A Knight of the Seven Kingdoms

Es ist passiert. Nachdem ein Jahr pausiert wurde, ging kürzlich die absolute Hypeserie Game of Thrones mit 73 Folgen in 8 Staffeln zu Ende. Nie wieder der Drachenmutter zujubeln. Nie wieder interessante Lannister-Intriegen miterleben. Nie wieder von Jon Snow zu Tode gelangweilt werden. Es ist vorbei… und keiner mochte es. Die Staffel mag die höchsten Einschaltquoten, aber auch mit Abstand die schlechtesten Kritiken eingefangen haben. Ich gehe diesmal gleich auf einer Folgen-zu-Folgen-Basis durch die verkürzte 6-Episoden-Finalstaffel.

Mit neuem Opening übrigens! Ich mochte ja immer das Schwenken über das Diorama der Welt, welches einem schön zu Beginn jeder Episode gezeigt hat, welche Orte aktuell wichtig sind, damit man einen besseren kartographischen Bezug zu den Schauplätzen hat. Das bleibt beibehalten, aber wir sehen jetzt auch direkt, dass es eigentlich nur noch um zwei Lokalitäten und den Kampf dreier Häuser geht, in dem vom zerstörten Wall aus direkt durch Winterfell und nach King’s Landing zum Eisenthron gezoomt wird.

Das Thema der ersten Episode ist dabei zum Großteil jenes der komplexen Familienbeziehungen. Jon Snow und Daenerys sind immer noch verliebt, jedoch findet Jon heraus, dass er ebenfalls ein Targaryen und als Mann natürlich der rechtmäßige Erbe des Eisenthrones ist. Jon und Sansa sind immer noch ein wenig bröckelig, weil er den Titel als König des Nordens nicht angenommen hat und nun auch noch Daenerys mitbringt. Die Greyjoys kämpfen weiter miteinander und Theon entschließt sich letztendlich seiner Adoptivfamilie Stark zur Hilfe zu kommen. Cercei möchte beide ihrer Brüder für den Verrat an ihr Tod sehen, während Tyrion überrascht ist, dass sie ihr Versprechen bricht, beweisend, dass aus einem der schlausten einer der dümmsten Charaktere der Serie geworden ist. Sam derweil findet heraus, dass sein Bruder und Vater von Daenerys hingerichtet wurden, und obwohl er keine gute Bindung zu jenen hatte, trifft ihn das dennoch hart.

Die zweite Episode hätte ich nicht erwartet. Genauer gesagt hätte ich nicht gedacht, dass die Serie, wenn sie noch fünf Episoden hat, um alles zu Ende zu bringen, die volle Stunde dafür opfert, zu zeigen, wie die Leute, die fürs letzte Gefecht gegen die White Walker zusammengekommen sind, kurz vor deren Attacke verbindende Momente haben. Am besten ist und bleibt sowieso die Beziehung von Brianne und Jaime, und die Szene, in der er sie zum Ritter schlägt, ist definitiv eine der emotionalen Highlights der ganzen Serie. Auch mag ich sehr die Dynamik zwischen Sansa und Daenerys. Die beiden Frauen haben schon gegenseitigen Respekt, weil sie durch ähnliche Schrecken gegangen sind, um in ihrer Position von Macht zu landen. Aber beide wissen auch, dass sie nie miteinander klarkommen werden, eben weil sie ihre Macht nicht aufgeben werden. Ach ja, und Mc Guffin Boredom Stark, der nur dazu da ist, Visionen zu haben, wenn man einen schnellen Weg braucht, um Charaktere Dinge herausfinden zu lassen, ist noch ein größerer McGuffin, weil er auch als Köder für den Night King dient, um eine Ausrede zu haben, warum der nicht hinter seiner Armee bleiben wird.

The Longest Night ist auch die längste Episode, denn jetzt kommen wir zu jenen, die Feature Length haben. Und so ziemlich die kompletten 80 Minuten sind der Kampf gegen die White Walkers. Alles andere wäre wahrscheinlich zu kurz, nachdem dies sieben Staffeln lang hochgehyped wurde. Der geht ungefähr so, wie zu erwarten war. In dem es mehrmals aussichtslos wirkt, sich doch noch was ändert. Und natürlich die Tatsache, dass sobald der Night King stirbt nach Vampirregeln auch alle, die er gemacht hat, sowie das Boredom Stark ihn herauslockt, trotz dramatischer Übermacht der White Walker die menschliche Seite gewinnen lässt. Und Arya darf ihn töten, aber das konnte man sich schon denken, als sie sich die Drachenglaswaffe hat anfertigen lassen. Theon darf sich opfern und hat somit seine Wiedergutmachungs-Arc beendet. Mormont darf sich endlich für seine Königin opfern, die nur in Gefahr gerät, weil ihr Drache dummerweise gerade lange genug vergisst, dass er fliegen oder Feuer speien kann. Die Krypta war kein so gutes Versteck für Zivilisten, wenn eine Armee angreift, die Tote wiederbeleben kann, und keiner sah es kommen. Obwohl, sobald der Night King im Vorgarten steht und die Armee Winterfell überrannt hat, bin ich mir auch nicht sicher, ob es überhaupt noch ein sicheres Alternativversteck gegeben hätte. Ach ja, und die Red Woman darf auch noch mal was machen und dann sterben, was für ein verschwendeter Charakter. Um ehrlich zu sein war dies nicht meine liebste Folge. Ich verstehe, dass der Kampf chaotisch und durcheinander und überfordernd erscheinen soll, und das der Schneesturm wichtig ist, damit die Drachen nicht zu OP sind. Doch die Folge ist so wackelig, dunkel und vernebelt gefilmt, dass man häufig überhaupt nicht erkennt, was überhaupt los ist.

