzeptieren, machte für mich keinen wirklichen Sinn.

Ich liebe es ja, dass Series 11 so viel Contra bekam, weil sie eine Frau casten, und dann ist bereits die dritte Folge, Rosa, über die gegen Rassismus kämpfende Rosa Parks. Wird dieser Gruppe an Meckerern nicht geholfen haben. Der Schurke, der alles was in seinem Leben schiefgelaufen ist, irrationalerweise daran festmacht, dass Schwarze Rechte bekommen haben, sieht sogar ein wenig aus wie der Dapper Nazi Stereotyp a la Richard Spencer und Co. Ist ja im Prinzip sogar ein Historical, wobei natürlich wie immer durch den Space-Nazi ein wenig SciFi reinkommen muss, da man sich irgendwann früh in Classic Who dazu entschieden hat, dass reine Geschichtsstorylines nicht genug ziehen.

Dass es nicht so wirkliche Beweggründe für den Bösewicht der Folge gibt, was ja wie erwähnt auch durchaus so gewollt sein kann, mal beiseite, hat mir die Folge auch sehr gut gefallen. Ich finde es besonders gut, dass die Folge viel über den steinigen Weg was soziopolitische Entwicklungen angeht spricht. Rosa Parks hat halt nicht einen Abend mal ihren Platz im Bus nicht für einen Weißen aufgegeben, und Boom Rassismus war abgeschafft. Stattdessen haben sie und ihr Mann ihre Jobs verloren und sind ihre Bemühungen im Kampf gegen Rassismus erst fast ein halbes Jahrhundert später geehrt worden. Aber nur weil sich nicht sofort was ändert, nur weil man dafür nicht geachtet wird, bedeutet das nicht, dass man den Kampf für eine bessere Welt aufgeben sollte. Zudem wird auch der Rassismus im Kleinen gezeigt. Wir haben immerhin zwei nicht-kaukasische Companions, die sich kurz darüber unterhalten, dass sie auch in 2018 immer noch ein Stück weit diskriminiert werden. Und die Folge zeigt halt auch sehr gut, wie durch und durch der Rassismus damals kulturell einfach im System verankert war. Rosa kommt bei vielen ihren weißen Mitbürgern durchaus als sympathisch und respektiert an – so lange, wie sie sich nicht über die für Schwarze geltenden Regeln hinwegsetzt, dann dreht sich das Blatt sofort, wird gar nicht hinterfragt, ob dies überhaupt Ok ist.

Und diese respektable Folge wird direkt gefolgt von Arachnids in the UK. Und was drauf steht, ist auch drin. Endlich von der kleinen Odyssee zurück im Vereinten Königreich, wird das im Untergrund von enorm großgewachsenen Spinnen bedroht. Interessant hierbei ist allerdings, dass ein US-Präsidentschaftskandidat und unmoralischer CEO einer großen Firma, hinter dieser unfreiwilligen Entwicklung steckt, um die Kosten seiner Unterfangen möglichst gering zu halten.

Es ist also doch ein wenig Kritik mit drin, besonders eben gegen große Firmen, die zwar ewig viel Kohle scheffeln, aber zur Optimierung noch mehr Kohle scheffeln zu können, jede ihnen gegebene Möglichkeit nutzen, die Regeln zu biegen oder sie eventuell sogar brechen. Und vor allem auch, dass Unwissenheit, gerade wenn es eher geflissentliches Ignorieren von Nebenwirkungen ist, nicht von Schuldigkeit befreit. Letztendlich ist noch wichtig, dass diese Folge jene ist, in der die Gruppe richtig zusammengewachsen ist, und alle feste Companions werden.

