Academy Weekend – The Shape of Water

Del Toros The Shape of Water ist der Film mit den meisten Nominationen (13 von 24) und auch den meisten Gewinnen (4) der letztjährigen Verleihungen, darunter auch die beiden großen Oscars als Best Picture und Best Director. Nicht schlecht für einen Film, der von Fox Searchlight ein eher kleines Budget zugewiesen bekam, und zunächst auf Filmfestspielen und im Limited Release startete, bevor er flächenweit in die Kinos gebracht wurde.

The Shape of Water dreht sich um Elisa Esposito. Sie ist eigentlich eine sehr unspektakuläre Frau, weder optisch ist sie herausragend, noch lebt sie ein besonders interessantes oder tolles Leben. In einem Apartment über einem heruntergekommenen Filmtheater ist sie angesiedelt, wo sie hauptsächlich mit ihrem schwulen, vom Alter und Misserfolgen gezeichneten Nachbarn lebt. Täglich gibt es ein Ei zum Frühstück, eine schnelle Masturbation in der Wanne, und dann ist es auf zur Arbeit, wo sie in einem vom Militär geleiteten Versuchslabor mit ihrer guten Freundin Zelda die Räumlichkeiten putzt. Besonders an Elisa ist lediglich, dass sie stumm ist, wobei diese Einschränkung ähnlich der Homosexualität ihres Nachbarn oder die schwarze Hautfarbe von Zelda ihr im sozialen Gefüge des Amerikas der 60er eher im Wege steht denn sonstwas.

Doch eines Tages wird ein neues Versuchsobjekt angeliefert, nämlich ein in Südamerika aus dem Amazonas gezogener Fischmensch, der wohl lange Zeit dort als Gott verehrt wurde, und dessen Fähigkeiten eventuell gegen Russland helfen werden. Elisa freundet sich mit jenem Fischmann an, kommuniziert über Zeichensprache mit ihm. Und als das Experiment terminiert werden soll, ist ihr klar, dass sie ihn dort rausholen muss.

Worin The Shape of Water definitiv punktet ist, dass es Herz in seinem Kern hat. Elisa mag kein besonderes Leben führen, aber sie erfreut sich doch an den kleinen Dingen. Und doch, sobald sie ihren Fischboyfriend findet, merkt man ein wenig, dass sie auch gelitten hat. Endlich gibt es jemanden besonderen in ihrem Leben, jemandem dem es egal sein kann, dass sie stumm ist, weil er eh nicht mit Sprache kommunizieren kann. Ihre Freunde sind unglaublich hilfsbereit, wahrscheinlich weil sie selbst auch zu Minderheiten gehören und mehr soziale Empathie mitbringen, sowie ihre Beziehung zum Lagunenmonster sich harmonisch entfaltend. Der Konflikt an sich kommt komplett durch die Militärs ins Spiel, die nicht verstehen wollen oder können, wie besonders ihr Versuchsobjekt ist. Und die im Gegensatz zu unserem Cast an Underdogs scheinbar trotz fehlender Kompetenz rein deswegen, weil sie weiße, uneingeschränkte Hetero-Männer mit genügend Ego, um durch die Welt zu laufen, als gehöre sie ihnen, tatsächlich auch fast automatisch die Karriereleiter hochgefallen zu sein scheinen.

Interessant anzusehen ist natürlich auch mal wieder del Toros übliches Weltdesign. Die Filme von ihm wirken immer irgendwie ein wenig alt. In dem Sinne das er sie gerne in frühere Zeiten steckt, wenn möglich, aber auch moderne einen gewissen Anstrich von Verlebtheit haben. Und seine Filme spielen zwar meist in der realen Welt, doch wirken sie immer ein wenig davon distanziert, ein wenig mehr urbane Fantasy. The Shape of Water scheint so ein wenig in der Welt von Fallout vor der Apokalypse angesiedelt, wo die 60er nie endeten, die aber auch nie komplett wie die realen 60er wirkt, sondern etwas ikonisiert dargestellt erscheint. Und mit einem ordentlichen Anstrich der verlorenen Glorie, mit jede Menge Lokalitäten, die sicherlich in den 30er-Jahren mal neu waren, denen man ihre ehemalige Pracht noch erahnen kann, die aber einfach etwas verlebt und heruntergekommen sind. So auch die vielen Medien, die wir wahrnehmen, von alten Plattenaufnahmen, zu Schwarz-Weiß-Filmen im Fernsehen, aber auch die leicht krisseligen Farbfilme im fast leeren Kinosaal unter ihnen. Fast alles hier wirkt, als hätte es schon seine beste Zeit hinter sich.

Um ganz ehrlich zu sein kann ich gar nicht viel zu The Shape of Water sagen. Ich mochte den Film. Die Atmosphäre, den anderen Hauptcharakter, die besondere Romanze. Kein wirklicher Punkt sprang mir allerdings als besonders nennenswert heraus, sondern es ist mehr das geschnürte Gesamtpacket, welches ich mochte.

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