Episode 4 ist echt hart für Daenerys, denn sie muss sich um mehr und mehr Probleme Gedanken machen. Da wäre natürlich zunächst Jon, den sie liebt, der seine Tante aber nicht poppen will, und vor allem ein legitimer Thronnachfolger ist. Den will er gar nicht, sicher, aber Daenerys ist nicht blöd genug, zu glauben, dass die meisten ihn nicht lieber dort sehen würden. Und sie weiß, dass Jon Snow ein Idiot ist, der die Info natürlich prompt nicht bei sich lassen kann. Ich bin mir ja nicht sicher, warum überhaupt so viele Charaktere glauben, dass der Naivling einen guten König abgeben würde. Und natürlich stellt sich weiterhin das Problem, wie sie Cercei besiegen und King’s Landing einnehmen soll, ohne als mordende Tyrannin vom Volk gesehen zu werden. Gerade jetzt, wo sie gern alles niederbrennen würde, nachdem sie einen weiteren Drachen und ihre treueste Freundin und Beraterin verliert. Damit hat Cercei die Drachenkönigin wohl über den Rand getrieben. Ach ja, und Brianne und Jaime ficken. Ich hasse es. Deren eher kameradschaftliche Beziehung fand ich immer viel besser, als da plötzlich was Romantisches draus machen zu wollen. Und natürlich geht Jaime eh zu Cercei zurück, wozu das also?

Lasst mich mal ganz ehrlich sein. Bisher sah ich nicht, warum Season 8 so viel Hass einfährt. Wirklich wesentlich schlechter als die vorigen zwei Staffeln, gerade Season 7, fand ich sie gar nicht mal. Und viele dumme Sachen waren schon in jenen klar angelegt. Jon Snow war schon immer ein naiver Vollidiot. Dass es zwischen ihm und Danny nicht gut enden kann, war klar, sobald wir wussten, dass er ein Thronerbe ist. Es war schon immer klar, dass die Serie nicht gut enden wird. Danny und Sansa oder Danny und Cercei hätten auch nie miteinander klarkommen und gut enden können. Hier hat sich meine Meinung nun geändert. Wie sich Tyrion von Varys verabschiedet oder das Cercei buchstäblich dadurch stirbt, dass ihr Königreich über ihr zusammenbricht, fand ich noch ganz Ok. Doch dann brennt Daenerys die Stadt nieder. Obwohl die sich ergeben haben. Ich würde es sogar noch verstehen, wenn sie in ihrer Rage zur Red Keep geflogen wäre, um diese mit Cercei drin zu zerstören, was auch genug Unschuldige umgebracht hätte, um zu einem Problem für sie zu werden. Allem wahnsinnigen Tagaryen-Blutes und über die Verluste der vorigen Folge über die Klippe getrieben zu werden, macht es für mich trotzdem absolut keinen Sinn, dass sie das komplette King’s Landing niederbrennen würde. Und was war mit der Szene, wenn plötzlich dieses weiße Ross aus dem Nichts auftaucht, damit Arya wegreiten kann? Oder warum ist der eine Piratenkönig vor Ort geblieben, nur um sich mit Jaime ein gegenseitig umbringendes Duell zu liefern? Je länger die Episode andauerte, umso mehr merkte ich, wie ich mich weniger und weniger um die Serie scherte.

Und auch um die letzte Episode nicht mehr. Daenerys ist jetzt also eine selbstgerechte Tyrannin und muss von Jon erstochen werden. Der langweiligste Non-Charakter der ganzen Serie landet auf dem Thron der sechs Königreiche, warum die Staatsoberhäupter jener auch immer meinen noch einen zu brauchen, statt lieber eigenständig weiterzumachen wie der Norden dies tut. Jon Snow geht zurück dahin irrelevant zu sein. Die beiden Stark-Frauen zeigen noch mal, dass sie die einzig coolen Starks sind. Und so klingt die größte Serie der letzten Dekade aus. Und mir ist es ziemlich egal. Hätten die Show-Runner es je geschafft, diesen Koloss in ein zufriedenstellendes Fahrtwasser fürs Finale zu bringen? Gerade ohne auf Bücher zurückgreifen zu können? Gerade nachdem Staffel 7 schon vorahnen ließ, dass es nicht großartig weitergehen wird? War vielleicht unrealistisch zu erwarten. Aber mehr zu erwarten, als geliefert wurde, war irgendwo schon.

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