In The Tsuranga Conundrum stranden sie prompt wieder, diesmal auf einem Medic-Schiff, welches von einem allesfressenden, süßen, aber grundsätzlich nicht aggressiven Alien heimgesucht wird. Eine Episode mit dünner Handlung, die mehr dazu da ist, die verschiedenen Charaktere miteinander witzeln zu lassen. Außerdem hat man ein wenig Spaß mit der für uns natürlich ungewöhnlichen Mpreg-Situation eines Aliens, sowie die Familienverhältnisse zweier anderer Passagiere und ihrem Cyborg. So langsam kommt die Truppe halt wirklich in ihren Rhythmus, die Persönlichkeiten spielen miteinander, und der Enthusiasmus der Doktorin gegenüber Technik und Wissenschaft darf auch viel der Folge tragen. Dennoch ist denke ich mal an der Kürze meiner Meinung zu dieser und der vorigen Folge zu sehen, dass ich sie als Ok aber nicht herausragend einstufe. Müssen sie ja auch nicht alle sein. Sind sie auch nicht alle.

Bei Demons of the Punjab ändert sich dies allerdings. Denn hier haben wir meine Highlight-Folge der Staffel, auch noch vor Rosa. Fängt eigentlich normal genug an, denn Yas möchte einfach mehr über die Teile der Vergangenheit ihrer coolen Großmutter wissen, über die jene bisher immer geschwiegen hat. Also zeitreisen sie an den Tag, an dem die muslimische Oma einen Hindu heiraten sollte. Welches genau der Tag ist, an dem Indien und Pakistan voneinander getrennt wurden. Mit der neuen Landesgrenze direkt durch das Grundstück der Familie verlaufend. Ach ja, Aliens gibt es auch, damit es kein reines Historical ist, und stattdessen die SciFi-Quote erfüllt wird, aber nachdem klar wurde, dass sie ein roter Hering sind, werden die nicht mehr wichtig, obwohl die Endszene mit ihnen schon sehr nett ist.

Eine sehr interessante Folge, in der es darum geht, wie Religion doch Menschen trennen kann. Selbst Menschen, die bis dato seit Generationen friedlich zusammenlebten. Wie einfach sich Leute im Fluss der Revolution und Veränderung gefangen und manipulieren lassen können. Patriotismus vor Nächstenliebe stellend. Das alles sind natürlich eher luftige Themen. Und dahingehend trifft die Folge genau die richtige Entscheidung, dies aufs kleine Level zweier Familien niederzubrechen. Dadurch wird dieses größere soziologische Problem greifbarer, nahbarer, persönlicher. Es ist einfacher sich mit dem Schicksal einer Hand voll Leute zu identifizieren, als mit der Realität eines ganzen Landes. Hat bei Rosa und Rassismus natürlich schon funktioniert, aber da ging es eben auch um eine historische Figur. Hier geht es um niemand wichtigen, bekannten, sondern einfach darum, was die exemplarisch aus Jedermann machen kann. Auch ein cleverer Titel, der uns zunächst denken lässt, die Aliens seien die Dämonen – aber ging es letztendlich nicht um den Dämon, der sich in den Separatisten festgefressen hat? Jedenfalls war das eine wirklich gute Folge, die gegen Ende echt rund zusammenkommt.

Darauf folgt eine Folge mit dem Titel Kerblam! Das Ausrufezeichen ist inkludiert. Und wir sagen Willkommen zur Hölle des Kapitalismus mit Space Amazon, wessen Logistikzentrum einen ganzen Mond einnimmt und damit unter eigener Jurisdiktion steht. Alles ist automatisiert, was Massenarbeitslosigkeit zur Folge hat, weswegen zumindest ein schwaches Gesetz in Kraft getreten ist, dass 10% aller Arbeitskraft von Menschen verrichtet werden muss. Die von Cyborgs überwacht und jederzeit zum effizienten Arbeiten angehalten werden. Die Doktorin hat einen Hilferuf von hier erhalten, dem nachgegangen werden muss.

Für mich war das ein wenig die Folge der verpassten Möglichkeiten. Sie portraitiert immer noch eine ziemlich suboptimale Zukunft, und ich finde es ja auch echt hinreißend, dass die Massenvernichtung hier durch Pastik-Bubblewrap geschehen soll. Aber das wirkt alles so ein wenig wie Hintergrund-Stagesetting, statt sich wirklich viel auf aktuelle Probleme zu beziehen was sowohl die Arbeitsbedingungen in Großkonzernen, die Umweltzerstörung durch unregulierten Kapitalismus, oder die Zukunft der Automatisierung angeht. Dazu komme dann noch, dass für die überraschende Wendung eben nicht die Cyborgs oder die alles leitende KI des Systems die Bösen sind, sondern ein menschlicher Arbeiter sich zum Terrorismus gezwungen sind, um mehr Rechte zu erzwingen. Ich hätte hier echt lieber eine überspitzte Kapitalismus-Dystopie gesehen.

Ähnliches würde ich auch bei The Witchfinders attestieren. Diesmal landen die Vier eben in der Mitte einer riesigen Hexenjagd. Nicht im Sinne von Landesweit, wobei impliziert ist, dass sowas überall und jederzeit im aktuellen Angstklima geschehen kann. Nein, es ist eigentlich ein kleines Dorf am Rande des Bekanntseins, welches aber von seiner Demagogin hart in die Hexenverfolgung geführt wird, welches bereits über 30 Opfer forderte. Der exzentrische und ebenfalls überall Satan fürchtende König James kommt auch vorbei. Und am Ende waren es Aliens (SciFi-Quote erfüllt) und die Anführerin des Dorfes wollte nur von sich selbst ablenken, im dem sie auf alle andren zeigte und laut genug „Hexe“ schreit.

Interessant ist, dass dies die erste Folge darstellt, in der Nummer Dreizehn das neue Geschlecht in den Weg kommt, weil König James ihr nicht zutraut eine Anführer-/Machtposition hat. Merkwürdig, wenn die Gemeinde an sich auch von einer Frau geführt wird. Ist ja nicht so, dass es im Mittelalter nicht mächtige Frauen gab, auch wenn viele wie die hiesige in die Position kamen, weil sie mächtige Männer heirateten und dann verwitweten. Jedenfalls fand ich es auch gut, dass die Folge anführt, dass viel bei der Hexenverfolgung eben Paranoia war. Und zwar teilweise davon, dass da jeder jeden jederzeit als Hexe brandmarken könnte, man auch einfach nur schnell genug auf den Nachbarn zeigt und „Hexe“ proklamiert, bevor der selbiges mit einem macht. Auch sehr erheiternd war das absolut überspitzte Schauspiel von Alan Cummings als König James, der daraus sozusagen seinen Jack Sparrow macht. Leider finde ich beißt er sich etwas mit dem Rest der Folge. Wir haben hier den absolut abgedrehten Kerl, und dann aber eine sehr seriöse und ernsthafte Hexenverfolgung am Laufen. Auch wenn die Doktorin im vorwirft, dass sein foppisches Gehabe selbst nur eine weitere Maske ist, um die eigenen Ängste zu übertünchen, will er nicht so ganz passen. Ganz wie Kerblam! war auch The Witchfinders keine schlechte Folge, ich denke nur es hätte mehr draus gemacht werden können, wenn die Folge düsterer geworden wäre, ohne den schrägen König und ohne die Aliens.

Als nächstes haben wir It Takes You Away, und die reiht sich da ganz gut ein. Diesmal landen alle in Norwegen, finden eine verbarrikadierte Hütte im Nirgendwo, welches nachts von einem Monster behelligt wird. Einzige Einwohnerin ist ein blindes Mädchen, deren Vater verschwunden ist. Gleichzeitig ist hinterm Spiegel eine gefährlich-alptraumhafte Nebendimension versteckt, die zu einer Spiegelwelt der echten führt, in welcher besagter Vater mit seiner toten Frau abhängt, die hier wieder lebendig ist.

Ich glaube dies ist die erste Folge, die wirklich davon profitiert hätte, wenn man sich nicht darauf festgelegt hätte hier jede Episode in sich geschlossen zu behandeln. Denn es passiert viel, und viel davon gegen Ende sehr abrupt. Ein bisschen mehr Raum zum Atmen wäre schön gewesen. Ich fand es sehr schön, dass die Folge zeigt, wie schwer es ist, geliebte Menschen loszulassen, so dass man sich an deren Bild eventuell selbst dann noch klammert, wenn man weiß, dass dies nur eine Scharade ist. Ich fand auch den ernsthaften Austausch zwischen der Doktorin und der denkenden Dimension interessant – inkompatibel aber eigentlich nur dem Alleinsein überdrüssig. Aber es ist halt etwas überstürzt am Ende. Sowohl das Loslassen, sowie das die Doktorin eigentlich gleich schon wieder befreit wird, und dass der Vater streng genommen ein Arsch ist, der seine Tochter vernachlässigt und betrogen hat, ist irgendwie auch kein Thema.

The Battle of Ranskoor Av Kolos ist dann das Finale der Staffel. Tatsächlich ist das Alien aus der ersten Folge zurück. Oder genauer gesagt ist es das nicht, die versehentliche Verbannung dort hat ihn nur passenderweise auf den Planeten mit zwei sehr mächtigen Aliens gebracht, die ihn als ihren Gott ansehen, was der auszunutzen weiß, um beispielsweise Planeten zu klauen. Die Doktorin und ihre Companions kommen nur zufällig ebenfalls hierher und müssen ihn aufhalten.

Es ist natürlich nett, dass man sozusagen den Kreis schließt, in dem man den Schurken der ersten Folge wieder aufgreift. Zumal so Graham nun auch komplett den Verlust seiner Frau aus der Folge überwinden bzw. verarbeiten kann. Aber das ändert halt nix daran, dass ich das Alien weiterhin für kaum interessant und kaum respekteinflößend ansehe. Auch nett ist sicherlich, dass blindem Glauben gegen besseren Wissens und Gewissens zu folgen echt scheiße ist. Glauben darf man gern, aber dabei eben nicht aufhören Dinge zu hinter- und erfragen. So ein wenig ein Solala-Ok-Ende ist es halt trotzdem.

Ist es so gesehen aber auch nicht komplett. Doctor Who mag was eine Staffel angeht das Jahr 2019 aussetzen und erst 2020 mit Series Twelve kommen. Und es mag auch keine Weihnachtspecials mehr geben. Aber so komplett wird das Jahr nicht aufgegeben, denn die Specials sind ab jetzt zu Neujahr anberaumt. So auch dieses Jahr dann Resolution über die Bildschirme lief. Mit der vollen Stunde wieder leicht aber unwesentlich länger.

Viel dazu gibt es nicht zu sagen, um ehrlich zu sein. Es ist eine weitere Dalek-Episode. Denn was wäre ein neuer Doktor, welcher nicht zwangsläufig irgendwann auf die Zugkraft der altbekannten Stütze der Daleks zurückgreift? Ich habe immer ein wenig eine Aversion gegen sie, da ich sie zu überbenutzt finde, sie nie so enorm gefährlich erscheinen wie alle immer von ihnen behaupten, und ihre Folgen oft einfach zu den schwächeren einer Staffel zählen. Aber Resolution war schon ziemlich gut. Ein wenig familiäre Beziehungen sind drin, die Sache ist kurzweilig und mit viel Action unterlegt, alles ziemlich unterhaltsam.

Als Fazit zur ersten Staffel mit Jodie Whittaker als Thirteen bleibt mir zu sagen, dass ich sie gut fand. Es gibt bessere und schlechtere Folgen, vor allem auch einige, die etwas langweiliger als andere sind, aber so richtig schlecht fand ich keine davon bisher.

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